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Stormarner Wochenschau

 

Stormarner Tageblatt vom 29. Dezember 2007

Feucht fröhliche Gedanken zum Jahresausklang
Neujahrs-Marathon

Andreas Olbertz

Das war nun also das Jahr 2007. War es gut oder schlecht? Das kommt wohl ganz stark auf den jeweiligen Standpunkt oder die persönliche Gewichtung an.

Und wie wird das nächste Jahr? Kann es noch besser werden? Kann es noch weiter bergab gehen? Ist der Zenit überschritten? Ha, wer soll das schon wissen, und schließlich ist auch dies eine Frage der persönlichen Bewertung.

Vielleicht hängt es aber auch davon ab, wie sehr man die Zukunft mal selber in die Hand nimmt. 2008 ist Kommunalwahl. Vermutlich hätte keine Partei etwas gegen Unterstützung einzuwenden. Warum immer nur mäkeln? Selber, nein, besser machen! Sich einbringen, Ideen entwickeln, sie gegen Kritik verteidigen, Mehrheiten finden, Geld locker machen . . . Vermutlich ist das zu viel verlangt. Es wäre allerdings schon viel gewonnen, wenn die Wahlbeteiligung wenigstens hoch wäre.

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Irgendwie ist ja ganz schön tote Hose. Aber was will man schon erwarten von einer Woche mit nur zwei Arbeitstagen. Keine Sitzungen, keine Politik überall nur weihnachtlicher Frieden.

Das heißt, keine Politik stimmt nicht ganz. Die Einladungen zu den Neujahrsempfängen der Parteien sind eingetrudelt. Ob, beziehungsweise was dabei inhaltlich rum kommt, lässt sich jetzt natürlich noch nicht sagen, aber eines steht schon fest: Es wird ein hartes Wochenende! Freitagabend, 11. Januar, geht es mit der FDP los. Die feiert nicht nur sich selber, sondern auch gleich den 60. Geburtstag ihres Fraktions-Chefs Karl-Reinhold Wurch. Das wird bestimmt länger dauern. Vergangenes Jahr hat Bezirksvorsitzender Klaus Schröder das fehlende Kuchenbüfett bemängelt. 18.30 Uhr legen die Liberalen diesmal los – es scheint so, als ob das in diesem Jahr auch wieder nichts wird.

Aber dem Mann kann ja geholfen werden. Am Tag darauf bittet nämlich die CDU ins Bürgerhaus. Neben dem Vorsitzenden der Landtagsfrak-tion, Dr. Johann Wadephul, ist dort ab 15 Uhr auch Kuchen angekündigt. Als ob das nicht schon genug des Guten wäre, nein, am Sonntag geht es nahtlos weiter: 11 Uhr, SPD, auch im Bürgerhaus. Einlass ab 10.30 Uhr – die besten Plätze sind schnell weg. Im Ablaufplan stehen „Grußworte“. Oha, da hat die CDU dieses Jahr vorsichtshalber drauf verzichtet. Die hatten nämlich vergangenes Jahr unangemeldeten Besuch vom Finanzminister und damaligen Kreisvorsitzenden Rainer Wiegard. Und der ließ es sich nicht nehmen, in seinem Grußwort den Parteifreunden die Leviten zu lesen. Da ahnste als Stadtverbandsvorsitzender nichts Böses und dann sowas.

Vielleicht kommt Staatssekretär Franz Thönnes ja aus Ammersbek kurz vorbei, um den Oldesloer Genossen ins Gewissen zu reden: „Mehr soziale Gerechtigkeit, warmes Essen, Bildung für alle ...“ Und dann hechtet der Bürgermeister noch ans Mikro: „Wenn ihr noch mal behauptet, ich hätte euch mit Nazis verglichen, verklage ich euch. Diesmal wirklich!“ Das verlangt nach einer Gegenrede. Schwupps ist es 13 Uhr, eigentlich sind alle hungrig und überhaupt: Es ist Zeit für ’ne Mittagsstunde. Aber nein, es kommt ja noch der Rückblick. „Revue passieren lassen“ heißt das in den Einladungen unisono. Ja wenn da wirklich mal eine Revue passieren würde... Das könnte allerdings bei der FDP der Fall sein. Die hatten 2007 über alle Parteigrenzen hinweg „Otto vom Markt“ Fickel verpflichtet. Vielleicht führen sie ja dieses Jahr den legendären Beitrag von „Extra 3“ vor. Da spielt Otto Fickel ja auch drin mit. Die blau-gelben haben sich fein rausgehalten, da kann man sich gut über die anderen amüsieren. Kann man das wirklich aushalten? Echte Polit-Marathonis müssen Stehvermögen beweisen. Andererseits, nüchtern betrachtet: Ein Wochenende kommt’s knüppeldick, aber dann haben wir es hinter uns.

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Eines der großen Themen im vergangenen Jahr war, ist und bleibt im kommenden die Ämterfusion. Was gibt es nicht alles an schönen Gutachten, in denen vorgerechnet wird, was an Einsparungen zu erwarten ist. Solche bedruckten Seiten hat bestimmt auch Günther Borcherding gelesen. Er wird Tangstedts erster ehrenamtlicher Bürgermeister, wenn die Gemeinde zukünftig von Itzstedt verwaltet wird. Dort war gutachterlich vorgerechnet worden, dass von der „Hochzeitsprämie“ noch ein paar Scheinchen über bleiben, wenn die Kosten der Fusion abgezogen sind. Aber noch bevor irgendwer überhaupt dem Einigungsrausch verfallen konnte, ist die Katerstimmung schon groß. Der Spaß wird nämlich mal eben eine Viertelmillion teuer. Das ist doch ein Auftakt nach Maß.

Vielleicht sollte man in Oldesloe sowie Bargteheide die Gutachter noch mal in die Amts- und Ratsstuben zitieren und ihnen eine Kontrollrechnung ans Herz legen. Nicht, dass versehentlich, geblendet von imposanten Zahlen, falsche Entscheidungen getroffen werden, denn Scheidungen und Kranzgeld sind in den Plänen von Noch-Innenminister Ralf Stegner nicht vorgesehen. Aber den Landgemeinden geht es ja gar nicht um den schnöden Mammon, sondern ausschließlich um ehrliche Gefühle. Und beim Blick in die angrenzenden Städte regt sich rein gefühlsmäßig eben gar nichts.

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Silvester? Hallo, da war doch was? Richtig: Gute Wünsche, kluge Ratschläge und schnell vergessene Vorsätze. Da kann man leicht in Tüdel kommen: Was ist wirklich ernst gemeint, was ist nur eingeflüstert und was sind Boshaftigkeiten? Ach herrje und zu allem Überfluss könnte es ja auch noch Missverständnisse geben. Jede Menge Glatteis, auf das sich eigentlich nur einer traut: Unser Karikaturist Götz Wiedenroth hat sich der Thematik mit spitzer Feder angenommen.

Einen guten Rutsch, viel Erfolg, Spaß und Gesundheit für das kommende 2008 wünscht Ihnen allen

das Stormarner Tageblatt.

Stormarner Wochenschau

Stormarner Tageblatt vom 22. Dezember 2007

Von Hohen Häusern, Barmherzigkeit und Kompromissen
Würde und Schwachsinn

Andreas Olbertz, Volker Stolten und Rolf Blase

Andreas Olbertz, Volker Stolten und Rolf Blase
Andreas Olbertz, Volker Stolten und Rolf Blase

 

Die Kreisgeschäftsstelle der CDU ist mit Graffiti beschmiert worden. Und wer ist es gewesen? Hobbydetektive an die Lupen, jetzt wird ermittelt. Sherlock Humbug nimmt Witterung auf. Sollte es tatsächlich jemand von der SPD gewesen sein? Haben CDU-ler gar selber zur Spraydose gegriffen? Sind die Grünen verspätet auf den Aktionismus-Zug aufgesprungen? Waren es gar gedungene Schmierulanten? Wenn ja, von wem? Ein Keim des Misstrauens und der Unterstellung wuchert. Mal sehen, was uns der Wahlkampf noch alles an Nettigkeiten beschert.

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Karl Reinhold Wurch von der FDP ist nicht nur ein rechtskundiger Stadtverordneter, nein, er glänzt auch immer wieder durch subtilen Humor. Im nichtöffentlichen Teil der Stadtverordnetenversammlung wurde über den Nachtrag des Reddervertrags beraten. 20 000 Euro soll die Erschließungsgesellschaft bekommen, weil auf einigen Grundstücken Erde aufgeschüttet werden muss. In der Sitzung, so wird verstohlen, weil ja streng geheim kolportiert, tauchte die Frage auf, warum das Ganze mit Anwaltskosten verbunden sei. Wurch als Mann vom Fach soll daraufhin geantwortet haben: „Schenkungen müssen notariell beurkundet werden.“ Wahrheiten können manchmal ganz schlicht sein.

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Gerold Rahmann meldet sich zurück. Wie Kai aus der Kiste hatte er bei der Stadtverordnetenversammlung seinen Auftritt. Er war nicht nur mal gut vorbereitet und in spritziger Rede-Laune, nein er stülpte sich auch noch eine Tüte über den Kopf und machte sich zum Gartenzwerg. Die Reaktion von CDU-Sprecher Rainer Fehrmann ließ nicht lange auf sich warten: „Die Würde der Stadtverordnetenversammlung und die Achtung vor den gewählten Vertretern der Stadt hat er damit erneut mit den Füßen getreten.“ Ja, das kann man so sehen. Andererseits hat er etwas Spaß in die Bude gebracht. Er hat sich selber zum Kasper gemacht, sich ganz alleine zur Witzfigur degradiert, über die sich alle mehr oder weniger offen amüsiert haben. Da ist der Professor relativ schmerzfrei, und alle anderen sollten es auch sein.

Die Würde des Hohen Hauses und vor allem die der Politiker wird viel mehr beschädigt, wenn in scharfen Wortbeiträgen Einzelne persönlich angegriffen werden. Wenn die Redner sich nur noch gegenseitig angiften und verunglimpfen, wenn mit Häme, Unterstellungen und falschen Behauptungen operiert wird. Auch das hat mit „Achtung vor den gewählten Vertretern“ zu tun. Aber da spricht keiner von, das scheint nicht wichtig zu sein. Rahmanns Ausspruch: „Frau Klahn, du sprechen mit gespaltene Zunge“, ist da schon hart an der Grenze. Unser Karikaturist Götz Wiedenroth hat sich des Theaters jedenfalls auf seine ganz spezielle Art angenommen.

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Gerold Rahmann hatte es vorher geahnt: „Da wird nur Zeit verbrannt, die wir nicht haben.“ Deshalb ist er gar nicht erst zum Gespräch mit dem Chef des Straßenbauamts beim Bürgermeister gegangen. Die SPD sah auch keinen Handlungsbedarf weil die Entscheidung längst gefallen war. Aber CDU, FDP und Grüne waren da. Und sie alle sahen sich nachher in ihren Positionen bestätigt. Irgendwie scheint jeder genau das gehört zu haben, was er hören wollte. Ein Indiz ist die Tatsache, dass die einen immer noch von 18 Bäumen sprechen und die Anderen von 235, die gefällt werden müssen. Die einen sagen, es gibt keine Alternative, die anderen sehen keine zwingende Rechtsgrundlage. Von wirklicher Erhellung oder gar Annäherung kann also keine Rede sein.

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Wann sollen sich Wünsche erfüllen, wenn nicht Weihnachten: Und so könnte das Jahr auch für Astrid Stiller, die Chefin des Reit- und Therapie-Centers an der Alten Landstraße 89 in Bargteheide, noch ein versöhnliches Ende nehmen. Denn jetzt zeigt sich die Stadt von ihrer barmherzigen Seite und bietet trotz der Baufälligkeit der Gebäude an, den Pachtvertrag bis April/Mai zu verlängern – wenn sich der Förderverein oder die Eltern bereit erklären, die Nutzung auf eigene Gefahr auszuüben. Da der Reitwartin das Wasser bis zum Hals steht, kommt ihr dieses Angebot sicherlich gerade recht. Denn normal muss sie aufgrund der maroden Bauten bis Ende des Jahres ihre Sachen packen und mit ihren 13 Pferden und Ponys raus. Zwar hat sie ein neues Zuhause gefunden, aber der Therapie-Betrieb kann am neuen Standort erst im Mai nach der Fertigstellung einer Reithalle richtig Tritt fassen. Bis dahin müsste sie sich finanziell über Wasser halten, was sie nicht kann. Die benötigten 12 000 Euro schüttelt man nicht einfach so aus der Pferdedecke. Aber vielleicht braucht sie das gar nicht mehr. Es ist Weihnachten, die Zeit, in der Wünsche wahr werden.

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Als „Schwachsinn“ geißelt CDU-Fraktionschef Joachim Wagner den Kompromiss der Kieler zur Elternbeteiligung an den Schulbuskosten. Schließlich hatte er beim CDU-Parteitag durchgesetzt, dass es ohne eine gleichwertige Entlastung der Kreise kein Zurück geben dürfe. Gibt es aber doch, und zwar in Form der alten Kann-Regelung. „So kann man nicht mit der Basis umgehen. Entweder macht man die Schülerbeförderung kostenlos oder nicht. Jetzt geht das Spiel mit guten Kreisen und bösen Kreisen wieder von vorne los“, befürchtet Wagner. Stormarn hatte das schon hinter sich. Und jetzt vor der Kommunalwahl wieder vor sich.

Grabau ist einstimmig für die Ämterfusion

Stormarner Tageblatt vom 22. Dezember 2007

Grabau ist einstimmig für die Ämterfusion

Als erste Gemeinde aus dem Bereich Bad Oldesloe-Land und Bargteheide-Land hat sich Grabau jetzt für eine Fusion der beiden Ämter ausgesprochen. Mehr noch: Es gab deutliche Worte der Kritik in Richtung Innenminister.

Grabau/gus

– Mit dem Beschluss soll dem Innenministerium in Kiel Druck gemacht werden, endlich eine Entscheidung zu treffen.

Der Antrag, über die Ämterzusammenlegung zu beraten, kam von Christian Rieken (Wählervereinigung WGG). Ihn hat das ganze „Palaver“ verärgert. Am meisten stört Rieken allerdings eine Aussage von Innenminister Dr. Ralf Stegner (SPD). Der hatte in einem Gespräch gesagt, der Antrag auf Fusion der Ämter könne ruhig gestellt werden. Er würde den dann in eine Schublade einschließen und nicht darüber entscheiden. Hintergrund: In Kiel würde man es lieber sehen, wenn die Landgemeinden mit den jeweiligen Städten fusionierten oder Verwaltungsgemeinschaften eingingen. Die von den Ämtern Bad-Oldesloe-Land und Bargteheide-Land beschlossene Hochzeit – die auf Grund ihrer Einwohnerzahlen auch selbstständig bleiben könnten - ist hingegen nicht im Sinne des Innenministerium.

„Es liegt alles vor. Die Gutachten sind vorhanden. Es kann in Kiel eine Entscheidung, wie immer die auch aussehen wird, getroffen werden“, so Rieken. Man könne den Lauf der Zeit nicht aufhalten. Ursprünglich sollte die Fusion bereits zum 1. Januar 2008 in Kraft treten. Doch auf eine entsprechende Anfrage, ob Kiel die Fusion genehmigen würde, gibt es seit Monaten keine Antwort vom Innenministerium.

Auch Seitens der Verwaltung gab es Schelte für den Innenminister. „Aus meiner Sicht kann der Minister entscheiden. Ich habe aber das Gefühl, man bremst uns aus“, so Bernd Sulimma, Leiter der Amtsverwaltung Bad Oldesloe-Land. Sulimma betonte, dass durch die Ämterfusion keine Verschlechterung für die Bürger der Gemeinden entstehen werde. Auch wenn Bargteheide Sitz der gemeinsamen Verwaltung sei, könnten die Bürger aus Bad Oldesloe-Land weiterhin ihre Angelegenheiten in Bad Oldesloe erledigen. Entweder in einem gemeinsamen Dienstleistungszentrum in Kooperation mit der Stadt oder in einer Oldesloer Außenstelle des neuen Amtes.

In ihrem einstimmig gefassten Beschluss für die Ämterfusion fordern die Grabauer die übrigen Kommunen aus den beiden Ämtern auf, ebenfalls jetzt darüber klar zu entscheiden. So könne der Druck auf die Landesregierung erhöht werden. „Notfalls können wir den Innenminister dann auch vor den Kadi zerren, wenn in Kiel keine Entscheidung getroffen wird“, so Rieken. Dirk Gusick

Der Wanderweg ist (fast) weg

Stormarner Tageblatt vom 22. Dezember 2007

Der Wanderweg ist (fast) weg

Bad Oldesloe/ol

– Der Beste-Wanderweg im Kurpark ist gesperrt. In Teilen gibt es den Weg gar nicht mehr. Hochwasser hat die obere Schicht des Weges weggespült. Darunter kommen alte Feld- und Ziegelsteine zum Vorschein. „Damit dort niemand fällt und sich die Knochen bricht, mussten wir den Weg sperren“, erklärt der Verwaltungs-Chef. Für ihn war das kein neues Erlebnis: „Das war schon in meinen Kindertagen immer mal wieder überflutet. Das ist Natur.“ Es habe sich positiv bemerkbar gemacht, dass die Barnitz im Bereich Ölmühle bei Rethwisch verlegt worden sei. Dadurch habe das Wasser dort Vernässungsflächen gefunden und konnte sich ausbreiten. Das hatte zur Folge, dass das Wasser über die Beste erst später in Oldesloe angekommen sei. Tassilo von Bary ist überzeugt: „Das hat sich als positiv erwiesen.“ Andernfalls hätte das Beste-Hochwasser die Trave noch weiter ansteigen und vermutlich im Altstadtbereich über die Ufer treten lassen. Bei besserer Wetterlage soll der Weg wieder hergestellt werden. Wieder mit einer wassergebundenen Schicht. Bürgermeister von Bary: „Ich weiß nicht, ob Gehwegplatten so ideal wären. Da spielt die untere Naturschutzbehörde bestimmt nicht mit. “ Ein Bohlenweg ähnlich wie am Brennermoor sei zwar denkbar, aber vermutlich viel zu teuer und damit unwirtschaftlich.

 

Farbanschlag auf CDU-Geschäftsstelle

Foto Carstens

Lübecker Nachrichten vom 21. Dezember 2007

Farbanschlag auf CDU-Geschäftsstelle

Unbekannte sprühten weiße Kreuze und Schmähung an die Fassade

BAD OLDESLOE – „Eine Verrohung der Sitten ist eindeutig zu erkennen“, erregte sich Horst Möller, Fraktionsvorsitzender CDU Bad Oldesloe, als er von der Schmierattacke auf die Kreisgeschäftsstelle in der Schützenstraße erfuhr. Sven Müller, Geschäftsführer des Kreisverbandes, hatte den Farbanschlag als erster entdeckt, als er gegen 8.15 Uhr an seiner Arbeitsstelle eintraf.
Für die CDU ist klar, wer – zumindest mittelbar – für diese Aktion verantwortlich ist. „Die SPD kann ohne Sanktionen Bäume beschmieren und animiert dadurch ganz offensichtlich Chaoten und Wirrköpfe, in diesem Stile weiterzumachen, ohne Rücksicht auf fremdes Eigentum“, schimpfte Möller. Den finanziellen Schaden tragen die Hauseigentümer, das Ehepaar Pöhlsen. Laut Müller handele es sich um Lackfarbe, die nur ganz schwer zu entfernen sei. Auch Müller schob SPD, Grünen und Umweltschützern den Schwarzen Peter zu, ganz nach dem Motto „Die Geister, die ich rief . . .“ Man müsse sich nicht wundern, wenn man mit einer Protestaktion wie dem Bemalen der Alleebäume an der B 75 zum einen ins Fernsehen wolle, zum anderen aber – wenn auch ungewollte – Nachahmer finde.
Von der SPD gab es darauf eine kurze und knappe Replik: „Unser Stil bleibt die politische und faire Auseinandersetzung“, sagte SPD-Chef Hagen von Massenbach. Und weiter: „Wir stehen zu all unseren Aktionen. Sie mögen grenzwertig sein, aber niemals rechtswidrig!“ Auch die Grünen distanzierten sich. Uwe Stephenson sagte: „Wir bedauern die Sachbeschädigung. Den Vorwurf geistiger Brandstiftung weisen wir zurück. Denn wer solchen Naturfrevel beschließt, muss sich über eine weitverbreitete Wut in der Bevölkerung nicht wundern.“ unk

 

Baum-Rache? Graffiti-Attacke auf CDU-Büro

Stormarner Tageblatt vom 21. Dezember 2007

Baum-Rache? Graffiti-Attacke auf CDU-Büro

Da sind sich alle einig: Mit Politik hat das nichts zu tun. Die Geschäftsstelle der CDU ist mit Parolen beschmiert worden.

Bad Oldesloe/ol

– Als der CDU-Kreisgeschäftsführer Sven Müller gestern morgen zum Dienstantritt ins Büro kam, traute er seinen Augen nicht. Die Hauswand und ein Parteischild sind mit Kreuzen und dem Spruch „100 Jahre alte Bäume sterben für machtgeile Träume“. Nicht die erste Attacke auf das CDU Parteibüro. „Wenn in Oldesloe heiße politische Themen diskutiert werden, steige ich jeden Morgen mit einem komischen Gefühl aus dem Auto.“ Die Parteizentrale ist bereits mit Panzerglasscheiben gesichert. Nur gegen Schmierereien ist noch kein Kraut gewachsen.

Hintergrund ist ganz offensichtlich der Streit um den Ausbau der B 75 und die damit verbundene Fällaktion von 235 Bäumen. CDU und FDP haben die zusätzlich benötigten 370 000 Euro am Montag bewilligt.

CDU-Fraktionschef Horst Möller ist empört: „Eine Verrohung der Sitten ist deutlich zu erkennen.“ Er sieht SPD und Grüne als quasi geistige Brandstifter dieser Aktion. „Die SPD kann ohne Sanktionen Bäume beschmieren und animiert dadurch ganz offensichtlich Chaoten und Wirrköpfe“, beschwert sich Möller: „Für mich ist das keine politische Meinungsäußerung, sondern eine zu verfolgende Straftat.“ Sven Müller sieht die SPD in der moralischen Verantwortung: „Wenn jemand mit solchen Aktionen ins Fernsehen kommt, können sich andere durchaus animiert fühlen.“ In diesem Fall sei besonders ärgerlich, dass nicht die CDU getroffen werde, sondern ein unbeteiligter Hausbesitzer, der die Schmierereien entfernen muss.

SPD-Fraktions-Chef Hagen von Massenbach lassen die Vorwürfe völlig kalt: „Wer uns für so vertrottelt hält, dass wir so dumm sind, Parolen ans CDU-Büro zu schmieren, der tut mir leid. Ich finde es absolut niveaulos, uns dafür verantwortlich zu machen. Wir haben eine durchdachte politische Ak-tion gestartet. Wer daraus ableitet, er könne Häuser beschmieren, muss wirr sein.“

Auch beim Grünen Gerold Rahmann stößt das Graffiti auf keine Gegenliebe: „Das sind keine Methoden, die wir Grünen unterstützen. Wir sind nur Verbalchaoten.“ Sein Parteifreund Uwe Stephenson wird deutlicher: „Wir bedauern die Sachbeschädigung. Wer solchen Naturfrevel – in eklatantem Widerspruch zu Naturschutzgesetzen und zur gesamten Stimmung pro Natur und Klimaschutz – beschließt, muss sich über eine weit verbreitete Wut in der Bevölkerung nicht wundern.“

Er hat am Vorabend an einem Gespräch mit Vertretern der Oldesloer Verwaltung und des Straßenbauamts teilgenommen. Bei der politischen Bewertung dieses Treffens gehen die Meinungen naturgemäß weit auseinander. Die SPD ist mangels Verhandlungsmasse gar nicht erst hingegangen: „Für uns machte dieser Termin nach der Entscheidung vom Montag keinen Sinn“, äußert sich Maria Herrmann, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD. Außerdem habe der Bürgermeister die SPD nicht eingeladen. CDU und FDP sehen sich in ihrer Position bestätigt. CDU-Sprecher Rainer Fehrmann: „Das Fällen der 18 Allee-Bäume ist und bleibt eine unumgängliche Maßnahme. Bestätigt wurde das, was im WPA erörtert worden ist.“ Anita Klahn von der FDP: „Die Pläne lagen schon 20 Jahre in der Schublade. Das hätte schon längst gemacht sein können.“ Und Uwe Stephenson: „Natürlich ist es enger und gefährlicher als auf anderen Straßen, aber für mich gibt es nach wie vor keinen zwingenden Grund. Es ist alles Ermessenssache. Naturschutzgesetze sind nur Papiertiger, die haben alle Gummiparagrafen.“

Andreas Olbertz

Die Allee ist tot – es lebe die Allee

Lübecker Nachrichten vom 21. Dezember 2007

Die Allee ist tot – es lebe die Allee

Der Kampf um die Allee-Bäume an der B 75 längs des Steinfelder Redders in Bad Oldesloe ist beendet. Das hat ein letztes Gespräch mit dem Leiter des Lübecker  Straßenbauamtes deutlich gemacht.

VON JOACHIM STRUNK
BAD OLDESLOE – Mehr als 1600 Unterschriften hatte dieSPD gesammelt, Anfang November war man gar bei Nacht und Nebel ins Dickicht geschlüpft und hatte in einer spektakulären Aktion alle verfügbaren Baumstämme mit weißen „Todeskreuzen“ bemalt. Doch am Ende hat es nichts genützt. Am vergangenen Montagabend nickte die Stadtverordnetenversammlung von Bad Oldesloe mit den Stimmen von CDU und FDP eine Mehrausgabe für den Straßenausbau und damit auch die Fällaktion ab.
Daran konnte auch ein gemeinsames Gespräch mit dem Leiter des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein in Lübeck, Gerhard Diedrichs, am Mittwoch nichts mehr ändern. Der Grüne Dr. Uwe Stephenson hatte dieses Treffen bei Bürgermeister Tassilo  von Bary initiiert. Neben den genannten drei Personen nahmen auch der Oldesloer Bauamtsleiter Rolf Steinhörster, Diether Schwitzke vom ADFC, Rainer Fehrmann (CDU), Anita Klahn (FDP) sowie Wilfried Janson (Grüne) teil.
Bei dem Gespräch wurde noch einmal deutlich, dass die Sanierung und der Ausbau der B 75 schon lange vor der Anbindung des Baugebietes Steinfelder Redder geplant war. „Von daher hat sich die Situation nicht gestellt, nur einen Radweg zu bauen und die B 75 unangetastet zu lassen“, erklärte Rainer Fehrmann (CDU), Sprecher seiner Partei und Vorsitzender des Umweltausschusses. Da der Radweg so schnell wie möglich gebaut werden sollte und längst überfällig war, hätte in diesem Fall die Stadt Bad Oldesloe für die gesamten Kosten aufkommen müssen, so Fehrmann weiter. „Die Finanzierung durch den Straßenbaulastträger, also den Bund, wäre zu diesem Zeitpunkt höchst unwahrscheinlich.“
Weiterhin machte Diedrichs deutlich, dass das Straßenbauamt wegen der großen Lücken in den Baumreihen auch dem Alleecharakter der B 75 widerspreche.  Darüberhinaus weist die Bundesstraße teilweise nur eine Breite von 5,90 Meter auf. Bei dem gegebenen Verkehr von etwa 9000 Kraftfahrzeugen am Tag, ist aber eine Mindestbreite von 6,50 Meter vorgeschrieben. Schon deswegen wären die Bäume auf der nördlichen Straßenseite nicht zu retten gewesen. Diedrichs wies allerdings darauf hin, dass für die gefällten 18 alten Bäume mindestens doppelt so viele – relativ große und starke – Bäume nachgepflanzt werden sollen, so dass zumindest in ein paar Jahren ein echter Alleecharakter entstehe.

Mit dem Ergebnis des Gespräches zeigten sich letztlich selbst die Grünen einverstanden. Fraktionschef Gerold Rahmann und der am Gespräch beteiligte Wilfried Janson erklärten anschließend in einer Pressemitteilung („Die Allee ist tot – es lebe die Allee!“), dass die Stadt das Lübecker Straßenbauamt beim Wort und in die Pflicht nehmen solle, damit die Allee baldmöglichst wieder aufgeforstet werden soll (Zitat: „Und zwar Zacki Zacki und nicht erst im nächsten Jahrtausend“). Vertreter derSPD hatten an dem Gesprächstermin nicht teilgenommen, was die CDU enttäuscht zur Kenntnis nahm. Maria Herrmann, stellvertretende Fraktionsvorsitzender der SPD: „Wir akzeptieren politische Mehrheitsentscheidungen.“ Zu dem Gespräch sei man nicht eingeladen worden. „Für uns machte dieser Termin nach der Entscheidung vom Montag keinen Sinn.“

Keine Chance mehr für die Allee

Hamburger Abendblatt vom 20. Dezember 2007

Entscheidung: Politiker geben grünes Licht - 235 Bäume werden gefällt

Keine Chance mehr für die Allee.

CDU und FDP schließen Finanzierungslücke in Höhe von 370 000 Euro zum Ausbau der B 75. Baubeginn ist im Januar.

Von Claus Vogel

Bad Oldesloe -

Die Mehrheit der Stadtverordneten hat die letzte Chance verpasst, eine Allee im Nordosten von Bad Oldesloe zu erhalten. CDU und FDP lehnten einen Vorstoß von SPD und Grünen ab, erhebliche Mehrkosten für den Ausbau der B 75 zu nutzen, um über das Projekt erneut zu verhandeln. In dem vor mehr als einem Jahr geschlossenen Vertrag mit dem Landesbetrieb Straßenbau in Lübeck war der Stadt ein fester Zuschuss zugesichert worden. Die jetzt vorliegenden Ausschreibungsergebnisse zeigen, dass der billigste Anbieter 370 000 Euro teurer ist als in den Vorplanungen angenommen (wir berichteten). Diese Summe hat die Mehrheit der Stadtverordneten nun gegen den Widerstand von SPD und Grünen zusätzlich im städtischen Haushalt bereitgestellt. Somit hat sie grünes Licht für den Ausbau eines rund einen Kilometer langen Teilstücks der Bundesstraße gegeben. Ein für gestern von den Grünen initiiertes Treffen mit den Lübecker Straßenbauern, doch noch einen alternativen Plan zu entwickeln, war deshalb chancenlos. Um die Bäume zu erhalten, müsste der von allen Fraktionen gewollte Radweg nicht direkt neben der Fahrbahn, sondern hinter der nördlichen Alleebaumreihe angelegt werden.

Im Januar soll nun mit dem Straßenbau begonnen werden. Dazu werden einseitig die bis zu 80 Jahre alten Alleebäume und eine große Anzahl jüngerer Bäume gefällt. Müssen wirklich 235 Bäume fallen, um rund einen Kilometer Bundesstraße mit einer breiteren Fahrbahn und einem Radweg zu versehen?, fragten die Kritiker des Projekts "Wir sollten alle Spielräume nutzen, um die Allee zu erhalten", forderte Grünen-Fraktionschef Gerold Rahmann.

Er zitierte den von seinem früheren Fraktionskollegen Uwe Stephenson ermittelten Fakt, dass eine breitere Fahrbahn wegen zu geringer Verkehrsbelastung nicht nötig sei. Und SPD-Fraktionschef Hagen von Massenbach warf den Christdemokraten Heuchelei vor. Er höre immer, auch die CDU wolle die Bäume erhalten . Sie sage das zwar, tue aber nichts dafür. Massenbach: "Ich habe die Nase von Ihrer Politik voll. Sie ist scheinheilig, und sie missachtet den Bürgerwillen." Seine Partei habe immerhin rund 1600 Unterschriften für den Erhalt der Allee gesammelt.

In seiner Gegenrede nannte Christdemokrat Rainer Fehrmann die Kampagne zur Alleenrettung unseriös und einen Versuch der Stimmungsmache. "Nur mit dem gleichzeitigen Ausbau bekommen wir Zuschüsse für den Radweg. Wird die B 75 nicht ausgebaut, müssen wir 400 000 bis 600 000 Euro dafür selber zahlen", ergänzte sein Fraktionskollege Siegfried Wobig. Das wird von SPD und Grünen bestritten. Die Schuld an der Fällaktion trügen allein Oldesloer Verwaltung und Politiker. Der Landesbetrieb Straßenbau habe erklärt, ein Radweg werde sogar bezuschusst, wenn er wenigstens in der Nähe der B 75 verlaufe, hieß es.

Anita Klahn (FDP) warf den Kritikern vor, sie hätten das Problem vor 18 Monaten verschlafen. Nun sei es zu spät. "Der Bürgermeister und ich haben in Lübeck bei einem Treffen mit dem Landesbetrieb versucht, die Bäume zu retten. Damals haben sie mich im Regen stehen lassen."

 

Gebührenschock bei Straßenreinigung in Bad Oldesloe

Lübecker Nachrichten vom 20. Dezember 2007

Gebührenschock bei Straßenreinigung in Bad Oldesloe

Bad Oldesloe - Alles wird teurer - auch die Straßenreinigung in Bad Oldesloe. Hier müssen die Bewohner im kommenden Jahr fast doppelt so tief in die Tasche greifen. Die Stadtverordnetenversammlung votierte mit 16 Ja-Stimmen (CDU/FDP) bei drei Nein-Stimmen (Grüne) und sechs Enthaltungen (SPD) für die Gebührenerhöhung. Demnach kostet künftig ein laufender Meter an der Grundstücksfront 4,07 Euro jährlich bei einmal wöchentlicher Reinigung und 5,45 Euro je Meter bei zweimal Kehren in der Woche. Bisher lagen die Gebühren bei 2,70 beziehungsweise 3,44 Euro. Die dreimal wöchentliche Reinigung in der Fußgängerzone ist dagegen nur um sieben Cent gestiegen. Allerdings kostet hier auch der Meter 28,66 Euro im Jahr. Mit dieser Gebührenerhöhung sollen die Einnahmen auf 343 474,24 Euro steigen. Diese Summe wird benötigt, um die Ausgaben zu bestreiten. Im vergangenen Jahr musste die Stadt ein Defizit von knapp 95 000 Euro hinnehmen. Diese Mehrausgaben waren vor allem durch den teuren Winterdienst entstanden. Der macht nämlich den Löwenanteil der jährlichen Kosten aus. Im letzten Jahr waren das 247 000 Euro - 172 000 Euro mehr als im vergleichsweise milden Winter 2005. unk

 

Allee-Bäume: Der letzte große Schlagabtausch

Hagen von Massenbach
Gerold Rahmann

Stormarner Tageblatt vom 19. Dezember 2007

Allee-Bäume: Der letzte große Schlagabtausch

Der Kampf um die Bäume an der B 75 ist verloren. FDP und CDU bewilligten die Mehrkosten. Damit können die Bautrupps anrücken.

Bad Oldesloe/ol

– Das war’s dann wohl für die Allee-Bäume an der B75. Ein heftiger, verbaler Schlagabtausch noch mal in der Stadtverordnetenversammlung, dann hoben CDU und FDP ihre Hände und schon waren 370 000 Euro Mehrkosten für den Ausbau der B 75 gebilligt. Das Fällen und Bauen kann im Januar beginnen. Dieses Ergebnis hatte sich nach der Finanzausschusssitzung vergangene Woche bereits angekündigt.

Trotzdem stiegen sie alle noch mal in die Bütt, da wurden große Reden geschwungen, Geschäftsordnungs- und Zusatzanträge gestellt. Da war richtig Stimmung in der Bude.

Den Auftakt machte der Grüne Gerold Rahmann. Er sei kein Ilusionist und wolle auch nicht über den Sinn oder Unsinn des B 75-Ausbaus diskutieren. Aber da der Chef des Lübecker Straßenbauamts seinen Besuch für Mittwoch angekündigt habe, forderte er eine Vertagung. „Wir sollten alle Spielräume ausloten. Ich würde gerne den Termin abwarten“, argumentierte Rahmann.

Die Gegenrede kam von CDU-Sprecher Rainer Fehrmann. Die Kampagne zur Allee-Rettung mit Unterschriftensammlung sei unseriös und nur ein erneuter Versuch der Stimmungsmache der Redder-Gegner. Im Ausschuss hätte auch Rot-Grün die Aussagen der Verwaltung akzeptiert, der Petitionsausschuss habe keinen Handlungsbedarf gesehen. Allen Ausschussmitgliedern seien die Bäume wichtig, aber es habe nunmal keine anderen Antworten gegeben. Eine Vertagung lehnte er rundweg ab. Fehrmann: „Das jetzt angestrebte Gespräch hätte problemlos auch vor der heutigen Sitzung durchgeführt werden können.“ Damit war die Vertagung vom Tisch.

Die SPD beantragte, die Ausschreibung aufgrund der Mehrkosten aufzuheben. Der Bürgermeister solle beauftragt werden, mit dem Straßenbauamt neu zu verhandeln, um die Bäume zu retten. Fraktionsvorsitzender Hagen von Massenbach überreichte einen weiteren Schwung Unterschriften gegen die Fällaktion. Mittlerweile haben 1 600 Menschen unterschrieben. Der CDU hielt von Massenbach vor: „Schon wieder haben sich Bürger gegen ihre Politik in Bewegung gesetzt. Redder-Verkauf, Thermalbad und jetzt die Bäume.“ Da fand der Sozialdemokrat extrem deutliche Worte: „Ich habe die Nase von ihrer Politik voll. Sie ist scheinheilig und böswillig. Es stinkt einfach.“ Da die Bäume noch mindestens 20 Jahre Lebenserwartung vor sich hätten, solle die CDU doch wenigstens mal versuchen, etwas zu erreichen.

Auch Siegfried Wobig ließ es für die CDU nicht an Deutlichkeit fehlen. Das Thema war im WPA ausführlich beraten worden. Neue Fakten gebe es nicht, also sei die Diskussion „ziemlich unverständlich“. Wobig stellte klar, das der Radweg zum Kneden eine hohe Bedeutung habe. Die Kosten für dessen Bau würden aber nur vom Bund im Zusammenhang mit dem Straßenausbau übernommen, andernfalls müsste die Stadt selber zahlen. „Eine Summe von 400 000 bis 600 000 Euro steht dafür im Raum“, machte er klar. Es gehöre schon „eine gehörige Portion Frechheit und Verlogenheit dazu, aus 18 Bäumem 235“ zu machen, prangerte Wobig an. Doch diese Vorwürfe dürften sich seit der Veröffentlichung einer Liste aus dem Bauamt erledigt haben.

„Ich hätte nie gedacht, das ich mal dafür stimme, dass Bäume abgeholzt werden“, gab Anita Klahn von der FDP zu, aber die Abwägung von Mensch und Natur habe sie überzeugt. Was jetzt als große Erkenntnis verkauft werde, habe sie bereits vor 15 Monaten gesagt. Das rief abermals Gerold Rahmann auf den Plan: „Ein Indianer würde jetzt sagen: ‚Frau Klahn, du sprechen mit gespaltene Zunge.‘ Die Halbwertszeit ihrer Erinnerungen ist ja kürzer als bei Joghurt. Sie sagen immer, Sie sind für Bäume, trotzdem sehe ich sie immer nur fallen. Nicht einmal haben Sie sich für den Erhalt stark gemacht.“

Andreas Olbertz

„Jungfernrede für die Uno?“

Lübecker Nachrichten vom 19. Dezember 2007

„Jungfernrede für die Uno?“

CDU-Chef Möller spottet über Bildungsrede des Grünen Gerold Rahmann

VON JOACHIM STRUNK
BAD OLDESLOE – Wer sich als Zuschauer und -hörer am Montagabend bei der Stadtverordnetenversammlung in der Kreisstadt auf sachlich-ruhige, ja besinnliche
Aussprachen der Abgeordneten eingestellt hatte, wurde enttäuscht. Vielmehr hatte
man den Eindruck, es sei schon Silvester. Jedenfalls liefen einige Protagonisten – allen voran derGrünen-Fraktionschef Gerold Rahmann – zu Höchstform auf.

Dieser brannte ein regelrechtes Feuerwerk an Spitzen und Sticheleien, an verbalen Schlägen und Breitseiten in Richtung CDU und FDP ab, dass FDP-Chef Karl-Reinhold Wurch ihn am Ende fragte: „Brauchen Sie ein neues Feindbild? Fehlt Ihnen Herr Rohde?“ (Der vor wenigen Wochen von allen Ämtern zurück getretene Matthias Rohde, CDU, war Rahmanns „bester Feind“; d. Red.)

An zwei Tagesordnungspunkten entbrannte eine heftige Diskussion in der Versammlung. Da war zunächst die überplanmäßige Ausgabe für die Straßenbaumaßnahme an der B 75 amSteinfelder Redder. Hier entstehen Mehrkosten in Höhe von 370 000 Euro aufgrund gestiegener Asphaltpreise, zusätzlicher Ausgaben für Regenwasserklärung und den erschwerten Bauablauf an der Bahnquerung, wo zusätzliche Sicherungsposten aufgestellt werden müssen. Rahmann meldete sich als erster zu Wort, nachdem die Vorsitzende des Finanzausschusses um Zustimmung gebeten hatte. Er verwies auf ein anstehendes Gespräch bei Bürgermeister Tassilo von Bary, zu dem am heutigen Mittwoch der Leiter des Lübecker Straßenbauamtes, Gerhard Diedrichs, kommen will,umnoch einmal die Straßenbaumaßnahmen und vor allem die Fällaktion von 18 Bäumen am nördlichen Rand der Allee zu begründen. Rahmann: „Vertagen Sie doch hier die Entscheidung und warten Sie dieses Gespräch ab.“ Vielleicht ließen sich die Bäume doch noch retten.

Auch Hagen von Massenbach und Ursula Riewerts von der SPD sowie Wilfried Janson (Grüne) appellierten an die CDU/FDP-Mehrheit, dieses Gespräch abzuwarten, bissen jedoch auf Granit. Sowohl Rainer Fehrmann und Siegfried Wobig (beide CDU) als auch Anita Klahn und Karl-Reinhold Wurch (beide FDP) warfen der Gegenseite Verzögerungstaktik und puren Wahlkampf vor. Das wiederum konterte von Massenbach: „Wir betreiben Wahlkampf, seitdem der letzte Wahlzettel bei derKommunalwahl 2003 ausgefüllt wurde.“ Und Rahmann versprach schon mal, bei einem Sieg von Rot-Grün im kommenden Mai „werden wir alles wieder aufbauen und anpflanzen, was Sie ruiniert haben“.

Mit 16 Stimmen von CDU und FDP wurden die Mehrkosten anschließend abgehakt. Und mit demselben Ergebnis der Rahmann-Antrag auf Optimierung der schulischen Ausbildung in Bad Oldesloe abgeschmettert. Weitschweifend begründete der Grüne diesen Antrag, so dass CDU-Fraktionschef Horst Möller anschließend spottete, man habe wohl „die Jungfernrede von Professor Doktor Rahmann für den Kreistag, Bundestag oder gar die Uno?“ gehört. „Wir sind aber für Oldesloe zuständig. Wer soll das bezahlen?“ fragte er und riet ihm, lieber mal einen Goldesel für die Stadt zu beantragen.

Rathaus-Liste beweist es: 235 Bäume

Stormarner Tageblatt vom 18. Dezember 2007

Rathaus-Liste beweist es: 235 Bäume

SPD sieht ihre Zählung nach Akteneinsicht im Bauamt bestätigt

Bad Oldesloe/ol

– Ab wann ist ein Baum eigentlich ein Baum? Als die SPD sich aufmachte, Stämme längs der B 75 mit Kreuzen bepinselte und darauf hinwies, dass dort 235 Bäume gefällt werden sollen, gab es von der CDU heftiges Contra: 18 Allee-Bäume werden gefällt, Punkt aus. Wer von 235 Bäumen spreche, beziehe da auch jede Menge Büsche und anderen Wildwuchs mit ein. Also alles halb so schlimm?

Die SPD hat nachgehakt und Akteneinsicht gefordert. Dabei kam heraus: Die Zahl 235 wurde nicht geschätzt. Es ist offenbar säuberlich gezählt und gemessen worden, denn es existiert eine Liste, in der jeder zu fällende Baum verzeichnet ist – soweit der Stamm mindestens einen Durchmesser von zehn Zentimetern hat.

Die größte Gruppe sind demnach Bäume mit einem Stammdurchmesser von 20 bis 29 Zentimetern. Verteilt auf die drei Baulose sollen alleine davon demnächst 80 Stück der Kettensäge zum Opfer fallen. 39 haben eine Stammdicke von bis zu 39 Zentimetern, neun Bäume bringen es immerhin noch auf bis zu 59 Zentimeter. Bei vier Stämmen wurde ein Durchmesser zwischen 90 und 99 Zentimetern gemessen und ein Baum mit mehr als einem Meter Durchmesser wird im zweiten Baulos fallen. Unterm Strich ergibt das eben genau die ausgeschriebenen 235 Bäume. Kostenpunkt der Fällaktion: Satte 35 000 Euro.

Allee-Retterin Maria Herrmann: „Damit hat sich die Unterstellung, wir hätten jeden Grashalm und jeden Busch mitgezählt, ja wohl hochoffiziell erledigt.“ Sie bedauert sehr, das Kommunalpolitik in Oldesloe nicht bedeutet, gemeinsam die Zukunft der Stadt zu gestalten. „Wir müssen stattdessen mehr Energie darin investieren, Fakten zu beweisen und Protokolle zu korrigieren“, klagt die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende: „Aber das ist wohl das Politikverständnis von Leuten, die den Wert von Allee-Bäumen nur an Unfallkosten bemessen.“

 

Allee-Retter treffen Straßenbauamts-Chef

Uwe Stephenson

Stormarner Tageblatt vom 17. Dezember 2007

Allee-Retter treffen Straßenbauamts-Chef

Bad Oldesloe/ol

– Nachdem der Finanzausschuss den zusätzlichen 370 000 Euro für den Ausbau der B 75 zugestimmt hat, fällt in der Stadtverordnetenversammlung heute wahrscheinlich das endgültige Todesurteil für die 235 Bäume. „Über die wahren Gründe, weswegen die Bäume weichen müssen, gab es in letzter Zeit Irritationen“, beklagt der ehemalige Grünen-Stadtverordnete Uwe Stephenson. Es sei nicht der Radweg, auch nicht die Verbreiterung um einen Meter, sondern angeblich der Wunsch, die südliche Baumreihe zu retten. Dafür müsse die Fahrbahn nach Norden gerückt werden, um so mehr Platz für die südlichen Bäume zu gewinnen.

Am Mittwoch kommt der Chef des Straßenbauamts, Gerhard Diedrichs, zu einem Gespräch mit den Gegnern und Bürgermeister von Bary nach Oldesloe. Weil das Treffen nur Sinn mache, wenn es noch Verhandlungsspielraum gebe, wollen Grüne und SPD beantragen, dass die Stadtverordneten die Mehrkosten doch nicht bewilligen.

Laut Stephenson verstoße die Planung gegen alle Alleen-Schutz-Richtlinien von Bund und Land. „Dass eine Verschiebung der Fahrbahn die Südbäume länger am Leben erhalten soll, halte ich zudem für unwahrscheinlich“, betont der Ingenieur.

Die stellvertretende SPD Fraktionsvorsitzende Maria Herrmann moniert, dass die Argumente der Naturschutzverbände nicht ausreichend berücksichtigt worden seien. Sie zitiert aus einem Schreiben des Nabu: „Da die Bäume immer an der Straße gestanden haben, leben sie von Anfang an hauptsächlich von dem Teil des Wurzelwerks, der nicht unter der Straße liegt. Wenn man die vorhandene Straße wegbaggert, um die Trasse in größerem Abstand von den Alleebäumen neu zu bauen, dann ist für die Bäume die Gefährdung durch diese Arbeiten größer als der Nutzen.“

Die Bäume hätten auch mit Straße noch eine lange Lebenserwartung. Maria Herrmann: „Durch die Baumaßnahmen würden – auch bei zwei Metern Abstand – die Südbäume erheblich in Mitleidenschaft gezogen.“ Herrmann und Stephenson sind der Überzeugung, dass am Mittwoch durchaus noch neue Gesichtspunkte herauskommen können und appellieren deshalb an die anderen Parteien, den Handlungsspielraum „nicht voreilig zu beschneiden“.

Durch die deutlich gestiegenen Kosten bestehe eine Möglichkeit, ohne Regressforderungen von der Auftragsvergabe zurück zu treten. Stephenson: „Die Vorgaben des Straßenbauamts sind nicht diktatorisch gewesen, wie von der Verwaltung in Bad Oldesloe quasi behauptet. Es gibt für Vieles einen Ermessensspielraum.“ Der sei aber von Verwaltung und CDU bisher offensichtlich nicht genutzt worden. Leichtfertig sei stattdessen dem Abholzen zugestimmt worden.

Stormarner Wochenschau

Stormarner Tageblatt vom 15. Dezember 2007

Zu viel dumme Politik in der Adventszeit

Peanuts und Peinlichkeiten

Andreas Olbertz, Rolf Blase

Wohin soll das noch führen? Erst pinseln sie christliche Symbole an Bäume dann überfallen sie den heiligen Adventsmarkt in der Stormarnhalle. Böse SPD. Aber es war wohl logisch, dass man sich zum Unterschriften sammeln dort hinstellt, wo was los ist. So gesehen hat die SPD taktisch richtig gehandelt. Ob das auch taktvoll war, darüber kann sich jeder seine Meinung bilden. Dass Bürgermeister Tassilo von Bary die Unterschriftensammelei für die Bäume störte, ist verständlich. Allerdings hätte es gereicht, auf die Satzung zu pochen. Die Aussage, dass man es dann auch der NPD und Scientology erlauben müsse, hätte der Verwaltungschef sich sparen können. Es mag zwar faktisch richtig sein, aber es war klar, dass es Ärger geben würde. Gab es auch, weil die SPD sich mit NPD und Scientology verglichen sah. War zwar nicht so, aber trotzdem ruderte von Bary zurück, sagte, er habe das nie gesagt. Und droht jenen mit der vollen Härte des Gesetzes, die behaupten, er habe SPD mit NPD oder Scientology verglichen. Unser Karikaturist Götz Wiedenroth hat sich auch so seine Gedanken gemacht.

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Das Vorgehen des Bürgermeisters hat aber mittlerweile schon Methode: Erst eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft, weil jemand über den Reddervertrag geplaudert hat. Dann überlegt der Verwaltungschef, ob er eine Odnungsverfügung gegen die Kreuzmaler erlässt, jetzt sollen die Täter ermittelt werden, um ihnen eine Rechnung schicken zu können. Und wer behauptet, in der Kalkulation für das Klangstadt-Festival hätten 3 600 Euro für das Zelt gestanden, muss ebenfalls mit Strafe rechnen. Mein lieber Bary: Wer in Oldesloe Kommunalpolitik machen möchte, sollte über eine gute Rechtsschutzversicherung nachdenken.

Ginge das alles nicht viel einfacher? Wenn der Redder-Vertrag öffentlich wäre, könnte sich jeder ein Bild machen. Hätte der Bürgermeister in Sachen Klangstadt einen Karton mit Quittungen und Belegen auf den Tisch gestellt, hätte sich jede Diskussion über Gemauschel erledigt. NPD-Vergleich: „Sollte mir so eine Bemerkung rausgerutscht sein, ziehe ich sie selbstverständlich zurück. Ihr kennt mich doch, mein Herz hat auch mal links geschlagen.“ Gewiss, alles rein hypothetisch hier, aber der Drops wäre gelutscht.

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Apropos Redder-Vertrag. Manchmal kokettiert FDP-Frau Anita Klahn ja mächtig mit ihrer Haarfarbe und mimt die blonde Unschuld vom Lande. Bei der Haushaltsklausur hatte sie beispielsweise angeregt, mehr Geld von der Erschließungsgesellschaft im Haushalt einzuplanen, da sich die Grundstücke am Redder doch so super verkauften. Im Grundsatz eine durchaus logische Überlegung. Wenn da nicht ein klitzekleiner Haken wäre, auf den sich die Liberale dann in aller Deutlichkeit hinweisen lassen musste: Es gibt einen gültigen Kaufvertrag, und in dem sind die Raten genau festgeschrieben. Da hatte sich die Diskussion ganz schnell erledigt.

Umso verwunderlicher ist, dass im Finanzausschuss jetzt tatsächlich über einen Änderungsvertrag mit der SEG diskutiert wurde. „Geht also doch“, könnte man denken, doch dieser Zug fährt genau in die entgegengesetzte Richtung. Bei einigen Grundstücken gibt es Probleme mit der Topografie. Es muss Erde angefahren werden, damit das Bodenniveau wieder stimmt. Und an diesen Kosten soll sich die Stadt mit bis zu 20 000 Euro beteiligen. Da die Millionen üppig fließen werden, sind das echte Peanuts. Und kommt sogar noch ein Erdnüsschen dazu. Damit die Erschließungsgesellschaft ihr Geld bekommt, muss die Änderung notariell beurkundet werden. Und die Hälfte dieser Kosten soll die Stadt auch übernehmen.

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Da hatte der grüne Gerold Rahmann die Lacher aller auf seiner Seite, obwohl das Thema eigentlich gar nicht lustig ist. In Bad Oldesloe steigen die Kosten für die Straßenreinigung. In der Fußgängerzone um sieben Cent je Meter Grundstückskante. Wer das Pech hat, dass bei ihm zweimal in der Woche ein Kehrwagen kommt, der muss ab nächstem Jahr 2,01 Euro mehr berappen. Wo nur wöchentlich gereinigt wird, werden 4,07 Euro fällig - ein Aufschlag von 1,37 Euro. Preistreibend sind nicht die reinen Reinigungskosten, sondern der darin enthaltene Winterdienst. Weil der Winter vergangenes Jahr extrem hart war, gehen die Kosten hoch. Und nun trat Gerold Rahmann auf die Bühne. „Was ist eigentlich, wenn nicht gereinigt wird?“, wollte der Grüne wissen: „Wir haben das schon ein paar Mal getestet und extra was hingelegt.“ Egal, ob er es nun wirklich gemacht hat, allein der Gedanke ist schon witzig. Allen ernsten Erklärungsversuchen der Verwaltung zum Trotz machte Rahmann munter weiter. Ob man die Reinigung nicht auch selber erledigen könne, wollte er scheinheilig wissen, und Kämmerin Mandy Treetzen rechnete ihm vor, dass sich das nicht lohne. Da nickte auch Rahmann zustimmend – und legte noch einen nach: „Wenn schon nichts gemacht wird, würde ich gerne selber nichts machen.“ Da war die Stimmung im Ausschuss ziemlich gut.

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Die Stadt Ahrensburg will das Gutachten zu Methangas im Bereich Fannyhöh ins Internet stellen und die gedruckte Version im Rathaus auslegen. Eine radikale Kehrtwende in der Öffentlichkeitsarbeit. Weil das Gutachten so lange unter Verschluss gehalten wurde, konnten und mussten die Spekulationen ins Kraut schießen. Nachdem das Gutachten in dieser Woche öffentlich vorgestellt wurde und Experten Entwarnung gaben, ist die Luft ziemlich raus. Wie weit die neue Offenheit der Stadt wirklich geht, wird sich erst beim nächsten Thema zeigen.

Unterschriften gegen drohenden Kahlschlag

Maria Herrmann übergibt die gesammelten Unterschriften an die Vorsitzende des Finanzausschusses, Susanne Pöhls.

Stormarner Tageblatt vom 14. Dezember 2007

Unterschriften gegen drohenden Kahlschlag

1535 Unterschriften sind in wenigen Tagen zusammen gekommen – ein letzter Rettungsversuch, denn für den Ausbau der B75 am Steinfelder Redder sollen 235 Bäume gefällt werden.

Bad Oldesloe/ol

– Weil die Ausschreibung deutlich schlechter gelaufen ist als erwartet – die Kosten liegen 370 000 Euro höher – hatte die SPD zur Rettung der Bäume eine Unterschriftensammlung gestartet. Weil der Finanzausschuss über die Bewilligung der Mehrkosten befinden musste, überreichten die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Maria Herrmann und Ortsvereinsvorsitzender Christoph Asmussen in diesem Rahmen die Sammelmappe an die Ausschussvorsitzende Susanne Pöhls. „Zeigen Sie Größe“, sagte Maria Herrmann: „Respektieren Sie den Bürgerwillen.“ Das schlechte Ergebnis eröffne die Möglichkeit, die Ausschreibung aufzuheben und in neue Gespräche mit dem Straßenbauamt einzusteigen.

Auch der ehemalige Grünen-Stadtverordnete Professor Uwe Stephenson sprach sich in der Fragestunde für die Bäume aus. Laut Vorschrift sei eine Straßenbreite von 6,50 Metern für eine Bundesstraße durchaus erlaubt, habe er von einem Experten für Verkehrswesen erfahren, wenn weniger als 13 500 Pkw täglich die Straße befahren und weniger als 300 Lkw stündlich. „20 Jahre ist nichts passiert. Warum muss die Straße dann verbreitert werden?“, fragte Stephenson.

Bauamts-Chef Rolf Steinhoerster bestätigte, dass die Grenzwerte auf der B75 nicht erreicht werden. Ausschlaggebend sei aber nicht primär die Fahrbahnbreite, sondern der Wunsch, die südliche Baumreihe zu retten. Wenn man die Straße von den Bäumen „weg-rücke“, spiele die Breite letztlich keine Rolle mehr, weil genug Platz da sei, wenn die nördlichen Bäume erst mal weg sind. Steinhoerster: „Natürlich hätte das Straßenbauamt auch anders entscheiden können.“ Hat es aber nicht. Und da der Bund Eigentümer des Geländes sei, könne die Stadt da nichts ausrichten.

Über die Zukunft der Bäume wurde im Ausschuss aber nicht weiter diskutiert. Lediglich Hans-Joachim Stolten (CDU) wies auf die Gefährlichkeit von Alleen hin. Als Feuerwehrmann müsse er immer wieder umgestürzte Bäume entsorgen und Unfallopfer bergen. Ökologisch und ökonomisch mache der Erhalt von Alleen keinen Sinn. Allein die Unfallkosten in Alleen beliefen sich auf drei Milliarden Euro, habe der ADAC ermittelt.

Es ging hauptsächlich ums Geld, denn dafür ist der Finanzausschuss ja schließlich zuständig. Wie Klaus-Peter Scharnberg vom Bauamt erläuterte, besteht das Bauvorhaben aus zwei Teilen. Der vom Straßenbauamt geplante Abschnitt erstreckt sich vom zukünftigen Kreisverkehr stadtauswärts. Die Experten in Lübeck hatten mit Kosten von 900 000 Euro gerechnet. So viel Geld bekommt die Stadt. Die Ausschreibung hat aber ergeben, dass der Bereich „nur“ 825 000 Euro kosten wird. Die Überschüssigen 75 000 Euro würden für weitere Ausgleichsmaßnahmen benötigt. Der Abschnitt stadteinwärts wurde von der Stadt mit 1,1 Millionen Euro kalkuliert.

Die Ausschreibung ergab aber Kosten von 1,3 Millionen. „Wir haben uns natürlich gefragt, woher die Diskrepanzen kommen“, teilte der Leiter der Tiefbauabteilung mit. Der hohe Ölpreis schlage sich auf den Bitumenpreis nieder. Allein das mache 120 000 Euro aus. Weitere 140 000 Euro entfallen auf zusätzliche Regenwasserbehandlungs- und reinigungsanlagen. Scharnberg: „Die waren in der ersten Kostenschätzung nicht bekannt.“ Die SPD-Vertreter hinterfragten noch die eine oder andere Kostenstelle, doch das spielte keine Rolle mehr. Der Grüne Gerold Rahmann brachte es aus seiner Sicht auf den Punkt: „Autofahrer sind nicht gefährdet, für den Radweg ist es nicht erforderlich – das ist eine peinliche Veranstaltung für eine Maßnahme, die nicht notwendig ist.“

Mit den Stimmen von CDU und FDP wurden die Mehrkosten gebilligt. SPD und Grüne stimmten dagegen. Am kommenden Montag wird sich die Oldesloer Stadtverordnetenversammlung nochmals mit dem Thema befassen und aller Voraussicht nach die Gelder endgültig frei geben.

Andreas Olbertz

Finanzausschuss genehmigt Mehrausgaben bei B 75

Lübecker Nachrichten vom 14. Dezember 2007

Finanzausschuss genehmigt Mehrausgaben bei B 75

Bad Oldesloe - Auch 1535 Unterschriften von Gegnern der Baumfällaktion an der B 75 am Steinfelder Redder und Nachfragen von Einwohnern zu Beginn der Finanzausschusssitzung nützten nichts. Mit fünf Stimmen der anwesenden CDU- und FDP- Mitglieder zu drei Gegenstimmen der SPD und der Grünen votierte der Finanzausschuss am Mittwoch Abend für die überplanmäßige Ausgabe beim Straßenausbau.

Demnach muss die Stadt 370 000 Euro mehr aufwenden als ursprünglich berechnet. Insgesamt rechnet die Verwaltung mit Gesamtkosten von 2,29 Millionen Euro. Zustande kommen die Mehrkosten durch den gestiegenen Rohölpreis, der vor allem das für den Straßenbau benötigte Bitumen teurer macht - allein dieser Posten beträgt 120 000 Euro. Weitere 140 000 Euro machen Zusatzforderungen des Staatlichen Umweltamtes Itzehoe für die Regenwasserklärung am Baugebiet Steinfelder Redder aus, erklärte Klaus-Peter Scharnberg aus dem Bauamt (Tiefbau) der Stadt.

Weitere Posten ergeben sich aus Ersatzpflanzungen (52 000 Euro), öffentlicher Beleuchtung (20 000), Bauleitung (50 000), Grunderwerb (15 000) sowie kleineren Summen wie beispielsweise der "Gestellung von Sicherungsposten am Bahnübergang" auf Anforderung der Deutschen Bahn. Die kosten allein schon 750 Euro pro Tag.

An der Fällung der nördlichen Alleebäume halten CDU und FDP weiter fest. Zwar baten einige Fragesteller nachdrücklich um Erklärungen, ob der Baumkahlschlag zwingendes Muss seitens des Lübecker Straßenbauamtes sei oder im Ermessensspielraum der Stadt liege. Dieter Schwitzke vom ADFC hatte diese Frage bereits vor der letzten Stadtverordnetenversammlung gestellt. Bürgermeister Tassilo von Bary hatte ihm zugesagt, schriftlich zu antworten. Dieser Brief sei aber erst vier Stunden vor Sitzungsbeginn bei ihm eingetroffen, wunderte sich Schwitzke.

Auf den Hinweis von Uwe Stephenson (Grüne), dass bei einer Verkehrsdichte von weniger als 13 000 Fahrzeugen am Tag und weniger als 300 Lkw in der Stunde eine Straßenbreite von 6,50 Meter ausreichend sei, erklärte Bauamtsleiter Rolf Steinhörster, der Grund für das Fällen der nördlichen Bäume sei nicht die Straßenbreite, sondern dass der Abstand zu den Bäumen auf der südlichen Straßenseite erhöht werden sollte - aus Sicherheitsgründen und damit die Wurzeln der Südbäume mehr Raum zur Entfaltung bekämen.

unk

Vorerst abgelehnt: Sportplatzgutachten für knapp 50 000 Euro

Stormarner Tageblatt vom 13. Dezember 2007

Vorerst abgelehnt: Sportplatzgutachten für knapp 50 000 Euro

Bad Oldesloe/ol

– Stadtumbau West heißt das große Zauberwort, an das viele in der Stadt Hoffnungen knüpfen. Doch bevor wirklich etwas Sichtbares geschehen wird, muss erst mit deutscher Gründlichkeit geplant werden. Ein Gutachten nach dem nächsten wird in Auftrag gegeben. Jetzt hat der Sozialausschuss – zumindest vorübergehend – die Notbremse gezogen. Auf Vorschlag der Verwaltung hätte das „Institut für kooperative Planung und Sportentwicklung“ (ikps) beauftragt werden sollen, ein Sportentwicklungskonzept für knapp 50 000 Euro zu erstellen.

Anita Klahn von der FDP ist über den Beschlussvorschlag verärgert: „Die Verwaltung hat nicht abgearbeitet, was wir in Auftrag gegeben haben.“ Schon lange warte der Ausschuss auf eine entsprechende Vorlage.

„Wir müssen doch erst wissen, welcher Verein welchen Bedarf hat“, kritisiert Klahn. Dem müsse gegenüber gestellt, welche Anlagen die Stadt habe, wie die genutzt werden und wie die Finanzierung läuft. „Bislang hieß es immer, das könne die Verwaltung nicht leisten. Aber diesmal war jemand von der Immobilienabteilung dabei, der sagt: ‚Kein Problem, das kann ich mit zwei Knopfdrücken ausdrucken.‘ Das hätten wir gerne etwas eher angegangen“, meint Klahn. Mittelfristig sei sicher ein Konzept zur Entwicklung des Sports notwendig, aber momentan gebe es andere Probleme. „Alte Vereine pochen auf ihre alten Rechte, und neue kommen nicht zum Zuge“, moniert die Liberale. Als Beispiel führt sie die Streitigkeiten zwischen Union und dem FFC an. Erst auf ihre Nachfrage sei eingeräumt worden, dass in der Vertragsgestaltung zwischen den Fußballvereinen auch Spiridon als Nutzer des Kurparkstadions berücksichtigt werden müsse.“ Bevor neue Anlagen gebaut würden, müsse geprüft werden, ob die Hallen und Plätze wirklich optimal ausgelastet seien.

Der Verwaltungsvorschlag sah vor, ikps den Auftrag zu erteilen. Jens-Pieter Friese von der SPD kritisiert, dass keine Alternativen dargestellt werden: „Ich hätte gerne Auswahl. Als Laie habe ich im Internet schon drei weitere Anbieter gefunden.“ Die Verwaltung argumentiert, dass ikps die besten seien und man kein anderes Unternehmen für 2008 gefunden habe.

FPD und SPD sind sich in ihrer Einschätzung einig. „Es wird immer mit dem Stadtumbau West argumentiert. Ich habe den Eindruck, dass der Topf bereits fünf Mal ausgegeben ist, bevor wir ihn überhaupt haben“, sagt Friese. Er betont: „Wenn wir dieses teure Gutachten ihn Auftrag geben, muss der Mehrheitsfraktion klar sein, dass wir danach auch richtig viel Geld in die Hand nehmen müssen, sonst können wir es gleich bleiben lassen.“ Anita Klahn pflichtet ihm bei: „Wir würden Begehrlichkeiten wecken, die wir gar nicht erfüllen können.“

Auch wenn die CDU für eine Vertagung bis Januar stimmte, ist der weitere Weg vorgezeichnet. Ausschussvorsitzender Dr. Otto Fickel von der CDU auf Nachfrage: „Das wollen wir haben. Wir wollen weiter kommen mit der Sportentwicklung.“

Andreas OLbertz

Bürgermeister droht SPD juristische Schritte an

Stormarner Tageblatt vom 11. Dezember 2007

Bürgermeister droht SPD juristische Schritte an

Der Bürgermeister soll die SPD mit NPD und Scientology gleichgestellt haben – behauptet die SPD. Tassilo von Bary weist das entschieden zurück und droht mit juristischen Schritten.

Bad Oldesloe/ol

– „Hier dürfen Sie nicht stehen. Da könnten sonst auch die NPD oder Scientology stehen.“ Mit diesen Worten sollen die SPD-Stadtverordnete Rosi Behrend und Jürgen Schneider vom SPD-Ortsverein von Bürgermeister Tassilo von Bary persönlich aus dem Eingangsbereich des Adventsmarkts in der Stormarnhalle verwiesen worden sein, sagt die SPD in einer Pressemitteilung, die uns vorliegt. Der Verwaltungs-Chef dementiert das entschieden: „Das muss ich ganz scharf zurückweisen. Das ist ja ungeheuerlich!“ Die SPD sei zurzeit scheinbar bemüht, sich für die anstehende Kommunalwahl ausschließlich in populistischer Weise in Szene zu setzen. „Dabei wird fernab bisher geübter demokratischer Spielregeln versucht, das Amt des Bürgermeisters oder die Verwaltung insgesamt mit bloßen Unterstellungen zu attackieren und zu beschädigen. Ein solches Verhalten werde ich nicht tolerieren“, so von Bary. Er kündigt an: „Ich werde umgehend die notwendigen juristischen Schritte einleiten, wenn eine entsprechende Behauptung öffentlich wiederholt oder angedeutet wird.“

Was war passiert an der Stormarnhalle? Die selbst ernannten Alleen-Retter sammelten Unterschriften, um die geplante Fällaktion an der B 75 doch noch verhindern zu können. Als die beiden sich wegen starken Regens unter das Vordach stellten, soll sie Bürgermeister von Bary mit Hinweis auf sein Hausrecht „bürgerfeindlich und wenig einfühlsam“ vom Gelände verwiesen haben. Auf Nachfrage von Jürgen Schneider soll er sogar einen möglichen Polizeieinsatz nicht ausgeschlossen haben.

Der Bürgermeister schildert den Vorfall anders. Er habe mehrfach darauf hingewiesen, dass das Sammeln von Unterschriften dort nicht zulässig sei. Daran hätten die beiden sich nicht gehalten. Von Bary begründet sein Vorgehen mit einer „Marktfestsetzung“ vom Ordnungsamt. „Da werden wir genau so behandelt wie ein privater Veranstalter“, erklärt der Bürgermeister. Darin sei festgelegt, dass in der Halle und dem Areal davor ausschließlich Marktgeschehen zugelassen sei. „In dem Bereich haben Aktionen von anderen nichts zu suchen“, stellt von Bary klar.

Mehrfach angesprochen? „Naja“, sagt Rosi Behrend: „Weil so ein heftiger Schauer kam, hatten wir uns untergestellt. Und dann kam er auch gleich.“ Die beiden SPDler hätten sich sehr wohl einsichtig gezeigt und seien gegangen. „Aber kaum waren wir drei Schritte weg, kam noch so ein heftiger Regenguss. Da sind wir schnell wieder zurück gelaufen“, schildert die Sozialdemokratin den Ablauf. Da sie ihre Listen offen in den Händen hielten, seien sie von Passanten, die unterschreiben wollten, angesprochen worden. Rosi Behrend: „Weil es morgens nicht so gut lief, konnten wir uns die natürlich nicht entgehen lassen. Später wurden wir ja regelrecht umgerannt, so groß war das Interesse.“ In der Sache gibt sie dem Bürgermeister sogar recht, „aber dass er uns mit NPD und Scientology auf eine Stufe stellt – das ist empörend.“

Ausdrücklich dementiert sie Gerüchte, es habe eine lautstarke Auseinandersetzung gegeben. Rosemarie Behrend: „Er war nicht unfreundlich, aber man muss sich natürlich fragen, ob die Verhältnismäßigkeit gewahrt war.“

SPD-Fraktions-Vorsitzender Hagen von Massenbach bleibt von den Drohungen aus dem Rathaus unbeeindruckt: „Ich weiß nicht, was die SPD dem Bürgermeister getan haben soll. Keine unserer Aktionen zielt gegen ihn, trotzdem wird ständig auf uns geschossen.“ Mit seinen Überreaktionen schade von Bary dem Ansehen der Stadt.

Die Unterschriftensammlung stoße auf große Zustimmung bei der Bevölkerung. „Wir sind von dem positiven Echo aus der Bevölkerung begeistert und fühlen uns bestätigt“, so Jürgen Schneider vom SPD-Ortsverein. Innerhalb weniger Tage seien bereits 700 Unterschriften gesammelt worden. „Täglich treffen weitere Listen bei mir ein“, zeigt sich Maria Herrmann von der großen Resonanz beeindruckt. Die Listen sollen morgen ab 19 Uhr bei der Finanzausschuss-Sitzung überreicht werden.

Andreas Olbertz

Radfahrer kritisieren Fällaktion

Stormarner Tageblatt vom 11. Dezember 2007

Radfahrer kritisieren Fällaktion

Bad Oldesloe/ol

– Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Bad Oldesloe hat sich mit den Planungsunterlagen des Steinfelder Redders ausgiebig beschäftigt. Demnach bestehe zwischen Lärmschutzwall und der B 75 ein Zwischenraum von 7,5 Metern. „Abzüglich der Fläche für den Wurzelraum der dort stehenden Alleebäume verbleiben noch gut vier bis fünf Meter für einen kombinierten Geh- und Radweg“, finden die Radler.

In Anlehnung an das im vergangenen Jahr erstellte Radverkehrskonzept empfiehlt daher die ADFC-Ortsgruppe die Erstellung einer Querungshilfe für Radfahrer westlich des Bahnüberganges und Weiterführung stadtauswärts auf der linken Straßenseite auf einem ausreichend breiten Geh- und Radweg. In diesem Zusammenhang wollte daher Dieter Schwitzke (ADFC) in der Bürgerfragestunde der Stadtverordneten Ende November erfahren, ob das Straßenbauamt die Verbreiterung der Fahrbahn um 50 Zentimeter zur Bedingung für die Baumaßnahmen gemacht habe. „Es ist mehr als unnötig, die kräftigen Alleebäume zwischen der B 75 und dem reichlich vorhandenen Raum für die veränderte Verkehrsführung zu fällen“, findet Schwitzke. Trotz zwei telefonischer Nachfragen sei die versprochene schriftliche Antwort bislang nicht eingetroffen.

 

Neuer Streit um das Fällen von Alleebäumen in Bad Oldesloe

Hamburger Abendblatt vom 11. Dezember 2007

Neuer Streit um das Fällen von Alleebäumen in Bad Oldesloe

Bad Oldesloe -

Die vom Abholzen bedrohten Alleebäume an der B 75 sorgen für neuen Streit in Oldesloe. Die SPD hat eine Unterschriftensammlung gegen den angeblich notwendigen Tod der teilweise mehr als 80 Jahre alten Riesen zur Verbreiterung der Bundesstraße gestartet. "Innerhalb von wenigen Tagen haben mehr als 700 Bürger bei uns unterschrieben", sagt Maria Herrmann, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende.

Der ökologische Nutzen und die hohen Kosten des Bauprojekts sind Argumente für SPD-Fraktionschef Hagen von Massenbach: "Wir werden Bürgermeister Tassilo von Bary morgen bei der Finanzausschusssitzung auffordern, die Ausschreibung für den Ausbau der B 75 aufzuheben und erneut mit dem Landesbetrieb Straßenbau in Lübeck über ein anderes Konzept zu verhandeln." Die Bäume seien ein guter Filter für den gesundheitsgefährdenden Feinstaub. "Rund 70 Prozent können richtig große Brocken aus der Luft herausholen", so von Massenbach. Da nun auch herausgekommen sei, dass die Stadt bisher nicht bekannte anteilige Mehrkosten in Höhe von 370 000 Euro - also insgesamt rund 688 000 Euro - für das Fällen und den Ausbau der Bundesstraße tragen müsse, liege es auf der Hand, neu über das 2,2-Millionen-Projekt zu verhandeln.

Während die von der SPD ins Spiel gebrachte Filterwirkung der Alleebäume sogar Resonanz beim vom eidgenössischen Parlament gegründeten "Fonds Landschaft Schweiz" gefunden hat, kommt die Haltung der SPD beim Oldesloer Bürgermeister gar nicht gut an.

Die Eidgenossen hatten sich die Quelle der zitierten Untersuchung von den Oldesloern schicken lassen (www.alleenschutzgemeinschaft.de). Tassilo von Bary dagegen hatte zwei der Unterschriften sammelnden Sozialdemokraten vom Eingangsbereich der Stormarnhalle vertrieben. Dabei sei der Satz gefallen "Hier dürfen Sie nicht stehen. Da könnte sonst auch die NPD oder die Scientology stehen", so die Stadtverordnete Rosi Behrend und SPD-Mitglied Jürgen Schneider. Der Finanzausschuss tagt morgen ab 19 Uhr im Stadthaus am Markt (Raum2.09).

cv

 

Stormarner Wochenschau

Stormarner Tageblatt vom 8. Dezember 2007

Genehme und unangenehme Fragen und Antworten

Wenn die Aufklärer selbst was zu verbergen haben

Andreas Olbertz

Sherlock von Bary ermittelt. Nicht wie von der SPD gewünscht in Sachen Befangenheit von Siegfried Wobig, nein, genau in die andere Richtung. Er will durch detektivische Fleißarbeit herausfinden, wer die Kreuzmaler an den B 75-Bäumen waren, um ihnen die Rechnung für das Überpinseln der Kreuze in echter Baumfarbe zu überreichen. Oldesloes Verkehrsaufseher von Bary hatte nämlich Verwaltungs-Chef von Bary darauf hingewiesen, dass die Kreuze verkehrsgefährdend seien. Das war wohl so ähnlich wie damals in der Lenor-Werbung mit dem schlechten Gewissen. Und Kreisverkehrsaufseher Klaus Sahlmann hatte ja schon angekündigt, jeden, der ernsthaft behaupte, die Kreuze hätten ihn abgelenkt, einem Alkohol- und Drogentest zu unterziehen, bevor man ihm glaube.

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Die Kreuzmalerei der Oldesloer SPD ist sogar bis in die Schweiz vorgedrungen. Aus der Alpenrepublik kam jetzt Post vom „Fonds Landschaft Schweiz“ in Bern. Nicht irgendwelche Ökoaktivisten, sondern eine vom Parlament ins Leben gerufene Gruppe, die sich unter anderem die Förderung von Alleen auf die Fahne geschrieben hat. Die Eidgenossen waren tatsächlich auf Berichte über die Aktion aufmerksam geworden und haben um weitere Informationen gebeten. Was wohl als nächstes kommt: Ein Unterstützungsschreiben von Al Gore?

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Drauf hatte Bauamts-Leiter Rolf Steinhoerster gewartet. Hermann Roden tat ihm den Gefallen, die Frage zu stellen, wann denn endlich das Protokoll der WPA-Sitzung vom 1. Oktober vorgelegt werde. Steinhoersters Mine hellte auf, er strahlte regelrecht. Bei der Sitzung habe es zwei Vorsitzende gegeben. Der eine nickte das Protokoll ab. Der andere hatte es mit diversen Korrekturen zurück gegeben. „Ich kann nicht eigenmächtig Anmerkungen von Matthias Rohde einbauen“, entschuldigte sich Steinhoerster gut gelaunt. Deshalb habe er versucht, „per Mail, Fax und Telefon“, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Mit einer gewissen Fröhlichkeit sagte er, dass das bislang vergeblich war. Der Mann ist wahrlich gründlich zurückgetreten. Die Gesichtszüge von CDU-Urgestein Siegfried Wobig verunglückten derweil immer mehr. „Ich werde das kurzfristig klären,“ kündigte er grummelnd an.

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Was für eine Kakophonie - niemand redet mehr davon, wie toll das Klangstadt Open-Air im Sommer war. Stattdessen nur Zank, Ärger und Missstimmung. Wer ist Schuld an der Misere? Natürlich die böse Presse, die Sozis selbstverständlich auch, weil die 6099 Euro Miese einfach nicht grade sein lassen können, und Klangstadt sowieso. Schließlich könnten Musiker doch keine Ahnung haben, wie man mit einer Verwaltung zusammenarbeitet. Im WPA wäre die Gelegenheit günstig gewesen, mal alles auf den Tisch zu packen: Vorwürfe, Befindlichkeiten, Quittungen und natürlich auch Visionen. Stattdessen haben die einen haben gemauert, die anderen nicht aufgehört zu bohren, einige waren genervt, einige eingeschüchtert und andere schlicht ahnungslos. Nur geklärt wurde gar nichts, und die Gerüchteküche brodelt munter weiter. Da passt es ins Bild, alle Sitzungsteilnehmer mit Klageandrohung zur Verschwiegenheit zu verpflichten.

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Worum es beim Klangstadtknatsch geht? Ein Beispiel: Nach einem abgesprochenen Konzept wurden 1000 Plakate gedruckt. Helfer von Klangstadt machten sich an einem Wochenende auf, um in der Stadt zu plakatieren. Am Montag der aufgebrachte Anruf aus dem Rathaus: Die Dinger müssen wieder weg, nur 20 Plakate seien zulässig. Welche Absprache? – Erst ein „Machtwort“ vom Bürgermeister sorgte dafür, dass 50 Werbeschilder bleiben durften. Noch ein Beispiel? 800 Euro hatte Klangstadt für ein Zelt kalkuliert. Schließlich stand das ja bereits für das Vogelschießen, und ein späterer Abbau sollte nicht die Welt kosten. In einer Zwischenabrechnung war dann plötzlich von 3600 Euro die Rede. In der Endabrechnung taucht der Begriff „Zelt“ überhaupt nicht mehr auf. Noch Fragen?

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An die verkaufsoffenen Sonntage hat man sich ja schön gewöhnt, an lange Verkaufsabende offenbar noch nicht. Was in anderen Städten schon erfolgreich vorgemacht wurde, wollte auch die Oldesloer versuchen. Sie hatten am Vorabend des Nikolaus-Tages zum Late-Night-Shopping eingeladen. Im Gegensatz zu den offenen Sonntagen, zu denen die Massen strömten, tröpfelte es am Mittwoch höchstens. Nicht nur die Werbung war bescheiden, wie es auch unser Karikaturist zeigt, auch das Wetter. Vielleicht hätte man den ersten Versuch besser an einem lauen Sommerabend starten sollen.

Wodarz’ „goldene“ Unterschrift

Friedrich-Carl Wodarz trägt sich ins Goldene Buch ein.
Friedrich-Carl Wodarz trägt sich im Beisein von Dr. Wolfgang Böge und Tassilo von Bary ins Goldene Buch ein.

Stormarner Tageblatt vom 7. Dezember 2007

Wodarz’ „goldene“ Unterschrift

Bad Oldesloe/ask

– „Es ist schon beinahe Tradition, dass bei hohen Auszeichnungen von Oldesloer Bürgern diese sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen dürfen“, sagt Bürgerworthalter Dr. Wolfgang Böge.

Friedrich-Carl Wodarz, langjähriger SPD-Landtagsabgeordneter, wurde diese Ehre nun zuteil, nachdem er für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement das Bundesverdienstkreuz verliehen bekam. Zunächst als bürgerliches Mitglied, dann als Stadtverordneter und Stadtrat war er von 1972 bis 2003 kommunalpolitisch aktiv, leitete zehn Jahre die SPD-Fraktion. Seit 2001 engagiert er sich im Verein der Förderer und Freunde des Instituts für ökologischen Landbau in Trenthorst, wo er dem Beirat angehört, dessen Chef er seit 2004 ist.

„Eigentlich haben Sie hier schon alles irgendwie mal gemacht, sie waren sogar stellvertretender Bürgermeister“, sagt Bürgermeister Tassilo von Bary bei der Unterzeichnung. „Ja, aber bei dem Posten habe ich mich mehr zurückgehalten“, antwortete Wodarz schmunzelnd und setzte seine Unterschrift ins Goldene Buch.

Die edle Oldesloer Unterschriftensammlung gibt es seit 1992. „Eine Satzung, wer sich dort eintragen darf, gibt es aber nicht“, sagt Dr. Böge. Für Wodarz war es jedenfalls eine Premiere: Bisher durfte er sich noch nirgends in ein Goldenes Buch eintragen.

Alexander Steenbeck

Gemeinsamer Nenner in Sicht?

Lübecker Nachrichten vom 6. Dezember 2007

Gemeinsamer Nenner in Sicht?

Bad Oldesloe - Ein Gutachten mit allen Beteiligten soll die festgefahrenen Gespräche der Städte und Ämter Bad Oldesloe und Bargteheide in Sachen Verwaltungsreform wieder in Gang bringen. Die Amtsausschüsse haben grünes Licht erteilt.

Und noch ein Gutachten: Die Amtsausschüsse Bad Oldesloe-Land und Bargteheide-Land möchten, dass ihre Ämter mit Bad Oldesloe und Bargteheide zusammen ein Gutachten zur Umstrukturierung der Verwaltung in Auftrag geben. Ein gemeinsam ausgesuchter Sachverständiger soll die Kooperationsmöglichkeiten des neuen Amtes, das die beiden Ämter durch Fusion miteinander bilden wollen, mit den Städten untersuchen.

Ein gemeinsames Gutachten hatte zuletzt der Innenminister angeregt, nachdem er seine Zustimmung zur Ämterfusion von Anfang an von zwar ergebnisoffenen, aber nicht ergebnislosen Gesprächen mit den zentralen Städten abhängig gemacht hatte. Weil die Ämter ihre Linie einer Fusion plus Kooperation mit den Städten nicht verlassen wollen und die Städte wiederum nach wie vor die Fusion von Stadt und Amt wünschen - mal Verwaltungszusammenführung genannt, mal partnerschaftliche Verwaltungsgemeinschaft - hoffen die Amts-Politiker darauf, durch das Gemeinschaftsgutachten auf einen Nenner kommen zu können.

Den Städten wird diese Vorgehensweise jetzt vorgeschlagen. Der Innenminister wird über den - letzten? - Versuch der Ämter informiert. Von ihm erwarten die Amtsspitzen, dass er seine ihnen gegenüber gemachte Zusage einhält, sich bei der Landes-Lenkungsgruppe Verwaltungsmodernisierung für die Bezuschussung der Expertise stark zu machen. Das erklärten Amtsvorsteher Peter Lengfeld, Verwaltungsleiter Bernd Sulimma (beide Bad Oldesloe-Land) sowie Vorsteher Helmut Drenkhahn und Verwaltungs-Chefin Gudrun Wramp (beide Bargteheide-Land) gestern bei einer gemeinsamen Pressekonferenz. Die von Amtsseite vorgeschlagenen gemeinsamen Dienstleistungszentren des fiktiven Amtes mit den Städten in den Städten seien nämlich "der Weg zu Neuem", erklärte Gudrun Wramp.

"Der Minister hat uns wörtlich gesagt, wir sollen nicht klein denken, sondern groß", unterstrich Peter Lengfeld. Das erfüllten die beiden Ämter, da sie über ihre Fusion hinaus umfassende Zusammenarbeit mit den Städten für alle Bereiche vereinbaren wollen, die den Bürger direkt betreffen - vom Einwohnermeldeamt bis hin zu Wohngeld.

Die für die Bürger unabhängig vom Wohnort frei wählbaren Bürgerzentren sollten Anträge nicht nur annehmen, sondern bis zu Entscheidung selbst bearbeiten. "Damit greifen wir die Argumentation der Städte auf, dass ihre Infrastruktur auch auf die Bedürfnisse der Einwohner der Umlandgemeinden ausgelegt sei", so Vorsteher Lengfeld. "Denkbar ist, dass wir die Bauaufsicht auch nach Bargteheide holen", kann sich sein Kollege Drenkhahn vorstellen. Wichtig sei bei Verwaltungserneuerung nicht nur, dass gespart werde, sondern auch, dass der Bürger daraus größtmöglichen Nutzen ziehe, so die vier.

Im Auge haben sie zudem die in absehbarer Zeit eintretende Zunahme der Aufgaben durch die EU-Dienstleistungsrichtlinie. Dafür sei ein größerer Personalbestand ebenso von Vorteil wie etwa für die Öffnungzeiten der Dienstleistungszentren.

Wenn die Städte ein gemeinsames Gutachten ablehnten, dann könnten die Ämter nichts Weiteres mehr tun. Dann habe man den ernsthaften Willen gezeigt, dass sich das neue Amt - wie vom Innenminister gefordert - die Verwaltungsarbeit mit den Städten aufteile. Zur Zeit hat Verwaltungsleiter Bernd Sulimma allerdings das Gefühl, dass die Städte und das Ministerium auf Verzögerungstaktik spielen: "In der Hoffnung, dass wir resignieren." Eine Kursänderung aber werde nicht kommen. Denn auch die Kritiker der Ämterfusion in einigen Gemeinden wollten keinesfalls eine Fusion mit der Stadt.

Von Brigitte Judex-Wenzel , LN

 

Ämter-Reform: So fing alles an . . .

Lübecker Nachrichten vom 6. Dezember 2007

Ämter-Reform: So fing alles an . . .

Die Initiative war (13 000 Einwohner) vom Amt Bargteheide-Land ausgegangen - weil das Land größere Verwaltungseinheiten forderte. Der Amtsausschuss des Amtes Bad Oldesloe-Land (11 000 Einwohner) signalisierte, für Zusammenarbeit offen zu sein.

Als im Juni 2005 klar war, dass 8000 Einwohner als Mindestgrößer gefordert wurden, waren beide "aus dem Schneider", verfolgten die Idee freiwillig weiter. Ein Gutachten sagte im Oktober 2006 aus, dass bei einer Fusion ab 2013 rund 500 000 Euro jährlich einzusparen wären. Ein Grund: Sechs Arbeitsplätze werden aus Altersgründen bis 2013 frei, der der Leitenden Verwaltungsbeamtin Bargteheide-Land in 2008. Am 14. Dezember 2006 beschlossen die Amtsausschüsse, dass die Fusionsbedingungen ausgehandelt werden sollen. Der Innenminister stellte für die Fusion die Bedingung, dass mit den Städten über Verwaltungskooperationen verhandelt werden müsse. Bad Oldesloe und Bargteheide wollten Fusionen Stadt-Amt. Oldesloe gab gegen den Willen des Amtes ein Gutachten in Auftrag.

Die nach wie vor angestrebte Ämterfusion verzögert sich zumindest. Die Fusion ist ab Januar 2008 kalkuliert. Bargteheide-Land hat festgelegt, dass die Verwaltungsleitung für das alte Amt derzeit nicht ausgeschrieben wird. Geht die Leiterin, bevor ein neues Amt existiert, werden ihre Aufgaben auf den Stellvertreter übertragen - das ist eine Zeit lang möglich. jw

Ämterfusion bleibt das Ziel

Stormarner Tageblatt vom 6. Dezember 2007

Ämterfusion bleibt das Ziel

Ein Gutachten soll jetzt Kooperationsmöglichkeiten im Falle einer Ämterfusion von Bad Oldesloe-Land und Bargteheide ausloten.

Bad Oldesloe/gus

– Das Ziel ist weiterhin eindeutig: Die Ämterfusion soll kommen. Jetzt soll aber zudem ein Gutachter erstellt werden, in dem die Möglichkeiten einer kooperativen Zusammenarbeit zwischen dem geplanten Großamt und den beiden Städten Bad Oldesloe und Bargteheide ausgelotet werden.

Allerdings fordern die Ämter, das es für das Gutachten einen Landeszuschuss aus dem Topf für Sonderbedarfszuweisungen gibt. Mit dem Gutachten will man der Forderung des Innenministers nach kommen, dass die Ämter mit den Städten über eine kooperative Zusammenarbeit verhandeln sollen. Der geplante Fusionstermin zum 1. Januar 2008 kann eh nicht mehr gehalten werden. „Normalerweise wäre man hier schon dabei die Umzugskartons zu packen“, sagte Helmut Drenkhahn, Vorsteher des Amtes Bargteheide-Land bei dem Gespräch in der Amtsverwaltung in Bad Oldesloe, der von einer Verzögerung von sechs Monaten ausgeht.

Bei den Städten wollen die Ämter jetzt für das Gutachten werben. „Wir werden ein entsprechendes Schreiben an die Städte verfassen“, so Bernd Sulimma, Leiter der Verwaltung Bad Oldesloe-Land. „Das Vorhaben der Ämter zeigt auch den Weg zum Neuen. Wir wollen keine alten Strukturen halten“, betonte Gudrun Wramp, Leiterin der Verwaltung Bargteheide-Land. Ziel sei eine Erweiterung des gesamten Bereiches und des Bürgerservice. Dazu würden auch Dienstleistungszentren in den beiden Städten Bad Oldesloe und Bargteheide für die Bürger aus den Städten und des Umlandes gehören.

Besonders in Hinsicht auf die neuen Vorgaben aus der EU, die ab Dezember 2009 in Kraft treten sollen, sei es wichtig, eine starke Verwaltung zu haben. Im Hinblick auf das Gutachten der Stadt Bad Oldesloe zu einer Verwaltungsgemeinschaft mit dem Amt Bad Oldesloe-Land sagte Peter Lengfeld, Vorsteher des Amtes Bad Oldesloe-Land, das man seitens des Amtes zu Gesprächen bereit sei. „Unser Ziel ist aber weiterhin die Fusion mit dem Amt Bargteheide“, betonte Lengfeld. Über eine Verwaltungsgemeinschaft bräuchte man gar nicht nachdenken. Dafür sei kein Raum. „Wenn die Taktik der Stadt Bad Oldesloe weiterhin darin besteht, eine Fusion der Ämter zu verhindern, dann sind diese Gespräche allerdings schnell beendet“, so Amtsvorsteher Lengfeld.

DIRK GUSICK

B 75 – Stadt zahlt 53 Prozent mehr

Stormarner Tageblatt vom 5. Dezember 2007

B 75 – Stadt zahlt 53 Prozent mehr

Bad Oldesloe/ol

– Bäume weg, Radweg hin, breitere Bundesstraße her – der Ausbau der B 75 wird ein teurer Spaß. Sehr viel teurer als ursprünglich geplant.

In der März-Sitzung des Wirtschafts- und Planungsausschusses kamen die Zahlen auf den Tisch. Straßenbauamt und das Planungsbüro „Masuch und Olbrisch“ hatten die Baukosten für die B 75 am Steinfelder Redder auf 1,6 Millionen Euro geschätzt.

Mit den Kosten für Ausgleichsmaßnahmen und den Honoraren für die Planer belief sich die Rechnung auf 1,981 Millionen Euro. Weil es sich um eine Bundesstraße handelt, übernimmt das Straßenbauamt davon 1,292 Millionen. Unterm Strich wäre ein städtischer Anteil von 688 300 Euro geblieben.

Mit dem Straßenbauamt wurde seinerzeit für den 1,1 Kilometer langen Streckenabschnitt eine Pauschale vereinbart. Egal wie die tatsächlichen Kosten ausfallen, der Bund zahlt knapp 1,3 Millionen Euro. Theoretisch hätte die Stadt dabei Gewinn machen können. Aber so wie es jetzt aussieht, wird sie kräftig draufzahlen. Das Ausschreibungsergebnis beläuft sich nämlich auf 2,125 Millionen Euro. Plus Ausgleichsmaßnahmen, Beleuchtung und Grunderwerb macht das knappe 2,3 Millionen.

Nach der Vorlage für die Sitzung des Finanzausschusses am Mittwoch, 12. Dezember, beläuft sich der Zuschuss vom Bund nun zwar auf 1,4 Millionen Euro. Trotzdem fehlen nach einer Berechnung der Verwaltung immer noch rund 370 000 Euro. Diese Kosten muss die Stadt tragen, deren Anteil damit mal eben von 688 300 auf 1,058 Millionen steigt.

Die drastische Preissteigerung hat verschiedene Gründe. Die Konjunktur spielt da nach Ansicht des Bauamts mit rein, ebenso der hohe Ölpreis, der die Kosten für Asphalt nach oben treibt. Es gibt allerdings auch planerische Mängel die ausgeglichen werden müssen: Das Umweltamt fordert zusätzliche Regenwasserklärung, Rettungsdienste, Polizei und Feuerwehr haben Forderungen erhoben, die den Bauablauf erschweren und zu guter Letzt hat die Bahn noch auf Sicherungsposten gedrungen. Konnte vorher ja keiner ahnen.

Die Zeit drängt, da die Bindefrist für das Angebot am Montag, 31. Dezember, endet.

Geheimniskrämerei um Klangstadt-Abrechnung

Stormarner Tageblatt vom 5. Dezember 2007

Geheimniskrämerei um Klangstadt-Abrechnung

War das nun Rock’n‘ Roll, Blues oder ein Requiem? Am Tag nach der großen Klangstadtaufklärung im WPA herrscht allenthalben Katerstimmung.

Bad Oldesloe/ol

– Alle sind sich einig: Das Festival auf dem Exer zu Beginn der Sommerferien war ein Erfolg, gut organisiert, hatte gute Resonanz in der Presse und „nur“ 6 000 Euro Verlust. Dabei könnte man es belassen. Wären da nicht Abrechnung und Nachbereitung, um die ein heftiger Streit entbrannt ist. Es kursierten verschiedene Zahlen, dann gab es eine Ultrakurzabrechnung, eine etwas detailliertere – aber alles streng geheim. Es ginge um den Schutz von Gewerbetreibenden, argumentierte Bürgermeister Tassilo von Bary. Marketing-Mann Andreas Tomaschewski präsentierte eine Erfolgsbilanz – das war es an öffentlichen Informationen. Maria Herrmann von der SPD bekam zunehmend einen dickeren Hals und einen roteren Kopf, weil sie auf ihre Fragen keine Antworten bekam: Wo sind die Einnahmen aus dem Catering verbucht? Wie kam der unglückliche Termin zu stande? Warum sind die Kosten für das Zelt von 800 auf 3 600 Euro gestiegen? Gespielte Empörung auf Verwaltungs- und CDU-Seite. Kopfschütteln beim Grünen und Abwiegeln von der FDP. Nicht mal die Frage, ob zukünftige Festivals weiter bezuschusst werden sollen, wurde öffentlich beraten.

Was dann hinter verschlossenen Türen passierte, darüber gibt es verschiedene Darstellungen. „Die Verwaltung hat die Abrechnung detailliert dargelegt. Die Ergebnisse wurden kontrovers diskutiert“, so fasst es Siegfried Wobig zusammen. Gerold Rahmann von den Grünen sah es ganz anders: „Der Auftrag war, die Stimmung nicht zu vermiesen. Mir war das alles zu hoch gekocht. Es ist nichts Konkretes gekommen. Dafür wäre der richtige Rahmen gewesen.“ Die Liberale Anita Klahn findet: „Es ist nicht Aufgabe der Politik, einzelne Belege einzusehen.“ Sie wundert sich im Nachgang „wie viele Aufgaben von Klangstadt bei der Verwaltung gelandet sind“. Maria Herrmann von der SPD teilt diese Meinung nicht: „Die Zahlen wurden erst auf massiven Druck von Presse und Politik vorgelegt. Es geht uns sehr wohl etwas an, was mit den Steuergeldern passiert.“ In Richtung Verwaltung kritisierte sie: „Was sie hier vorgelegt haben, dafür braucht man kein halbes Jahr.“

Über derartige Vorhaltungen soll Kämmerin Mandy Treetzen sehr erbost gewesen sein. Im Zusammenhang mit dem Festival habe die Verwaltung erstmals Rechnungen schreiben müssen, habe mit Mehrwertsteuer zu tun gehabt, und es im ersten Anlauf prompt verkehrt gemacht. Außerdem verstehe sie nicht, warum bei einem 40-Millionen-Haushalt überhaupt über 6 000 Euro diskutiert werde.

Klangstadt-Sprecher Patrick Niemeier ist der Frust anzuhören: „Das hat alles zu nix geführt. Politik hat uns Honig um den Bart geschmiert, aber es wurde nichts wirklich geklärt.“ Auf ihn habe die Sitzung gewirkt wie eine mündliche Prüfung: „Verwaltung zitiert aus dem Inhaltsverzeichnis und jeder glaubt, sie hätten das ganze Buch gelesen.“ Trotzdem stellt er klar: „Wir wollen 2008 ein Festival machen. Klangstadt könnte es auch ohne die Verwaltung.“

Bürgermeister Tassilo von Bary, wollte sich gestern nicht äußern. Fragen an die Verwaltung mussten schriftlich eingereicht werden, Antworten lagen bis Redaktionsschluss nicht vor.

Andreas Olbertz

Klangstadt: Erneute Kooperation mit Stadt ist "unrealistisch"

Lübecker Nachrichten vom 5. Dezember 2007

Klangstadt: Erneute Kooperation mit Stadt ist "unrealistisch"

Bad Oldesloe - Alles Lob von den Politikern half nicht: Die Initiatoren des Klangstadt Open Air Festivals 2007 in Bad Oldesloe bleiben bei ihrer Kritik am Stadtmarketing und an der mangelhaften Nachbereitung der Musikveranstaltung. Zuerst sah es so aus, als ruderten die Klangstadt-Macher mit ihrem Sprecher Patrick Niemeier zurück. Zu Beginn der Sitzung des Wirtschafts- und Planungsausschusses erklärte Niemeier, man habe der Verwaltung kein bösartiges Versagen unterstellen, sondern lediglich Kritik üben wollen. Die Nachbereitung habe sich als "kompliziert dargestellt". Nach der Sitzung wurde er deutlicher: Wochenlang habe man keinerlei Zahlen aus der Abrechnung des Festivals erhalten. Erst kurz vor der Ausschusssitzung am Montag seien ihnen diese fünf Zahlen vorgelegt worden: 46 719,63 Euro Gesamt-Nettoeinnahmen, 54 307,68 Euro Gesamt-Nettoausgaben, 7496,16 Euro zu entrichtende Umsatzsteuer, 8984,64 Euro Vorsteuerabzug und letztlich den ausgewiesenen Fehlbetrag von 6099,57 Euro. "Wir hätten aber gerne eine genauere Auflistung bekommen, um bei der Planung für das nächste Festival aus unseren Fehlern zu lernen", so Niemeier weiter. Wo hätten die höchsten Kosten gelegen, wo ließen sich Verlustbringer in Zukunft vermeiden? Doch da habe die Stadt, genauer die Marketing- und Finanzabteilung, auch auf mehrfache Nachfrage keine Angaben gemacht, sondern immer nur vertröstet. Insofern sei man bei den Klangstadt-Initiatoren enttäuscht. "Wir wollen eine weitere Zusammenarbeit nicht zu hundert Prozent ausschließen. Aber zur Zeit halten wir sie für unrealistisch." Maria Hermann von der SPD wollte die Abrechnung gerne im öffentlichen Teil der Ausschusssitzung behandeln, scheiterte aber am Widerstand von Bürgermeister Tassilo von Bary sowie Siegfried Wobig von der CDU, der für den erkrankten Rainer Fehrmann den Vorsitz übernommen hatte. Begründung: Man dürfe keine Sponsoren benennen. Von Bary war ebenfalls verstimmt. Es sei eine großartige Veranstaltung gewesen, die die Stadt geschmückt hätte. Durch die persönlichen Angriffe auf einzelne Verwaltungsmitarbeiter durch Klangstadt erhalte das Ganze nun einen negativen Beigeschmack. Das sei zudem nicht förderlich für die Motivation der Mitarbeiter, die sich allesamt sehr stark in dieses Projekt eingebracht hätten. "Die Stadt ist nun mal kein gewerblicher Betrieb. Wir haben diesbezüglich keine Erfahrungen mit solch einer Veranstaltung." Insofern hätte die Abrechnung auch etwas länger als sonst üblich gedauert. Auch Grünen-Chef Gerold Rahmann pflichtete dem grundsätzlich bei. Das Festival sei hervorragend gewesen, der Verlust von 6100 Euro tue ihm persönlich nicht weh. Die Stadt hatte ohnehin eine Bürgschaft über 20 000 Euro übernommen. Mit einem Verlust habe man rechnen müssen. Insofern sei doch sogar noch gut gewirtschaftet worden, erklärte auch Anita Klahn von der FDP - und zu den jungen Festival-Organisatoren gewandt: "Hut ab, lassen Sie sich nicht entmutigen!" Von Joachim Strunk, LN

Deutscher Alleen-Verein kämpft um Oldesloer Bäume

Hamburger Abendblatt vom 4. Dezember 2007

Deutscher Alleen-Verein kämpft um Oldesloer Bäume

BAD OLDESLOE -

Die "Arbeitsgemeinschaft Deutsche Alleenstraße" (Bonn) will das Abholzen der Bäume an der B 75 am Ortsausgang von Bad Oldesloe in Richtung Reinfeld verhindern. Der Verein fordert Bürgermeister Tassilo von Bary in einem Brief auf, sich für den Erhalt der Bäume einzusetzen.

"Viele besorgte Bürger haben uns angerufen und uns von den Plänen berichtet, die Allee an der B 75 zu fällen", heißt es in dem von Christoph Rullmann, Vorstand der "Arbeitsgemeinschaft Deutsche Alleenstraße" und auch Bundesgeschäftsführer der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), unterzeichneten Brief. Und weiter: "Wir sind über das Bestreben sehr bestürzt und möchten gegen dieses Vorgehen aufs Schärfste protestieren."

Bei einem Ausbau einer Straße sei es immer schwierig, den Baumbestand zu erhalten. Die Erfahrungen hätten jedoch gezeigt, dass es vielerorts möglich sei. "Hierzu ist es notwendig, für Alternativen offen zu sein und diese zu diskutieren", sagt Rullmann. In vielen Bundesländern hätten sich Partnerschaften aus Naturschutzverbänden und Ländervertretungen gebildet, die den Alleenschutz vorantreiben.

"Machen auch Sie mit und werden Sie zu einem Mitstreiter für den Erhalt dieser einzigartigen landschaftskulturellen Naturdenkmäler", fordert Christoph Rullmann den Oldesloer Bürgermeister auf. "Wir möchten Sie bitten, sich für den Erhalt der bedrohten Allee einzusetzen", schreibt er. "Alleen sind Heimat für viele bedrohte Lebewesen und haben einen hohen touristischen Wert."

JR

Krach um Klangstadt

Stormarner Tageblatt vom 1. Dezember 2007

Krach um Klangstadt

SPD und CDU fordern Aufklärung

Bad Oldesloe/ol

– „Ihre Befindlichkeiten interessieren mich nicht. Kriege ich die Zahlen von Ihnen oder soll ich gleich zum Bürgermeister gehen?“ Deutliche Worte von Siegfried Wobig an Marketing-Mann Andreas Tomaschewski. Nicht nur bei der CDU war sauer aufgestoßen, dass die Abrechnung für das Klangstadt-Festival nur aus den Zahlen für Einnahmen und Ausgaben bestand. Unterm Strich steht ein Minus von 6 000 Euro. Das Machtwort hat gewirkt, gestern hatten die Stadtverordneten eine Aufschlüsselung in der Post.

Die fehlenden Zahlen sind aber längst nicht mehr allein der springende Punkt. Klangstadt hatte kürzlich von beiderseitigem Misstrauen gesprochen, Kompetenzgerangel sowie fehlenden Rückhalt moniert. Daraufhin sah sich gestern Bürgermeister von Bary zu einer Stellungnahme genötigt: „Wenn tatsächlich Dinge noch unausgesprochen sind, sollten wir das schnellstens intern ausräumen und nach vorn schauen. Meine Tür steht für Gespräche weit offen.“

Aus interner Klärung wird wohl nichts. Montag steht das Thema um 19.30 Uhr auf der Tagesordnung des WPA. Die SPD hatte Organisator Patrick Niemeier in die Fraktion geladen. „Wir sind bestürzt über die Informationen, die wir bekommen haben“, sagte Maria Herrmann, Mitglied im zuständigen Wirtschafts- und Planungsausschuss, anschließend. So wurde zum Beispiel das Zelt mit 800 Euro kalkuliert aber später mit 3600 Euro aufgelistet. Plakate und Banner wurden in größeren Stückzahlen produziert, durften hinterher aber nicht aufgestellt werden – nur einge der Punkte, über die sie Klarheit haben will. „Es kann nicht sein, dass wir mangelndes Engagement beklagen und hier hoch motivierte Jugendliche verprellen“, meint Maria Herrmann: „Wir vergeben große Chancen, Neues auf den Weg zu bringen.“

Stormarner Wochenschau

Stormarner Tageblatt vom 1. Dezember 2007

Geheime Gutachten und Polit-Satire

Informations-Gau

Rolf Blase und Andreas Olbertz

So schnell kann das gehen: Ein Anruf und schon ist das sicher geglaubte Geld weg. Die Lions hatten beim „Rock am Schloss“ 15 500 Euro eingenommen und an verschiedene Vereine und Institutionen verteilt. Auch der FIT-Verein sollte bedacht werden – so stand es jedenfalls in einer Liste, die die Löwen bei einer Pressekonferenz verteilt haben. Jetzt bekam der FIT-Vorsitzende Gerd-Günter Fink allerdings einen Anruf, Geld gebe es nicht, aber den Tipp, sich doch mal an den Kreisjugendring zu wenden. Fink wusste gar nicht wie ihm geschah. „Das ist stillos und absolut nicht gentlemanlike“, meint er. Dabei gehe es ihm nicht nur um das Geld, sondern vor allem um die „diskriminierende Art. Da sieht man wie tief Vorurteile verwurzelt sind.“

Lions-Präsident Michael Keller war zwar auch in der Vergabe-Jury, aber an FIT und die Frage, ob der Verein Geld bekomme, könne er sich nicht erinnern. Er versprach, der Sache nachzugehen.

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Explosionsgefahr droht in Ahrensburg weniger durch das Methangas, das auf der THC-Tennisanlage austritt als durch das Verhalten der Stadt. Das Gutachten liegt seit August im Rathaus vor, Bürgermeisterin Ursula Pepper hält es allerdings bis heute unter Verschluss, auch gegenüber der Politik. Mehr als eine abgespeckte Vorlage bekam auch der Hauptausschuss nicht zu sehen. Erst auf massiven Druck aus der Politik konnte die Verwaltungs-Chefin zu einer öffentlichen Erklärung in der Stadtverordnetenversammlung gedrängt werden. Seitdem gärt es in der Schlossstadt umso mehr. Schließlich ist im Gutachten von flächig erhöhten Messwerten und Gesundheitsgefährdung die Rede. Es gebe aber „keine akute Gefährdung“, sagt die Bürgermeisterin. Ein Laie könne die Aussagen im Gutachten schnell missverstehen, deshalb müssten sie erklärt werden. Das soll am 12. Dezember geschehen, wenn die Gutachter die Werte im Umweltausschuss erläutern. „Im Nachhinein kann man natürlich sagen, man hätte es gleich öffentlich machen sollen“, sagt Ursula Pepper mittlerweile. Kaum zu glauben, dass einer so erfahrenen Verwaltungschefin so ein Informations-Gau unterläuft. Solche Geheimnistuerei zeugt nicht von Vertrauen in die Bürger und die Politik.

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„Für PR machen sie alles“, sagte der Extra 3-Moderator und schoss seine giftigen Pfeile auf die Oldesloer Politiker ab. „Weiter malen“, sagt die eine, „Wahlkampf“ der andere. Das war köstlich anzusehen am späten Donnerstagabend. Wie sinnentleert kann Politik doch sein.

Vermutlich hatten nicht alle ihren Spaß. Zwei der Hauptdarsteller, Rainer Fehrmann und Dr. Otto Fickel, traten vorsorglich die Flucht an. Die beiden bringen Hilfsgüter nach Polen – das ist doch mal eine sinnvolle Aktion.

Susanne Pöhls hatte im Finanzausschuss hingegen extra auf die Tube gedrückt, damit alle pünktlich zu Hause vor der Glotze sitzen können. Wie fürsorglich. Horst Möller ahnte wohl, dass nichts Gutes dabei rauskommen kann, wenn sich ein Satiremagazin der Oldesloer Baumbemaler und -schrubber annimmt, und hatte die Flimmerkiste vorsichtshalber ausgelassen. Ob die Roten ihre Mitgliederversammlung zum gemeinsamen TV-Abend ausgeweitet haben, ist nicht überliefert, dürfte aber eher unwahrscheinlich sein, denn auch dort gehen die Ansichten auseinander.

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Politik kann aber auch in Bad Oldesloe ganz anders sein. Und dafür waren die Haushaltsberatungen ein Indiz. Sieht man mal vom grünen Willi Janson ab, der nur seine Forderungen trocken abgelesen hat, waren das launige Reden. Ein paar Spitzen gegen den politischen Gegner – deutlich aber nicht verletzend – die berühmte Generalabrechnung angereichert mit Fakten und Forderungen, das ganze locker vorgetragen, ein paar Zwischenrufe von den Rängen. So sollte Politik sein. Das macht vermutlich Akteuren und Beobachtern gleichermaßen Spaß.

Wenn CDU-Fraktions-Chef Horst Möller in seiner Rede meint, eigentlich müsste die SPD ihm die Füße küssen und sein Gegenpart von der SPD, Hagen von Massenbach, antwortet, das würde er glatt machen, wenn ihm die Union nur ein wenig mehr entgegen käme – klar greift unser Karikaturist Götz Wiedenroth da zum Zeichenstift.

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Ein ehemaliger Stadtverordneter in Barschelpose und „ein despektierliches Bild des Bürgermeisters in leicht trotteliger Haltung“, so hat es Bürgerworthalter Dr. Wolfgang Böge empfunden. Dazu eine Dart-Scheibe mit dem Gesicht von Matthias Rohde, in dem ein Pfeil steckte – Gewaltdarstellung in einer Karikatur! Für Böge nicht mehr tolerierbar. Presse und Politik sollten sich auf die sachliche Ebene beschränken und niemanden persönlich beschädigen, forderte er bei der Stadtverordnetenversammlung. Am liebsten hätte er das als gemeinsame Erklärung aller Fraktionen verkündet, aber außer der CDU teilt diese Auffassung wohl keiner und ließ ihn abblitzen. Trotzdem fragt sich natürlich jeder: Warum hat er nicht mal früher was gesagt? Dann hätte Matthias Rohde sich das bestimmt zu Herzen genommen. Der Grüne Gerold Rahmann hätte sich nicht auf ihn eingeschossen. Die Union hätte noch mehr und jüngere Aktive in ihren Reihen. Die verbliebenen Parteifreunde von der CDU hätten nie einen Anlass bekommen, ihrem Fraktionsvorsitzenden erst den Chefsessel zu nehmen und ihn dann mehr oder weniger deutlich ganz aus der Oldesloer Politik zu verdrängen. Und wir hätten weniger Anlass für Karikaturen gehabt.

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Das war mal wieder ein Zeichen echter Bürgernähe und Offenheit in der Oldesloer Stadtverordnetenversammlung: Da nimmt jemand seinen Mut zusammen, tritt ans Mikro in der Festhalle, formuliert seine Frage und muss sich dann noch Zwischenrufe gefallen lassen, wer sie überhaupt sei und wo sie herkomme. Da war ziemlich offensichtlich, dass einer Fraktion es nicht passte, auf die Baumfällungen an der B 75 angesprochen zu werden.

Allee-Bäume: „Kreuzzug“ hält an

Stormarner Tageblatt vom 30. November 2007

Allee-Bäume: „Kreuzzug“ hält an

Die SPD startet eine Unterschriftenaktion zur Rettung der Bäume an der B 75.

Bad Oldesloe/ol

– „Der Kreuzzug geht weiter“, nennt die Oldesloer SPD ihre nächste Aktion. Sie hat nicht nur die Bäume an der B 75, die in Kürze gefällt werden sollen, mit Kreuzen gekennzeichnet, jetzt sollen Unterschriften zur Rettung der Bäume gesammelt werden. Der Startschuss fiel gestern Abend auf der Mitgliederversammlung der Partei.

Haltung von Verwaltung und CDU war bislang immer: Das ist eine Maßnahme des Bundes, da sind uns die Hände gebunden. Das Straßenbauamt will das so. Wir haben nichts zu sagen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Gerhard Diedrichs, Chef des Lübecker Straßenbauamts, hatte gegenüber dem Stormarner Tageblatt keine Zweifel daran gelassen, dass er die Planungen für gut hält. Sie seien das Ergebnis langjähriger Verhandlungen mit der Stadt. Die Entscheidung sei am Ende einvernehmlich gefallen.

SPD-Vorsitzender Christoph Asmussen folgert daraus: „Das heißt, die Stadt war sehr wohl an den Beschlüssen zum Fällen der Bäume beteiligt – und es besteht die Möglichkeit, in Bad Oldesloe anders zu entscheiden.“ WPA-Mitglied Maria Herrmann: „Entgegen seinen Aussagen in der Stadtverordnetenversammlung hat der Bürgermeister dann offensichtlich doch nicht so vehement für den Erhalt der Bäume gekämpft.“ Wenn möglichst viele Unterschriften zusammen kommen, rechnen sich die Sozialdemokraten noch Chancen aus, den Kahlschlag stoppen zu können. Außerdem will die SPD erreichen, dass die Kosten für die Fällaktion offen gelegt werden. Deshalb werden sie morgen von 10 bis 12 Uhr mit entsprechenden Listen in der Fußgängerzone und am Wochenmarkt unterwegs sein.

Auch die Grünen kritisieren die Fällaktion und weisen in diesem Zusammenhang auf weitere Umweltfrevel in „bad & old Esloe“ hin. So seien zwar sehr populistisch die Ausgleichsbäume für den Steinfelder Redder gepflanzt worden. „Da wurde nicht erwähnt, dass die gesamte Anpflanzfläche mit einem Total-Herbizid tot gespritzt wurde“, prangert Fraktions-Chef Gerold Rahmann an: „Schade um die Pflanzen und Tiere, die vorher auf der Fläche waren. Das hat mit Umweltschutz nichts zu tun.“ Direkt neben der Anpflanzung sei in der Niederung zum Bach erheblich abgeholzt worden. Rahmann: „Dies ist überflüssig und entspricht keiner guten fachlichen Praxis.“

„Völlig überzogene Baumfällungen“ habe es auch am Trave-Wanderweg gegeben. Am Hang, der zur Travenhöhe führt, seien „schöne stattliche Bäume abgeholzt worden“, so Rahmann.

„Da bestand Handlungsbedarf, weil Bäume Totholz abgeworfen haben“, rechtfertigt Bauamts-Chef Rolf Steinhoerster die Aktion. Diese „notwendigen Unterhaltungsarbeiten“ seien mit der Fachabteilung abgestimmt gewesen. Weitere Pflegearbeiten bis zur Brücke am Berliner Ring sollen in Kürze folgen.

In die grüne Kritik vom „Naturschutz-Vandalismus“ mag SPD-Fraktions-Chef Hagen von Massenbach deshalb nicht einstimmen: „Bäume leben und sterben. Da müssen auch mal Maßnahmen ergriffen werden. Im Moment wird aber mit sehr geringer Sensibilität vorgegangen.“

Andreas Olbertz

 

SPD will alte Bäume an der B 75 retten

Hamburger Abendblatt vom 30. November 2007

SPD will alte Bäume an der B 75 retten

BAD OLDESLOE -

Die SPD will das Fällen der Alleebäume im Bereich des Neubaugebiets Steinfelder Redder zur Verbreiterung der B 75 in Bad Oldesloes mit einer Unterschriftenaktion verhindern. Morgen (10 bis 12 Uhr) beginnen Parteimitglieder in der Fußgängerzone auf dem Marktplatz, Unterschriften zu sammeln.

"Wir fordern Bürgermeister Tassilo von Bary auf, die Kosten für den Ausbau der B 75 offenzulegen und neue Gespräche mit dem Landesbetrieb Straßenbau zu führen, mit dem Ziel, die Bäume an der Bundesstraße zu erhalten", steht in dem vom SPD-Ortsvorsitzenden Christoph Asmussen und der stellvertretenden Fraktionschefin Maria Herrmann verfassten Aufforderung. Damit es möglichst viele unterzeichnen, können die Bürger selbst mitmachen und Unterschriftenformulare im Internet unter www.spd-badoldesloe.de herunterladen. "Damit kann jeder in der Familie, im Bekanntenkreis oder öffentlich Unterschriften für den Erhalt der Bäume sammeln", sagt Fraktionschef Hagen von Massenbach.

Die ausgefüllten Listen können an Christoph Asmussen (Reimer-Hansen-Straße 17) oder Maria Hermann (Amalie-Dietrich-Straße 4) geschickt oder dort abgegeben werden. Am 20. Dezember sollen sie dem Oldesloer Bürgermeister überreicht werden.

JR

Bloße Füße und Nachhilfe

Stormarner Tageblatt vom 29. November 2007

Bloße Füße und Nachhilfe

Haushaltspolitik – das ist Chefsache, da müssen die Vorsitzenden in die Bütt, da werden launige Grundsatzreden gehalten, da ist Stimmung in der Bude mit Gelächter, Zwischenrufen und Applaus.

Bad Oldesloe/ol

– Naja, nicht bei allen. Es gab natürlich auch Ausnahmen. Da Wilfried Janson der einzige Grüne bei der Stadtverordnetenversammlung war, musste er nach vorne. Keine strahlende Rede, sondern eine Auflistung: „Der Haushalt ist nicht zustimmungsfähig und muss nachgebessert werden.“ Bei dem, was er da forderte, war der Grüne nicht mal sonderlich kreativ, sondern nutzte die Gunst, vor der SPD reden zu dürfen, um einen Teil von deren Forderungen als eigenen Antrag zu präsentieren: kostenloses Schulessen und vier Sozialpädagogen-Stellen an den Schulen. Erst dann kam das, was die Grünen auch schon bei der Haushaltsklausur gefordert hatten (wir berichteten).

Als der CDU-Fraktionsvorsitzende Horst Möller ans Mikro trat, stieg der Stimmungspegel etwas. Er nutzte die Gelegenheit zu einer Bilanz der vergangenen viereinhalb Jahre Unions-Politik. Die Schulen seien erweitert worden und die Weichen für die Zukunft gestellt, der Beschluss für den Bau einer vierten Mensa soll im kommenden Jahr folgen, die Biogas Tankstelle stehe vor der Fertigstellung, die Erdgastankstelle hätte sich die CDU früher gewünscht, aber auch die kommt, die Steuerquellen sprudelten. Möller: „Deshalb nutzen wir jetzt die Möglichkeit zur nachhaltigen Haushaltssanierung.“ Auch die Vollendung der Baugebiete im Westen gehe auf das Konto der CDU. „Dafür müssten Sie uns dankbar sein und uns die Füße küssen, schließlich wohnt da ein Großteil ihrer Klientel“, sagte Horst Möller in Richtung SPD.

Den Ball griff deren Fraktions-Chef Hagen von Massenbach auf. „Sie wissen, ich neige zu emotionalen Ausbrüchen“ , warnte er, blieb dann aber doch ganz cool. Es würden keine blank geputzten Bänke in der Fußgängerzone gebraucht, die Stadt brauche endlich wieder ein soziales Gewissen. Die gute Haushaltslage sei nicht auf geschickte Politik der Union zurückzuführen, sondern resultiere aus Steuereinnahmen. „Das ist einfach über uns gekommen.“ Davon würden beispielsweise 500 000 Euro schon jetzt für Altersteilrücklagen ausgegeben, die erst 2009 fällig seien. Stattdessen sollten sie lieber in soziale Projekte investiert werden. Dass die CDU keine Anträge stellte, wurde natürlich auch kommentiert. „Meine Herren, war das alles? Wir haben noch Ideen, dann machen wir nächstes Jahr weiter“, tönte von Massenbach keck, um dann damit zu enden, wenn die CDU doch noch für Sozialpädagogen und Schulessen stimme, „kann Herr Möller schon mal die Füße entblößen.“ Daraus wurde natürlich nichts.

Karl-Reinhold Wurch gab zur allgemeinen Erheiterung eine Nachhilfestunde in Mathe: Wenn 3000 Schüler ein Essen für 3 Euro bekommen sollen, mache das täglich 9 000 Euro. Fünf Tage die Woche, 40 Wochen im Jahr – da war der Liberale schnell bei 1,8 Millionen Euro. SPD und Grüne hatten aber deutlich weniger beantragt. „Woher nehmen, wenn nicht stehlen?“, wollte er wissen. Froh war Wurch, dass die Opposition nicht wieder den Steinfelder Redder zum Anlass nahm, den Haushalt pauschal abzulehnen. Das hätte keinen Sinn gemacht. Denn obwohl fleißig gebaut wird, fließen 2008 nur 606 000 Euro. Bei einem Haushaltsvolumen von knapp 40 Millionen Euro machen die Redder-Einnahmen also nur etwa 1,5 Prozent aus.

Andreas Olbertz

Haushalt-Suppe 2008

Chefkoch Hagen von Massenbach

MARKT vom 28. November 2007

Politiker und Parteien haben das Wort

Die Vorratskammern von Bad Oldesloe sind in diesem Jahr, u.a. dank steigender Gewerbesteuereinnahmen, ausreichend gefüllt.

Auch die OldesloerInnen haben in diesem Jahr viele gute Gaben für einen reichhaltigen Haushalt gebracht.

Dennoch wird uns im nächsten Jahr wieder nur eine „dünne Suppe“ serviert.

In den letzten Jahren mussten wir die Gürtel enger schnallen und haben viele Zutaten  schmerzlich vermisst. Gerade an Maßnahmen im freiwilligen sozialen und ökologischen Bereich wurde mächtig gespart.

Diese Suppen waren weder sättigend noch schmackhaft und wohltuend.

Die Zutaten für das kommende Jahr sind hauptsächlich die neuen Mensagebäude, die Schulumwandlungen und die Schuldenreduzierung (Pflichtzutaten).

Dies gibt zwar einen guten Fond, allerdings fehlen die nahrhaften Zutaten, die eine Suppe  reichhaltig und damit „dick“ machen:

So hätten die zusätzlichen Zutaten für 2008 aussehen können:

100.000 €      Schulessen
160.000 €      4 Sozialpädagogen für die 4 Schulen
  30.000 €      Klimaschutz (Zuschüsse für die Pflege von Altbäumen/Sanierung Altbau)
  40.000 €      1 Planstelle für Energieberatung im Umweltamt
  40.000 €      50 Fahrradboxen am Bahnhof (gebührenfrei)
  60.000 €      Sofortmaßnahmen zur Verbesserung des Radwegenetzes.

Insgesamt ca. 1,25 % der Einnahmen – also machbar.

Stattdessen müssen wir 2008 eine ziemlich dünne Suppe essen.

Was ist mit den SchülerInnen, die nicht wirklich satt werden und die wunderbaren Mensen nicht nutzen können, weil sie sich das angebotene Essen nicht leisten können?

Was ist mit den anderen, die auch noch ökologisch hochwertige Bio-Kost bevorzugen, weil sie einfach gesünder ist?

Keine Sorge – im Mai 2008 besteht für die OldesloerInnen die Möglichkeit, das bisherige Kochteam mit der schwarz/gelben Schürze abzulösen.

Wir bieten Ihnen dann eine schmackhafte und reichhaltigen Suppe mit ausgewogenen Inhalten,  Ballaststoffen und auch reichlich Gewürzen für den Rest des Jahres 2008 und für die Zukunft.

Denn: Alle sollen nicht nur satt werden sondern auch Genuss an der Oldesloer-Suppe finden können – auch wenn die Gaben mal knapper werden sollten.

Ihr „rotes“ Küchenteam

Hagen von Massenbach, SPD

Hände gebunden oder nur Augen zu

Stormarner Tageblatt vom 28. November 2007

Hände gebunden oder nur Augen zu

Für das Straßenbauamt ist die geplante Abholzung der Bäume an der B 75 im Grunde nur logisch und konsequent. In Bad Oldesloe wird weiter vehement um den Erhalt der Allee gestritten.

Bad Oldesloe/ol

– Was ein bisschen Farbe alles auslösen kann. Auch am Montagabend war die bevorstehende Baumfällaktion an der B 75 wieder Thema in der Stadtverordnetenversammlung. „Haben Sie ernsthaft vor, die schönste Ortseinfahrt Stormarns abzuholzen?“, fragte Helga Treeß provokant-kritisch. Sie regte an, das schlechte Ausschreibungsergebnis zum Anlass zu nehmen, nochmals über die B 75 nachzudenken.

Dieter Schwitzke war weniger diplomatisch: „Wer will den Oldesloern oktroy-ieren, dass die Bäume gefällt werden? Ich möchte es schriftlich haben, dass es vom Straßenbauamt angeordnet worden ist.“ Birgit Papke-Seutter wurde konkret: „Wie hoch sind die Kosten für die Fällaktion und die Entsorgung?“

Bürgermeister Tassilo von Bary stellte klar: „Hier ist keiner, der gerne Allee-Bäume abholzt.“ Aber Baulastträger ist der Bund. Immer wieder werde der neue Radweg als Argument angeführt, doch der habe damit nichts zu tun. Ausschlaggebend sei einzig und allein die geforderte Mindestbreite der Bundesstraße. „Uns sind da die Hände gebunden“, so von Bary: „Das Thema war ja sogar vor dem Petitionsausschuss, der auch nichts machen konnte.“ Zu den Kosten konnte oder wollte sich der Verwaltungs-Chef nicht äußern.

Den Schwarzen Peter will sich Gerhard Diedrichs, Chef des Lübecker Straßenbauamts, allerdings nicht zuschieben lassen: „Man kann über alles diskutieren.“ Und das sei in der Angelegenheit ausgiebig getan worden. „Es ist lange um die beste Lösung gerungen worden. Diese Planung überzeugt mich.“ Das Ergebnis sei einvernehmlich gefunden worden.

Der ideale Abstand von Allee-Bäumen zur Fahrbahn betrage 4,5 Meter. An der Lübecker Straße sind es aber nur wenige Zentimeter. Das mache die Bäume krank. „Auf Dauer sind die nicht zu halten, das ist eine Illusion.“ Also sei es nur logisch, die nördliche Reihe zu Fällen, die Straßenachse nach Norden zu verschieben und so für Entlastung der südlichen Bäume zu sorgen. „Aber irgendwann sind die auch fällig“, warnt der Lübecker.

Ob die Straße dann auf 6,50 Meter ausgebaut werde oder auf 7 Meter sei egal. Diedrichs ist sogar überzeugt, dass es nicht geholfen hätte, auf den Straßenausbau zu verzichten. „Irgendwann kommt die Grundinstandsetzung. Das Leben von Bäumen an Straßen ist nun mal endlich.“

Ein Argument, dass der Vorsitzende der Oldesloer Naturfreunde, Klaus Klingner, bereits kennt: „Das hat man uns bereits vor zehn Jahren erzählt, aber die Bäume sind immer noch grün.“ Deshalb habe sich sein Verein vergangenes Jahr an den Petitionsausschuss gewandt. Das Ergebnis war für Klingner ernüchternd: „Sinngemäß war die Antwort, dass sie gegen die Argumente der Straßenbauer nichts einzuwenden haben.“ In Selbstverwaltungsangelegenheiten von Kommunen beschränkt sich der Ausschuss grundsätzlich auf Rechtskontrolle.

Wie bereits berichtet, ist das Ausschreibungsergebnis für die Fällarbeiten deutlich höher ausgefallen als erwartet. Zahlen wollte der Bürgermeister während der Sitzung nicht nennen. Hinter vorgehaltener Hand wird von mehreren hunderttausend Euro gesprochen. Eine Summe, auf der die Stadt sitzen bleiben wird. „Wir haben eine Vereinbarung über einen Festbetrag“, erläutert Gerhard Diedrichs lakonisch. Nachverhandlungen seien nicht vorgesehen.

Das muss den Mitgliedern des Wirtschafts- und Planungsausschusses klar gewesen sein. In der Vorlage zur März-Sitzung heißt es: „Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich bei der Kostenerstattung um pauschalierte Beträge handelt, die unabhängig von den tatsächlichen Kosten erstattet werden (kein Ausgleich von Mehr- oder Minderkosten).“

Andreas Olbertz

Klangstadt kündigt Stadt die Partnerschaft

Stormarner Tageblatt vom 28. November 2007

Klangstadt kündigt Stadt die Partnerschaft

Bad Oldesloe /ol

Das sind klare Worte: „Das Orga-Team hat beschlossen, für zukünftige Festivals aufgrund der zwiespältigen Erfahrungen nicht mehr direkt mit dem Stadtmarketing zusammenzuarbeiten und auch nicht mehr die Stadt darum zu bitten, als Veranstalter aufzutreten.“ Klangstadt-Festival-Organisator Patrick Niemeier erklärte gestern: „Auf beiden Seiten ist Misstrauen gewachsen.“ Viele der Musiker hätten das Gefühl gehabt, dass es durch die Zusammenarbeit mit der Stadt nicht einfacher geworden, sondern ein zusätzlicher Abstimmungsweg hinzugekommen sei. Niemeier: „Vorher hatte man uns freie Hand zugesagt, dann doch massiv Einfluss genommen.“

Besonders sauer stößt den Klangstädtern auf, dass ihnen Einblick in die Ab-rechung verweigert werde. Niemeier: „Das ist ein Misstrauensbeweis und für uns enttäuschend.“ Zumal eine Analyse der Finanzen natürlich für das nächste Festival wichtig wäre. Patrick Niemeier: „Wenn der Bürgermeister sagt, er steht uns nicht im Weg, ist das schon ein deutlicher Wink mit dem Zaun.“ Vorbehaltlose Unterstützung klinge anders. „Politik gegen Verwaltung, Parteien gegeneinander – wir hatten das Gefühl, dass es nicht mehr um das Festival geht. Da möchten wir nicht zwischen sein“, so Niemeier.

Voraussetzung für ein Klangstadt Open-Air 2008 sei, dass „Meddewader“ wieder mitmache. Mit denen habe die Zusammenarbeit reibungslos geklappt, sie Patrick Niemeier. Es müsse noch ein Termin gefunden werden. Das Festivalgelände soll dann etwas außerhalb liegen und auch Möglichkeiten zum Zelten bieten. Aber auch auf Organisatorenseite müsse sich etwas ändern. Niemeier: „Das könnte bedeuten, dass Klangstadt ein Verein wird, für das Festival ein Verein gegründet wird oder die Organisatoren unter das Dach eines bestehenden Vereins schlüpfen.  

Solider Haushalt, aber kaum sozial

Lübecker Nachrichten 27. November 2007

Die Oldesloer CDU freut sich über den Schuldenabbau im kommenden Etat.
Dagegen würde die SPD lieber schon ein paar finanzielle Wohltaten vollbringen.

Noch vor der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung, in der der Haushalt 2008 das zentrale Thema war, hatte dieMehrheitsfraktion ihre Pressemitteilung verteilt: Die CDU sei sehr zufrieden mit dem Haushaltsentwurf für 2008, die Finanzen der Stadt seien „auf gutem Wege“, erklärte die finanzpolitische Sprecherin und Vorsitzende des Fachausschusses, Susanne Pöhls.

Nachdem man sich im Ausschuss – übrigens auf Antrag der FDP – mit breiter Mehrheit entschlossen hatte, bei der Gewerbesteuer den Mittelwert der letzten Jahre, also 9,5 statt der von Kämmerin Mandy Treetzen vorgeschlagenen 8,25 Millionen Euro, als Einnahme zugrunde zu legen, werde bereits „für 2008 mit einem ausgeglichenen Verwaltungshaushalt geplant“. Zudem konnte die Nettokreditaufnahme auf 1,1 Millionen Euro begrenzt werden.

Hagen von Massenbach, Fraktionsvorsitzender der Sozialdemokraten, bescheinigte Pöhls denn auch solide Arbeit, jedoch: „die soziale Komponente fehlt!“ Während beispielsweise CDU-Chef Horst Möller die Erhöhung des Schulbudgets und die zusätzlichen Ressourcen für den Ganztagsbetrieb der Oldesloer Schulen als „wichtige Investition in die Zukunft“ bejubelte, mäkelte von Massenbach: „Unser Antrag auf einen Zuschuss zum Schulessen in Höhe von 100 000 Euro wurde abgelehnt.“ Solch ein Zuschuss sei nötiger als „neue eiskalte Edelstahl-Sitzbänke in einer aufgehübschten Innenstadt“.

Denn mit einem Beitrag von 2,60 und 3,10 Euro für die beiden Hauptgerichte in der Mensa an der Gesamtschule würden zahlreiche Schüler und Schülerinnen bereits vor der Mensa ausgeschlossen. Lege man nämlich den Tagessatz für ein Kind von Arbeitslosengeld-II-Empfängern zugrunde, mache das 2,45 Euro aus – für den ganzen Tag, und nicht nur für ein Mittagessen! Bad Oldesloe brauche einen Sozialfonds, schlägt die SPD vor, aus dem die notwendigen Mittel bereit gestellt würden, damit alle Schülerinnen und Schüler an der Mittagsverpflegung teilnehmen könnten. „Es gibt bereits eine ganze Menge von Menschen und Firmen, die ihren Wohlstand auch als Verpflichtung sehen und sich an einem Sozialfonds beteiligen wollen.“

Um diese und weitere Ausgaben in Höhe von insgesamt rund 400 000 Euro finanzieren zu können, hatte die SPD vorgeschlagen, auf den Wanderweg im Westen der Stadt („völlig unnötig und belastet die Natur mehr, als dass sie dem Menschen nützt“), im Immobilienbereich auf Bauunterhaltung und Energiekosten zu verzichten sowie den Ansatz der Gewerbesteuer zu erhöhen. „Völlig ungeeignet“, befand Susanne Pöhls. Und CDU-Fraktionschef Horst Möller fügte hinzu: Die SPD–Anträge gehörten bereits in den Wahlkampf.

Man könne keine laufenden Ausgaben wie zum Beispiel für zusätzliches Personal an Schulen (SPD-Vorschlag: vier Planstellen für Sozial-Pädagogen für 160 000 Euro) oder im Umweltbereich über Schulden finanzieren. Pöhls: „Das ist keine nachhaltige Finanzpolitik, sondern der Alptraum eines jeden Finanzpolitikers.“ Auch gegen den Vorwurf, Oldesloe „kaputt zu sparen“, wehrt sich die CDU. Immerhin seien von 2002 bis 2007 insgesamt 42 Millionen Euro investiert worden – bei einem städtischen Eigenanteil von 23 Millionen Euro. Demgegenüber habe man die Schulden von 12,7 auf jetzt 8,7 Millionen Euro gesenkt.

VON JOACHIM STRUNK

100 000 Euro für Toilette ?

Stormarner Tageblatt vom 27. November 2007

100 000 Euro für Toilette ?

„Pulleralarm“ in der Innenstadt? Das kann zu einem echten Problem werden. Eine öffentliche Toilette gibt es nämlich nicht. Ein seit Jahren bekannter und beklagenswerter Zustand.

Bad Oldesloe/ol

– Nun mag so mancher denken: „Keine öffentliche Toilette? Stimmt doch gar nicht. Es gibt doch eine Toilette hinterm Rathaus. Aber: Man muss sich den Schlüssel geben lassen – im kleinen italienischen Restaurant nebenan. Ist das dann noch eine öffentliche Bedürfnisanstalt? Per Definition ist das nämlich nur der Fall, wenn sie „jederzeit zugänglich“ ist. Hat der Italiener zu, bleibt auch das öffentliche Klo verschlossen. Darum handelt es sich in dem Fall nur um eine „Toilette für die Öffentlichkeit“.

Noch schlimmer ist die Situation an der Hude. Dort hat die Stadt echte öffentliche Toilette, die aber der Öffentlichkeit verschlossen bleibt. Obdachlose hatten sich dort regelmäßig einquartiert und auch die Nacht verbracht. Weil das natürlich nicht geht, bleiben die Räume seit längerem verschlossen und werden nur zu besonderen Gelegenheiten wieder zugänglich gemacht.

Das neu eröffnete Subway gegenüber braucht natürlich auch Toiletten für seine Gäste. Die waren im „Blauen Haus “ aber nicht vorhanden. Alles klar also, könnte man denken: Subway bekommt den Schlüssel, sorgt für Ordnung und Sauberkeit. Und so ganz nebenbei hätte die Öffentlichkeit dann zentral in der Fußgängerzone eine Toilette. Doch Fehlanzeige. Bauamts-Chef Rolf Steinhoerster ist einer der Bedenkenträger. „Dann würden wir Probleme mit dem Besitzer bekommen“, prognostiziert er.

Die Stadt hat das Gebäude verkauft. Eine öffentliche Toilette wurde seinerzeit vertraglich vereinbart. Aber eine Toilette für die Öffentlichkeit, zumal wenn sie womöglich auch von Besuchern eines Schnellrestaurants genutzt wird, ist eben was anderes.

Im Oktober hatten die Mitglieder des Wirtschafts- und Planungsausschusses die Verwaltung beauftragt zu prüfen, ob in der Innenstadt nicht eine Miettoilette aufgestellt werden kann und was das kosten würde. Ahrensburg hat eine entsprechende Anlage. Inklusive Wartung schlägt die mit 38 000 Euro jährlich zu Buche. Einen geeigneten Platz konnte das Bauamt in der Fußgängerzone nicht finden.

Der Umbau der Toilette an der Hude – selbstreinigend in Modulbauweise – würde 95 000 Euro kosten. Plus jährlich 15 000 Euro Betriebskosten. Mit der Neugestaltung des ZOB soll dort 2009 auch eine „Toilette als Fertigzelle“ installiert werden – obwohl es ein paar Meter weiter eine Toilette gibt. Kostenpunkt 100 000 Euro. Dafür, so die Aussage aus dem Bauamt, könnten Fördermittel fließen.

Ausschussvorsitzender Rainer Fehrmann (CDU) hatte in Erfahrung gebracht, dass etliche Städte von einer Firma kostenlose WCs bekommen. Er hatte für die Verwaltung Adresse und Telefonnummer herausgesucht, aber passiert ist nichts. „Da bin ich enttäuscht, wenn ich mich als Ehrenamtler kümmere, aber die Verwaltung dem nicht nachgeht“, kritisierte er jetzt. Für Rolf Steinhoerster ist die Angelegenheit klar: „Dafür ist Oldesloe zu klein, das rentiert sich nicht.“

Andreas Olbertz

Das Kreuz mit den Kreuzen – wer zahlt?

Stormarner Tageblatt vom 24. November 2007

Das Kreuz mit den Kreuzen – wer zahlt?

Verwaltung will Verursacher ermitteln

Bad Oldesloe/ol

– Die Klamotte um die Kreuze an den Bäumen an der B 75 nimmt kein Ende. Bürgermeister Tassilo von Bary hat jetzt den Bauhof beauftragt, die Symbole zu entfernen. Donnerstagnachmittag fingen die Mitarbeiter kurz an. Gerade noch so, dass Fernsehaufnahmen gemacht werden konnten. Um 15 Uhr war dann Schluss mit lustig – Feierabend. „Die fangen ja auch immer früh an“, erklärte der Verwaltungs-Chef. Gestern am Morgen ging’s weiter, allerdings nicht zu früh – Sicherheitsbedenken. Die waren auch der Grund, wa-rum er von der in Erwägung gezogenen Ordnungsverfügung abgerückt ist. „Nicht auszumalen, wenn da was passiert. Die Straße ist ja nicht ohne“, argumentierte von Bary. Die Bauhofmitarbeiter seien natürlich ebenfalls gefährdet, „aber die betreiben ja auch Eigensicherung.“ Gestern am Mittag sollten die Arbeiten erledigt sein.

Beendet ist die Geschichte damit aber noch lange nicht, denn jetzt steht natürlich die Kostenfrage im Raum. Wenn der Bauhof ausrückt, tickt die Gebührenuhr. Erst mal werde die Stadt die Kosten übernehmen. Hinter der Aktion steckt bekanntermaßen die SPD. Der können die Arbeiten aber nicht in Rechnung gestellt werden, sondern lediglich den einzelnen Verursachern. Tassilo von Bary: „Die müssen wir jetzt erst mal feststellen.“

SPD-Fraktions-Chef Hagen von Massenbach bleibt trotzdem gelassen: „Ich mache mir noch keine Sorgen um mein Weihnachtsgeld. Ich wüsste nicht, auf welcher Grundlage er mir eine Rechnung schicken sollte. Da bewegt sich der Bürgermeister auf ganz dünnem Eis, und ich sehe ihn schon baden gehen.“ Wenn er tatsächlich eine Zahlungsaufforderung erhalte, werde die geprüft und dann über das weitere Vorgehen entscheiden.

Bis die Bäume tatsächlich verschwinden, kann es nun doch noch etwas dauern. Bürgermeister von Bary: „Die Ausschreibung ist leider nicht so gut für uns gelaufen. Das Fällen wird teurer als erwartet. Jetzt müssen wir erst mal sehen, wo wir das Geld herkriegen.“ Zur Summe könne er sich nicht äußern.

Bauen am Naturschutzgebiet

Stormarner Tageblatt vom 24. November 2007

Bauen am Naturschutzgebiet

Mit den Stimmen von CDU und FDP wurde in Bad Oldesloe der Weg für sechs Bauplätze an der Wolkenweher Dorfstraße geebnet.

Bad Oldesloe/ol

– An der Wolkenweher Dorfstraße soll wieder gebaut werden. Nicht im Westen – der ist bereits belegt –, sondern auf der gegenüber liegenden Straßenseite unterhalb der alten Mühle.

Die Stadt hatte das Büro „Planlabor“ von Detlev Stolzenberg beauftragt, eine entsprechende Planung zu erstellen. Der Diplomingenieur stellte jetzt im Wirtschafts- und Planungsausschuss (WPA) seine Varianten vor und erläuterte die entsprechenden Reaktionen von Behörden und Bürgern.

Naturschutzbehörden lehnen die Bebauung ab. Sie befürchten einerseits eine bandartige Bebauung in Richtung Wolkenwehe und damit verbunden eine Zersiedelung der Landschaft. Die habe zur Folge, das Ausgleichsflächen für den Westen von der Traveniederung abgeschnitten würden. Pflanzen und Tiere hätten dadurch keine Verbindung mehr zwischen Beste- und Trave-Niederung. Deshalb sei im Landschaftsplan auch festgelegt worden, dass jegliche Bebauung in diesem Bereich tabu sei. Darüber hinaus sehen sie einen wachsenden Nutzungsdruck auf das nur 100 Meter weiter beginnende Naturschutzgebiet Brenner Moor und das FFH-Gebiet Travetal. Ein Eingriff in den Hangbereich führe zudem zu einer „völligen Überprägung der Topographie“.

Für Planer Stolzenberg war deshalb klar: „Wir empfehlen einen behutsamen Eingriff.“ Der Ingenieur und die Verwaltung hatten sich deshalb für Variante 1 mit vier treppenartig versetzten Häusern ausgesprochen.

Unter der Rubrik „kompaktere Bebauungsvariante“ hatte er aber auch Skizzen im Angebot, in denen sechs beziehungsweise sieben Häuser in zwei Reihen stehen.

Christine Bischoff-Magos (CDU) kennt sich mit der Materie aus, sie arbeitet in der Immobilienabteilung der Sparkasse. Für sie war die Sache klar: „Die erste Variante finde ich für die Eigentümer einfach schlecht.“ Es werde eh in die Natur eingegriffen und die Tiere vertreiben, dann also richtig. Sie sprach sich für Variante drei mit sieben Grundstücken aus. CDU und FDP waren ohne große Diskussion dafür, SPD und Grüne dagegen. Thema durch.

Das überplante Gelände hat zwei Eigentümer: Die Gebrüder Ewers, denen auch die Mühle gehört und Gemüsebauer Adam, der dort bislang seine Folientunnel stehen hatte. Ewers sollen sich mit dem Verkauf von Land für eines der West Baugebiete eine goldene Nase verdient haben. Bei einem Wolkenweher Dorffest hatten sie ihr Befremden darüber zum Ausdruck gebracht, dass von der Stadt ihr Grundstück überplant werde. Andererseits sind bei einer früheren Sitzung des WPA bereits Kontakte zwischen dem Architekturbüro Wobig und Ewers zur Sprache gekommen.

Dieter Adam soll schon seit vielen Jahren immer wieder von der Stadt die Ausweisung von Bauland auf seinem Gelände gefordert haben. Nachdem er den Gemüseanbau eingestellt habe, könnte ihm eine Versilberung seines Besitzes sehr gelegen kommen.

Der B-Plan umfasst zwei Teile. Lediglich im linken Bereich könnte gebaut werden. Der rechte ist längst bebaut. Nach Aussage von Ulrich Langenberg von der Planungsabteilung der Stadt soll auf diesem Weg die „Nutzung geordnet“ werden. Bei der Ausweisung als reines Wohngebiet könnte nämlich das ehemalige Tanzlokal dort zukünftig nicht wieder eröffnet werden.

Andreas Olbertz

Stormarner Wochenschau

Stormarner Tageblatt vom 24. November 2007

Stormarner Wochenschau

Bäume und Politiker haben was gemeinsam
Abgesägt und gefällt

Rolf Blase, Andreas Olbertz und Volker Stolten

So schnell kann man auch als Fraktionsvorsitzender zum Opfer werden. Für das grüne „Urgestein“ Joachim Germer reichte es auf der Kandidatenliste für 2008 nur noch für Platz sechs. Um wieder in den Kreistag zu kommen, müssten die Grünen schon so gut abschneiden, wie es bisher nur ein Mal, 1994, gelang. Wie es zu dem Malheur kam: Hartmut Jokisch ist der neue Geschäftsführer. Nach seinem Abschied als Rektor des Gymnasiums Trittau stieg er wieder in die Politik ein und erinnerte sich wohl an die Frauenquote, um die sich die Stormarner Grünen nicht allzu sehr geschert hatten. Damit waren die Plätze eins, drei und fünf schon mal weg. Der erste männliche Platz ging an Gerold Rahmann. Der Oldesloer Stadtvertreter hatte nicht nur in Göttingen schon im Kreistag gesessen, er verfügt auch über eine „Hausmacht“. Anders als der Barsbütteler Germer, wo sich die Grünen vor Jahren gespalten hatten. So zog er auch bei der Abstimmung um Platz vier knapp den kürzeren gegen den Großhansdorfer Gemeinde- und Kreistagsabgeordneten Stefan Kehl. Ach ja: Auf Platz fünf steht jetzt Klaudia Rahmann. Im ersten Entwurf hatte Jokisch noch Karin Hoffmann eingetragen. Die Oldesloerin hatte seinerzeit die Grünen verlassen und damit die Stadtfraktion. Da wäre sie beinahe wie Phönix aus der Asche zurückgekehrt.

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Rahmann geht also in die Kreispolitik. Und was macht sein alter Erzfeind Matthias Rohde von der CDU? Der hat die Brocken in der Kommunalpolitik hingeworfen. Bis auf den Sitz im Aufsichtsrat der Stadtwerke hat er kein städtische Amt mehr inne. Aber die Gerüchte, dass es ihn in die Kreispolitik zieht wollen nicht verstummen. Können Rahmann und Rohde etwa nicht ohne einander?

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Den Seitenhieb konnte sich CDU-Sprecher Rainer Fehrmann natürlich nicht verkneifen: Wenn 18 Alleebäume gefällt werden sollen, würde Rot-Grün munter, aber wenn 33 000 neue Bäume gepflanzt werden, ließen sie sich nicht blicken. SPD-Chef Hagen von Massenbach lässt die Kritik kalt: „Das war eine politische Show-Veranstaltung für den Steinfelder Redder. Da muss ich nicht hingehen.“ Seine Stellvertreterin Maria Herrmann wird noch eine Spur deutlicher: „Das ist eine Pflichtmaßnahme zu der die Stadt gesetzlich verpflichtet ist – reines Verwaltungshandeln. Ich komme doch auch nicht, wenn die Schulen geputzt werden.“

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Politik ist die Kunst, mit vielen Worten nichts zu sagen. Jedenfalls dann, wenn man noch etwas werden will in der einen oder anderen Partei. Gut dass der Stormarner CDU-Fraktionschef diese Pläne aufgegeben hat. So musste er kein Blatt vor dem Mund nehmen bei der Rolle rückwärts in Sachen Schulbuskosten, die der Landesvater aus Indien verkündete: Wenn sich seine Parteifreunde und andere nicht an das Gesetz halten, dann werde man das Gesetz eben ändern. Na, das ist doch bürgernahe Politik: Zu hohe Steuern und Benzinpreise, Bußgeld wegen Tempolimit – ein Schreiben an den Ministerpräsidenten reicht. Der wird das richten. Man muss vorher nur in die Politik gehen. Das ist natürlich ein Scherz. So stellt sich höchstens Lieschen Müller Politik vor. Dort haben sie die Elternbeteiligung an der Schülerbeförderung schließlich auch als Kompensation für den Eingriff des Landes in kommunale Kassen verkauft. Im Klartext: Das Land nimmt sich das Geld und lässt die Eltern von Schulkindern dafür bezahlen. Da wär’ Lieschen Müller nie drauf gekommen? Doch, das kennt sie schon aus Berlin.

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An der Rathausstraße liegt für gewöhnlich das Rathaus, an einer Allee stehen im Allgemeinen viele Bäume und dementsprechend am Pappelweg zahlreiche Pappeln. Doch nun macht die Gemeinde Ammersbek in der Siedlung Heimgarten den Weg frei und kappt alle Pappeln. Die Bäume treiben mit ihren Wurzeln im Untergrund ihr Unwesen und greifen Grundstücke an. Deshalb, so Bürgermeister Axel Bärendorf, müssen sie weichen. Alles schön und gut. Doch was ist mit dem Straßennamen? Ein Pappelweg ohne Pappeln, ein echter Schildbürgerstreich. Nun heißt es zwar „Namen sind Schall und Rauch“ – doch vielleicht sollte man dennoch über eine Namensänderung nachdenken: Wie wäre es zum Beispiel mit „Pappel-weg-Weg“ oder „Kahlschlag-Weg“, „Pappellapapp-Weg“ oder Pappel-gefällt-Weg? Gefällt doch!

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Wie erfahren die Gemeindevertreter in den Landgemeinden eigentlich, wie toll die Verwaltungsfusion mit der Stadt wird? Zum Beispiel, indem sie sich das Gutachten von der Homepage der Stadt herunter laden. Schnell, bequem und einfach. Natürlich würde niemand laut behaupten, die Dorfbevölkerung wüsste mit Downloads nichts anzufangen, aber die Stadt-CDU hat da so ihre Zweifel, ob das Wirklich jemand macht – und da dürfte sie sogar Recht haben. Deshalb hatte sie beantragt, dass die Stadt jedem der 110 Gemeindevertreter ein Exemplar zukommen lässt. Dann hätten sie es wenigstens, ob es dann wirklich jemand ließt, lassen wir mal dahingestellt. Karl-Reinhold Wurch (FDP) war es, der im Hauptausschuss davor warnte, das zu machen: „Das könnte als Tritt vors Schienbein aufgefasst werden.“ Schließlich könnte man unterstellen, der Amtsvorsteher informiere die Bürgermeister nicht und die wiederum ihre Gemeindevertreter nicht. Diesen Eindruck will man vermeiden. Die CDU zog den Antrag zurück.

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Oldesloe wird in der kommenden Woche voraussichtlich zwei Mal im Fernsehen erscheinen. Uwe Bahn hat bereits vor längerer Zeit hier gedreht. Der Beitrag geht am Montag über den Sender – wird bestimmt „nett“. Am Donnerstag nimmt sich „Extra 3“ der Allee-Bäume an. Es ist allerdings kaum zu erwarten, dass die Oldesloer Politik in dem Satiremagazin positiv abschneidet.

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Neue Einnahmequellen sieht Karikaturist Götz Wiedenroth für den THC Ahrensburg voraus. Aus dessen Sportplätzen strömt Gas. Die Mülldeponie, die da früher war, hat damit nichts zu tun. Bei weiter steigenden Energiepreisen – wer weiß, ob die Nutzung nicht tatsächlich bald rentabel wird.

Extra 3 – Allee-Kreuze werden Fernseh-Satire

Alles nur gestellt: Jürgen Schneider und Rosi Behrend dürfen fürs Fernsehn noch mal Kreuze malen. Rainer Fehrmann und Dr. Otto Fickel versuchen, die Schmierereien zu entfernen.
Foto: Olbertz

Stormarner Tageblatt vom 23. November 2007

Extra 3 – Allee-Kreuze werden Fernseh-Satire

Grade noch rechtzeitig bevor der Bauhof sie über malte, haben sich Oldesloer Politiker für „Extra 3“ vor den Kreuzen filmen lassen.

Bad Oldesloe/ol

– Haben wir es nicht schon immer geahnt: Politik ist nichts als Show und großes Theater. Inzwischen ist auch der NDR auf die Baum-Kreuze entlang der B 75 aufmerksam geworden und schickte ein Team des Satiremagazins „Extra 3“. Da werden noch mal fleißig die Pinsel geschwungen oder die Schrubber bemüht. Und immer noch mal wieder, bis die Szenen aus allen Winkeln im Kasten sind.

Rainer Fehrmann (CDU) scheint die körperliche Belastung unterschätzt zu haben. „Muss das wirklich sein? Ich habe ein Rückenleiden“, fragt er die Redakteurin, als er zum X. Mal den Baum schrubben soll. Rosi Behrend (SPD) wird es schade um die Zeit: „Wenn ich gewusst hätte, dass das so lange dauert, wäre ich gleich an die Ostsee gefahren.“

„Wer sind Sie denn?“, fragt Redakteurin Therese Ulrich. „Mein Name ist Otto Fickel, ich bin Mitglied im CDU Stadtverband und Vorsitzender des GSKA...“, kommt prompt die Antwort. „Viel zu lang“, findet die Fernsehfachfrau und Rainer Fehrmann ergänzt: „Der GSKA hat damit ja auch gar nichts zu tun.“ Also noch mal von vorne. „Erwin Lindemann die dritte“, flachst Fehrmann. Die Ähnlichkeiten mit dem Loriot-Spot sind unübersehbar.

Schnitt! Nächste Szene. Die Pinselanten von der SPD und die CDU-Saubermänner sollen aufeinandertreffen und diskutieren. „Wir wollen jetzt aber nicht ins Politische gehen, sonst liefern wir denen doch nur Argumente“, findet die Sozialdemokratin. Die Redakteurin beruhigt sie: „Nein, nicht politisch, sondern persönlich.“ Doch als Rainer Fehrmann ihr „Graffiti-Schmiereien in bester Greenpeace-Manier“ vorwirft, gibt es kein Halten mehr. „Das verbitte ich mir. Es geht um hundert Jahre alte Bäume und da muss so was schon mal erlaubt sein.“ Die CDU hat da überhaupt kein Verständnis für. „Wir wollen eine schöne, ordentliche Stadt“, sagt Rainer Fehrmann: „Und dann wird sie so verschandelt.“ Die jahrelangen, ehrenamtlichen Bemühungen um ein positives Stadt-Image würden zunichte gemacht. Jetzt ist Jürgen Schneider in seinem Element: „Verschandelt!? Die Bäume sollen in ein paar Tagen gefällt werden. Wenn sie sagen, die Aktion komme ein Jahr zu spät, stimmen Sie uns ja sogar noch zu.“

Mittlerweile sind auch Anlieger auf die Dreharbeiten aufmerksam geworden. Einer kann seinen Hund nur mit Mühe an der Leine halten. Er springt aufgeregt in Fehrmanns Richtung. „Der weiß, was Sie vor haben. Sie wollen ihm seine Bäume zum Beinchen heben weg nehmen“, kommentiert der Passant.

Irgendwann bricht die Redakteurin das Treiben ab: „Sie sollen sich noch mal über Graffiti streiten.“ Auch das trifft nicht ganz den Geschmack von Rosi Behrend: „Das Streiten liegt mir ehrlich gesagt nicht so.“ Es hilft nichts, da muss sie durch. Dafür legt Otto Fickel noch einen nach: „Bis das erste Auto am Baum hängt, dann streiten wir nicht mehr.“ Während das Filmteam längst über die nächste Einstellung diskutiert, debattieren die Politiker weiter. Rosi Behrend geht irgendwann ein Licht auf: „Die sind fertig. Wir brauchen gar nicht mehr.“

Am Nachmittag rückte der Bauhof an, um dem Spuk ein Ende zu bereiten. Die Kreuze wurden mit grüner Farbe überpinselt.

Andreas Olbertz

Die Sendung „Extra 3“ wird am nächsten Donnerstag von 23 bis 23.30 Uhr im NDR-Fernsehen gesendet.

WPA: Ein Termin, ein Antrag und die ungeplanten Folgen . . .

Stormarner Tageblatt vom 22. November 2007

WPA: Ein Termin, ein Antrag und die ungeplanten Folgen ...

Unter Diplomaten nennt man das wohl einen „unfreundlichen Akt“. Weniger diplomatisch formuliert könnte man es auch „Intrige“ nennen, was da im Hauptausschuss über die Bühne ging.

Bad Oldesloe/ol

– Im Wirtschafts- und Planungsausschuss (WPA) der Oldesloer Stadtverordnetenversammlung war es zum Eklat wegen der immer noch fehlenden Abrechnung für das Klangstadt-Festival gekommen (wir berichteten). Eigentlich wollte die CDU die Dezember-Sitzung ausfallen lassen – weil es nichts für die Tagesordnung gebe. Wenn da nicht die Frage wäre, wie hoch denn nun das Defizit des Rockfestivals tatsächlich ausfällt. Das Zahlenwerk soll im Dezember endlich vorliegen.

Zähneknirschend hatte der amtierende Vorsitzende Rainer Fehrmann (CDU) Maria Herrmann (SDP) zugestanden, zu klären, ob das Thema dringlich sei und tatsächlich auf die Tagesordnung müsse. Wenn nicht, würde die Sitzung ausfallen. Das Missfallen der CDU, allen voran von Susanne Pöhls, war deutlich. Alternativ boten die Christdemokraten an, das Thema auf die Tagesordnung des Hauptausschusses zu nehmen. Maria Herrmann blieb hartnäckig: Sie will das Thema im WPA halten, schließlich ist sie nur da Mitglied, und der ist für Marketing-angelegenheiten zuständig, und der WPA habe seinerzeit die Ausfallbürgschaft bewilligt. Also gehöre dort auch die Abrechnung auf den Tisch. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende kontaktierte daraufhin Festival-Organisator Patrick Niemeier, befand den WPA-Termin für wichtig und formulierte einen entsprechenden Antrag. Die Sitzung am 3. Dezember schien gebucht.

Aber dann hatte die CDU ihren Auftritt im Hauptausschuss. Die Festival-Abrechnung soll per Dringlichkeitsantrag auf die Tagesordnung. Da die Veranstaltung in den Zuständigkeitsbereich von mindestens zwei Ausschüsse falle, müsse das Thema folgerichtig in den Hauptausschuss - quasi als lachendem Dritten. Vorsitzender Jürgen Voigt schaute ungläubig drein. „Wir kennen als Hauptausschuss das Thema nicht so hundertprozentig“, ließ er keinen Zweifel daran aufkommen, dass er mit der Problematik nicht vertraut ist. Das interessierte Siegfried Wobig nicht wirklich: „Durch die Zeitungsberichte ist eine Situation entstanden, die schnellstmöglich geklärt werden muss.“ Voigt traute seinen Ohren nicht: „Wenn bei jeder Äußerung der Presse der Hauptausschuss tagen müsste, hätten wir viel zu tun.“

Oldesloes Marketing-Mann Andreas Tomaschewski aus der Stadtverwaltung nicht anwesend, kein Vertreter von Klangstadt da, und ob der Bürgermeister spontan wirklich erhellenden Angaben hätte machen können, darf getrost bezweifelt werden. Aber darum ging es der CDU auch gar nicht. Wie Sprecher Rainer Fehrmann auf Nachfrage mitteilte, sollte lediglich der Hauptausschuss zum zuständigen Ausschuss in dieser Angelegenheit erklärt werden. Der sei schließlich der Dienstvorgesetzte des Bürgermeisters. Um dieses Ziel zu erreichen, hatte die CDU sich der Unterstützung vom Liberalen Karl-Reinhold Wurch versichert, denn für einen Dringlichkeitsantrag bedarf es ja einer Zwei-Drittel-Mehrheit. Da aber Birgit Reichardt-Mewes fehlte, ging die Rechnung trotzdem nicht auf. Der Antrag fiel durch.

Rainer Fehrmann legt wert auf die Feststellung, dass der Antrag nichts mit Antipathien gegen Maria Herrmann zu tun habe. Er sei „ohne Nebengeklimper gestellt worden. Sonst würde ich auch dazu stehen.“

Andreas Olbertz

Haushalt mit Trick ausgeglichen

Stormarner Tageblatt vom 21. November 2007

Haushalt mit Trick ausgeglichen

Die Politik legt fest, dass die Gewerbesteuer eine Million Euro höher geschätzt wird – und schon ist der Oldesloer Haushalt für 2008 ausgeglichen

Bad Oldesloe/ol

– Da rauchten den Finanzausschussmitgliedern ganz schön die Köpfe. Von 9 bis 16 Uhr saßen sie am Wochenende zusammen, um den Haushalt 2008 aufzustellen. Und der kann sich sehen lassen: 34 Millionen Euro im Verwaltungshaushalt, sechs Millionen Euro Vermögenshaushalt. Seit Jahren wird die Stadt erstmals wieder einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen können.

Sechs Millionen im Vermögenshaushalt – nur noch? Vergangenes Jahr war es noch mehr als doppelt so viel. „Die Stadt investiert immer noch viel“, stellt Kämmerin Mandy Treetzen klar. Die Halbierung resultiere lediglich aus internen Haushaltsumstellungen.

Anita Klahn von der FDP lobt ausdrücklich die angenehme Atmosphäre. „Der Druck in der CDU scheint weg zu sein. Man kann wieder vernünftig und ehrlich mit denen diskutieren“, findet sie. Aber die FDP-Anträge sind ja auch durchgekommen. 20 Fahrradboxen werden am Bahnhof aufgestellt und für 120 Euro pro Jahr vermietet – 16 000 Euro sind dafür vorgesehen. Ein Kompromiss, denn die SPD hatte 50 Boxen gefordert – die kostenlos zur Verfügung gestellt werden sollten. Der Kreis plane, seinen Anteil an den Personalkosten in Kindergärten um 0,5 Prozent anzuheben. Dieses Geld soll den Kitas für besondere pädagogische Konzepte zur Verfügung gestellt werden – 14 000 Euro. Klahn: „Das ist die Richtung, in die es gehen muss.“

Die Sportvereine bekommen künftig einen höheren Zuschuss für die Trainer. Die Anhebung von 1,5 auf 2 Euro pro Übungseinheit schlagen mit rund 7 000 Euro zu Buche.

Die CDU hatte sich mit Anträgen zurück gehalten. „Was wir erreichen wollten, haben wir in den vergangenen Jahren abgearbeitet.“, erklärt die finanzpolitische Sprecherin und Ausschuss-Vorsitzende Susanne Pöhls. Stattdessen lehnt sie sich entspannt zurück. 2002 habe die Stadt zwölf Millionen Euro Schulden gehabt. Im Moment seien es rund acht Millionen, vermutlich weniger. Daneben seien aber 42 Millionen Euro investiert worden. „Das ist schon eine Leistung“, findet sie.

Bei SPD und Grünen ist die Stimmung weniger gut. „Wir vermissen, dass die Stadt Akzente im Bereich Ökologie oder Energieeinsparung setzt“, klagt der Grüne Wilfried Janson: „Dabei sehen die Finanzen doch wesentlich besser aus als noch vor ein paar Jahren.“ Alle fünf wurden abgeschmettert. Janson: „Die waren die so gestrickt, dass sie Zustimmung hätten finden können.“ Förderung für innovative Energieeinsparung an Privathäusern, Stellenaufstockung im Umweltamt, Zuschuss zur Baumpflege, Sanierung der Hauptwanderwege und neue Streuobstwiesen. Das Paket hätte gut 160 000 Euro gekostet.

Die SPD wollte in die Vollen greifen. Mit ihren Anträgen wäre sie auf etwa 400 000 Euro gekommen. „Der Stadt geht es durch die höhere Steuereinnahmen doch gut. Da haben wir die Möglichkeit gesehen, was zu machen, dem Haushalt einen sozialen Anstrich zu geben“, erklärt der Finanzsprecher Björn Wahnfried. Im Zentrum standen die Forderungen, Essen in den Mensen zu subventionieren und vier Sozialpädagogen für die Schulen einzustellen. Doch mit der CDU war da nichts zu machen. SPD-Sprecher Björn Wahnfried: „Es hat sich keiner aufgeregt, aber die Machtverhältnisse waren schon klar.“ Natürlich ist auch den Sozialdemokraten klar, dass derartige Anträge in den Sozialausschuss gehört hätten. Wahnfried: „Wir wollten erst mal Hausnummern festsetzen und die dann mit einem Sperrvermerk versehen.“

Die CDU sah das deutlich anders. Susanne Pöhls: „Wir haben die Schulbudgets deutlich erhöht. Das muss dann auch erst mal reichen.“

Eines der großen Fragezeichen im Haushalt sind immer die erwarteten Gewerbesteuereinnahmen. 8,25 Millionen prognostiziert die Verwaltung für 2008.

Auf Antrag der FDP wurde dieser Wert auf 9,5 Millionen angehoben. SPD und Grüne sind sich einig, dass das ein haushaltstechnischer Kniff ist, um ausgerechnet im Wahljahr einen ausgeglichenen Haushalt präsentieren zu können.

Andreas Olbertz

Stormarner Wochenschau

 

Stormarner Tageblatt vom 17. November 2007

Aufbäumende CDU, Misstöne & Paukenschläge

Nichts ist unmöglich!

Von Andreas Olbertz und Volker Stolten

Ne, was hatten wir für einen Spaß diese Woche: Erst pinselt die SPD die Bäume an, dann kommt die CDU und macht wischi-waschi. Reiner Populismus, denn die Erfolglosigkeit war absehbar, aber die Christdemokraten wollen ja nicht hinten anstehen. Beim Versuch, die Bäume von den Kreuzen zu befreien, scherzt Dr. Otto Fickel, bei karnevalistischen Anlässen auch als Otto vom Markt bekannt: „Die Farbe geht nicht ab, da hilft nur eins: Umlegen“ – siehe Karikatur. Dann wird er aber doch ernst und erläutert, dass das Symbol ja völlig falsch gewählt sei. Das Kreuz rühre nämlich von der Ostergeschichte her und sei ein Zeichen für ewiges Leben. Er ist empört, dass ein derart hohes Symbol des christlichen Glaubens für „verwerfliches Handeln“ quasi missbraucht werde. Na gut. Für viele ist das Kreuz trotzdem ein Symbol des Todes, auch wenn es in Wahrheit vielleicht anders zu deuten ist. Ein ganz anderer Punkt ist interessant: Der Streit um den Steinfelder Redder zieht sich ja nun schon seit Jahrzehnten durch die Oldesloer Politik. Als seinerzeit die SPD an die Macht kam und das fertige Baugebiet wieder zuschütten ließ passierte was? Die CDU, vorne weg Uwe Rädisch und Siegfried Wobig, marschierte in Trauerbekleidung, Beerdigungszylindern und Sarg auf, um den Redder symbolisch zu beerdigen. Respekt, auch keine schlechte Aktion, aber doch das Spiel mit christlichen Ritualen. Rein aktionsmäßig steht es jetzt als 2:1 für die CDU. Sollte die SPD tatsächlich die Kreuze entfernen müssen, wird das sicherlich mit entsprechendem medialen Brimborium geschehen, sodass der Ausgleich gewissermaßen in der Luft liegt.

FDP und CDU bekritteln jetzt unisono, die Aktion der Sozis sei Quatsch weil völlig nutzlos. Vor einem Jahr wäre vielleicht noch etwas zu bewegen gewesen, aber jetzt ist der Zug abgefahren. Völlig richtig. Dabei sollte man nicht außer acht lassen, dass es damals sehr wohl Alternativen gegeben hätte. Anita Klahn (FDP) brachte von einem Gespräch beim Straßenbauamt die Botschaft mit, der Radweg könne auch hinter dem Lärmschutzwall verlaufen. Im Kleingedruckten des Redder-Vertrags steht allerdings, dass der Käufer dann ein Rücktrittsrecht gehabt hätte. Tja, und das wollte natürlich niemand riskieren.

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Misstöne mit Klangstadt – und es lag nicht an der Musik. Im Zusammenhang mit der Abrechnung des Rockfestivals knirscht es ordentlich im Gebälk. Monate nach der große Sause auf dem Exer liegt immer noch keine Abrechnung vor – und für Verluste muss die Stadt mit 20 000 Euro grade stehen. Also ist das Thema nicht so ganz ohne. SPD-Frau Maria Herrmann mach Druck, der Bürgermeister schiebt den schwarzen Peter zu Klangstadt, die CDU möchte am liebsten frei haben und ärgert sich, dass sie im Vorwege nicht informiert war. Aber inzwischen hat Rainer Fehrmann die Brisanz erkannt und einer Sitzung am 3. Dezember zugestimmt: „Wenn das alles stimmt, ist das ein Krimi.“

Gestern Nachmittag gab es ein klärendes Gespräch zwischen Verwaltung und Klangstadt. Bürgermeister Tassilo von Bary hatte Axel Hartkopf persönlich in Bargteheide von der Arbeit abgeholt, damit der auch pünktlich an der Besprechung teilnehmen kann. Und die nahm einen ganz lockeren Auftakt. „Wir sitzen hier zusammen und klönen über die alten Zeiten“, ließ von Bary wissen. Sollten es am Ende wirklich nur „Kommunikationsprobleme“ gewesen sein?

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Was für ein Paukenschlag im Stadtparlament: Das Schleswig-Holstein Musik Festival wird 2008 auch in Bargteheide die erste Geige spielen und am 12. August ein Konzert-Ableger im renovierten Saal des Kleinen Theaters großen SHMF-Duft versprühen. „Ein Highlight“, verkündete Bürgermeister Werner Mitsch stolz vor Stadtvertretern und Gästen. Dabei konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass damit der Stadt einmal mehr ein Kunststück gelang. Doch der Schein trügt: Dass sich Bargteheide 2008 vollmundig Austragungsort des Schleswig-Holstein Musik Festival schimpfen darf, ist ausschließlich einem Mann zu verdanken: „Kino-Papst“ Hans-Peter Jansen. Der machte das Unmögliche möglich. Und dieser Umstand wäre auf jeden Fall eine Erwähnung wert gewesen.

Nachspiel wegen Kreuz-Malerei ?

SPD-Aktivistin im Einsatz
SPD-Aktivistin im Einsatz

Stormarner Tageblatt vom 17. November 2007

Nachspiel wegen Kreuz-Malerei ?

Bürgermeister erwägt Ordnungsverfügung

Bad Oldesloe/ol

– Vergangene Woche pinselte die SPD Kreuze an die Allee-Bäume längs der B 75, die in Kürze gefällt werden sollen. Jetzt kündigt sich ein Nachspiel an. „Ich erwäge eine Ordnungsverfügung“, erklärte Bürgermeister Tassilo von Bary gestern. Im Klartext bedeutet das, und so habe er es auch „einem der Verursacher“ gesagt: „Seht zu, dass ihr das irgendwie wegbekommt! Ich will ja nicht gleich mit irgendwelchen Zwangsmitteln kommen.“ Deshalb habe er der SPD Bedenkzeit gegeben. „Ich warte jetzt ganz entspannt bis Montag“, sagt der Verwaltungschef. Seine Verkehrsaufsicht und die Polizei hätten gesagt, die Kreuze seien verkehrsgefährdend. Tassilo von Bary: „Wenn der schwere Unfall am Donnerstag nur ein paar Meter vorher passiert wäre – nicht auszudenken. Dann wäre jetzt die Hölle los.“ Dass die eigentliche Unfallursache noch nicht geklärt ist (siehe Artikel unten), spiele für ihn dabei keine Rolle. „Die Kreuze bleiben“, stellt der SPD-Fraktionsvorsitzende, Hagen von Massenbach unbeeindruckt klar: „Ein Anruf, dass die Bäume stehen bleiben und wir sind sofort da, um die Kreuze zu entfernen.“ Er zeigte sich erstaunt, „wie der Bürgermeister sich da reinkniet“, denn seine Recherchen hätten ergeben, dass es sich bei den Kreuzen nicht um eine Verkehrsbehinderung handele. „Ich habe ein gutes Gewissen“, erklärt er denn auch gelassen.

Die Fraktion habe die Aktion beschlossen. Hagen von Massenbach: „Wir sind ein demokratischer Verein, also wird darüber die Fraktion beraten.“ Die tagt allerdings erst am Dienstag.

Rückendeckung bekommt die SPD vom obersten Verkehrsexperten des Kreises, Klaus Sahlmann, Fachbereichsleiter in der Kreisverwaltung: „Wer mir ernsthaft erzählen will, dass ihn die Kreuze ablenken, bei dem würde ich einen Alkohol- und einen Drogentest machen lassen. Ich sehe da keine Gefährdung.“ Die Kreuze seien nicht mehr als ein senkrechter und ein waagerechter Strich, schon von weitem gut zu erkennen. „Gefahr besteht nur, wenn ich abgelenkt bin. Warum sollte ich da aber mehr als den Bruchteil einer Sekunde drauf schauen?“, fragt Sahlmann. Entsprechend hätte er die Spruchbänder als Gefährdung eingestuft, denn die waren schwerer zu entziffern. Doch die sind längst weg.

 

Machtkampf mit der Verwaltung

Stormarner Tageblatt vom 17. November 2007

Machtkampf mit der Verwaltung

Es geht um die Außenbereichs- beziehungsweise Ergänzungssatzung für Schadehorn und Sehmsdorf.Das Thema entwickelt sich zu einem handfesten Machtkampf zwischen der Verwaltung und der CDU in der Kreisstadt.

Bad Oldesloe/ol

– Das Thema zieht sich schon seit Ewigkeiten durch die politischen Gremien. Die CDU möchte auch in den Ortsteilen Neubauten ermöglichen. Die Verwaltung sagt, das ist nicht zulässig, die CDU beschließt es mit ihrer Mehrheit trotzdem, der Bürgermeister kassiert den Beschluss. Planungsausschuss und Stadtverordnetenversammlung haben dagegen wiederum ihr Veto eingelegt. Der Bürgermeister hätte das beanstanden können, woraufhin die Angelegenheit höchstwahrscheinlich vor Gericht gelandet wäre. Darauf verzichtete der Verwaltungschef, das Bauamt begann mit der Arbeit.

Die beiden Satzungen lagen öffentlich aus, die Träger öffentlicher Belange wurden beteiligt. Und siehe da, aus dem Referat für Städtebau und Ortsplanung kam Zustimmung für Schadehorn und Ablehnung für Sehmsdorf.„Da waren wir ein bisschen überrascht“, erklärt Bauamtsleiter Rolf Steinhoerster: „Wir hatten bisher immer die Info aus dem Innenministerium, dass unseren Satzungen nicht zugestimmt würde. Da haben wir nachgefragt, warum sie plötzlich umgefallen sind.“ Daraufhin zog das Referat seine Stellungnahme zurück und verlangte eine Ortsbesichtigung.

Inzwischen liegt das Ergebnis vor: Schadehorn könnte zulässig sein, Sehmsdorf definitiv nicht. Satzungen und Baupläne seien zwar nicht mehr genehmigungspflichtig, gleichwohl könnte das Innenministerium verbieten, dass Baugenehmigungen erteilt werden, erklärt Steinhoerster.

Dem widerspricht Siegfried Wobig (CDU) heftigst: „Ich habe das gegenchecken lassen. Herr Steinhoerster liegt falsch!“, sagt der Architekt im Brustton der Überzeugung: „Die Verwaltung muss sich mal von ihrem hoheitlichen Denken lösen. Es passt nicht in deren Vorstellungswelt, dass der Innenminister sich mal was anmaßt, was ihn nichts angeht.“ Darüber hinaus habe die Stadt mit dem Referat Ortsplanung eine Abteilung beteiligt, die gar nicht mehr zu beteiligen sei. „Wenn die eine Stellungnahme abgeben, kann Herr Steinhoerster sich den hinter den Spiegel stecken oder sonst wo hin.“ Markige Worte, die Ulrich Langenberg nicht beeindrucken: „Es ist richtig, dass das Referat Ortsplanung die Satzungen nicht mehr genehmigen muss. Daraus schließt Siegfried Wobig, dass wir sie nicht mehr beteiligen müssen. Das ist falsch.“ Obendrein sei das Referat die vorgesetzte Behörde. Langenberg: „Die können uns natürlich auch auf Rechtswidrigkeiten hinweisen.“ Das lässt Wobig unbeeindruckt: „Die Verwaltung verschanzt sich dahinter und hofft, dass wir zucken. Wir werden aber darauf bestehen, das Verfahren sauber abzuarbeiten.“

Die SPD zeigt sich von den Querelen unbeeindruckt. WPA-Sprecher Hans-Hermann Rohden: „Sehmsdorf und Schadehorn sind nicht für weitere Bebauung geeignet. Aber wir haben ja auch keinen Siedlungsdruck Die Dörfer sollen ihren Charakter behalten und nicht zu Trabantenstädten werden.“

Andreas Olbertz

 

Innenstadtbäume sollen Verschönerung weichen

Stormarner Tageblatt vom 17. November 2007

Innenstadtbäume sollen Verschönerung weichen

Die Oldesloer Fußgängerzone soll attraktiver werden – aber erst ab 2009. Das vorgestellte Konzept kann jetzt in den Fraktionen beraten werden.

Bad Oldesloe/ol

– Da darf man gespannt sein: Knapp 200 000 Euro sollen zur Verschönerung der Fußgängerzone ausgegeben werden, das Gesamtkonzept wurde jetzt im Wirtschafts- und Planungsausschuss (WPA) vorgestellt, aber große Begeisterung wollt nicht aufkommen. Edelstahl soll demnach das Bild bestimmen: Lampen, Spielgeräte, Mülleimer mit Aschenbecher, Wasserspender und Hundekot-Sammler – alles kommt im Hochglanz-Look daher. Lediglich Sitzbänke werden – nach Kritik vom Seniorenbeirat – eine Holzsitzfläche erhalten. Zudem ist ein historischer Pfad mit Lichtpunkten geplant.

„Auf den ersten Blick sieht es nach einem schlüssigen Gesamtkonzept aus“, lobte Hans-Hermann Roden (SPD). Er wollte aber wissen, ob die Öffentlichkeit beteiligt worden sei. Das musste die Verwaltung verneinen. Wie Marketing-Mann Andreas Tomaschewski erläuterte, sei ein „zweistufiges Informa-tionskonzept“ geplant. Ein „ausgewählter Kreis“ wurde bereits informiert. Ein zweiter öffentlicher Termin werde geplant. „Danach können weitere Anregungen theoretisch noch aufgenommen werden“, so Tomaschewski. Die Spielgeräte sind allerdings schon bestellt.

Bauamtsleiter Rolf Steinhoerster ist von zu viel Beteiligung eh nicht begeistert: „Wenn sie das Spielchen machen wollen, haben sie in zehn Jahren noch keine Entscheidung.“ Von allen Seiten kommt Widerstand gegen den Plan, alle Bäume in der Fußgängerzone abzuholzen. Stattdessen sollen Kübelbäume aufgestellt werden. Klar sind SPD und Grüne dagegen, aber auch in der CDU regt sich Widerstand. Christine Bischoff-Magos: „Eine Straße ohne großes Grün finde ich ganz grausam.“

Der Ausschuss sollte die Mittel für 2008 frei geben. An die Umsetzung wird aber erst 2009 gegangen. Ausschuss-Vorsitzender Rainer Fehrmann rollte mit den Augen: „Als wir den Antrag gestellt haben, konnten wir doch nicht ahnen, dass es ein Jahrhundert-Projekt wird.“ Aber da kein Zeitdruck besteht, wurde die Haushaltsstelle mit einem Sperrvermerk versehen und das Thema zu Beratungen in die Fraktionen gegeben.

Andreas Olbertz

Nachdenken, statt fällen!

Stormarner Tageblatt vom 17. November 2007

Lesermeinung

Nachdenken, statt fällen!

Zu: Streit um Bäume an der B75 bei Bad Oldesloe, die gefällt werden sollen.

Warum schafft man in Bad Oldesloe nicht, was in Meck.-Pomm. völlig normal ist: Alleestraßen zu erhalten und Fahrradwege seitlich zu integrieren? Und ein durchgängiger Fahrradweg zwischen Reinfeld und Bad Oldesloe ist nun wirklich längst überfällig. Wie schön, wenn er zur Straße geschützt durch Bäume (oder Wall) angelegt wäre. Ein Plus an Lebensqualität und Naturschutz. Dies wird nun völlig sinnlos zerstört. Warum eigentlich?

GABY von SONDERN

Bad Oldesloe

Baumkreuze: Bürgermeister droht der SPD

Hamburger Abendblatt vom 16. November 2007

Baumkreuze: Bürgermeister droht der SPD

BAD OLDESLOE -

Der Streit um die Protestkreuze gegen das Fällen von Alleebäumen an der B 75 geht weiter: Nachdem Oldesloer CDU-Mitglieder vergeblich versucht haben, die Kreuze zu entfernen, hat Bürgermeister Tassilo von Bary den Fraktionschef der Oldesloer SPD, Hagen von Massenbach, aufgefordert, die Bäume zu säubern. Sollte von Massenbach der Aufforderung nicht nachkommen, werde eine Ordnungsverfügung ergehen, so von Bary. Der SPD-Fraktionschef bleibt gelassen. "Ich sehe keinen Anlass, die Kreuze zu entfernen. Ich selbst habe nichts Rechtswidriges getan und lediglich ein Protestbanner an den Bäumen befestigt", sagt er.

Die Kreuze waren, wie berichtet, vergangene Woche von SPD-Mitgliedern auf die Stämme gemalt worden. Dass sie, wie von Bary behauptet, die Verkehrssicherheit beeinträchtigen, kann von Massenbach nicht glauben. "Die Verkehrsaufsicht des Kreises sieht keine Probleme", so der Politiker. Die SPD-Fraktion werde das Thema kommenden Dienstag erörtern. Massenbach: "Es ist niemand geschädigt worden. Es wurde nur das angemalt, was ohnehin in wenigen Tagen gefällt werden soll. Die Kreuze bleiben."

Einen erneuten politischen Anlauf gegen das Fällen hält der SPD-Mann angesichts der CDU-Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung für aussichtslos.

Unterdessen hat die Oldesloer FDP angekündigt, darauf zu achten, dass der Alleecharakter wiederhergestellt wird. Die Zusage des Straßenbauamts, für jeden gefällten Baum einen neuen zu pflanzen, sei akzeptabel. Fraktionschef Karl-Reinhold Wurch: "Es wird aber Jahre dauern, bis die jungen Bäume die Größe erreicht haben."

JR

Millionen gegen Schandflecke

Kein schönes Eingang zur Innenstadt. Die Bahnhofstraße.

Stormarner Tageblatt vom 15. November 2007

Millionen gegen Schandflecke

Stadtumbau – da kann Oldesloe Problembereiche angehen und das mit ordentlicher Förderung. Bis 2011 können 6,1 Millionen Euro fließen.

Bad Oldesloe/ol

– Da kommt ein ganzes Stück Arbeit, aber auch ein warmer Geldregen auf Bad Oldesloe zu. Stadtumbau West lautet das Zauberwort. 6,1 Millionen Euro aus dem Städtebauförderungsprogramm könnten bis 2011 fließen. Die gibt es natürlich nicht einfach so, dafür muss die Stadt etwas tun und zunächst mal richtig Geld ausgeben: Wohnraumkonzept, Generalverkehrsplan, Einzelhandelsstudie, Sportstättenkonzept und als jüngstes Schlagwort „Integriertes Stadtentwicklungskonzept“, kurz ISEK.

„Am Anfang sieht man noch keine Bagger“, sagt Matthias Baum. Der Architekt ist ISEK zuständig. Etwa 20 Prozent der Gesamtsumme seien für Gutachten und Planungen vorgesehen – erst wenn die vorliegen, geht es zur Sache.

Das Hauptaugenmerk von Matthias Baum liegt allerdings nicht auf bedrucktem Papier. „Die Fachleute lesen es zur Hälfte und ansonsten keiner“, stellt er lakonisch fest. Er will sich auf die Kernpunkte konzentrieren und dafür „die verschiedenen Gruppen der Stadt mitnehmen“. Ihn interessieren Fragen wie: Wo sind die Defizite? Was kann die Stadt tun? Antworten darauf ließen sich in einem „munteren Diskussionsprozess“ finden. Um den anzustoßen, wollen Baum und seine Mitarbeiter provozieren.

Mitte bis Ende Januar werden die Oldesloer eingeladen, dann geht es los. Tabus soll es bei der Runde keine geben. Es ist ausdrücklich erwünscht, auch mal spinnerte Ideen in den Raum zu werfen. In dem Fall ist Öffentlichkeit erbeten. Aus zweierlei Gründen: Zum einen weil großer Rückhalt sinnvoll ist, aber auch, weil Privatleute ebenfalls in den Genuss von Fördermitteln kommen können. Bauamts-Chef Rolf Steinhoerster: „Es nutzt nichts, wenn wir die Bahnhofstraße schön ausbauen, wenn die Eigentümer sagen: Das interessiert uns alles nicht.“ Er wundert sich, dass es bislang keine Reaktionen von Hausbesitzern gab, die sich nach Fördermöglichkeiten erkundigt hätten.

Beim Stadtumbau geht es aber nicht nur um Bauprojekte. „Weiche Faktoren“ wie Kultur und Bildung spielten ebenfalls eine wichtige Rolle. Die konkreten Planungen übernimmt eine Lenkungsgruppe die aus Mitarbeitern der Verwaltung sowie je einem Vertreter aus jeder Fraktion besteht.

Im Fokus der Betrachtung soll der Bahnhofsbereich liegen. Besonders missfällt Steinhoerster die Banhofsstraße: „Das ist doch kein vorstädtisches Quartier. Dort wird man nicht aufgenommen, sondern es heißt eher: Augen zu und durch.“ Vom Kurpark und der dortigen Verkehrssituation bis zum rückwärtigen Bahnhofsareal – all das könnte beim Stadtumbau angegangen werden. Das ISEK beleuchtet allerdings die ganze Stadt. Theoretisch könnte dabei herauskommen, dass ganz andere Bereiche viel „schlimmer“ sind.

Andreas Olbertz

 

Festival-Bürgschaft – Zoff um Abrechnung

Musiker Patrick Niemeier
Musiker Patrick Niemeier: Singt er zukünftig auf Festivals außerhalb der Stadt?

Stormarner Tageblatt vom 14. November 2007

Festival-Bürgschaft – Zoff um Abrechnung

Es geht um bis zu 20 000 Euro. Vom Oldesloer Rockfestival 2007 liegt noch immer keine Abrechnung vor. Und das hat Folgen ...

Bad Oldesloe/ol

– Mit einer Lappalie begann es. Rainer Fehrmann (CDU) regte gegen Ende der WPA-Sitzung an, die Zusammenkunft der Ausschussmitglieder im Dezember ausfallen zu lassen. Es gebe keine dringenden Tagesordnungspunkte. Das sah Maria Herrmann (SPD) ganz anders. Sie forderte die Abrechnung des Klangstadt-Festivals ein. Zu Beginn der Sommerferien war zwei Tage lang auf dem Exer gerockt worden – die Stadt hat dafür 20 000 Euro Ausfallbürgschaft übernommen.

Eine Abrechnung, wie viel davon in Anspruch genommen werden muss, hatte der Marketing-Chef und Festival-Verantwortliche im Rathaus, Andreas Tomaschewski, für „die nächste Sitzung“ versprochen. „Es ist unmöglich, dass wir von einer Veranstaltung im Juli immer noch keine Abrechnung haben“, argumentierte Herrmann: „Wenn Klangstadt im nächsten Jahr wieder ein Festival machen möchte, ist es jetzt schon knapp. Ein Termin im Januar reicht nicht.“

Das sah Bürgermeister Tassilo von Bary ganz anders. Nach seinem Kenntnisstand sei 2008 kein Festival geplant, Klangstadt befinde sich eh in der Auflösung. Und überhaupt, so der Verwaltungs-Chef: „Die Abrechnung ist fertig. Wir wollten sie vorher noch mit Klangstadt besprechen. Die haben aber einen Termin am Freitag abgesagt.“

Maria Herrmann wundert sich sehr. „Mir hat Andreas Tomaschewski am Montag gesagt, dass er die Zahlen bei dieser Sitzung noch nicht vorlegen kann, weil noch steuerliche Berechnungen fehlten. Von einer fehlenden Abstimmung mit Klangstadt war da keine Rede“, sagte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende auf Nachfrage.

Bei Gesprächen mit den Klangstadt-Mitgliedern tun sich Abgründe auf. Mitorganisator Axel Hartkopf: „Das Klangstadt-Orgateam bekommt bis jetzt keine Informationen zur endgültigen Abrechnung und Nachbesprechung vom Stadtmarketing – auch auf wiederholte Nachfragen nicht. Einige Positionen auf falschen und wieder zurück gezogenen Kalkulationen sind uns völlig unklar und entsprechen nicht den Vereinbarungen, die wir mit dem Stadtmarketing hatten.“

Patrick Niemeier ergänzt: „Wir haben seit August immer wieder nach der Abrechnung oder Nachbesprechung gefragt. Wir haben seit längerem das Gefühl, hingehalten zu werden.“ Er sei von der Stadt zum Schweigen verpflichtet worden. Daran hält sich der Musiker. „Mal hieß es, die Summe ist vernachlässigbar, dann kommen horrende Zahlen, später werden die wieder zurückgenommen. Ich habe etwas vorliegen, worüber ich mich tierisch aufrege.“

Er sei Dienstag um 16 Uhr zum Gespräch geladen gewesen, sein Kollege Hartkopf am Freitag um 10 Uhr. Getrennte und nicht abgestimmte Termine, die beide nicht einhalten konnten. Patrick Niemeier: „Wir hatten fest zugesagt, am Ausschuss teilzunehmen, um Rede und Antwort zu stehen, sind aber vom Stadtmarketing sozusagen wieder ausgeladen worden, weil die Abrechnung nicht fertig sei.“

Den Klangstädtern ist auch schleierhaft, woher der Bürgermeister wissen will, dass es kommendes Jahr kein Festival gebe. Niemeier: „Es wundert mich, da mich grade diese Woche Band-Manager aus Hamburg angerufen haben. Meine Nummer haben sie vom Stadtmarketing bekommen, um mit mir über Bands für 2008 zu verhandeln.“ Dass das Netzwerk in Auflösung begriffen sei, weist er weit von sich. Einzelne Bands hätten sich aufgelöst, andere seien neu gegründet worden. Klangstadt werde beim Stadtfest im nächsten Jahr wieder die Besttorbühne übernehmen und habe andere Projekte in Vorbereitung.

Jan Mührer, beim Festival für die Technik zuständig: „Wir stehen in den Startlöchern und könnten sofort mit der Organisation für ein Festival 2008 beginnen, doch es kommt einem langsam so vor, als ob die Stadt uns ausbremsen möchte.“ Auf Bad Oldesloe sei man nicht angewiesen. Das Festival könne auch an einem anderen Ort stattfinden.

Andreas Olbertz

Bad Oldesloe: Millionen-Förderung für Stadtumbau

Lübecker Nachrichten vom 14. November 2007

Bad Oldesloe: Millionen-Förderung für Stadtumbau

Bad Oldesloe (LN) - Nach langen Jahren, in denen der Osten der Republik auf Vordermann gebracht wurde, ist nun endlich auch der Westen dran: "Stadtumbau West" lautet das Programm, mit dem der Bund Defizite in den alten Ländern ausmerzen will. Bad Oldesloe hat sich dabei erfolgreich um die Aufnahme in dieses Förderkonzept beworben.

Dabei rechnet man mit einem Gesamtfinanzierungsbedarf von 6,1 Millionen Euro - sowohl für Gutachten und Planungen als auch für die konkrete Umsetzung der Bauarbeiten etwa in der Bahnhofstraße oder bei einem Kreuzungsumbau am Kurpark (nur als Beispiel, noch ist nichts konkret!).

Diese Summe wird aufgeteilt zwischen Bund, Land und Stadt, die jeweils ein Drittel der Kosten tragen. In diesem Jahr hat Bad Oldesloe bereits die Zusage über 1,4 Millionen Euro vom Land erhalten. "Wir hätten auch mehr bekommen können", so Bauamtsleiter Rolf Steinhörster. Doch man wolle erst einmal eine Bestandsaufnahme machen.

Dabei rechnet man mit einem Gesamtfinanzierungsbedarf von 6,1 Millionen Euro - sowohl für Gutachten und Planungen als auch für die konkrete Umsetzung der Bauarbeiten etwa in der Bahnhofstraße oder bei einem Kreuzungsumbau am Kurpark (nur als Beispiel, noch ist nichts konkret!). Diese Summe wird aufgeteilt zwischen Bund, Land und Stadt, die jeweils ein Drittel der Kosten tragen. In diesem Jahr hat Bad Oldesloe bereits die Zusage über 1,4 Millionen Euro vom Land erhalten. "Wir hätten auch mehr bekommen können", so Bauamtsleiter Rolf Steinhörster. Doch man wolle erst einmal eine Bestandsaufnahme machen.

"Ursprünglich hatten wir nur das Gebiet um die Bahnhofstraße und den Kurpark im Auge", berichtet Bürgermeister Tassilo von Bary. Doch anhand des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) wird da wohl mehr draus. Denn dieses Konzept sieht eine ganzheitliche Betrachtung der Kommune vor. Es gehe nicht allein um die bauliche Veränderung in Form von Bagger und Beton, sondern vielmehr darum, Strategien zu entwickeln, um die Zukunft vor Ort lebenswert und gerecht zu gestalten. "Daher gilt es, sowohl die sozialen und wirtschaftlichen als auch die ökologischen Dimensionen der verschiedenen Fachplanungen gemeinsam zu betrachten", so der Verwaltungschef.

Am Anfang steht dabei die grundlegende Bestandsaufnahme, anhand der das Hamburger Gutachterteam von "Architektur & Stadtplanung (A+S)" sowie "polis aktiv" ein verständliches und schlankes Konzept erstellten soll. Die beiden Planungsbüros gingen als "Sieger" einer europaweiten Ausschreibung hervor. "Wir wollen umsetzungsreife Strategien und Pilotprojekte und kein ,Arbeitsnachweisbuch' mit rein wissenschaftlichem Ansatz", betont Matthias Baum von A+S. Dabei wolle man auch vor provokanten Visionen nicht zurück schrecken, "um die Diskussion in Gang zu bringen und anzuheizen".

Als "sportliches Ziel" bezeichnet Baum die zeitliche Begrenzung auf ein Jahr. Danach soll das Konzept stehen, um baldmöglichst auch aktiv werden zu können. Für die Steuerung der Planungsarbeiten wird eine Lenkungsgruppe eingesetzt. In der soll jeweils ein Vertreter der vier Oldesloer Parteien sowie aus der Verwaltung Rolf Steinhörster und Inke Koch aus dem Bauamt, Kämmerin Mandy Treetzen, Ute Schmidt (Projektfinanzierung und -management), Andreas Tomaschewski (Stadtmarketing), Bürgermeister Tassilo von Bary und Angela Haußer aus der Planungs- und Umweltabteilung als Lenkungsgruppenleiterin sitzen. Die erste Sitzung der Gruppe findet am 28. November statt. Im Januar will man erste Ergebnisse der Öffentlichkeit vorstellen.

Von Joachim Strunk, LN

Lärm bleibt – 48 000 Euro weg

Stormarner Tageblatt vom 13. November 2007

Lärm bleibt – 48 000 Euro weg

Die Stadt gibt 12 000 Euro dafür aus, um zu erfahren, wie viel Lärm an viel befahrenen Straßen ist. Weitere 36 000 Euro sollen in einen Aktionsplan fließen. Hoffentlich ist am Ende noch Geld für Maßnahmen da.

Bad Oldesloe/ol

– Den Gesichtern nach zu urteilen haben nicht viele im Umweltausschuss verstanden, was Folkard Hänisch und Dr.-Ing Rolf Hüttmann da erklärten. Die beiden stellten das Ergebnis der Lärmkartierung vor.

Ein großer Plan von Oldesloe hängt an der Wand. Die Autobahnen links und rechts dazwischen die Ratzeburger Straße und der Berliner Ring. Umrahmt von dicken bunten Streifen. Je dunkler der Farbton, desto lauter ist es. 1 350 Oldesloer sind von Lärm betroffen. 500 von denen müssen Lärmbelastungen von 65 DB oder mehr aushalten. Ab 70 Dezibel, so erläuterten es die Experten, gelte Lärm als Körperverletzung. Menschen, die tagsüber 65 dB Lärm ertragen müssen, leiden unter dem Risiko möglicher Herzinsuffizienz – bewiesen sei das allerdings noch nicht. Werte von 50 bis 55 dB seien „schon ganz ruhig“, so Physiker Hänisch und 30 dB entsprächen Blätterrauschen.

Auf zwei Besonderheiten wies Folkard Hänisch hin. Die Kartierung an der Autobahn 21 hört zwischen den Oldesloer Anschlussstellen Nord und Süd kurzerhand auf. Im südlichen Bereich habe die Verkehrszählung nicht funktioniert. Bei einer Schätzung sei man auf 5,8 Millionen Fahrzeuge gekommen. Da aber nur Straßen mit mehr als sechs Millionen Fahrzeugen jährlich untersucht werden müssen, ist der südliche Autobahnbereich nicht berücksichtigt worden.

All jene, die im Internet die Lärmkartierung von Meddewade aufrufen, werden feststellen, dass dort – im direkten Anschluss an die Kreisstadt – ganz andere Werte herausgekommen sind. Seine Berechnungen seien richtig, betonte Hänisch, das Büro, das Meddewade untersucht habe, habe falsche Werte zu Grunde gelegt.

In Oldesloe weiß natürlich jeder, wo es sich weniger leise lebt. Aber das ist nur gehörter Lärm. Jetzt hat es die Stadt wissenschaftlich berechnet. Theoretisch. Die Lärmkartierung entsteht nämlich im Büro, da wird nicht gemessen, sondern gerechnet – eine Vielzahl von Faktoren gilt es dabei zu berücksichtigen. Weil das so schwierig ist und das auch nur Fachleute können, kostet so eine Kartierung ein bisschen was: 12 000 Euro. Im März war die Verwaltung noch von 10 500 Euro ausgegangen.

Im November vergangenen Jahres hatten die Politiker sogar mal beschlossen, überhaupt kein Geld für eine Lärmkartierung ausgeben zu wollen. Aber weil das laut Bundesimmisionsschutzgesetz nicht zulässig sei, stellte die Verwaltung kurzerhand trotzdem 40 000 Euro in den Haushalt.

Die reichen jetzt aber nicht mal. Mit der Kartierung ist es nämlich nicht getan. Es muss auch ein „Aktionsplan“ her, damit die geplagten Bürgern zur Ruhe kommen können. Dagegen kann eigentlich niemand etwas haben. Dummerweise auch nicht dafür, denn für Bundesautobahnen und Bundesstraßen – der Name ist hier Programm – ist die Stadt überhaupt nicht zuständig. Nun kann sich jeder an fünf Fingern ausrechnen, welche Erfolgsaussichten ein Förderprogramm für Schallschutzfenster haben wird.

Ganz so negativ wollte es Dr-Ing. Rolf Hüttmann aber nicht sehen. Es gebe gute Chancen, das Verkehrsaufkommen durch exzellente Radwege oder guten ÖPNV zu senken. Schon zehn Prozent weniger Autos würden den Lärm um stattliche 0,3 dB mindern. Birgit Reichhardt-Mewes (CDU) machte ein langes Gesicht: „Was soll die Stadt überhaupt machen? Da sind die Bürger doch nur gefrustet.“ Ratlosigkeit auch bei Hagen von Massenbach (SPD): „Ich kann nicht erkennen, was uns das jetzt gebracht hat.“ Antwort von Bauamts-Chef Rolf Steinhoerster: „Die Frage stellt sich nicht, wir sind gesetzlich verpflichtet.“

EU und deutsches Immissionsschutzgesetz sei Dank werden also noch mal 36 000 Euro „rausgehauen“. Im März sah die Verwaltungsvorlage für den Aktionsplan noch Kosten von 25 000 Euro vor. Aber so Steinhoerster: „Es hat sich herausgestellt, dass der Aufwand doch größer ist als erwartet.“ Da können die Kosten schon mal um 11 000 Euro steigen. Insgesamt schlägt die Lärmarie also mit 48 000 Euro zu Buche – ohne dass auch nur ein Oldesloer ein ruhigeres Leben hätte. „Bei Maßnahmen, die uns von oben aufgedrückt wurden, da entwickele ich rebellisches Verhalten“, orakelte Hagen von Massenbach, aber letztlich hob er mit alle anderen die Hand.

Andreas Olbertz

Lesermeinung: Die Bäume sind dafür zu schade

Stormarner Tageblatt vom 13. November 2007

Lesermeinung

Die Bäume sind dafür zu schade

Zu: „SPD gegen Kahlschlagaktion an der B 75“ (Stormarner Tageblatt, Sonnabend, 10. November)

Alleebäume – Resignation vor Kurzsichtigkeit und provinziellem Beharrungsvermögen? Was soll man davon halten? Die Verantwortlichen Politiker in Bad Oldesloe lassen zu, dass einer der schönsten Ortseinfahrten Stormarns geopfert wird, um – ja wofür eigentlich? Es gibt keine zwingende Vorschrift, keine dramatischen Vorfälle (Betrunkener fährt gegen Baum und tut sich weh), sondern offenbar nur die unbändige Lust der regierenden CDU, das nächste Mal nicht mehr regieren zu müssen. Dafür sind die Bäume zu schade! Die „Hingucker“ der SPD an den Bäumen waren in kürzester Zeit weggeräumt, die Aktion war nur in dem Sinne erfolgreich, als die Presse rechtzeitig da war. Das reicht aber nicht. Resignativ wird in allen Artikeln festgestellt, dass die Entscheidung gegen die Allee wohl gefallen ist. Wo? Durch wen? Entscheidungen können rückgängig gemacht werden, sie sind nicht Gott gegeben!

Eine Allee abzuholzen, um genau dort, wo die Bäume stehen, einen Radweg zu bauen, ist nicht gerade eine überzeugende Denkleistung. Den könnte man auch hinter den Bäumen entlang führen. Außerdem finden Radfahrer von OD nach Reinfeld zur Not eine Alternative am Travewanderweg. Was soll dieses unsinnige Morden also? Aufstehen, Oldesloer! HELGA TREESS

 

 

SPD gegen Kahlschlag – Aktion an B75

Es waren nicht Greepeace oder die Grünen – die Oldesloer SPD hat gestern mit einer spektakulären Aktion auf die geplante Abholzung von 235 Bäumen an der B75 in Richtung Reinfeld aufmerksam gemacht.

 
Stormarner Tageblatt vom 10. November 2007

SPD gegen Kahlschlag – Aktion an B75

Bad Oldesloe/ol

– „Wo sind die denn alle?“ Rosi Behrend lässt ihren Blick über den kleinen Parkplatz streifen. „Wir wollten uns doch hier treffen.“ Dann entdeckt die SPD

-Stadtverordnete auf der gegenüberliegenden Straßenseite der B75 schemenhafte Gestalten. Taschenlampen blitzen sporadisch auf und im Licht vorbeidonnernder Autos leuchten die Reflektorstreifen der Sicherheitswesten. Die Genossen sammeln sich für ihre große Aktion und fast alle sind dabei.

Es ist dunkel, nass und kalt; keiner ist sich wirklich sicher. Alle tragen rote Jacken, nur Jürgen Voigt hat eine gelb-weiß gestreifte. „Was ist das denn? Bereitest du dich schon auf die Knastkleidung vor?“, neckt ihn ein Mitstreiter. So wirklich sicher, ob das alles legal ist, sind sich die Aktivisten nicht – egal. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Maria Herrmann hat das Kommando. Zusammen mit Jürgen Schneider hat sie die Aktion vorbereitet, verteilt Banner, Farbeimer und Quaste, dann geht es los.

Die B75 in Richtung Reinfeld soll ausgebaut werden. 235 Bäume müssen dafür weichen. „Für 50 Zentimeter mehr Straßenbreite!“, kritisiert die SPD dieses Vorhaben in einer Pressemitteilung. „Wir reden von Klimaschutz und holzen eine der wertvollsten Alleen ab?“, wundert sich Fraktionsvorsitzender Hagen von Massenbach. Es mache keinen Sinn, Autofahrern eine perfekte Einflugschneise in die Stadt hinein zu bauen und sie dann mit einem Kreisverkehr abrupt abzubremsen.

„Die Baumreihen am Ortseingang besitzen eine sehr hohe Bedeutung im Naturhaushalt und tragen zur Identität mit unserer Stadt bei“, erläutert von Massenbach. Deshalb wolle die SPD das Augenmerk der Bevölkerung auf die geplante Fällaktion lenken. „Es geht um alte Bäume und ein paar Zentimeter. Die Neupflanzung von 53 Bäumen wird dies über Jahrzehnte nicht ersetzen können“, ist er überzeugt. Es gebe genügend Beispiele, wie andernorts Alleen durch den Verzicht auf die „Normbreite“ gerettet werden konnten.

Deshalb werden die Bäume mit großen Kreuzen versehen. Auf Bannern steht „Schwarz baut; Natur stirbt“ oder „100 Jahre alte Bäume sterben hier für schwarze Träume“. Doch so einfach ist das nicht. Bei Tageslicht und besserem Wetter hatten einige vorher in einem abgeschiedenen Wald geprobt. Doch jetzt mit klammen Fingern und am Rande einer viel befahrenen Straße ist alles etwas anders. „Das ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis“, flucht Jürgen Schneider. Und Hagen von Massenbach versucht im zittrigen Licht einer Stirnlampe das vertüdelte Sisalseil zu entwirren. Nach einer Viertelstunde hängt das erste Banner. Ulla Riewerts verliert auf dem rutschigen Boden den Halt und bekleckert sich den Kopf mit Farbe, Maria Herrmann schimpft, dass sie doch so klein sei und nicht hoch genug greifen könne – doch der positiven Stimmung tut das keinen Abbruch, im Gegenteil.

Beim gemeinsamen Abschlussfrühstück zieht Hagen von Massenbach ein positives Fazit: „Für meine Truppe war es genau das richtige. Nicht nur wildes Palaver, sondern zupacken! Da stecken viel Mühe und Planung drin. Das ist alles andere als Vandalismus.“ Ausdrücklich betont er, dass sich diese Aktion nicht gegen die Redder-Bebauung richte.

Andreas Olbertz

Stormarner Wochenschau

Stormarner Tageblatt vom 10. November 2007

In Stormarn führt man was im Schilde . . .

Mission mit Untertitel

Andreas Olbertz und Volker Stolten

Schau mal einer an. Da konnte man den Eindruck gewinnen, die SPD hätte sich nach der ausgestandenen Schuldebatte in den Dornröschenschlaf verabschiedet und jetzt das: Da melden sich die Genossen doch glatt in bester Greenpeace-Manier zurück und demonstrieren gegen die Abholzung der Allee Richtung Reinfeld. Bei Nacht und Nebel treten die Genossen in einer Mannschaftsstärke an – so groß soll nach der Wahl am liebsten die Fraktion sein. Da wird gepinselt, gehämmert und geknotet. Das hatte man den Genossen gar nicht zugetraut. Da wurde sogar der Parteinachwuchs vor Neid ganz blass. Juso-Vorsitzender Hajo Krage warf die Frage auf: „Warum hatten wir diese Idee eigentlich nicht?“ Egal, in Ermangelung eines schlagkräftigen Teams schloss er sich kurzerhand dem Fraktions-Projekt an.

Und was kommt als nächstes? Ein paar Befürchtungen: Karl-Reinhold Wurch kettet sich ans Amtsgericht und fordert dessen Erhalt. Bürgerworthalter Dr. Wolfgang Böge schart ein paar Getreue um sich und besetzt die TMS: Hände weg von unserem Gymnasium! Reformstopp jetzt! Gerold Rahmann und seine Grünen lassen unter dem Motto „Nackt und verletzlich wie die Natur – kein Genmais-Anbau auf dem Exer“ die Hüllen fallen.

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Der Altersdurchschnitt in der CDU-Fraktion ist wieder gestiegen. Mit Mathias Rohde hat ein weiterer „junger Wilder“ die Fraktion verlassen. Die zahlreichen vorherigen Abgänge werden allerdings weitgehend ihm angelastet. In seinem Abschiedsbrief hat er sicherheitshalber noch mal „seine“ politischen Erfolge selber aufgezählt – wer weiß, ob die Parteifreunde, vor lauter Freude, ihn endlich los zu sein, das nicht glatt vergessen. Den politischen Mitbewerbern wirft er in seinem Schreiben Ideenlosigkeit vor. Engagiert und fleißig sei er gewesen, das attestieren sie ihm alle. Aber Mathias Rohde als großer Visionär für Oldesloe? Da lässt sie dann doch nur noch laut auflachen.

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„Es gab einen Termin mit dem Minister in Bad Oldesloe, aber die, die sich mit der Sohlgleite rumgeschlagen haben, waren nicht eingeladen.“ Die Kritik von Rainer Fehrmann, Vorsitzender des Umweltausschusses, in Richtung Verwaltung war deutlich. Im Sozialausschuss konnte die Blamage gerade noch abgewendet werden: Die Verwaltung hatte vergessen, auch Politiker zur Eröffnung der neuen Mensa im Westen einzuladen. In einer Mensa gibt es was zu essen. Dafür werden sie gebaut. Am Eröffnungstag im Westen gingen die Kinder allerdings leer aus. Schnittchen gab es nur für die Erwachsenen. Da sieht man, wo die Prioritäten liegen.

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Schön und gut: Dass „Plattdüütsch leevt“ und vielerorts immer mehr Schule macht, ist eine feine Sache. Heimat-Historie in den Mittelpunkt zu stellen, kann nie verkehrt sein. Zumal Platt sich nett anhört und Snacker nicht wirklich verletzend sind. Niemand stört sich daran, wenn jemand sagt: „Du lütt Schietbüdel.“ Auf Hochdeutsch hört sich das halt ganz anders an. Auch, dass der Heimatbund Stormarn immer etwas im Schilde führt, um das vielfach im Untergrund schlummernde Kulturgut flächendeckend ans Tageslicht zu holen, ist sehr zu begrüßen. Aber, liebe Leute: Muss es ausgerechnet Platt im Ortsschild sein! Die „Untertitel“ Bad Oschloe (Bad Oldesloe) oder Eik (Eichede) erscheinen sehr gewöhnungsbedürftig. Und bei Bartheil (Bargteheide) hat man doch weniger das Niederdeutsche vor dem geistigen Auge, als vielmehr „Bartheil“ rufende Jecken, die ab dem morgigen Sonntag zur Höchstform auflaufen. Zur 5. Jahreszeit würde es passen. Aber nach dem Aschermittwoch ist doch alles vorbei. Und was ist, wenn das Kreise zieht, so wie es unser Karikaturist keck darstellt? Dann heißt es: Platz da – Nein!

Bad Oldesloe: Protest gegen Baumfäll-Aktion

Bäume an der B 75
Weiße Kreuze deuten auf den baldigen "Tod" der Bäume an der B 75 hin. Foto: Strunk

Lübecker Nachrichten vom 10. November 2007

Bad Oldesloe: Protest gegen Baumfäll-Aktion

Bad Oldesloe (LN) - Große weiße Kreuze prangen auf einer Strecke von rund 800 Metern an den Alleebäumen der B 75. Sie mahnen an den baldigen Tod der Bäume im Zuge der Verbreiterung der Ausfallstraße von Bad Oldesloe nach Reinfeld.

"Wir reden von Klimaschutz und holzen eine der wertvollsten Alleen ab", erregt sich Hagen von Massenbach, Vorsitzender der SPD-Fraktion von Bad Oldesloe. Gemeint ist die Ahorn-Allee an der B 75 Richtung Reinfeld - längs des Neubaugebietes Steinfelder Redder. Insgesamt 235 Bäume auf der linken, nördlichen Straßenseite sollen in den nächsten Wochen gefällt werden, wie Bürgermeister Tassilo von Bary bestätigte.

Nach langen Diskussionen und sogar einer - erfolglosen - Petition der Stormarner Naturfreunde an den zuständigen Ausschuss des Kieler Landtages beschloss die Oldesloer Politik Ende des vergangenen Jahres mit Mehrheit von CDU und FDP die notwendige Verbreiterung der B 75. Zurzeit ist die Straße 6,50 Meter breit. Vorgeschrieben ist aber eine Mindestbreite von 7,00 Metern, zumal dann der gewünschte Radweg zwischen dem Steinfelder Redder-Gebiet und der Straße gebaut und auch zu 100 Prozent vom Bund bezahlt wird.

Obwohl an den Fakten nicht mehr gerüttelt werden kann, entschloss sich die SPD-Fraktion der Stadt noch einmal zu einer spektakulären Nacht- und Regenaktion. Gestern früh um sechs Uhr trafen sich ein Dutzend Sozialdemokraten und bürgerliche Mitglieder am Eingang des Neubaugebietes und machten sich daran, alle Bäume vom Ortsausgangsschild bis zur Einfahrt zum Hof Wilken auf einer Strecke von gut 800 Metern mit weißer Kalkfarbe ("abwaschbar") zu markieren. Außerdem wurde ein breites Banner mit der Aufschrift "100 Jahre alte Bäume sterben hier für schwarze Träume" sowie mehrere Plakate ("Schwarz baut, Natur stirbt") an Bäumen aufgehängt.

"Dieser Ausbau war Wunsch, aber kein Muss des Straßenbauamtes - entgegen allen Beteuerungen", erklärt Maria Herrmann, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Mitglied im Wirtschafts- und Planungsausschusses. "Die Radwegeführung hinter dem Wall ist sinnvoller und ungefährlicher. Eine Beschränkung lediglich auf die Erneuerung der Straßendecke wäre möglich gewesen und würde Kosten und den Anwohnern monatelangen Ausbau und Lärm ersparen."

Alleen übernehmen laut Information der SPD gerade an verkehrsreichen Straßen eine nützliche Aufgabe: Sie filtern bis zu 70 Prozent Feinstaub und Abgase aus der Luft. Hinzu komme ihre Bedeutung für den Klimaschutz. "Die Baumreihen am Ortseingang besitzen eine sehr hohe Bedeutung im Naturhaushalt und tragen zur Identifikation mit unserer Stadt bei. Die Neupflanzung von 53 Bäumen wird dies über Jahrzehnte nicht ersetzen können", so von Massenbach.

Auch aus verkehrsplanerischer Sicht mache die Abholzung der Bäume zur Verbreiterung der Straße keinen Sinn, so Pressesprecher Hermann Roden. "Warum will man die Autofahrer ungebremst über eine breite Straße nach Oldesloe hineinführen, um sie dann ganz abrupt von einem Kreisel abbremsen zu lassen?"

Eigentlich traut man solcherlei Aktionen ja zuallererst Naturschützern und den Grünen zu. Doch diese waren hier nicht beteiligt. Wilfried Janson, Mitglied der Grünen in der Stadtverordnetenversammlung, sieht das aber nicht so eng: "Das ist ein Baumfrevel erster Ordnung. Wir haben uns ja schon in der Vergangenheit massiv gegen diese Baumfällaktion ausgesprochen, doch leider hat sich die CDU mit ihrer Mehrheit durchgesetzt. Eine traurige Geschichte." Nichtsdestoweniger unterstützen die Grünen die Demonstration. "Das ist ein Fanal!"

Bürgermeister Tassilo von Bary kann der Aktion dagegen gar nichts abgewinnen: "Ich finde es etwas merkwürdig, wenn Naturschützer gerade zu dieser Zeit, in der vor allem Kleingetier sich ein Winterquartier sucht, mit Farbe herumspritzen und Sträucher und Bäume verunstalten."

Die Banner und Plakate würden bald von den Mitarbeitern des Tiefbauamtes abgehängt, an dem Anstrich werde man aber nichts machen. Immerhin droht den Sozialdemokraten keine Strafverfolgung. Von Bary: "Das lohnt den Aufwand nicht. Die Maßnahmen sind ohnehin alle beschlossen und werden in den nächsten Wochen durchgeführt." Ein Auftrag wurde allerdings noch nicht erteilt.

Von Joachim Strunk, LN

 

235 Bäume weg: Protest gegen Fällaktion

Alleebäume an der B 75
Die Protestler haben die Alleebäume an der B 75 mit Kreuzen gekennzeichnet. Die alten Buchen sollen der Straßenverbreiterung zum Opfer fallen.

Hamburger Abendblatt vom 10. November 2007

235 Bäume weg: Protest gegen Fällaktion

BAD OLDESLOE -

Mit einer ungewöhnlichen Aktion hat die Oldesloer SPD gegen das Fällen von 235 Bäumen im Zuge des umstrittenen Ausbaus der B 75 in Richtung Reinfeld demonstriert. Um 6 Uhr früh machten zwölf Aktivisten - unter ihnen fast die gesamte SPD-Fraktion - mit Spruchbändern ("100 Jahre alte Bäume sterben hier für schwarze Träume") und weißen Kreuzen auf die aus ihrer Sicht unnötige Rodung aufmerksam.

Im Sommer hatten CDU und FDP gegen erheblichen Widerstand von Naturschützern, SPD und Grünen beschlossen, auf der Nordseite (Steinfelder Redder) des ein Kilometer langen Teilstücks einen Radweg zu bauen und die Fahrbahn um einen halben Meter zu verbreitern. Dafür sollen im Dezember die Bäume fallen.

"Wir reden vom Klimaschutz und holzen eine der wertvollsten Alleen ab", sagt Hagen von Massenbach, SPD-Fraktionschef und Mitglied im Oldesloer Umweltausschuss. "Die Baumreihen am Ortseingang haben eine hohe Bedeutung für den Naturhaushalt und sind Teil der Identität unserer Stadt." Die in der Ausschreibung geplante Neupflanzung von 53 Bäumen könne dies über Jahrzehnte nicht ersetzen.

Mäusebussarde und Habichte halten nach Beobachtungen des SPD-Chefs von den Bäumen oft nach Beute Ausschau. An Sommertagen spenden die Buchen Schatten, ihr Laub speichert Feuchtigkeit und bremst Wind. Massenbach: "An einem Sonnentag erzeugt eine 100-jährige Buche 45 000 Liter Sauerstoff. Alleen filtern bis zu 70 Prozent Feinstaub und Abgas aus der Luft. Das ist Klimaschutz!"

Einen verkehrstechnischen Sinn für die Straßenverbreiterung kann die SPD nicht erkennen. "Warum will man Autofahrer über eine breite Straße nach Oldesloe hineinführen, die abrupt an einem Kreisel endet?", fragt Hermann Roden, der planungspolitische Fraktionssprecher.

"Eine Radwegführung abseits der Straße hinter dem Wall wäre sinnvoller und sicherer", meint Maria Hermann, Mitglied im Wirtschafts- und Planungsausschuss. In dem Fall könne die Fahrbahn kostengünstig erneuert werden, ohne massenhaft Bäume zu fällen.

Bürgermeister Tassilo von Bary zeigt Verständnis für den Protest, aber: "Dass Naturschützer in der Natur mit Farbe herumkleckern, finde ich nicht gut. Der Beschluss zum Ausbau der Straße steht."

JR

 

 

Nur die beste Schule für mein Kind

Stadtschule: Schule macht Spaß

Stormarner Tageblatt vom 8. November 2007

Nur die beste Schule für mein Kind

Die Zeiten, in denen Eltern die Grundschule für ihre Kinder nehmen mussten, in deren Einzugsbereich sie zufällig leben, sind vorbei.Ab dem nächsten Schuljahr haben Eltern die freie Schulwahl. Umso wichtiger ist es, sich vorab genau über die richtige Schule zu informieren.

Bad Oldesloe/ol

– „Da müssen die Grundschulen ganz schnell aktiv werden und zeigen, was sie können“, findet Sabine Prinz. Mit ihrer Stadtschule macht sie deshalb am Sonnabend den Anfang: Von 11 bis 14 Uhr stehen Interessenten alle Türen offen, um sich über den Unterricht in der Eingangsphase, das Ganztagskonzept, die Mittagsverpflegung und die freien Lernzeiten zu informieren.

Ob das was nutzt? Schulleiterin Prinz befürchtet, dass die wenigsten Eltern über die neue Wahlmöglichkeit informiert sind. „Bei den wenigsten ist das schon präsent“, ist sie überzeugt: „Dabei geht es um nichts Geringeres als die Frage, wo der Bildungsweg meines Kindes beginnen soll.“ Wie ist die räumliche Situation, welchen Eindruck habe ich von den Lehrern, was für Angebote werden gemacht? Sabine Prinz: „Wichtig ist, dass die Eltern ein gutes Gefühl haben, wenn sie uns ihr Kind geben. Man muss sich fragen: Passt das zu meinem Kind?“

Sabine Prinz hat nach den Sommerferien die Nachfolge von Dieter Schmidt auf dem Chefsessel der Stadtschule übernommen. Ihr Vorgänger hatte mit seinen Visionen landesweit für Furore gesorgt. „Das Schmidt‘sche Konzept ist ein komplexes Familienentlastungsprogramm. Sonst wäre ich nicht hergekommen“, erklärt sie. Zu diesem Konzept gehört, dass die Kinder täglich von 7 bis 13 Uhr an der Schule sind – anderthalb Stunden mehr als an den anderen Grundschulen. Auch ohne teure Mensa kann ein günstiges Mittagessen angeboten werden. Darüber hinaus können Hausaufgabenhilfe und diverse Kurse aus dem Betreuungsangebot gewählt werden.

„Muss das denn sein? Ist das nicht viel zu viel?“ Solche Fragen hört die Pädagogin immer wieder. Denen hält sie entgegen, dass sie sehr oft entrüstete Kinder beobachte, die ihre Eltern bei der Abholung fragten: „Wieso bist du denn jetzt schon da?“

Doch auch der Stundenplan von Stadtschul-Kindern sieht etwas anders aus. Sie haben zweimal 45 Minuten freie Lernzeiten. Da kann gespielt, gemalt, geforscht oder gebastelt werden – wie die Kinder grade Lust haben. „Das bewährt sich absolut“, schwärmt Sabine Prinz: „Die Kinder kommen entspannt und ausgeglichen in den Unterricht zurück.“ Diese Unterbrechung des Stundenplans wirke sich positiv auf das Lernverhalten aus. Es sei erwiesen, dass Phasen der An- und Entspannung förderlich seien. Die Leistung ergebe sich aus der Pause. Aber nicht nur das, so die Rümpelerin: „Durch spielen entdeckt man die Welt. Und wir müssen den Kindern Raum geben, die Welt zu entdecken.“ Möglich wird das an der Stadtschule durch 17 junge Menschen im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ). Angehende Lehramtsstudenten werden dabei intensiv auf ihren zukünftigen Beruf vorbereitet.

Schon zu Schmidts Zeiten wurde in der Stadtschule viel mit Projektunterricht gearbeitet. Das will Sabine Prinz zukünftig noch forcieren: „Kinder lernen sehr viel voneinander. Das schafft zudem ein Gruppengefühl und Nähe.“ Lesen, rechnen und schreiben, das reiche längst nicht mehr aus. „Ich will, dass die Kinder hier gestärkt und selbstbewusst rausgehen“, formuliert sie als Ziel: „Dafür müssen wir Lehrer uns auch mal ein Bein ausreißen.“

Natürlich rührt die Schulleiterin für ihr Haus die Werbetrommel, aber sie betont ausdrücklich: „Das soll kein Konkurrenzkampf werden. Alle Grundschulen werden zukünftig ihr Profil schärfen und weiterentwickeln.“ Mit Pauschalurteilen würde man den Schulen und den Menschen, die daran arbeiteten, unrecht tun. „Die Schulen wünschen sich informierte Eltern. Stellt uns auf den Prüfstand!“ Diese Forderung, da ist sich die Pädagogin sicher, werde auch von den anderen Schulleitern in der Stadt getragen. Sabine Prinz würde es sogar ausdrücklich begrüßen, wenn sich alle Grundschulen zukünftig auf einen gemeinsamen Termin für einen Vorstellungstag einigen könnten. Auf einer Rundreise könnten sich die Eltern dann in einem Abwasch alle Schulen ansehen.

Wahlrecht ist ja schön und gut, aber hat die Stadtschule auch ausreichend Platz, um mehr als nur vereinzelte Schüler aus anderen Einzugsbereichen aufnehmen zu können? Sabine Prinz beteuert: „Wir haben genügend Kapazitäten – auch für Kann-Kinder.“ Selbstverständlich müsse jedes Kind, das noch nicht im schulpflichtigen Alter sei, individuell begutachtet werden, aber „Schulreife hängt nicht vom Alter ab“, macht die Rektorin deutlich.


Die Einschulung

[] An den vier Oldesloer Grundschulen beginnt für rund 330 Kinder, die zwischen 1. Juli 2001 und 30. Juni 2002 geboren sind, mit Schuljahresbeginn 2008 der Schulalltag. In den nächsten Tagen erhalten die betroffenen Eltern von der zuständigen Schule die Aufforderung zur Anmeldung ihres Kindes.

[] Das neue Schulgesetz sieht vor, dass eine freie Schulwahl unter den Grundschulen besteht. Auch wenn das formelle Verfahren entfällt, wird die Wahlfreiheit der Eltern durch die Kapazitäten der einzelnen Schulen zwangsläufig begrenzt. Ist die ausgewählte Schule überlaufen, sind die Schüler an der per Einzugsbereichs-Regelung festgesetzten Schule aufzunehmen.

[] Die Anmeldung soll in jedem Fall an der zuständigen Grundschule erfolgen! Besteht der Wunsch auf Einschulung an einer anderen Schule, müssen die Eltern dieses auf dem Anmeldebogen vermerken. [] Um an allen Schulen eine möglichst gleichmäßige Auslastung und etwa gleich große Klassen zu erreichen, wird im Dezember eine Gesamtbetrachtung der Anmeldesituation erfolgen. Im Einzelfall wird erst dann über den Schulwunsch der Eltern entschieden werden können.. (ol)

  Andreas Olbertz

 

Rohde gibt die Schlüssel ab

Matthias Rode gibt den Schlüssel ab

Stormarner Tageblatt vom 7. November 2007

Rohde gibt die Schlüssel ab

Es war ein Absturz in Raten: Erst der Fraktionsvorsitz, jetzt legte Matthias Rohde auch seine anderen Posten nieder.

Bad Oldesloe/ol

– Wenn schon Rücktritt, dann noch mal mit einem ordentlichen Rundumschlag. Matthias Rohde hat gestern seine politischen Ämter niedergelegt. Natürlich nicht kommentarlos. In einem Schreiben an Bürgerworthalter Dr. Wolfgang Böge heißt es: „Um den politischen Wettbewerbern nicht die Gelegenheit zu geben, weiter durch unsachliche und beleidigende Angriffe unter der Gürtellinie von ihrer Ideenlosigkeit für Bad Oldesloe abzulenken, habe ich mich entschieden, das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters mit dem Ende des heutigen Tages zur Verfügung zu stellen.“

18 Jahre war Matthias Rohde Stadtverordneter, davon einige Jahre auch CDU-Fraktionsvorsitzender, mehr als zehn Jahre stand er an der Spitze des Wirtschafts- und Planungsausschusses. In dieser Zeit seien das Baugebiet Steinfelder Redder realisiert, die Schulen sowie Sportplätze saniert und die Verschuldung um ein Drittel gesenkt worden – dies seien Herzensangelegenheiten von ihm gewesen. Das zu schaffen habe aber viel Kraft und Freizeit gekostet – und „die werde ich in der nächsten Zeit lieber meiner Frau und unseren drei Kindern zur Verfügung stellen“. Deshalb legt er auch sein Mandat als Stadtverordneter und alle Ausschusssitze nieder.

„Ich glaube noch nicht an das Ende seines Engagements in Bad Oldesloe“, kommentiert SPD-Fraktions-Chef Hagen von Massenbach den Schritt: „Vergangene Woche noch hart gekämpft und jetzt Rücktritt – ich bin überrascht.“ Zweifelsohne sei Rohde eine Reizfigur der Oldesloer Politik gewesen. „Ob das eine Änderung der Politik nach sich zieht, wird sich zeigen müssen“, so von Massenbach. Ähnlich äußert sich Karl-Reinhold Wurch: „Das ist ein Schritt, den Herr Rohde unter Mitveranlassung seiner Fraktion gegangen ist. Ich hoffe, dass jetzt wieder Entscheidungen ohne persönliche Animositäten möglich werden“, sagt der Liberale.

Auch in der CDU-Fraktion hält sich das Bedauern in Grenzen. Sprecher Rainer Fehrmann: „Ich bin erleichtert, dass die traurige Geschichte Matthias Rohde endlich ein Ende gefunden hat.“ Er sei allerdings überrascht, dass der Parteifreund eine „so weit reichende Lösung“ gewählt habe, das sei nur eine von vielen anderen Optionen gewesen. Rohde habe den Respekt der CDU verdient.

Seit der Kommunalwahl 2003 regiert die CDU mit absoluter Mehrheit. Doch etliche Abgeordnete habe zwischenzeitlich die Brocken hingeworfen, was großteils Rohdes Führungsstil angelastet wird. Im März legte er diesen Posten nach internem Druck nieder. Die Wahl des designierten Nachfolgers Uwe Wilken scheiterte allerdings.

Unlängst hatte er Bürgermeister von Bary während dessen Urlaub vertreten. Anschließend wurden Vorwürfe laut, er habe Vorlagen politisch umschreiben lassen, unzulässige Dienstanweisungen gegeben und das Amt des Bürgermeisters beschädigt. Dadurch schmolz sein Rückhalt in der Fraktion, gleichzeitig wuchs die Kritik von außen.

Andreas Olbertz

Oldesloe: Vize-Bürgermeister Rohde (CDU) tritt von allen Ämtern zurück

Lübecker Nachrichten vom 7. November 2007

Oldesloe: Vize-Bürgermeister Rohde (CDU) tritt von allen Ämtern zurück

Bad Oldesloe - Viertel nach Fünf platzte die "Bombe": Per E-Mail verkündete Matthias Rohde, erster Stellvertreter des Oldesloer Bürgermeisters, Stadtverordneter und Wirtschafts- und Planungsausschussvorsitzender der CDU, seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern mit Ablauf des gestrigen Tages.

In einem Brief an Bürgerworthalter Dr. Wolfgang Böge (CDU) erklärte er seinen Schritt mit "unsachlichen und beleidigenden Angriffen unter der Gürtellinie" seitens "politischer Wettbewerber" - offensichtlich waren damit die ständigen Sticheleien und der Antrag zur Abwahl vom Bürgermeister-Stellvertreter- Posten durch Grünen-Chef Gerold Rahmann gemeint.

Dabei ließ es sich Rohde nicht nehmen, auf seine langjährige Tätigkeit hinzuweisen: "Beim Nachdenken über diesen Schritt sind mir die entscheidenden Weichenstellungen für die Zukunft von Bad Oldesloe durch den Kopf gegangen. Das nach 20 Jahren geschaffene Baugebiet Steinfelder Redder und der drastische Abbau der Verschuldung um ein Drittel allein bis heute, der Ausbau der Schulen und der Sportanlagen, Abbau von Bürgergängelungen wie der Baumschutzsatzung und viele andere Dinge waren Herzensanliegen von mir". Das alles "zu schaffen neben einer stark beanspruchenden Berufstätigkeit hat viel Kraft und Zeit gekostet". Die neugewonnene Freizeit wolle er "lieber meiner Frau und unseren drei kleinen Kindern zur Verfügung stellen".

Völlig überrascht zeigten sich die Akteure der Oldesloer Politszene von der Nachricht. Bürgermeister Tassilo von Bary hörte davon auf der Autofahrt nach Kiel. Seine erste Reaktion: "Tja, dann werde ich demnächst in meine Urlaubsplanung einsteigen." Nach seinem letzten Urlaub im September hatte Rohde die Abwesenheit von Barys "genutzt" und durch eigenmächtiges Handeln für böses Blut in der Verwaltung gesorgt. Daraufhin hatte von Bary angekündigt, bis zur Kommunalwahl auf Urlaub verzichten zu wollen. "Ich habe gehofft, dass die CDU ihre Personalprobleme allein in den Griff bekommt, aber nicht gedacht, dass es so schnell klappt."

Auch SPD-Fraktionschef Hagen von Massenbach wollte es erst nicht glauben: "Ich bin baff. Aber die Entscheidung ist zu respektieren. Ich hoffe, dass der Rücktritt zur Beruhigung der politischen Atmosphäre beiträgt." Zweifellos würde jetzt der Wahlkampf schwieriger. Denn: "Mit Rohde ist eine Reizfigur weggefallen." Karl-Reinhold Wurch, FDP-Fraktionsvorsitzender begrüßte, dass durch den Rücktritt von Rohde "die Chance besteht, dass Sachlichkeit ins Stadtparlament zurückkehrt und Sachentscheidungen ohne Rücksicht auf persönliche Animositäten getroffen werden können".

Rohdes Intimfeind Gerold Rahmann von den Grünen war nicht zu erreichen, da er sich auf einem Auslandsaufenthalt befindet. Sein Fraktionskollege Wilfried Janson kommentierte: "Es ist folgerichtig und logisch, dass die CDU den Schlussstrich unter Matthias Rohde gezogen hat". Er vermute, dass Rohde keinen Rückhalt mehr in der eigenen Partei gehabt hat. So habe sich der Wunsch von Gerold Rahmann erfüllt, der gesagt hatte: "Mögen die Selbstheilungskräfte der CDU wirksam werden."

Horst Möller, Fraktionschef der CDU, würdigte den Schritt Rohdes mit Respekt vor dessen langjähriger Mitarbeit. "Da alle Vorgänge im Zerwürfnis zwischen ihm und dem Bürgermeister auch auf die CDU und die Stadt Bad Oldesloe Auswirkungen hatten, ist der Schritt konsequent und richtig." Der Fraktion stehe nun Arbeit bevor. Noch in der Sitzung gestern Abend wollte man über die Nachfolge Rohdes auf allen frei gewordenen Posten beraten. Dass Rohde in der eigenen Partei nicht mehr sehr gelitten war, zeigte Möllers Abschlusssatz: "Wir wünschen Matthias Rohde für die Zukunft alles Gute und Erfüllung in der neugewonnenen Zeit mit der Familie." sus/unk

Wodarz und Eichelberg geehrt

Fritz Wodarz

Stormarner Tageblatt vom 7. November 2007

Wodarz und Eichelberg geehrt

Bad Oldesloe/st

– Große Ehre für zwei Stormarner: Uwe Eichelberg aus Großhansdorf und Friedrich-Carl Wodarz aus Bad Oldesloe sind vom Bundespräsidenten mit dem Verdienstkreuz am Bande bedacht worden. Ministerpräsident Peter Harry Carstensen überreichte die Auszeichnungen an die ehemaligen Landtagsabgeordneten.

Friedrich-Carl Wodarz engagiert sich seit nahezu 35 Jahren für die Menschen in seiner Heimatstadt Bad Oldesloe. Zunächst als bürgerliches Mitglied, dann als Stadtverordneter und Stadtrat war er von 1972 bis April 2003 kommunalpolitisch aktiv, leitete zehn Jahre lang die SPD-Fraktion. Besonders eingesetzt hat er sich für die Sanierung der Innenstadt und den Umweltschutz. Er machte sich für das Öko-Baugebiet, Windenergie-Erzeugung und Blockheizkraftwerke stark. Zudem war Wodarz maßgeblich an der Kooperation der Stadtwerke Bad Oldesloe, Mölln und Ratzeburg beteiligt und gehört noch heute dem Aufsichtsrat der Vereinigten Stadtwerke GmbH an

Von 1996 bis 2005 vertrat er Stormarn im Landtag, arbeitete in Ausschüssen sowie im Stiftungsrat der Energiestiftung Schleswig-Holstein mit. Auch nach Zusammenlegung der Energie- mit der Technologiestiftung zur Innovationsstiftung Schleswig-Holstein wurde Wodarz als stellvertretendes Mitglied in deren ersten Stiftungsrat berufen.

Seit 2001 engagiert er sich im Verein der Förderer und Freunde des Instituts für ökologischen Landbau in Trenthorst für den Fortbestand der Bundesforschungseinrichtung, wo er dem Beirat angehört, dessen Chef er seit 2004 ist.

Uwe Eichelberg übernahm erste ehrenamtliche Aufgaben bereits in der Schulzeit als Vorsitzender des Rendsburger Primaner Ruderclubs und als Vorsitzender des Studentenwohnheimes. In Großhansdorf war er Schulelternvertreter, engagierte sich im Kirchenvorstand, in Berufsverbänden sowie als ehrenamtlicher Richter am Verwaltungsgericht Schleswig.

Von 1980 bis 1987 war Eichelberg CDU-Ortschef. Zwei Jahre zuvor war er erstmals in die Gemeindevertretung gewählt worden. Drei Jahre war er stellvertretender Bürgermeister, seit 1987 ist er Bürgervorsteher in Großhansdorf.

Ein besonderes Anliegen ist ihm der Schutz vor Kriminalität. Die Bürgerinitiative „Mehr Sicherheit in Großhansdorf“ wurde von ihm von Beginn an unterstützt. Zudem war er Initiator und Mitbegründer des Fördervereins „Freunde des Orchesters der Freiwilligen Feuerwehr“, ist 2. stellvertretender Vorsitzender.

Von 1996 bis 2005 vertrat Uwe Eichelberg Stormarn im Kieler Landtag, wirtschaftspolitischer und gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion und saß im Fraktionsvorstand. Von 1997 bis 2000 war er zudem Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses.

 

„Vorzeigeobjekt“ – Ministerlob für neue Sohlgleite

Sohlgleite

Stormarner Tageblatt vom 6. November 2007

„Vorzeigeobjekt“ – Ministerlob für neue Sohlgleite

Der Umweltminister hat gestern kontrolliert, wofür in Oldesloe 714 000 Euro verbaut worden sind, größtenteils Geld aus Landesmitteln. Christian von Boetticher lobte die Sohlgleite als Vorzeigeobjekt.

Bad Oldesloe

– „Das ist doch mal ein schöner Termin“, freute sich Dr. Christian von Boetticher gestern in Bad Oldesloe: „Ein Projekt, bei dem kaum einer was zu nörgeln hat.“ Der Umweltminister war an die Trave gekommen, um die neue Sohlgleite offiziell „ihrer Bestimmung“ zu übergeben. Übergeben wurde dann zwar doch nichts, sondern lediglich interessiert geguckt und schlau gesprochen.

Vor seiner Zeit als Umwelt minister war Christian von Boetticher im Europa-Parlament. Dort hat auch er 1999 für die Wasserrahmenrichtlinie gestimmt. „Die Beschlüsse im EU-Parlament sind nicht immer glücklich, aber mit der Wasserrahmenrichtlinie haben wir etwas Gutes geschaffen.“ Diese Richtlinie bildet heute die Grundlage für den Bau von Sohlgleiten.

Die Situation der Trave sei „mikrobiologisch nicht schlecht“, betonte der Minister. Sorge bereite die Artenarmut. „Der Mensch hat im Laufe von Jahrhunderten Sperrwerke geschaffen“, bedauerte von Boetticher. Das sei der Grund für die Artenarmut in den Flüssen. Die Oldesloer Probleme sind noch nicht Jahrhunderte alt, sie gehen auf die Flussbegradigungen der 50er Jahre zurück. Diese hatten zur Folge, dass die Trave wesentlich schneller floss, da auf einer deutlich kürzeren Strecke das gleiche Gefälle überwunden werden musste, was wiederum zu massiver Erosion führte. Um dieses Problem zu lösen, wurde die Trave nivelliert und an bestimmten Stellen Sohlabstürze gebaut. Dort ist dann ein abrupter Sprung: Es geht mal eben 1,15 Meter abwärts. Für Fische, die gegen die Strömung wandern, ist das eine unüberwindliche Hürde. Mit fatalen Folgen für bestimmte Arten.

Volker Hahn ist seit 1984 Gewässerwart des Oldesloer Angelvereins. Beruflich war er jetzt als Bauleiter für die Sohlgleite verantwortlich. „Häslinge, Bachneunaugen, Brassen – für die ist so ein Wehr nichts anderes als eine senkrechte Wand. Wenn sie es da zwei drei Mal nicht drüber schaffen, stirbt so eine Fischart aus.“ Da half auch die in den 70er Jahren gebaute Fischtreppe nicht viel – sie wurde von den Fischen schlichtweg nicht gefunden. Diese Arten sollen zukünftig in der mittleren Trave aber wieder heimisch werden.

Christian von Boetticher lobte die Sohlgleite als Vorzeigeobjekt. Auch der Nabu habe die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie im Land als beispielhaft für ganz Deutschland hervorgehoben. Das sei maßgeblich unter der Federführung der Wasser- und Bodenverbände entstanden, denen er ausdrücklich dankte.

In der Tat hatten die Experten des Nabu die neue Sohlgleite sehr gelobt, aber verschiedene andere Maßnahmen vor allem zwischen Oldesloe und Bad Segeberg scharf kritisiert. Nabu-Sprecher Carsten Pusch warf der Landesregierung vor, sich von der Vorreiterrolle zu Gunsten intensiver Landwirtschaft zu entfernen.

Andreas Olbertz

Stormarner Wochenschau

 

Stormarner Tageblatt vom 3. November 2007

Manche Bürgermeister haben es schwer
Ehre, wem Ehre gebührt

Rolf Blase und Andreas Olbertz

Ein Jahr lang haben sie tapfer stand gehalten. Immer wieder neue Arbeitsaufträge an die Verwaltung erteilt. Bloß, um nicht dem Ansinnen einiger Anlieger des Sachsensrings nachkommen zu müssen, die Bäume dort fällen zu lassen. Auch bei der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses waren wieder Anwohner erschienen, die Druck machten: Warum dauert das so lange, warum ist kein Geld im Haushalt, was passiert mit den Ästen an meiner Hauswand? Diesmal war es dann endlich so weit: Einstimmig fiel der Beschluss, alle 23 Bäume absägen zu lassen – egal ob sie irgendwas beschädigen könnten oder nicht. Innerhalb von zwei Jahren weg damit. Bei einigen Sachsenringlern haben vermutlich die Sektkorken geknallt.

Aber eben nicht bei allen. Andreas Lehmann ging bei der Stadtverordnetenversammlung ans Mikro und kritisierte den Beschluss. Wenn das mal nicht so manchem Umwelt-Ausschuss-Mitglied den Puls und Adrenalinspiegel deutlich nach oben getriben hat. Ein Jahr lang gab es Druck von den Anliegern, jetzt ist der Beschluss da und, wie sollte es anders sein, das ist auch nicht richtig. Ja, Politik ist schon ein undankbares Geschäft. Ist es nun purer Zufall oder der entscheidende Grund: Andreas Lehmann bewohnt das einzige Haus im Sachsenring wo laut Plan kein Baum steht. Da kann man natürlich etwas sorgloser gegen Abholzungen wettern.

In der Sache hat der Mann natürlich trotzdem recht. Wenn Bäume auf den bloßen Verdacht hin, sie könnten Schaden anrichten, abgeholzt werden, ist das ein schlechtes Signal.

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Gerold Rahmann kann das Stänkern nicht lassen. Das sorgt für Stimmung. Die Grünen haben eine große Liste mit Umweltschutzforderungen aufgestellt. In diesem Zusammenhang gab es auch Schelte für den Bauhof: „Wenn ich sehe, wie die immer noch Knickpflege betreiben – das grenzt schon an Vandalismus. Beim Blumengießen können sie nichts verkehrt machen.“ Mancher Politiker mag analog über Rahmann gedacht haben: „Lass den man schön forschen, möglichst weit weg, dann kann er hier nichts verkehrt machen.“

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Ja, der Karl-Reinhold Wurch von der Oldesloer FDP ist Jurist. Und manchmal lässt er den Paragrafenreiter auch raushängen, aber am Montag in der Stadtverordnetenversammlung – Junge, das war ein unterhaltsamer Auftritt. Pitsch, patsch da gab es für den Grünen Gerold Rahmann eine verbale Backpfeife nach der nächsten von „Papa Wurch“. „Es erstaunt mich doch, dass die Grünen just zum Ende der Legislaturperiode ihr grünes Gewissen wieder entdecken. Herr Rahmann hätte mal lieber weniger Zeitung im Ausschuss lesen sollen“, so Wurch, dann hätte er auch mehr mitbekommen. Und weiter: „Stellen Sie keine Showanträge: Vorbereiten, mitarbeiten – dann würden Sie mehr schaffen.“ Rahmann nahm’s von der humorigen Seite und stimmte einer Verweisung seines Antrags in den Umweltausschuss zu: „Da ist Herr Wurch nicht drin, das können wir machen.“

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Wenn morgens in der Redaktion die Telefone schon klingeln, weil die Leser den Bericht nicht abwarten können und gespannt fragen: „Na, wie ist es gestern Abend ausgegangen?“ Dann muss wohl was ganz Großes passiert sein. War allerdings nicht. Aber das wussten nur wenige Eingeweihte. Der Abwahlantrag gegen den Bürgermeister-Stellvertreter Matthias Rohde (CDU) wurde zurück gezogen. Das hatten einige Politiker schon vorher gesteckt bekommen, aber eben nicht alle. Besonders in der SPD-Fraktion klappte einigen der Unterkiefer runter. Offensichtlich waren die nicht in der Telefonkette. Und als dann auch noch bekannt wurde, dass Rohde und von Bary eine gemeinsame Erklärung des Bedauerns verbreiten würden, entfleuchte Hans-Hermann Roden ein: „Irgendwie komme ich mir verarscht vor.“ Bei einem Informationsgespräch habe der Verwaltungs-Chef nämlich noch beteuert, er werde das Papier niemals unterschreiben. Das wussten auch Oldesloer, die mit Politik gar nichts am Hut haben. Streng genommen kann man natürlich sagen: Hat er ja auch nicht. Denn das unterschriebene Papier ist nicht das, was Rohde ursprünglich vorgelegt hatte, sondern ein mit Manfred Meurers ausgehandelter Kompromiss. Trotzdem bleibt natürlich die Frage: Warum macht er das überhaupt? Offiziell ist in dieser Sache nichts, absolut nichts, in Erfahrung zu bringen. Einhellig geäußerte Meinung Dritter ist: „Das hat er gemacht, um endlich seine Ruhe zu haben. Und außerdem ist das Papier absolut nichtssagend.“ Mag sein. Trotzdem ... Tassilo von Bary ist mit schweren Vorwürfen gegen seinen Stellvertreter gestartet, rudert jetzt zurück, er habe überreagiert, aber von den eigentlichen Punkten ist nichts geklärt. Und die Ankündigung, keinen Urlaub mehr nehmen zu wollen, hat er sogar noch mal wiederholt. Der Beginn einer großen Männerfreundschaft ist die gemeinsame Erklärung sicherlich nicht.

Klar kommt auch unser Zeichner Götz Wiedenroth in dieser Woche nicht an diesem Thema vorbei. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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Als Bürgermeister hat man es auch andernorts nicht leicht. Da freut man sich, dass es voran geht, und schon bekommt man eins zwischen die Hörner. Als „Sternstunde meiner Amtszeit“ hatte Trittaus Verwaltungschef Walter Nussel den Baustart für den zweiten Abschnitt der Entlastungsstraße bezeichnet. Vielleicht etwas übertrieben, aber durchaus verständlich, weil ein jahrelanger Zankapfel nun unter Asphalt quasi begraben wird. Aber in Trittau sind die Fronten offenbar so verhärtet, dass man sich auch nicht mehr freuen darf. „Geschichtsklitterung“, „verbale Entgleisung“ schall es dem Bürgermeister entgegen. Schließlich hätte Nussel bei der Planung der Straße keine glückliche Figur gemacht und ohne das Votum der Bürger würde es sie überhaupt nicht geben. „Unverzüglich“, forderten Eva-Marie und Ancus Martius, müsse Nussel die Bürger um Entschuldigung bitten, weil er den Bau der Entlastungsstraße unberechtigt für sich allein in Anspruch genommen habe. Woanders auf der Welt ist geteilte Freude doppelte Freude. In Trittau scheint das mit Freud’ und Leid genau andersrum zu sein.

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Die Gelben Säcke waren ja noch nie das Gelbe vom Ei. Die Tüten sind so dünn, dass sie oft schon beim Befüllen reißen. Und rauer Behandlung an der Straße konnten sie auch nie trotzen. Nun kommt eine neue Firma und bringt neue Säcke mit. Stabiler und größer, aber auch rationiert – weil die Stormarner angeblich so geaast haben mit den Säcken. Wer’s glaubt, kann eine Hotline anrufen und erhält weitere Säcke.

Heide: „Kinder sind einfach wunderbar“

Heide Simonis, Gisela Stoltenberg und Christoph Asmussen

Stormarner Tageblatt vom 3. November 2007

Heide: „Kinder sind einfach wunderbar“

Rappelvoll war es im großen Saal des Bella Donna Hauses in der Bahnhofstraße. Mehr als 100 Gäste wollten Heide Simonis erleben. Die ehemalige Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein kam nach Oldesloe, zum Vorlesen – zugunsten von Unicef.

Bad Oldesloe/srp

– Zunächst musste sich die Ex-Politikerin gedulden, denn die erste Stunde gehörte den Kindern, für die sie sich so sehr einsetzt. „Kinder in Afrika, wie leben sie eigentlich? “ war das Thema einer Projektwoche im Kindergarten Luftballon, und die Drei- bis Sechsjährigen beleuchteten die Lebenssituation ihrer Altersgenossen auf dem Schwarzen Kontinent von allen Seiten. „Wir haben gemalt, gekocht und gebacken, aus Ton geformt und ganz viel geredet“, erzählte Kindergartenleiterin Gisela Stoltenberg. Außerdem drehten die Erzieherinnen einen Videofilm, in dem sich die Kleinen Gedanken über die Kinder in fernen und armen Ländern machten. Inspiriert wurden sie durch einen Film über einen Fischerjungen in Papua-Neuguinea. „Ihr Essen wickeln sie in Bananenblätter ein. Manche haben aber auch gar nichts zu essen. Und dann werden sie auch nicht groß und stark“, so die Aussage eines kleinen Jungen. „Einen Supermarkt gibt es da nicht. Deshalb müssen sie jeden Tag Fische essen“, ergänzte ein Kind mit leichtem Abscheu in der Stimme.

Die Ergebnisse einer großen Tuschaktion im Kindergarten konnten die Besucher im Bella Donna Haus an den Wänden bewundern. Sie wurden noch am Abend zugunsten von Unicef meistbietend versteigert. Heide Simonis bot da gerne mit und las dann aus einem ihrer Lieblingsbücher: Jenseits von Afrika von der dänischen Autorin Tania Blixen. Nur wenige wissen, dass Heide Simonis in den 60er Jahren als Lektorin in Lusaka in Sambia arbeitete und sich deshalb dem Schwarzen Kontinent besonders verbunden fühlt. „Ich habe damals zum ersten Mal erfahren, was Armut in diesen Ländern wirklich bedeutet.“ Doch heute gehe es ihr in erster Linie um die Kinder, so die studierte Volkswirtin und Soziologin. Die Arbeit von Unicef liege ihr als Vorsitzende von Unicef Deutschland besonders am Herzen.

„Kinder sind einfach wunderbar und können für ihre jeweilige Lebenslage nun wirklich am wenigsten,“ so Heide Simonis. Das dachten sich auch die Kinder vom Kindergarten Luftballon, die zugunsten ihrer Altersgenossen in armen Ländern einen Flohmarkt in der Innenstadt veranstaltet hatten. Insgesamt 460 Euro kamen zusammen. Zwei Spendenbüchsen und die Bilderversteigerung brachten noch einmal 340 Euro ein. Die SPD stockte den Betrag schließlich um 100 Euro auf, so dass eine sichtlich zufriedene Heide Simonis insgesamt 900 Euro für Unicef mit nach Hause nehmen konnte. Zuvor jedoch durfte sich die beliebte Ex-Ministerpräsidentin noch in das Goldene Buch der Stadt Bad Oldesloe eintragen.

Zufrieden war auch Veranstalter Christian Schlichte vom Oldesloer Kulturforum der SPD. „Es war ein wirklich toller Abend“, so Schlichte. Auch wenn es im kommenden Jahr wegen der anstehenden Kommunalwahl wohl erst im September wieder eine Veranstaltung geben werde, versprach der Sozialdemokrat doch einen prominenten Gast. „Björn Engholm hat fest zugesagt, dass er nach Oldesloe kommt.“

Susanne Rohde

Volles Haus bei Heide Simonis

Lübecker Nachrichten vom 3. November 2007

Volles Haus bei Heide Simonis

Rund 100 Gäste kamen zur SPD-Kulturveranstaltung ins Bella Donna Haus BAD OLDESLOE – Höhepunkt der Lesereihe des „Bad Oldesloer Kulturforums der Sozialdemokratie“: Zu Heide Simonis strömten rund 100 Gäste. „Ein voller Erfolg“, freut sich Organisator Christian P. Schlichte, stellvertretender Vorsitzender der Oldesloer SPD. Die frühere Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, jetzt Unicef-Vorsitzende von Deutschland, stellte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen vor, bevor sie aus Tanja Blixens „Jenseits von Afrika“ vorlas und nicht etwa aus ihrem eigenen neuen Buch. Zu dem Kontinent hat sie eine persönliche Beziehung: sie hat dort selbst in Sambia gelebt. Die ehemalige Landesmutter trug sich bei ihrem Oldesloe-Besuch im Bella Donna Haus zudem ins „Goldene Buch“ der Stadt ein, das Bürgerworthalter Dr. Wolfgang Böge und Bürgermeister Tassilo von Bary eigens mitgebracht hatten. Für Unicef konnte sie einen Scheck von 900 Euro mitnehmen. Dafür hatte hauptsächlich der Oldesloer Kindergarten Luftballon unter Leitung von Heinke Stoltenberg mit einem Projekt, Bilder- und Flohmarktverkauf gesorgt. Der von den Kindern eingesammelte Betrag war von der Oldesloer SPD aufgestockt worden. sus

 

Bäume am Sachsenring – Alle weg ist auch nicht richtig

Bäume am Sachsenring

Stormarner Tageblatt vom 1. November 2007

Bäume am Sachsenring - Alle weg ist auch nicht richtig

Wie von Hausbesitzern gewünscht sollen die Bäume am Sachsenring weg. Aber das ist auch nicht allen Anliegern recht.

Bad Oldesloe

– Lange hat der Umweltausschuss gebraucht, um zu einem Beschluss zu kommen, und der soll jetzt auch nicht richtig sein.

Andreas Lehmann aus dem Sachsenring meldete sich in der Fragestunde zu Wort. Er kritisierte, dass in der Straße alle Bäume gefällt werden sollen – genau das hatten allerdings andere Anlieger seit gut einem Jahr (zumindest teilweise) immer wieder gefordert. Oftmals sei die Begründung für die Abholzung lediglich, dass die Bäume vermutlich Schäden anrichten könnten. „Das hat Signalcharakter für andere Straßen – Bäume können gefällt werden, wenn sie einem nicht mehr passen“, so Lehmann. Es sei en aber nicht nur die Fällungen, sondern auch Neuanpflanzungen beschlossen worden. Was gebe den Ausschuss-Mitgliedern denn die Sicherheit, dass in ein paar Jahren nicht wieder Probleme aufträten? Außerdem, so bemängelte Lehmann, habe er in der Hauptsatzung nachgelesen und herausgefunden, dass der Hauptausschuss gar keine Beschlusskraft habe, ergo sei der Beschluss, die Bäume zu fällen rechtswidrig. Applaus vom Publikum.

Ausschuss-Vorsitzender Rainer Fehrmann erklärte, dass sich der Ausschuss ein Jahr lang mit der Thematik sehr schwer getan habe. Der Bebauungsplan schreibe Bäume vor. Leider seien seinerzeit die falschen Sorten gepflanzt worden. Wer dafür verantwortlich sei, lasse sich heute nicht mehr feststellen.

Die Ausschussmitglieder müssten sich auf die Aussagen der Verwaltung verlassen. Die habe beispielsweise mitgeteilt, dass eine benötigte Genehmigung der unteren Naturschutzbehörde vorliege. Sicherheit, dass die neuen Bäume nicht auch Schäden verursachen, habe er, weil zukünftig andere Baumarten – so genannte Tiefwurzler – gepflanzt werden sollen.

Bürgermeister Tassilo von Bary machte deutlich, dass Baumfällungen reines Verwaltungshandeln seien, da die Stadt keine Baumschutzsatzung mehr habe. Die Politik könne in der Frage also gar nichts beschließen, sondern der Verwaltung lediglich Empfehlungen aussprechen. Gleichwohl liest sich das im Protokoll der Sitzung etwas anders: Dort ist eindeutig von einem Beschluss die Rede und davon, dass der „von der Verwaltung in einem Zeitraum von zwei Jahren abzuarbeiten“ ist. Das klingt mehr nach einer klaren Anweisung als nach einer Empfehlung.

Im Sommer hatte die Verwaltung alle Anlieger des Sachsenrings und der Heimstraße angeschrieben. Welche Schäden gibt es? Planen Sie eine Solaranlage, die vom Baum beschattet werden könnte? Würden Sie den Grundstückszipfel auf dem der Baum steht, kaufen wollen. Soll der Baum vor ihrem Haus ersatzlos weg, ersetzt werden oder kann er stehen bleiben?

Die Antworten wurde aufgelistet: Keiner plant eine Solaranlage, nur vier Anlieger würden den Baum kaufen wollen. 14 Anlieger wünschen einen kleineren Baum, zwei wollen gar keinen mehr, zwei weitere Bäume können stehen bleiben. In fünf Fällen kamen keine Rückmeldungen.

In der Konsequenz votierte der Ausschuss für die Radikalmaßnahme: In diesem oder Anfang nächsten Jahres werden 14 Bäume gefällt. Im Frühjahr werden die Stubben ausgefräst und im Herbst neue Bäume gepflanzt. Im Winter 2008/09 fallen auch die restlichen neun Bäume. Kostenpunkt: 34 500 Euro.

Andreas Olbertz

 

Unsere Türen stehen offen: Politik zum Mitgestalten

MARKT am 31.10.07

Politiker und Parteien haben das Wort

Wir Politiker machen Politik für die Bürger – zu deren Wohl, nicht zum persönlichen Vorteil. Und Bürger beteiligen sich eigenverantwortlich und  bringen sich ein. In Oldesloe ist dies offensichtlich zur grauen Theorie geworden.

Gutachten, Schwimmbadpläne, Biogasanlage, Redder-Vertrag, Erdgastankstelle – ja selbst Spielplatzangelegenheiten werden mittlerweile im nicht öffentlichen Teil diskutiert. Pressevertreter werden schon mal vor die Tür gesetzt — eine große Geheimsitzung? Nein, eine Diskussionsrunde zur Verschönerung und Attraktivitätssteigerung der Fußgängerzone. Dabei regelt das Gesetz, dass nur Personal- und Grundstücksangelegenheiten nicht öffentlich zu beraten sind — in den Punkten zu Recht, aber eben nicht mehr.

Oft hat sich die SPD bemüht, Tagesordnungspunkte öffentlich zu machen, Sitzungen bürgernäher zu gestalten. Leider hat die CDU, die Mehrheitsfraktion, dies immer wieder verhindert. Ist das der Boden, auf dem ein kreatives, vertrauensvolles Miteinander zum Wohle der Stadt gedeihen kann? Wie sollen Oldesloer das Gefühl der Mitverantwortung bekommen, wenn man sie nicht mitgestalten lässt? Die Gehweg-Sanierung an der Travenhöhe ist dafür ein trauriges Beispiel. Bürger sind engagiert, bringen Ideen ein, sind sogar bereit, dafür zu bezahlen und werden brüsk vor den Kopf gestoßen.  

Wovor hat Politik Angst? Dass der Bürger feststellt, wie wenig es um sein Wohl geht, sondern um handfeste Eigeninteressen und Macht? Es ist nicht Politik-Verdrossenheit, die immer mehr Bürger abstößt, es ist Politiker-Verdrossenheit.

Vor zwei Jahren hat mich die SPD aufgrund meines Engagements in der Bürgerinitiative Steinfelder Redder angesprochen und mir einen Platz im Wirtschafts- und Planungsausschuss angeboten - obwohl ich kein Mitglied der SPD war. 

Ich möchte mit meiner Arbeit zeigen, welchen Mitgestaltungsspielraum Kommunalpolitik bietet und anderen Mut machen, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten einzubringen und Verantwortung zu übernehmen.

Unsere Türen stehen offen – für Menschen, die mitarbeiten wollen und denen unsere Stadt am Herzen liegt. Und unsere Türen stehen hoffentlich nach der Wahl im Mai 2008 verstärkt wieder in den Ausschüssen und Stadtverordnetenversammlungen offen.

Maria Herrmann, SPD 

Streit der Oldesloer Bürgermeister beigelegt?

Lübecker Nachrichten vom 31. Oktober 2007

Streit der Oldesloer Bürgermeister beigelegt?

"Als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet" - "Das Papier nicht wert, auf dem es steht" - "Quatschkram, man fühlt sich verarscht": Die Kritik an der Einigung zwischen Tassilo von Bary und Matthias Rohde ist deutlich, wenn auch nur inoffiziell.

Die Zitate, die dem Ersten Bürgermeister-Stellvertreter Matthias Rohde in einer Kolumne einer Stormarner Tageszeitung zugeschrieben wurden, seien "so nicht geäußert" worden. "Herr Rohde bedauert dies sehr. Herr von Bary nimmt dieses Bedauern an und bedauert seinerseits, im Hauptausschuss vom 17. September 2007 öffentlich überreagiert zu haben."

So kurz, so knapp, so nichtssagend ist die Mitteilung, die gestern Nachmittag, von beiden Kontrahenten unterschrieben, veröffentlicht wurde. Denn: Zu viele Fragen bleiben offen, zu vernebelt sind die Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Sprachlosigkeit herrschte daher bei Beteiligten und Beobachtern der Bad Oldesloer Politszene, die sich wortkarg gaben und offizielle Kommentare verweigerten.

Die Angelegenheit hatte bei der Stadtverordnetenversammlung am Montagabend ihren Anfang genommen. Als sich alle auf den Antrag der Grünen eingestellt hatten, der die Abwahl von Matthias Rohde (CDU) als stellvertretenden Bürgermeister vorsah, trat Grünen-Chef Gerold Rahmann an den Redner-Pult und verkündete, angesichts neuer Erkenntnisse habe man noch internen Klärungsbedarf. Daher ziehe er den Tagesordnungspunkt zurück und verschiebe ihn - sofern nicht zwischenzeitlich die "Selbstheilungskräfte der CDU" einsetzten - auf die Stadtverordnetenversammlung Ende November. Zuvor erhielt er die Information, dass es Gespräche zwischen Bürgermeister Tassilo von Bary und den beiden Stellvertretern Matthias Rohde und Siegfried Wobig gegeben hatte.

Rohde hatte sich in von Barys Urlaub im September einige Eigenmächtigkeiten im Rathaus erlaubt und angeblich schriftliche Anweisungen an Verwaltungsmitarbeiter herausgegeben, um eine Vorlage zur Umsetzung der Schulreform zu ändern und damit "seine persönlichen Vorstellungen durchzuboxen". Daraufhin hatte von Bary in der besagten Ausschuss-Sitzung erklärt, bis zur nächsten Kommunalwahl im Mai 2008 keinen Urlaub mehr nehmen zu wollen, weil er befürchte, dass Rohde sich erneut als Bürgermeister-Vertreter profilieren werde.

Warum von Bary sich aber auf eine solche Erklärung eingelassen hat, darüber blühen nun in Oldesloe die Spekulationen. Er selbst erklärte, dass die Formulierung als "gemeinsamer Nenner aus mehreren Gesprächen" hervorgegangen sei. Vermuten könnte man, dass Siegfried Wobig als "graue Eminenz" der CDU seinen Einfluss geltend gemacht hat, um zwischen den beiden zu vermitteln und so Schaden von der Stadt abzuwenden.

Tatsächlich muss sich zu allererst von Bary in der Öffentlichkeit beschädigt fühlen, gilt er doch jetzt parteiübergreifend bei vielen als "Weichei", weil er "ohne Not eingeknickt" sei. Gerold Rahmann sieht in dieser Erklärung zudem auch gar keine Lösung des Grundproblems: "Die zentralen Vorwürfe gegen Rohde bleiben bestehen", nämlich die des eigenmächtigen und rechtswidrigen Handelns. Zumal das angeblich auch von städtischen Mitarbeitern schriftlich dokumentiert wurde. "Das Problem Rohde ist vor allem ein Problem für die CDU", sieht Rahmann. Die müsse sehen, wie sie sich von dem überehrgeizigen Parteikollegen distanzieren könne. Leichter gesagt als getan. Innerhalb der Oldesloer CDU rumort es ja seit Monaten deswegen, der personelle Aderlass spricht eine deutliche Sprache. Manch einer in der Partei sieht da weiteres "Blutvergießen" auf die CDU zukommen. Und schon länger wird das Gespenst einer unabhängigen Wählergemeinschaft an die Wand gemalt . . .

Joachim Strunk

Das große Bedauern – Rohdes Abwahl geplatzt

Stormarner Tageblatt vom 31. Oktober 2007

Das große Bedauern – Rohdes Abwahl geplatzt

Diesmal musste die CDU den Abwahlantrag gegen Matthias Rohde nicht abschmettern, der Grüne Gerold Rahmann bat um Vertagung.

Bad Oldesloe

– Es war eine mit Spannung erwartete Sitzung. Doch statt des großen Knalls mit der Abwahl Matthias Rohde vom Amt des stellvertretenden Bürgermeisters kam nicht mal ein laues Lüftchen auf. „Ich muss sie leider enttäuschen“, sagte Gerold Rahmann gleich zu Beginn der Stadtverordneten-Sitzung. Der Grünen-Fraktionschef hatte die Abwahl Rohdes – mal wieder – beantragt, zog den Antrag aber zurück. Er soll im November behandelt werden, weil es noch „Diskussionsbedarf“ gebe.

Ratlos, betretene Gesichter bei einigen Politikern. Ein betont reglose Miene bei Matthias Rohde – hintergründiges Lächeln. Die Runde geht klar an ihn. Aber den Kampf dürfte er damit noch lange nicht gewonnen haben. Das machte schon Gerold Rahmann deutlich: „Das Thema werde ich am Köcheln halten.“

Gemeint ist die Kontroverse mit Bürgermeister Tassilo von Bary. Gestern verbreiteten die beiden Kontrahenten eine gemeinsam Erklärung. Ganze drei Sätze lang. „Da kann Herr von Bary sich am Montag ins gemachte Nest setzen. Es ist erledigt, was er zwei Monate versust hat“, hatte Rohde am Rande eines Pressegesprächs über den Dirt-Park gesagt. Er bedauere sehr, dass das in der Zeitung stand, so Rohde, der nun behauptet, dies sei „so nicht geäußert“ worden. Bürgermeister Tassilo von Bary nimmt dieses Bedauern an und bedauert seinerseits, im Hauptausschuss „öffentlich überreagiert zu haben.“ In besagter Sitzung hatte von Bary seinem Stellvertreter den Versuch vorgeworfen, eine Verwaltungsvorlage auf Parteilinie zu trimmen und eine Mitarbeiterin des Bauamtes angewiesen zu haben, unverzüglich mit den Arbeiten für den Dirt-Park zu beginnen, obwohl die rechtlichen Voraussetzungen nicht erfüllt waren. Zwei Unterschriften drunter, das war’s. Haben sich jetzt alle wieder lieb? Der Beginn einer neuen Männerfreundschaft? Wohl kaum. „Ich habe das nächste dreiviertel Jahr keinen Urlaub geplant“, antwortet Bürgermeister von Bary auf die Frage, was die Erklärung denn für die Zukunft bedeute: „Wir arbeiten ganz normal weiter.“ Ansonsten wolle er keinen Kommentar abgeben.

Das übernehmen die Fraktionen. Bei denen löst die Erklärung durchweg Heiterkeit aus. „Das ist ja absolut nichtssagend“, findet Hans-Hermann Roden von der SPD. Er hatte vergangene Woche Akteneinsicht beim Bürgermeister verlangt und auch bekommen. Das Fazit des stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden: „Rohde hat sich rechtswidrig verhalten. Dieses Thema wird uns weiter beschäftigen.“ Der Liberale Karl-Reinhold Wurch: „Ich lasse die CDU da nicht aus ihrer Verantwortung. Sie muss sich langsam fragen, ob sie wirklich den Richtigen für dieses Amt benannt hat.“ Der Posten stehe der CDU zu, die hat einen Kandidaten nominiert, und wenn es mit dem Schwierigkeiten gebe, sei es Sache der CDU das „glatt zu ziehen und zu klären“. Auch inhaltlich bezieht der Jurist klar Stellung: „Wenn das Verhalten von Matthias Rohde rechtswidrig gewesen sein sollte, wäre es Aufgabe des Bürgermeisters, das entsprechend klar zu stellen. Aber ich habe nichts auf den Tisch bekommen. Tassilo von Bary muss für sich im Hause klar Schiff machen.“

Auch Gerold Rahmann reibt sich genüsslich die Hände: „Die beiden haben ja ziemlich viel Wirbel veranstaltet. Als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet.“ Die im Hauptausschuss erhobenen Vorwürfe seien „nicht nur unproblematisch“ aber nach wie vor ungeklärt. Deshalb habe sich das Thema Rohde noch nicht erledigt.

Eine Mauer des Schweigens bei der CDU. Matthias Rohde war nicht zu erreichen. Absolut keine offizielle Stellungnahme aus dem christdemokratischen Lager. Das spricht für sich, denn bislang haben Horst Möller und Rainer Fehrmann ihren Parteifreund immer tapfer gegen Angriffe verteidigt. Unverhohlen sprechen mittlerweile allerdings CDU-Mitglieder davon, dass Rohde unter „Wahrnehmungsstörungen“ leide und nicht merke, wie sehr er der Partei schade.

Am Dienstag, 6. November tagt die Fraktion erneut, vielleicht gibt es danach Neuigkeiten.

Andreas Olbertz

 

"Grüne" fordern Abberufung von Matthias Rohde

Lübecker Nachrichten vom 27. Oktober 2007

"Grüne" fordern Abberufung von Matthias Rohde

Bad Oldesloe - Mit Spannung fiebern viele Beobachter der kommunalpolitischen Szene in Bad Oldesloe der Stadtverordnetenversammlung am Montag, 29. Oktober, entgegen. Dabei sorgen weniger die diversen Anträge zu Satzungsänderungen beim Stadtarchiv, bei der Stiftung St.-Jürgen-Hospital oder bei der Erschließung und beim Straßenbau für Vorfreude als vielmehr zwei Anträge der Grünen-Fraktion. Deren Chef, Prof. Dr. Gerold Rahmann, fordert nämlich die Abberufung des stellvertretenden Bürgermeisters Matthias Rohde (CDU) von seinem Amt und gleich danach die Bestellung eines Nachfolgers.

Hintergrund ist eine Auseinandersetzung zwischen Bürgermeister Tassilo von Bary und Rohde, der während eines einwöchigen Urlaubs des Verwaltungschefs die Amtsgeschäfte sehr "selbstbewusst und offensiv" ausübte. Von Barys Vorwurf: Rohde habe eigenmächtig versucht, eine Verwaltungsvorlage zur Schulreform abzuändern, ohne dafür eine rechtliche Handhabe zu besitzen. Außerdem bezichtigte er Rohde, das Amt des Bürgermeisters in der Öffentlichkeit zu beschädigen. Rohde hatte sich gegenüber der Presse dergestalt geäußert, von Bary könne sich ins gemachte Nest setzen, wenn er aus dem Urlaub zurückkehrte, da er, Rohde, in Sachen Dirt-Park erledigt habe, was von Bary "zwei Monate versust" hätte.

Von Bary hatte daraufhin in der Hauptausschusssitzung vom 17. September verkündet, dass er bis zum Ende der Legislaturperiode, sprich bis zur nächsten Kommunalwahl im Mai 2008, keinen Urlaub mehr nehmen werde, um zu verhindern, dass sich Rohde erneut als Bürgermeister-Vertreter profilieren könne.

Offiziell hielt sich die Fraktion der CDU - naturgemäß - zurück (Fraktionsvorsitzender Horst Möller: "Das ist ein Thema zwischen den Bürgermeistern"), doch hinter den Kulissen rumort es. So wurde Rohde von eigenen Parteimitgliedern mit dem "Rambo von Kiel", dem noch amtierenden Innenminister Ralf Stegner (SPD), verglichen. Schon in der Vergangenheit hatte es großen Ärger gegeben, im Frühjahr musste Rohde auf innerparteilichen Druck den Fraktionsvorsitz abgeben, im Zuge der Diskussion um die Schulreform in Bad Oldesloe warfen nacheinander Uwe Wilken und Birgit Reichardt-Mewes ihre Jobs als Vorsitzende des Gleichstellungs-, Sozial- und Kulturausschusses hin, nachdem Rohde - vergeblich - versucht hatte, die Theodor-Storm-Schule als Regional- und die Klaus-Groth-Schule als reine Grundschule durchzusetzen.

Inwiefern Rahmanns Antrag auf Abberufung Rohdes als stellvertretender Bürgermeister Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Immerhin wollen die Grünen eine geheime Abstimmung in der Hoffnung, die Unzufriedenen innerhalb der CDU könnten sich so zu einer Entscheidung gegen ihren Parteigenossen durchringen.

Die Stadtverordnetenversammlung findet wie üblich in der Festhalle im Schulzentrum an der Olivet-Allee 4-6 statt. Die Sitzung beginnt am Montagabend (29. Oktober) um 19.30 Uhr. Die Tagesordnung sieht 19 Tagesordnungspunkte in öffentlicher und weitere fünf in nicht-öffentlicher Sitzung vor.

Von Joachim Strunk, LN

Oldesloe lockt mit 300 000 Euro

Hamburger Abendblatt vom 26. Oktober 2007:

Fusionsplan Kreisstadt will auch die neun Umlanddörfer verwalten

Oldesloe lockt mit 300 000 Euro

So viel Geld soll das Amt Bad Oldesloe-Land laut Gutachten bei einer Ehe sparen können.

Von Claus Vogel

Bad Oldesloe -

Mit dem Versprechen, es könne viel Geld einsparen, will die Stadt Bad Oldesloe das Amt Oldesloe-Land unter seine Fittiche locken. Mit einem Gutachten untermauert Stadt-Bürgermeister Tassilo von Bary sein Angebot, die Verwaltungsaufgaben für die neun Dörfer im Amt zu übernehmen. Demnach gibt es ein Einsparpotenzial von mehr als 600 000 Euro.

Bargteheide-Land ist Favorit.

Die Dörfer werden sich nach den Worten des Amtsvorstehers jetzt kritisch und konstruktiv mit dem Gutachten auseinandersetzen. "Vor einer Entscheidung müssen wir natürlich auch abwarten, welchen politischen Auftrag der Bürgermeister von der Oldesloer Stadtvertretung erhält", sagt Peter Lengfeld. Der Gutachter hat beispielsweise eine Fifty-Fifty-Teilung des eingesparten Geldes vorgeschlagen: jeweils 303 850 Euro für die Stadt und das Amt.

Bei der von den Landbürgermeistern bevorzugten Fusion der beiden Ämter Bad Oldesloe-Land und Bargteheide-Land hatte der frühere Trittauer Bürgermeister Jochim Schop als Gutachter ein Einsparpotenzial von 530 000 Euro bis zum Jahr 2013 errechnet. Ohnehin ist das Misstrauen bei den Dorfpolitikern gegenüber Verwaltungszusammenlegungen mit den Städten ist das größte Hindernis für solche Ehen. Die Kritiker warnen, die Dörfer könnten ihre Identität aufs Spiel setzen. Andere befürchten, die Gemeindevertretungen könnten gegenüber den Stadtverordnetenversammlungen ins Hintertreffen geraten.

So scheint es bei dem Plan zu bleiben, die Ämter Oldesloe und Bargteheide zusammenzulegen. "Unsere gemeinsame Lenkungsgruppe wird über das Gutachten beraten. Unser Kooperationswillen ist ungebrochen", sagt Gudrun Wramp, Chefin vom Amt Bargteheide-Land. Außerdem habe die Stadt Bargteheide noch kein Angebot gemacht, die Amtsgemeinden mitzuverwalten.

 

Verwaltungsfusion: Ein Gutachten, zwei Sichtweisen

Lübecker Nachrichten vom 23. Oktober 2007

Verwaltungsfusion: Ein Gutachten, zwei Sichtweisen

Bad Oldesloe - Bad Oldesloe will nach wie vor eine mehr oder weniger enge Zusammenarbeit der Verwaltungen von Stadt und Land. Bei Bürgermeistern der Gemeinden im Umland stößt der Fusionsgedanke nicht auf Gegenliebe.

Vor knapp anderthalb Wochen präsentierte Bad Oldesloes Bürgermeister Tassilo von Bary ein 21 000 Euro-Gutachten der Stadt über die Vor- und Nachteile einer Fusion der beiden Verwaltungen. Die Kubus Kommunalberatung aus Schwerin befürwortet das Zusammengehen von Bad Oldesloe Stadt mit Bad Oldesloe Land allein schon aus Kostengründen. Das jährliche Einsparvolumen belaufe sich auf 607 000 Euro - jeweils die Hälfte der Summe käme zum einen der Stadt, zum anderen den Gemeinden zugute. Die hätten bei einem Zusammengehen mit Bargteheide-Land lediglich 200 000 Euro zu erwarten, so von Bary.

"So ist das nicht hinnehmbar", kritisiert Rümpels Bürgermeister Claus-Jürgen Vieregge nach einem ersten Studium der Unterlagen. Von der ersten Seite an sei zu merken, wer das Gutachten in Auftrag gab und welchen Sinn es hat, sagt der Bürgermeister der benachbarten Oldesloe-Land-Gemeinde. Er vermisst in der Expertise wesentliche Aussagen. Zwar werde der für eine Fusion Stadt-Amt errechneten Kostenersparnis von 607 000 Euro ein Abbau von neun Stellen zugrunde gelegt, aber es werde nicht gesagt, was diese Reduzierung koste oder bis wann sie erreicht sei.

"Wenn Angestellte entlassen werden müssten, wäre das möglicherweise mit Abfindungen verbunden", gibt Vieregge zu bedenken. Die von den Amtsausschüssen beschlossene Fusion der Ämter Bad Oldesloe-Land und Bargteheide-Land erreiche eine Einsparung von rund 530 000 Euro bis zum Jahr 2013, weil bis dahin durch Ausscheiden aus Altersgründen fünf Stellen wegfallen können. Das habe das Gutachten des Amtes Bargteheide-Land klar dargelegt.

Die Stadt-Expertise mache allerdings deutlich, um wie viel günstiger die Amtsverwaltung im Vergleich zur Stadtverwaltung arbeite, betont Claus-Jürgen Vieregge. 128 Euro brauche das Amt pro Einwohner, 245 Euro die Stadt. Wenn die Stadt jetzt sage, sie überließe den Gemeinden bei einer Verwaltungsgemeinschaft die Hälfte der Einsparungen, dann müsse sie auch klar sagen, worauf diese Summe angerechnet werden solle. Gehe man dabei von den jetzigen Kosten in Amt und Stadt aus? Oder würden nach drei Jahren Durchschnittskosten für alle 35 000 gemeinsam verwalteten Einwohner zugrunde gelegt? Wenn Letzteres zutreffe, hätten sich die Verwaltungskosten für die Dorfbewohner erst einmal erhöht, bevor die Einsparung abgezogen wird. "Dann würde die Zusammenlegung für die Gemeinden eine teure Tasse Tee", warnt der Rümpeler.

Anders drückt es sein Steinburger Kollege Heino Doose aus: "Die städtische Verwaltung ist doppelt so teuer wie die Amtsverwaltung, also spart Bad Oldesloe bei einer Verwaltungsfusion viel, die Gemeinden wenig." Weil die südlichste Gemeinde des Amtes ohnehin nah an Bargteheide liegt, will Bürgermeister Doose auf keinen Fall eine Fusion mit Bad Oldesloe. Das sei viel zu weit weg.

Damit nicht Rethwischer oder Meddewader Bürger für Behördengänge künftig bis Bargteheide müssen unterstreichen die Bürgermeisterinnen Gisela Hoge und Marleen Wulf nochmals, dass der Fusionsvertrag mit Bargteheide-Land eine Außenstelle in Bad Oldesloe beinhalten wird. "Das ist Bedingung", so Marleen Wulf. Das könne in Kooperation mit der Stadt auch ein gemeinsames Bürgerzentrum sein.

Beide bestehen darauf, dass die beschlossene Ämterfusion realisiert wird, weil nur sie eine eigene Verwaltung mit einem von den Dörfern bestimmten Leiter garantiere. "In der Stadt Bad Oldesloe mischen mir die politischen Parteien zu sehr in der Verwaltung mit", betont Gisela Hoge. Die Arbeit der Gemeindevertreter werde durch den Hauptsitz der neuen Verwaltung in Bargteheide-Land nicht beeinträchtigt, ist sie sicher. Auch jetzt sei es nicht üblich, dass Vertreter selbst Unterlagen holten. Ansprechpartner sei doch das Gemeindeoberhaupt.

Die Vertreter der Oldesloer Kommunalpolitik stellen die pragmatischen Punkte einer engen Zusammenarbeit der beiden Verwaltungen in den Mittelpunkt. Rainer Fehrmann, Sprecher der CDU: "Es geht nicht darum, politische Entscheidungen nach außen in die Gemeinden zu tragen, sondern einzig und allein um die Dienstleistungen der Verwaltungen und wie sie möglichst kostengünstig erbracht werden können." Hinzu käme auch der Aspekt einer Identifikation der Bewohner einer Region, in diesem Falle Bad Oldesloes und der Randgemeinden. Er verstehe nicht, "dass es bürgernah sein soll", wenn man aus einer Nachbargemeinde von Bad Oldesloe nach Bargteheide müsse, um seine Amtsgeschäfte zu erledigen.

Gerold Rahmann, Fraktionschef der Grünen, ist sich schon der Tatsache bewusst, "dass Oldesloe in der Vergangenheit mit seinen Randgemeinden nicht immer freundlich umgegangen ist". Insbesondere für die Landbevölkerung wäre es aber sinnvoller, wenn sie von Amts wegen eher nach Oldesloe tendieren würden. Die Grünen seien grundsätzlich für eine solchermaßen gestrickte Ämterkooperation. Hans-Hermann Roden von der SPD erklärte, in der Partei habe man die Angelegenheit noch nicht besprochen. Kritisch merkte er aber an, dass die Gutachter über keine konkreten Fallzahlen aus den beiden Ämtern verfügten, sondern sich mit Zahlen "aus vergleichbaren Amtsverwaltungen mit einer entsprechenden Gemeinde- und Wirtschaftsstruktur" begnügen musste. Die vom Gutachter berechneten Einsparpotenziale sieht Roden diesbezüglich "auf wackligen Füßen".

Von Brigitte Judex-Wenzel und Joachim Strunk, LN

 

Herr über Bühne, Licht und Ton im Schauspielhaus

Stormarner Tageblatt vom 20. Oktober 2007

Herr über Bühne, Licht und Ton im Schauspielhaus

Der Oldesloer Hans-Joachim Rau ist Technischer Direktor am Schauspielhaus. Zuvor war er an verschiedenen anderen Theatern und bei der Expo. Er stellt einen Zusammenhang zwischen Oldesloer Politik und Kleists Kohlhaas her.

Bad Oldesloe/ol

– „Diese Borniertheit!“ Ein Sprung von 0 auf 180 – das geht bei Hans-Joachim Rau nahtlos, innerhalb von Sekundenbruchteilen. „So entsteht Gewalt“, ist er überzeugt: „Die Verwaltung sollte sich hier im Haus mal unseren Michael Kohlhaas anschauen.“ Der 51-Jährige ist Technischer Direktor am Hamburger Schauspielhaus. Sein geballter Zorn richtet sich momentan gegen das Oldesloer Bauamt.

Hans-Joachim Rau hat ein Haus an der Travenhöhe. Dort ist der Gehweg saniert worden – ob sie wollen oder nicht, die Anlieger müssen dafür bezahlen. Über die Maßnahme hatte die Verwaltung die Bürger erst informiert, als alles schon gelaufen war (wir berichteten). Anliegerversammlung, Alternativ-Vorschläge, Unterschriftensammlungen – alles für die Katz.

Hans-Joachim Raum war einer der Wortführer und ist es immer noch. Er hatte kritisiert, sich engagiert, verhandelt. „Lass uns mal gemeinsam überlegen, lass uns mal zeichnen, lass uns mal Fotos von vergleichbaren Situationen beschaffen“, schildert er seine Erwartungen. Ohne Erfolg. Obwohl sich abzeichnete, dass zumindest ein Teil der Anlieger bereit gewesen wäre, für eine Verkehrsberuhigung ihrer Straße mehr zu zahlen, wurde am Ende die ursprüngliche Minimalvariante durchgezogen. Rau: „Das demotiviert sehr.“

Ist es da nur ein Zufall, dass ausgerechnet an seinem Grundstück der Gehweg nicht bündig mit der Auffahrt abschließt? Trotz des Straßengefälles war das bei den Nachbarn offensichtlich kein Problem. Nur bei Raus, da ist jetzt ein zehn Zentimeter hoher Absatz. Der Oldesloer ist wütend: „Wenn ich so arbeiten würde, käme bei uns nur ein Drittel der Produktionen auf die Bühne.“

Genau so schnell kommt er aber auch wieder unter in den grünen Bereich. Und dann erzählt er von der Expo 2000 in Hannover. Millionen Besucher, 15 000 Veranstaltungen in einem Dreiviertel Jahr, alleine sein Etat im dreistelligen Millionenbereich – Hans-Joachim Rau war technischer Chef des Expo-Erlebnis- und Kulturprogramms. 18 Spielstätten darunter ein Konzertsaal für 2 000 Leute und ein komplettes Theater für 800 Besucher. Am Anfang war er alleine, am Ende umfasste sein Team 350 Leute.

Einer der Höhepunkte war das abendliche Flambé – Feuerwerk mit Musikbegleitung. Zwischen 30 und 60 000 Zuschauer werden es wohl jeden Abend gewesen sein, schätzt Rau. Im Zuge der Planung stellte sich sehr schnell heraus: Es könnte zu laut werden. Eine einstweilige Verfügung der Anwohner auf der gegenüber liegenden Straßenseite und der ganze Spaß würde wie ein Kartenhaus zusammenfallen.

Die Anwohnerbeteiligung begann anderthalb Jahre vorher. „Wir haben versucht, den Bürgern ihre Ängste zu nehmen“, beschreibt Rau sein Anliegen. Er beließ es nicht dabei, Lärm theoretisch zu berechnen, sondern ließ es live vor Ort. Und dabei stellte sich heraus: Die Belastung für die Anlieger wird geringer, wenn die Anlage gedreht wird. Rau: „Die Planungen waren längst abgeschlossen, aber das haben wird gemacht.“ Mit Wissenschaftlern der Uni Münster hat er demonstriert, wie Subjektiv die Wahrnehmung von Lärm ist und zudem noch effektives Beschwerde-management eingerichtet. Das Konzept ging auf, es gab keine Konflikte. „Die Leute haben sich ernst genommen gefühlt. Nach der Expo wurden wir von den Anliegern unter Tränen verabschiedet.“

Klar, mag man jetzt denken, die Expo war ja auch ein gigantisches Groschengrab auf Kosten des Steuerzahlers, die hat ihren Finanzrahmen ja auch weit überzogen. Da kann man sich so einen Luxus leisten. Weit gefehlt, stellt Hans-Joachim Rau klar: „Als einziger habe ich am Ende noch Geld zurück gegeben.“

„Möglichmacher“ zwischen Kunst und Gesetz

Konzentriert schaut Hans-Joachim Rau auf die flinken Finger des Technikers am Tonpult, er kontrolliert die Einstellungen am Computerbildschirm und hört das Ergebnis: Eine knatternde Rückkoppelung. Eigentlich sollte das gar nicht möglich sein. Und das wenige Minuten vor Vorstellungsbeginn. Ruhig aber klar gibt er seine Anweisungen: Den und den anrufen, das und das kontrollieren. Dann lässt er die Ton-Spezialisten machen. „Das ist eine kritische Situation“, erklärt der technische Direktor des Schauspielhauses: „Baue ich jetzt zu viel Druck auf, werden die Jungs nervös. So kurz vor der Vorstellung können wir auch keine Experimente mehr machen.“ Wenige Minuten später kommt Entwarnung: Bedienungsfehler, ein Rekorder war falsch angeschlossen.

Das Hamburger Schauspielhaus ist eines der besten und mit 1200 Sitzplätzen auch das größte Theater der Republik. Der Oldesloer ist dafür verantwortlich, dass auf und hinter der Bühne technisch alles glatt geht. Er ist Künstler, Handwerker, Manager und ein bisschen auch Politiker. Er ist der „Möglichmacher“. Den Satz „Das geht nicht“, akzeptiert er nicht. „Dann setzen wir uns zwei Stunden hin und überlegen, diskutieren. Es geht nicht darum, ständig Grenzen zu überschreiten, sondern darum, Lösungen zu finden“, erklärt der 51-Jährige. Die Anforderungen von Regisseur und Bühnenbildner müssen erfüllt werden, aber auch die der Versicherung, der Berufsgenossenschaft, der Feuerwehr.

Ganz zu schweigen von den Herausforderungen der Zukunft: Teile der Bühnentechnik sind in die Jahre gekommen, müssen ersetzt werden. Aber die Zuschüsse werden immer geringer. „Man muss den Mut haben, Dinge anders zu denken, sie neu zu erfinden“, sagt er. Das gelte ebenso für die Stücke auf der Bühne, wie auch für tradierte Strukturen im Hintergrund. 160 Leute unterstehen ihm am Theater. Manager Rau spricht von sozialer Verantwortung und auch hier wieder von „möglich machen“ – Qualifikation und Weiterbildung, neue Berufsbilder erschließen.

Hans-Joachim Rau ist Sozialwissenschaftler, Elektriker, Bühnen- und Lichtmeister. Der gebürtige Schwabe war in Sachen Veranstaltungstechnik weltweit unterwegs. In Moskau hat er beispielsweise das Großereignis zur Markteinführung von Burda Moden in Russland möglich gemacht, im Mannheimer Staatstheater die Sanierung der Bühne für hunderte Millionen Mark gemanaged und bei der Expo die Technik für 15 000 Veranstaltungen koordiniert (siehe links). Der damalige Intendant Tom Stromberg hat ihn anschließend nach Hamburg geholt. „Bei der Expo war ich an der eigentlichen Arbeit doch gar nicht mehr dran“, blickt Rau zurück. Danach habe er ein Dreiviertel Jahr Urlaub gemacht und sich nur kleineres Projekten gewidmet ehe er die Stelle in dem Prachtbau hinterm Hauptbahnhof antrat. Der Wahl-Oldesloer schwärmt: „Theater ist einfach fühlbarer. Das Haus ist spannend und hat eine wunderbare Architektur.“ Zumindest der vordere Teil mit dem Zuschauerraum voller Plüsch, Stuck und Blattgold. Technik, Werkstätten, und Lager sind hingegen um ein Parkhaus herum gebaut. Hans-Joachim Rau hält nicht mit seiner Meinung hinterm Berg: „Das ist mir ein Dorn im Auge.“ Natürlich hat er auch dafür Visionen, doch darüber will er noch nicht reden.

Ob er am Schauspielhaus in Rente geht: Rau zuckt mit den Schultern. „Im Moment habe ich so große Projekte vor mir … aber man weiß nicht, was der nächste Tag bringt.“

Andreas Olbertz

 

Stormarner Wochenschau

 

Stormarner Tageblatt vom 20. Oktober 2007

Sprachlosigkeiten und Unsäglichkeiten
Was geht in den Köpfen vor?

Von Andreas Olbertz

Guck, so wird es gemacht. Als die Oldesloer Politik noch darüber diskutiert hat, ob die Stadt bei „Holsteins Herz“ mitmachen soll oder nicht, hatten Ahrensburg und Bargteheide bereits Fakten geschaffen. Obwohl die Verwaltung gewusst haben soll, dass Ahrensburg nicht mit Oldesloe in ein Boot will, wurde den Stadtverordneten ein entsprechender Beschlussvorschlag unterbreitet. Oldesloe kann nur noch mit den Ortsteilen unter das Förderdach von „Holsteins Herz“ schlüpfen. Als Hagen von Massenbach im Hauptausschuss forderte, die Politik solle in die Projektfindung einbezogen werden, stutzte Kämmerin Mandy Treetzen einen Moment und antwortete dann: „Natürlich, aber im nichtöffentlichen Teil.“ Politik mal wieder am Bürger vorbei. Das wird schon was Visionäres werden.

Ganz anders „Holsteins Herz“. Die haben diese Woche zur Ideenwerkstatt nach Ahrensburg eingeladen. „Wir brauchen kreative Personen jeden Alters, zupackende Bürger, denen die Zukunft ihrer Region am Herzen liegt und die auch bei heftigem Gegenwind für ihre Umwelt und ihre Kinder und Enkel Wichtiges zum Positiven verändern wollen“, heißt es in dem Schreiben. Drei fette Ausrufezeichen. Das ist Bürgerbeteiligung, so holt man Menschen an Bord, so erschließt man sich Potenziale. Aber davon sind wir in der Kreisstadt noch Meilen entfernt.

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Nun ist es also öffentlich, das Kubus-Gutachten zur Verwaltungsfusion. Ne, so hieß das nicht. Verwaltungsübernahme? Auch nicht. „Gestaltungsmöglichkeiten einer Zusammenarbeit“ – das war’s. Nett, harmlos, unverdächtig. Amtsvorsteher Peter Lengfeld erzählt: „Ich habe Bürgermeister Tassilo von Bary gefragt, ob wir das Gutachten nicht gemeinsam vorstellen wollen, aber er hat abgelehnt.“ Bürgermeister Tassilo von Bary erzählt: „Ich habe Amtsvorsteher Peter Lengfeld gefragt, ob wir das nicht gemeinsam vorstellen wollen, aber er hat abgelehnt.“ Wenn das nicht schon mal eine gute Grundlage ist, um zukünftig astrein zusammen zu arbeiten.

Auf Stadtseite wird man sich natürlich hüten, einen genaueren Blick in das 70-Seiten Heft zu werfen, dafür ist das Ergebnis zu schön. Vielleicht sollte man es trotzdem tun, um gewappnet zu sein, wenn die Bürgermeister aus den Dörfern anfangen, auf Fehler hinzuweisen – da wird Oldesloe beispielsweise als Hansestadt bezeichnet, ohje, ohje.

Vielleicht ist es ja gerade deshalb so still, weil alle noch am Lesen sind.

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Diese Woche flatterte die Tagesordnung für die nächste Sitzung der Stadtverordneten ins Haus. Eine Aneinanderreihungen von Formalien, wie sie vermutlich nicht langweiliger hätten sein können. Wenn man fast schon eingeschlafen ist, steigt die Gefahr, dass man die Punkte 16 und 17 überliest – doch die dürften richtig spannend werden. Offensichtlich ist der Grüne Gerold Rahmann ziemlich siegessicher, dass er nicht nur den Antrag gestellt hat, der stellvertretenden Bürgermeister Matthias Rohde (CDU) soll abgewählt werden, nein, er beantragt auch gleich die Wahl eines neuen Stellvertreters. Um das Ganze auch wirklich sicher zu machen, fordert er auch gleich geheime Abstimmung.

Die Männerfeindschaft zwischen Rohde und Rahmann ist alt und wird von beiden gut gepflegt. Das hat nur wenig mit ernsthafter Politik zu tun. Und jetzt dieser Antrag. Ist da eigentlich niemand bei den Grünen, der sich darüber ärgert, wie viel Drecksarbeit die Partei eigentlich noch für die Schwarzen machen will? Bei den Christdemokraten hat man nicht die Traute, den Ex-Fraktions-Chef und stellvertretenden Bürgermeister Rohde fortzujagen. Dafür geniest er zu viel Rückhalt. Juristisch ist ihm offensichtlich nichts anzukreiden. Und moralisch ... Ach Gott, wo sind da die Grenzen?

Bislang war es Usus in der Stadtvertretung, dass sich die Fraktionen nicht in die Personalangelegenheiten des jeweils anderen eingemischt haben. Entscheidungen wurden einvernehmlich getroffen. Nun haben Teile der CDU ein Problem mit Matthias Rohde. Dann sollten sie das offen benennen und ihn abwählen. Doch so einfach ist das nicht. Gerüchte besagen, dass vier bis sechs Stimmen aus Unionskreisen für den Abwahlantrag sicher sind. Doch so viele!? Nur zur Erinnerung: Die CDU hat 15 Sitze in der Stadtverordnetenversammlung.

Und was machen die anderen Politiker jetzt zum Grundsatz ihrer Entscheidung? Gibt es wirklich Argumente, die seine Abwahl rechtfertigen? Ist das vielleicht nur eine Intriege gegen einen engagierten, aber unbequemen Kollegen? Welche Rollen spielen jetzt Moral und Taktik? Gibt es eventuell geheime Absprachen? Da möchte man doch zu gerne wissen, was in dem einen oder anderen Abgeordnetenkopf jetzt vorgeht. Am 29. Oktober werden wir schlauer.

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Unsere schöne Erdgastankstelle – vermutlich werden wir sie erst bekommen, wenn alle Welt längst Wasserstoff tankt. Das Projekt kommt einfach nicht voran. Irgendwie scheint es Oldesloer Politikern nicht zu gelingen, den Herrschaften bei den Stadtwerken die Prioritäten klar zu machen. Schon bei der Schwimmbad-Frage wirkten sie seltsam unengagiert. Viel Zeit ist verstrichen, Ergebnisse gibt es immer noch nicht. Irgendwie ähneln sich Schwimmbad und Erdgastanke fatal.

Immer mal wieder artikuliert die Politik ihren Unmut, aber das war es dann auch schon.

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Saufen bis der Arzt kommt – das schien das Motto der Abi-Vorfinanzierungsfete an der Theodor-Mommsen-Schule, dem örtlichen Gymnasium, vergangenes Wochenende gewesen zu sein. Polizei und Rettungsdienst wissen angeblich nichts. Anlieger berichten, es sei etwas laut gewesen, aber ansonsten sei ihnen nichts besonderes aufgefallen. Feten-Teilnehmer berichten allerdings, dass sich etliche Jugendliche wegen zu viel Alkohols übergeben mussten, lallend aus dem Gebäude torkelten. Um 23 Uhr soll für Mitglieder des 13. Jahrgangs, die den Spaß organisiert haben, ein Alkoholverbot ausgesprochen worden sein, weil zu dem Zeitpunkt schon vier Mitschüler mit Verdacht auf Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Hossa, das klingt nach einer mehr als berauschenden Fete. Überhaupt: Gibt es nicht ein Rauch- und Alkoholverbot an Schulen? Findet es niemand verdächtig, wenn für Schulfeten jetzt schon Absperrgitter und Sicherheitsdienste benötigt werden? Bei allem Verständnis für die Geschäftstüchtigkeit von angehenden Abiturienten, aber wenn über den massiven Verkauf von Alkohol zwiespältige Abi-Aktivitäten finanziert werden sollen und das ganze auch noch in der Schule stattfindet, stinkt das zum Himmel. Karikaturist Götz Wiedenroth hat die Thematik aufgegriffen und einen nicht zu unterschätzenden Nebenaspekt mit spitzer Feder uns dargestellt.

 

Einigkeit bei der SaM: Gemeinschaftsschule ab 2008/09

Lübecker Nachrichten vom 19. Oktober 2007

Einigkeit bei der SaM: Gemeinschaftsschule ab 2008/09

Bad Oldesloe - Die Zeichen stehen auf Umwandlung der Grund- und Hauptschule am Masurenweg (SaM) in eine Gemeinschaftsschule (ohne gymnasiale Oberstufe). Die Politiker aus Dorf und Land haben ihre Hausaufgaben gemacht: Alle Gemeindevertretungen der Kommunen im Schulverband haben den notwendigen Beschluss gefasst, die Stadtverordnetenversammlung ebenso. Jetzt erteilte der Verwaltungsausschuss der Verbandsversammlung den Auftrag, den Antrag zu beschließen.

Damit die aus dem Schulgesetz resultierende neue Schulform schon ab dem nächsten Schuljahr, 2008/09, Praxis werden kann, muss der Antrag bis zum 30. November beim Ministerium vorliegen. Dieser frühestmögliche Start ist die erklärte Absicht der Verbandes und - anders als bei anderen Schulen - auch zu schaffen. Die Schule ist dabei, das pädagogische Konzept fertig zu stellen. Bei der Sitzung der Verbandsversammlung Mitte November kann der Antrag auf die Reise geschickt werden.

Das Ziel nicht so ganz erreicht hat die bei der vorigen Verbandsversammlung abgegebene Kostenschätzung von rund 32 000 Euro für Dachbahnen mit integrierten Photovoltaik-Modulen für das Mensa-Dach. Schriftlich liegen jetzt Summen von 39 000 bis 43 000 Euro vor, und das ohne Mehrwertsteuer. Dagegen gerechnet werden 49 000 Euro, die die Anlage in 20 Jahren an Einnahmen bringen soll. Effektiver bei der Stromerzeugung sollen herkömmliche Module sein, sie wären mit 79 000 bis 100 000 Euro allerdings auch deutlich teurer. Der Architekt soll im Auftrag des Verwaltungsausschusses noch einmal nachverhandeln und der Verbandsversammlung die jeweils endgültigen Bruttokosten vorlegen. Dann entscheiden die Mitglieder, was auf das Dach des Neubaus kommt.

Bereits entschieden war, dass mehrere Fensterelemente in der Freizeithalle der SaM ausgewechselt werden. Durch sie war unbemerkt Wasser in den Untergrund des Betonfußbodens eingedrungen. Die Feuchtigkeit war in den Sommerferien bei der Verlegung eines neuen Fußboden-Belags entdeckt worden. In einer Sofortentscheidung nahm die Verbandsversammlung damals das Beton-Sanierungsangebot von 4000 Euro der am Fußboden arbeitenden Firma an. Die neuen Fenster mussten erst ausgeschrieben werden. Der Verwaltungsausschuss vergab jetzt den Einbauauftrag für rund 20 000 Euro. Die Arbeiten sollen bis zum Ende der Herbstferien abgeschlossen sein.

Die Fensterschäden hatten die Verbandsversammlung veranlasst, das gesamte Gebäude kontrollieren zu lassen. Ein Architekt hat Risse im Verblendmauerwerk festgestellt sowie Veränderungen an Betonteilen. Über das Ausmaß von Mängeln und notwendigen Reparaturen soll ein Gutachter Auskunft geben.

Von Brigitte Judex-Wenzel , LN

Noch kein Termin für Erdgas-Tankstelle

Stormarner Tageblatt vom 18. Oktober 2007

Noch kein Termin für Erdgas-Tankstelle

Die Spritpreise steigen immer weiter. Mit Erdgas könnten Autofahrer deutlich günstiger fahren, doch eine entsprechende Tankstelle lässt in der Kreisstadt weiter auf sich warten.

Bad Oldesloe/ol

– Was für eine unendliche Geschichte. Eigentlich sollte seit September auch in Bad Oldesloe Erdgas aus den Zapfhähnen einer entsprechenden Tankstelle strömen. Die Anlage soll auf das Bauhofgelände, aber dort ist noch nichts zu erkennen. Keine Spur von Baubeginn.

In der Politik brodelt es langsam. „Es ist einfach nicht akzeptabel, dass so viel Zeit verstreicht“, wetterte CDU-Sprecher Rainer Fehrmann unlängst bei einem Pressegespräch: „So etwas fehlt in Bad Oldesloe. Das würde sicher den einen oder anderen von der Autobahn runter in die Stadt holen“, vermutet er.

Das Projekt Erdgastankstelle wurde bereits 2005 mit einer Umfrage unter Gewerbetreibenden und Unternehmen gestartet. Manfred Meurers, energiepolitischer Sprecher der CDU: „Das Ergebnis war positiv.“ Deshalb hatte sich die Politik auf für eine entsprechende Tankstelle ausgesprochen. Und seinerzeit waren die Benzinpreise noch deutlich niedriger als heute.

Lange zog sich die Suche nach einem geeigneten Betreiber hin. Die Stadtwerke hätten die Anlage gerne mit einer bereits bestehenden Tankstelle kombiniert. Doch das ließ sich nicht realisieren. Manfred Meurers: „Irgendwann haben wir dann gesagt: Schluss, Ende, aus; das Ding kommt auf den Bauhof. Als wir dort im August Finanzausschuss-Sitzung hatten, waren alle ganz erstaunt, dass noch nichts zu sehen war.“

An dem Zustand hat sich bislang nichts geändert. Vertriebsleiter Jürgen Fahl: „Wir sind immer noch am Vorbereiten. Viele Details müssen noch geklärt werden.“ Das beträfe zum einen Grundstücksfragen, die mit der Stadt ausgehandelt werden müssten, aber auch technische Details. Fahl: „Soll die Abrechnung über EC-Karte möglich sein, oder auch über Visa oder eventuell nur über eine Kundenkarte.“ Das nächste Problem steht schon ins Haus, so der Stadtwerke-Mann: „Keiner kann sagen, wie lange die Genehmigungsbehörde noch braucht.“ Erdgastankstellen sind mittlerweile so beliebt, dass die Hersteller nicht mehr hinterher kommen. In der Konsequenz bedeutet das längere Lieferzeiten. Trotzdem ist der Vertriebs-Chef zuversichtlich: „Wir hoffen, dass wir die Anlage noch in diesem Jahr in Betrieb nehmen können.“ Manfred Meurers teilt diese Zuversicht: „Es läuft im Konsens, es geht voran.“

Björn Wahnfried, SPD-Vertreter im Finanzausschuss, ist da nicht ganz so optimistisch: „Ich weiß nicht, was die Stadtwerke da planen, aber wir fragen uns jedes Mal, wieso nichts passiert. Das Thema steht garantiert beim nächsten Finanzausschuss wieder auf der Tagesordnung.“

Auch dann wird die Öffentlichkeit vermutlich wieder ausgeschlossen sein und niemand wird erfahren, woran es wirklich hängt. Björn Wahnfried lässt durchblicken, dass die Politik Zweifel an der Entschlossenheit hat, mit der die Stadtwerke das Projekt vorantreiben: „Wir haben den Bürgermeister aufgefordert, ein eindringliches Gespräch mit den VSG zu führen. Wir hoffen, dass die Sache damit endlich etwas höher gehängt wird.“

Andreas Olbertz

 

Penny kommt an den Redder

Stormarner Tageblatt vom 18. Oktober 2007

Penny kommt an den Redder

Aber keine weiteren Shops

Bad Oldesloe/ol

– Nun scheint es also konkret zu werden: Am Steinfelder Redder soll ein Penny-Markt errichtet werden. Zumindest verheißt es so ein Baustellenschild an der Lübecker Straße.

Im Sommer hatte ein Architekt Pläne im Fachausschuss vorgestellt: Ein Discounter, ein Getränke-Markt und eine Drogerieketten-Filiale waren vorgesehen. Aus verschiedenen Gründen ließ sich das allerdings nicht realisieren. Nach Ansicht des Bauamts war die zulässige Baumassen-Obergrenze überschritten, ein Schlecker am Redder wurde als schädlich für die Innenstadt angesehen und Probleme mit der Zufahrt gab es auch. Zu Änderungen konnte sich die Politik nicht durchringen, der Architekt musste unverrichteter Dinge abziehen.

Das ist nach wie vor der Informationsstand im Bauamt. „Die Stadt weiß von nichts“, betonte Bauamtsleiter Rolf Steinhoerster gestern auf Nachfrage: „Hier liegt nichts vor. Aber ein Schild kann der Investor ja gerne aufstellen.“ Und das weist die Firma Sallier aus Lüneburg als Bauträger aus. Maximal 600 Quadratmeter weitere Gewerbefläche sind noch zu vermieten – so steht’s auf dem Schild. Sallier baut Luxusvillen auf Sylt aber auch Baumärkte oder Discounter. In Ahrensburg hat das Unternehmen die Erschließung des umstrittenen Buchenwegs übernommen. Und jetzt also den Nahversorger am Steinfelder Redder.

Zuständig ist aber die Sallier Immobilien ohG in Wernigerode. Karen Rost, Mitarbeiterin im Verkauf, erläutert: „Penny ist definitiv. Der Bauantrag wird in den nächsten Tagen gestellt.“ Probleme erwartet sie nicht. „Es gibt einen gültigen Bebauungsplan und daran hält sich der Investor natürlich“, stellt sie klar. Leider lasse der B-Plan nur ein sehr beschränktes Sortiment zu. Deshalb sei momentan nur ein Penny geplant, obwohl auf der großen Fläche (7 029 Quadratmeter) sehr viel mehr möglich sei. Den seitens der Politik gewünschten Bäcker wird es dort aber wohl nicht geben. Karen Rost: „Das macht Penny selber.“

Ob Penny damit eine zweite Filiale in Bad Oldesloe eröffnet oder sich zukünftig aus der Fußgängerzone zurückziehen wird, konnte die Sallier Mitarbeiterin nicht sagen.

Ja zur Photovoltaik-Anlage – aber welche Technik soll’s denn sein?

Stormarner Tageblatt vom 18. Oktober 2007

Ja zur Photovoltaik-Anlage – aber welche Technik soll’s denn sein?

Auf das Dach der neuen Mensa der Schuleam Masurenweg soll eine Photovoltaik-Anlage gebaut werden. Darüber war man sich im Verwaltungsausschuss des Schulverbandes einig. Doch wie und welcher Form? Diese wichtigen Entscheidung wurde vertagt.

Bad Oldesloe/gus

– Dem Schulverband war zunächst nur eine so genannte „Dachintegrierte Photovoltaik-Anlage“ von einem Anbieter vorgestellt worden. Das erschien den Verbandsmitgliedern als zu wenig. Sie wollten Angebote von mehreren Anbietern zur Prüfung vorliegen haben. Jetzt lagen dem Verwaltungsausschuss mehrere Angebote vor. Darunter waren auch Anlagen in herkömmlicher Bauweise mit kristallinen Modulen. Allerdings müsste dafür anders als bei der dachintegrierten Anlage, die aus einer Folie besteht, zunächst eine Dachabdichtung gebaut werden. Zudem sind diese Module auch erheblich teurer, gelten dafür aber als effektiver in der Stromgewinnung.

Die Angebote einer dachintegrierten Anlage belaufen sich netto zwischen 39 000 und 43 000 Euro. Bei der kristallinen Anlage liegen die Nettokosten zwischen 79 000 und 95 000 Euro. Jetzt soll Architekt Gernot Zink bis zum 29. November der Verbandsversammlung den Mitglieder Gesamtkosten mit der notwendigen Dacheindeckung vorlegen. Danach soll dann die Entscheidung fallen.

Gesprochen wurde im Verwaltungsausschuss auch über bauliche Mängel an dem rund 30 Jahren alten Gebäude. In dem Verblendmauerwerk befinden sich Risse, und an Betonteilen gucken die Moniereisen raus.

Die Schäden müssen jetzt von einem Gutachter untersucht werden. Der soll feststellen, in welchem Umfang Sanierungsmaßnahmen notwendig sind. Eine Sanierungsmaßnahme wird allerdings sofort durchgeführt. Durch einige Fenster und Türen der Freizeithalle war Feuchtigkeit ins Gebäude eingedrungen und hatte den Betonfußboden in Mitleidenschaft gezogen. Diese defekten Fenster und Türen sollen jetzt erneuert werden. Der Verwaltungsausschuss hat einen entsprechenden Auftrag in Höhe von rund 20 400 Euro jetzt vergeben. Der Austausch soll sofort erfolgen, so dass die Arbeiten bis zum Ende der Herbstferien abgeschlossen sind.

Auch in Sachen künftige Schulform ist man einen Schritt weiter gekommen. Nachdem sich alle dem Schulverband angeschlossenen Gemeinden für die Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule entschlossen haben, soll auf der Verbandsversammlung Mitte November die Umwandlung in der Schulverbandsversammlung beschlossen werden. Dann kann der Antrag noch rechtzeitig in Kiel beim Ministerium eingereicht werden. Dort muss er bis zum 30. November vorliegen, damit ab dem kommenden Schuljahr die Umwandlung auch greift.

Dirk Gusick

 

Große Baustelle: Biogas-Anlage nimmt Form an

Luftaufnahme Biogas-Anlage

 

Stormarner Tageblatt vom 17. Oktober 2007

Große Baustelle: Biogas-Anlage nimmt Form an

Ernte und Baufortschritt laufen wie geplant. Die Biogas-Anlage soll Anfang Dezember ihren Betrieb aufnehmen. Die Grünen hinterfragen, ob der Betreiber wirklich alle Absprachen eingehalten hat.

Bad Oldesloe/ol

– Erst aus der Luft erkennt man die gigantischen Ausmaße. Wie kleinste Spielzeugmodelle bringen die Trecker mit den Silohängern den gehäckselten Mais zur neuen Biogas-Anlage. Wer diese Gespanne mal aus der Nähe gesehen hat, weiß: Das sind halbe Raumschiffe, entsprechend groß muss die Anlage gewaltig sein.

Grünen-Fraktionschef Dr. Gerold Rahmann, im Hauptberuf Leiter des Ökoinstituts in Trenthorst, präsentierte jetzt einen Fragenkatalog zur Biogas-Anlage, die er in der nächsten Sitzung des Umweltausschusses beantwortet haben möchte. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens hatten Stadt und Betreiber einen städtebaulichen Vertrag mit Nebenabreden geschlossen. Er will jetzt wissen, ob sich die Blumendorf Bio-Energie GmbH auch an diese Vereinbarungen hält. Einer der kritischsten Punkte: Welche Straßen benutzen die große Silogespanne? Die Ernte ist in vollem Gange, da gibt es von Blumendorfern vereinzelte Beschwerden, dass die schweren Geschütze eben doch an ihren Häusern vorbei durch den Meiereiweg fahren. Das sollte nicht sein, sondern es sollte ein Weg durch das Gewerbegebiet genutzt werden. Rahmann: „Es kann sein, dass das nur dieses Jahr war, weil sie in die Pötte kommen müssen.“ Aber vereinbart war etwas anderes.

Martin Buchholz, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft bestreitet das nicht: „Es sind exakt zwei gewesen, die da durch gefahren sind, weil wir eine Leitung verlegen mussten.“ Ansonsten habe sich der Lohnunternehmer an alle Absprachen gehalten. Dazu zählt auch, dass nur von 7 Uhr morgens bis abends 19 Uhr gefahren wird. Buchholz: „Dann gibt es keine Lärmbelastung. Man muss auch sehen, dass die Jungs dann 12 Stunden auf dem Bock sitzen, müde werden und die Dunkelheit dazu kommt. Da ist mir das Risiko eines Unfalls einfach zu hoch.“ Wenn sich das Wetter hält, soll die Ernte heute Abend beendet werden. Landwirt Buchholz ist zufrieden: „Wir hatten eine gute bis sehr gute Maisernte.“

Die Anlage eines Knicks sei ebenfalls von den Betreibern zugesichert worden. Doch genau an der vereinbarten Stelle liege jetzt ein Kabel im Boden. „Da wird doch keiner einen Knick drüber setzen, weil er dann nie mehr an das Kabel ran kommt“, hinterfragt Rahmann diesen Punkt. Ein Vorwurf, den Martin Buchholz nicht nachvollziehen kann. „Wir haben zehn Meter Knick entfernt. Dafür sollen rund um die Anlage 750 Meter neu angelegt werden“, erklärt er. Und was passiert mit der anfallenden Wärme? Der Grüne will von den Stadtwerken erfahren haben, dass die ein „attraktives Angebot“ unterbreitet hätten, aber bislang vergeblich auf eine Antwort von den Betreibern warteten. Buchholz wundert sich. In der kommenden Woche soll mit dem Bau der Fernwärmeleitung in Richtung Gewerbegebiet begonnen werden, kurze Zeit später folgt dann die Leitung Richtung West III.

In und um Oldesloe herum wird fast nur noch Mais angebaut. Deshalb waren so genannte Blühstreifen vereinbart worden, um etwas von der Monokultur weg zu kommen. Rahmann: „Das, was ich gesehen habe, hätte zwar besser sein können, aber es war okay.“ Trotzdem will er wissen, ob die geforderten zehn Prozent erfüllt worden sind. Martin Buchholz fällt aus allen Wolken: „Ne, ne, ne, von zehn Prozent ist nie die Rede gewesen.“ Auf 760 Hektar sei Mais angebaut worden, drei Prozent wurden als Blühstreifen oder Biotop-Verbund angelegt – entsprechend der Vereinbarung.

Andreas Olbertz

 

SPD lädt zur Gewässertour

Stormarner Tageblatt vom 17. Oktober 2007

SPD lädt zur Gewässertour

Bad Oldesloe/st

– Die SPD Bad Oldesloe veranstaltet morgen, 18. Oktober, um 17Uhr, den nächsten Stadtrundgang im Rahmen der naturkundlichen Exkursionen. „Vom Bierbrauen und Gerben zu Wassermühle und Sohlgleite“ lautet der Titel. Exkursionsführer ist diesmal der gebürtige Oldesloer und Verfasser des bekannten Bildbands über die Trave, Dr. Manfred Brembach. Treffpunkt ist diesmal auf der Travebrücke an der Jugendherberge. Die Teilnahme ist kostenlos. Dauer: etwa 70 Minuten. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

 

Endlich Geld für Betreuung

Stormarner Tageblatt vom 16. Oktober 2007

Endlich Geld für Betreuung

Bad Oldesloe/ol

– Jetzt ist es offiziell und einheitlich geregelt: Unabhängig von der Teilnehmerzahl erhalten die Schulen, die einen Ganztagsbetrieb anbieten, ab kommendem Jahr eine Kopfpauschale von 40 Euro pro Schüler.

Bislang stellten die Schulen ihre Anträge nach Bedarf, waren mit den genehmigten Beträgen mehr oder weniger zufrieden – eine Situation, die die Politik unbefriedigend fand. Der von der Verwaltung erarbeitete Vorschlag fand bei den Politikern aller Fraktionen breite Zustimmung. Lediglich Jens-Pieter Friese meinte: „Ich würde auch gerne mehr Geld geben, weil ich weiß, wie wichtig das ist.“ Bei der Aussage blieb es dann aber auch – er stellte keinen konkreten Antrag. Auch Angela Fehrmann von der CDU hob hervor, dass der Ganztagsbetrieb wichtig sei, aber finanziell tendiert sie eher in die andere Richtung: „Damit können Sie jetzt gut kalkulieren“, sagte sie in Richtung Schulleiter: „Ich erwartet, dass es keine weiteren Anträge an den GSKA gibt.“

Aus allen Fraktion kam allerdings deutliche Kritik am grundsätzlichen Verfahren. Die Liberale Anita Klahn: „Das Land lässt uns doch hängen“, kritisierte sie. Ganztagsschulen sollen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf führen, aber gebundene Ganztagsschule seien dem Land zu teuer. Also müsse das ganze ehrenamtlich gelöst werden, was wiederum die Familien belaste. Sie forderte deshalb eine Initiative der Stadt, den Unmut gegenüber dem Kultusministerium deutlich zu machen.

Fachbereichsleiter Thomas Sobczack betonte, dass Oldesloe nicht isoliert da stehe. „Durch die Bank weg herrscht unter den Schulträgern Unzufriedenheit.“ Nicht nur wegen der Kosten, sondern auch wegen der ungeklärten rechtlichen Situation beim „Einkaufen“ von Kursen. Er kündigte an, dass es seitens des Städtetages entsprechende Vorstöße geben werde.

Die beiden SPD-Vertreter im Ausschuss beteiligten sich zwar rege an der Diskussion, hoben für die Budgets auch ihre Hand, verweigerten dem Haushaltsentwurf aber letztlich ihr Zustimmung. „Wir können erst den Gesamthaushalt bewerten“, begründete Jens-Pieter Freise die Enthaltung. Bei den anderen Abgeordneten und der Verwaltung löste diese Haltung allgemeines Kopfschütteln aus.

Stattdessen präsentierte einer einen kleinen Fragenkatalog zu den Kosten der Mittagsverpflegung an den Oldesloer Schulen und den Möglichkeiten des Schulträgers auf diese Einfluss zu nehmen. Außerdem will die SPD wissen, welche Kosten die Einstellung von Sozialpädagogen verursacht. Offensichtlich kündigen sich da Wahlkampfaktivitäten an.

 

Stormarner Wochenschau

 

Stormarner Tageblatt vom 13. Oktober 2007

Ein Strauß ganz unterschiedlicher Ansichten
„Stil-Blüten“ & Kulturgut

Von Andreas Olbertz und Volker Stolten

Die Oldesloer Fußgängerzone ist, na sagen wir mal, in die Jahre gekommen. Ein bisschen Lifting könnte nicht schaden. Hier etwas Botox, da ein paar Silikon-Kissen, schon könnte die Braut in neuem Glanz erstrahlen. Die CDU fordert Taten, ein positives Bekenntnis zur Innenstadt. Die Stadt soll auch in Zeiten knapper Mittel einen deutlichen Impuls setzen. Ein Konzept gibt es schon: Schließfächer, neue Spielgeräte, neue Fahrradständer, Papierkörbe mit eingebauten Aschenbechern und kultige Sitzgelegenheiten für die Jugend. Alles schick in glänzendem Edelstahl. Das Geld steht im Haushalt bereit, aber bestellt ist noch nichts. Immerhin, die Blumenkübel sind bereits bepflanzt worden. In dieser Woche hatte der Bürgermeister zu einer Sitzung eingeladen, um zu informieren und „Gelegenheit (zu) geben, sich durch Anregungen und Hinweise aktiv zu beteiligen“. Das klingt gut. Die Verwaltung hat aus den Beteiligungsdesastern an der Travenhöhe oder am Poggensee gelernt. Auch die ewigen Nörgler und Nein-Sager werden endlich eingeladen, sich einzubringen. Wer weiß, was da an Richtung weisenden Ideen hätte kommen können. Aber weit gefehlt. Erwünscht war nur, wer zum kleinen Zirkel der geladenen Gäste zählte. Die Öffentlichkeit zählte nicht dazu. Chance vertan.

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Der Zwist zwischen dem Bürgermeister und seinem Stellvertreter – es ist alles beim Alten. Im Hauptausschuss tauchte jetzt die Frage auf, ob das Gespräch zwischen Tassilo von Bary, Matthias Rohde und dem zweiten Stellvertreter Siegfried Wobig einen Durchbruch gebracht habe. Klare Aussage vom Amtsinhaber: „Es gibt keine Befreiung in der Bürgermeisterfrage.“ Tja, ein pro forma Termin abgehakt. Der Durchbruch war ja wohl nicht wirklich erwartet worden. Bangt oder hofft man in der CDU jetzt? Der nächste Abwahlantrag von Gerold Rahmann wird wohl nicht lange auf sich warten lassen. Aber macht der Obergrüne es diesmal richtig? Diese Frage quält die CDU-Fraktion. Ein Dringlichkeitsantrag benötigt eine Zwei-Drittel-Mehrheit, um überhaupt auf die Tagesordnung zu kommen. Die ist bei so einem heiklen Thema illusorisch. Aber wenn der Antrag ganz normal, fristgerecht im Rathaus eintrudelte, dann müsste er beraten werden und es könnte für den umtriebigen Matthias Rohde eng werden. Den Rückhalt der kompletten Fraktion hat er längst nicht mehr. Also wird es auf die SPD ankommen. Hilft sie Teilen der CDU-Fraktion? Oder machen sich die Genossen an so einem Thema nicht die Finger schmutzig und freuen sich klammheimlich darüber, dass dem politischen Gegner sein Personalproblem erhalten bleibt? Ohhhh, das wird spannend.

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Auf einem zweiten Problemfeld in der Stadt zeichnet sich unterdessen unerwartet eine Lösung ab. „Ich habe das ganze Wochenende auf einen Anruf gewartet, dass es den großen Knall gegeben hat. Aber es ist Gott sei Dank gut gegangen“, sagte Bürgermeister Tassilo von Bary. Dabei war nicht unbedingt zu erwarten gewesen, dass nach dem Vorgeplänkel von FFC und Union im Kurparksta-dion wirklich vernünftig Fußball gespielt wird. Eine Mediation zwischen beiden Vereinen läuft und, oh Wunder, es zeichnet sich eine Lösung ab. Man habe sich darauf geeinigt, „negative öffentliche Äußerungen zu unterlassen“. Supi, ab jetzt wird alles schön geredet! Aber auch inhaltlich scheint man sich näher gekommen zu sein. Die einen haben sich wohl in die Bücher schauen lassen, die anderen haben's Portmonee geöffnet. Warten wir ab, wie lange der Frieden anhält. Von anderen Sportplätzen ist zu hören, dass es auch da Gebocke und Besitzstandsdenken gibt. Es bleibt also alles beim Alten.

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Politik ist ein komisches Spiel. Eigentlich sind sich alle einig: Die Bäume am Sachsenring sollen nicht weg. Diesen Kurs hält die Politik eine Weile durch, aber die Anlieger beweisen ebenfalls Stehvermögen. Gucken, prüfen, verhandeln – die Verwaltung macht und tut. Was kommt dabei raus? Einstimmig wurde beschlossen, dass die Bäume gefällt werden. Nicht alle auf einen Schlag, aber in zwei Etappen für 1 500 Euro das Stück. Wir ham’s ja. Wenn aber im Nachgang aus allen Fraktionen Unmut ertönt und über mangelndes Rückgrat der anderen geklagt wird, muss man sich wundern.

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Israel zu Gast in Oldesloe – zumindest eine kleine Delegation. Und weil es sich bei den Gästen durchweg um Privatleute handelt, kann man hoffen, dass sich dieser Tage ein neuer Verschwisterungsgeist entwickelt. Sehr schön. Weniger schön war der Zustand des Verschwisterungsdenkmals. Als Bürgermeister Tassilo von Bary darauf am Vorabend des Besuchs im Ausschuss angesprochen wurde, machte er ein langes Gesicht. „Naja“, sagte er spontan, „die kommen ja erst nachmittags. Das schafft der Bauhof noch.“ Richtig so. Und wenn wir Glück haben, dreht die Delegation vorher schon um, dann müssen wir es gar nicht pflegen. Unser Karikaturist Götz Wiedenroth hat sich der Angelegenheit gewohnt freundschaftlich angenommen.

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Götterdämmerung in Ammersbek: Dort ist der erst vor wenigen Monaten wiedergewählte und fest im Chefsessel sitzende Amtsinhaber mit seinem Vorstoß, doch lieber im Reinbeker Rathaus thronen zu wollen, besonders bei der SPD und den Grünen in Ungnade gefallen. Beide sind stinksauer – 1. über Axel Bärendorfs Ansinnen an sich und 2. über die Art und Weise, wie er seine CDU-Kandidatur verkaufte. Während CDU und FDP bereits frühzeitig über Bärendorfs „Reinbeker Reisepläne“ informiert gewesen sein sollen, „haben wir davon nur aus der Presse erfahren“, mokiert sich beispielsweise der grüne Fraktionschef Peter Jensen und spricht von einem „schlechten Stil“. Damit steht er sicherlich nicht allein. Der eine oder andere Bürger in Ammersbek wird sich verschaukelt vorkommen. Den Schuh muss sich Bärendorf anziehen – ob er passt oder nicht.

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Es ist noch gar nicht so lange her, da hing in Stormarn das sprachliche Kulturgut bildlich gesehen am Tropf. Hieß es: „Plattdüütsch mutt leeven!“ so heißt es heute „Plattdüütsch leevt!“ und macht sogar Schule. Als erfolgreicher Rettungssanitäter trat der Heimatbund in Erscheinung, insbesondere Kreisvorsitzender Hellmuth Peets. Der sympathische Plattsnacker, der jetzt die 7. Plattdeutschen Tage für Stormarn einläutete, erntet die Früchte, die er vor Jahren gesät hat. Starker Einsatz!

Gutachter: Festhalle taugt nix – neu bauen

Stormarner Tageblatt vom 11. Oktober 2007

Gutachter: Festhalle taugt nix – neu bauen

Die Festhalle ist für professionelle Nutzung ziemlich ungeeignet. Zu diesem nüchternen Urteil ist jetzt ein Gutachter gekommen.

Bad Oldesloe/ol

– Eigentlich hätte im Ausschuss alles ganz schnell gehen können. Aber knapp 16 000 Euro für eine kurze pointierte Aussage – das geht natürlich nicht. Deshalb erläuterte Michael Wesner von der Contence Beratungsfirma in aller Ausführlichkeit, welche Möglichkeiten es für die Festhalle an der Gesamtschule gibt.

Die Festhalle kostet weit über 100 000 Euro jährlich. Der Deckungsgrad bewegt sich zwischen vier und sechs Prozent. Unterm Strich hatte sich in der Politik die Erkenntnis breit gemacht, dass die Halle ein ganz schön teurer Spaß ist. Gutachter Wesner sollte herausfinden, ob es Möglichkeiten gibt, einen besseren Kostendeckungsgrad zu erzielen.

Die Marktanalyse ist relativ einfach. Auf der einen Seite liegt Lübeck, auf der anderen Hamburg. Die spielen in einer anderen Liga. Aber dazwischen, so der Experte, habe Oldesloe durchaus eine Möglichkeit, sich mit einer kleinen Halle zu etablieren. Oldesloe vermarkte die Festhalle schlecht, aber die Orte im Umfeld machten es nicht besser, also könne die Stadt in diese Lücke vorstoßen. Die Festhalle liegt sehr zentral und ist gut erreichbar. Dem stehen aber etliche Negativpunkte gegenüber: Die Technik ist unzureichend, keine Atmosphäre, keine Unterteilung, keine Nebenräume, kein Catering.

Auf dem Veranstaltungssektor bestehe trotzdem eine Chance. Der Gutachter machte allerdings extrem deutlich: Mit Investitionen in Gebäude und Technik ist es nicht getan. Ein professioneller Betreiber sei unumgänglich. „Sie können die Halle nur besser verkaufen, wenn sie die Veranstalter betütern“, betonte Wesner. Eine Kombination mit schulischer Nutzung hält er für absolut ausgeschlossen, ja sogar unmöglich. Wesner: „Man macht sich nicht schick, um zu einer Veranstaltung zu gehen, um dann im Schulfoyer zu landen.“ Also müsse die Festhalle baulich von der Schule getrennt werden. Das ließe sich machen, wenn der Innenraum quasi gedreht wird. Dort, wo jetzt der Eingang ist, müsste die Bühne hin. Ein neues Foyer käme auf die gegenüberliegende Seite, dadurch fielen aber etliche der ohnehin knappen Parkplätze weg. Außerdem müsse der Zuschauerraum eingeebnet werden, um die Halle beispielsweise auch für Flohmärkte nutzen zu können. Fazit des Gutachters: „Eine ziemlich teure, aber unterm Strich trotzdem halbherzige Lösung.“ Deshalb lautete sein Rat: Suchen Sie sich was Neues.“

Betretene Gesichter bei den Politikern. IGS-Rektor Andreas Bielke machte deutlich, dass die Schule die Festhalle oder ein vergleichbares Gebäude brauche. Die Kulturbeauftragte Dr. Sylvina Zander pflichtete Michael Wesner bei, dass es möglich sei, Oldesloe als Veranstaltungsort zu positionieren. Als Beispiel führte sie die Jazzreihe im Rathaus an, die einen bundesweit guten Ruf genieße. Gleichstellungsbeauftragte Marion Gurit hob hervor, dass Veranstaltungen in der Festhalle extrem teuer seien, weil nicht nur der Künstler bezahlt werden müsse, sondern auch noch Leihtechnik und Personal.

„Bad Oldesloe steht eine Veranstaltungsstätte zu – klein, fein und mit professionellem Personal. Dann kann die Stadt Kulturstandort werden. Was wollen Sie sich dieses Signal kosten lassen?“ Auf diesen einfachen Nenner läuft es hinaus.

Bereits im vergangenen Jahr hatte das Bauamt Kosten ermittelt. Demnach würde ein Neubau vier Millionen Euro kosten. Das Thema geht zur Beratung in die Fraktionen.

Andreas Olbertz

Fusionsgutachten vorgestellt

Stormarner Tageblatt vom 10. Oktober 2007

Fusionsgutachten vorgestellt

Gutachter sagt deutliche Einsparungen bei gemeinsamer Verwaltung voraus

Bad Oldesloe/ol

– Nun ist es also da, aber keiner rückt damit heraus: Hinter verschlossenen Türen ist im Hauptausschuss das Gutachten zur „engeren Verwaltungszusammenarbeit“ zwischen Oldesloe Land und Stadt vorgestellt worden. 70 Seiten dick, der Gutachter hat es den Ausschussmitgliedern und Stadtverordneten vorgestellt – und die klingen durchweg alle angetan. Natürlich unter dem Vorbehalt, dass noch niemand das Werk gelesen hat. „Eine Verwaltungsgemeinschaft scheint eine gute Lösung zu sein“, sagte Karl

-Reinhold Wurch (FDP) gestern. Für die SPD sprach Ursula Riewerts von einer „guten Grundlage für die Zukunft. Ich hoffe, dass jetzt Gespräche in ruhiger und ausgeglichener Atmosphäre stattfinden.“ Das sieht auch CDU-Fraktions-Chef Horst Möller so: „Das ist ein echtes Angebot.“ Wilfried Janson von den Grünen ergänzt: „Die Einsparungen bei der Bildung eines Brezelamtes werden deutlich übertroffen. Da liegen wir eindeutig besser.“ Bei einer Fusion der beiden Ämter waren Einsparungen von 500 000 Euro errechnet worden. Bürgermeister Tassilo von Bary will das Gutachten heute der Amtsverwaltung überreichen.

 

Oldesloer SPD will für Klarheit in der Partei sorgen

Christoph Asmussen

Stormarner Tageblatt vom 9. Oktober 2007

Oldesloer SPD will für Klarheit in der Partei sorgen

Bad Oldesloe/st

– Beim Bundesparteitag der Sozialdemokraten Ende Oktober in Hamburg wird die SPD ihr neues Grundsatzprogramm verabschieden. Die SPD der Kreisstadt Bad Oldesloe hat dazu einen eigenen Antrag gestellt. Darin formuliert sie die Rahmenbedingungen für die Entwicklungspolitik wesentlich klarer: So sind im Rahmen der Vergabe von Entwicklungshilfe die Einhaltung der Menschenrechte, nachprüfbare Verbesserung des Umweltschutzes, Stärkung der Rechte der Frauen und Einhaltung der Pressefreiheit zu beachten und regelmäßig zu überprüfen. Dieser Antrag zur Entwicklungspolitik wurde vom SPD-Kreisparteitag angenommen und dem Landesparteitag der Sozialdemokraten zugeleitet. Der Oldesloer SPD-Vorstand zeigte sich erfreut über die positive Reaktion beim Kreisparteitag. „Uns war die klar pointierte Formulierung wichtig“, so der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Christoph Asmussen.

„Wir hoffen, dass die politische Unschärfe der SPD der letzten Monate mit dem Hamburger Programm beendet wird“, so Asmussen weiter. „Aus dem Irrweg der ‚sozialdemokratischen Mitte‘ muss wieder eine klar positionierte linke Volkspartei werden, die den Menschen im linken Parteispektrum eine politische Heimat bietet.“

Neuer Rektor – Teamgeist statt Anweisung

Andreas Bielke

Stormarner Tageblatt vom 9. Oktober 2007

Neuer Rektor – Teamgeist statt Anweisung

Andreas Bielke ist der neue Rektor an der IGS Oldesloe. Das motivierte Kollegium hält er für das große Pfund seiner Schule. Das soll auch so bleiben – er setzt auf Überzeugung statt auf Anweisungen.

Bad Oldesloe/ol

– In eine spannendere Zeit könnte ein Schulleiterwechsel nicht fallen. Andreas Bielke ist der Nachfolger von Klaus Mangold auf dem Chefsessel an der Integrierten Gesamtschule (IGS) und kaum hat er sein Amt angetreten, steht die Umsetzung des neuen Schulgesetzes auf der Tagesordnung. Bielke winkt ab: „Die Umwandlung von der Gesamt- zur Gemeinschaftsschule ist doch nicht der große Punkt. Ich bin allerdings sehr erleichtert, dass es am Ende doch noch zu einer gemeinsamen Ak-tion gekommen ist.“ Überschrift des neuen Gesetzes ist „länger gemeinsam lernen“. Das sei an der IGS zwar schon immer praktiziert worden, doch das sei natürlich kein Grund, sich nun entspannt zurück zu lehnen. Ganz im Gegenteil. „Die Unterrichtsqualität – da will ich meinen Stempel aufdrücken“, stellt der neue klar und schiebt dann gleich nach: „Unsere Aufgabe ist es nicht, den Lehrer ihren Job möglichst einfach zu machen, sondern für die Kinder das beste aus dem Bildungssystem heraus zu holen.“ Lehrer müssten lernen, anders zu unterrichten. Dabei gehe es nicht darum, um jeden Preis zu reformieren und Neuheiten einzuführen. Andreas Bielke betont: „Jede Unterrichtsform hat ihre Berechtigung. Es muss auch frontale Phasen geben.“ Aber nicht nur. Fünf bis acht unterschiedliche Leistungs-niveaus und Lernzugänge pro Klasse anzubieten, das hält der Oldesloer für machbar.

Der 49-jährige ist eigentlich Gymnasiallehrer. 1992 ging er an die Deutsche Schule in Nairobi (Kenia). Ein kleine einzügige Schule, zwangsläufig konnte dort nicht zwischen Hauptschülern und Gymnasiasten unterschieden werden. „Das war mein erstes Aha-Erlebnis.“ 1995 kam er an die IGS. „Klaus Mangold hat Dinge mit mir veranstaltet, dass ich ein Gesamtschullehrer geworden bin“, blickt der Oldesloer zurück. Potenziale bei seinen Kollegen zu erkennen und zu fördern, da habe sein Vorgänger ein gutes Händchen gehabt, an dem Punkt will Bielke weiter machen. „Die Habenseite dieser Schule ist das Kollegium. Es ist offen, am Schüler orientiert, motiviert und bereit, auch dornige Wege zu gehen. Das ist einfach toll!“, schwärmt der Rektor. Den Konsens will er weiter fördern. „Ich werde diese Schule nicht per Direktive leiten. Wenn ich 80 Leute bewegen will, kann ich das nur mit ihnen zusammen.“ Seine Aufgabe sieht der gebürtige Eutiner nicht darin, neue Methoden anzuweisen, sondern durch Kompetenz zu überzeugen, Kompromisse zu finden und in dem Konferenzen für die eigenen Ideen zu werden. Andreas Bielke: „Eine 51-zu-49-Abstimmung bringt nichts. Ich habe nur eine Chance etwas umzusetzen, wenn ich mindestens 84 Prozent habe.“

Dass es zukünftig drei Gemeinschaftsschulen in der Stadt geben wird, kann den neuen Rektor nicht schrecken. „Wir haben bereits gezeigt, dass wir es können“, verkündet er selbstbewusst:„Jede Schule wird ihr eigenes Profil entwickeln und dann wird auch Konkurrenzdruck da sein. Die Oldesloer sollten sich bewusst sein, dass sie da eine tolle Situation haben.“

Andreas Bielke betrachtet die Zukunft allerdings nicht nur durch die rosa Brille. Nahtlos knüpft er an der Kritik seines Vorgängers an: „Die Mensa war nur ein Teilschritt. Die Raumsituation ist angespannt – es ist eng. Mittelfristig muss da was geschaffen werden.“ Er ist zuversichtlich, die Gespräche mit der Stadt liefen bereits.

Andreas Olbertz

Stormarner Wochenschau

 

Stormarner Tageblatt vom 6. Oktober 2007

Stormarner Wochenschau

Sport-Zuschüsse und Gewässer-Gebühren
Zeit der Abrechnung

Andreas Olbertz und Volker Stolten

Wer will daran noch erinnert werden: Vor einem Jahr gingen die Thermalbad-Pläne baden. Ach ja, es war ein schöner Traum von einem florierenden Wellnesstempel mit Hotel in der ansonsten trostlosen Öde des Sandkamps. Geplatzt wie die Blasen im Whirlpool. Das Volk hat anders entschieden.

Rückblickend betrachtet muss man vielleicht froh sein, dass der Bürgerentscheid so ausgegangen ist. Anfang April hat nämlich Interspa-Architekt und quasi Gründungsvater Horst Haag Insolvenz angemeldet. Plitsch, platsch noch ein Traum geplatzt. Nun kann man natürlich mit Sicherheit davon ausgehen, dass die Stadt wasserdichte Verträge abgeschlossen hätte, dafür haben wir schließlich die Rechtsabteilung. Lass die Partner in irgendwelche finanziellen Mahlströme geraten – uns und unserem Geld wäre garantiert nichts passiert. Und überhaupt: Horst Haag war ja nur ein Subunternehmer. Na ja, wir wollen nicht spekulieren, sondern uns freuen, dass wir zumindest unser altes Bad noch haben. Doch nach Freude ist den Mitgliedern der Bürgerinitiative nicht zumute. Sie beklagen, dass den Gästen außer satten Preiserhöhungen noch nichts geboten worden ist und pochen auf Attraktivierung. Immerhin, erste Schritte zur Planung von Baumaßnahmen sind eingeleitet und parallel wird geprüft, ob es eventuell externe Partner gibt, die die Schwimmhalle besser, sprich günstiger, betreiben können als die Stadtwerke. So wie es aussieht, wird uns dieses Thema für den Wahlkampf erhalten bleiben.

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Mädels sind zickig und Jungens bocken – auf diesen einfachen Nenner kann man wohl den Knatsch um das Kurparkstadion bringen. Es ist ein Trauerspiel, was sich Union und FFC da liefern. Die einen haben die ruhmreiche Vergangenheit, die anderen die attraktiveren Zukunftsaussichten – aber mit Fußball hat das Theater nicht mehr viel zu tun. Aber der Sport wird es sein, der unter dem Gezicke und Gebocke der Vereinsoberen leiden wird.

Beim Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf. Es muss aber auch jedem klar sein, dass jammern alleine nicht reicht, um Zuschüsse von der Stadt oder Nebenkosten vom Untermieter zu bekommen. Da gehören vernünftige Abrechnungen auf den Tisch – und wenn die belegt sind, dann muss gezahlt werden. Punkt, aus. Wobei man beiden Seiten zu gute halten muss, dass die räumliche Situation wahrlich nicht prickelnd ist – zwei Plätze, zwei Umkleiden und dann noch Jungen- und Mädchenmannschaften, um zu erkennen, dass diese Rechnung nicht aufgehen kann, muss man kein Mathe-Genie sein. Als unbedarfter Beobachter fragt man sich allerdings, wie es dazu überhaupt kommen konnte. Vor wenigen Jahren wurden die Umkleiden renoviert; jetzt gab es ein gewaltiges Sportstätten-Sanierungskonzept – aber dass die Umkleiden am Kurpark nicht ausreichen, ist nie diskutiert worden. Wer hat da eigentlich gepennt? Unser Karikaturist Götz Wiedenroth hat das Thema durch seine ganz eigene Brille betrachtet.

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Die Gewässerpflegeverbände (Grootbek, Mittlere Alster, Ammersbek-Hunnau) – die ohne Frage gute Arbeit leisten – haben dieser Tage keinen leichten Stand. Ihnen obliegt der Job des Geldeintreibers – und niemand lässt sich gerne die Taler aus der Tasche ziehen. Schon gar nicht, wenn er nicht weiß, wofür er eigentlich zur Kasse gebeten wird. Zuletzt fielen die Verbände vor zwei Jahren bei Grundeigentümern mit der Tür ins Haus und forderten Bares, ohne das Wieso, Weshalb, Warum näher zu erklären. Da platzte vielen verständlicherweise der Kragen, und es rollte eine wahre Beschwerdeflut auf Verbandsvorsteher und Co. zu. Heute sind die verantwortlichen Stellen schlauer und legen dem Gebührenbescheid für die Jahre 2006 und 2007, der für alle Grundeigentümer Pflicht ist und in Kürze in den Briefkästen liegen dürfte, ein erklärendes Papier bei. Aus Schaden wird man klug. Der eine oder andere wird zwar immer noch sauer sein, bezahlen zu müssen, wenn auch nur wenige Euro im Jahr. Aber er weiß wenigstens, wofür! – für die Unterhaltung und Verbesserung der Gewässer. Nutznießer sind wir alle, ob beim Spaziergang am idyllischen Bächlein oder wenn es von oben mal wieder wie aus Kübeln schüttet. Dann sind wir froh, dass es Ausgleichsflächen gibt, die die Wassermassen in die richtigen Bahnen lenken. Auch darum kümmern sich die Gewässerpflegeverbände. Die Gebühr zahlt sich somit aus.

 

Nach Bürgerentscheid: nix passiert

Stormarner Tageblatt vom 5. Oktober 2007

Nach Bürgerentscheid: nix passiert

Hallenbad-Initiative kritisiert fehlende Attraktivierung und gestiegene Preise

Bad Oldesloe/ol

– In diesen Tagen jährt sich der Bürgerentscheid zum Erhalt des Hallenbades. Die Oldesloer haben sich am 8. Oktober 2006 mehrheitlich für den Erhalt des Hallenbades und gegen den Bau eines Thermalbads am Sandkamp ausgesprochen. Die Planungen für das Thermalbad wurden tatsächlich eingestellt, so schreibt es das Gesetz vor. „Doch was wurde nun aus dem vernachlässigten Hallenbad?“, fragen die Mitglieder der Bürgerinitiative.

Außer einer Erhöhung der Eintrittspreise, der Abschaffung der Jahreskarte für Dauerschwimmer und ein paar Schmuck-Kacheln in den Duschbereichen sei nichts erkennbar, was auf die Umsetzung des Bürgerwillens hindeute, bemängeln die Bad-Aktivisten. Ein Erhalt ohne Attraktivierung ist für BI-Spreching Birgit Papke-Seutter sinnlos: „Wenn man nur die Technik am Laufen hält, aber gleichzeitig die Preise derart anhebt, dann wird das Defizit wachsen.“

Der Fortfall der Jahreskarten und die drastische Erhöhung der Eintrittspreise wirkten sich negativ auf die Besucherzahl aus. Ein deutlicher Rückgang sei die Folge. Die sprunghafte Preiserhöhung von 150 auf 1 000 Euro im Jahr für regelmäßige Badbesuche vertreibe jede treue Dauerkundschaft. „Die Frühschwimmer gehen nicht mehr jeden Tag hin – es ist einfach zu teuer“, erklärt Birgit Papke-Seutter. Es gebe zwar immer mal wieder Überlegungen, ob die Kosten nicht gesenkt werden könnten, doch bislang ohne Ergebnis. Ansatzpunkte wären beispielsweise die Grundüng eines eigenen Vereins oder zumindest einer Sparte innerhalb eines Vereins.

Noch am Wahlabend hatte die Initiative angeboten, bei Attraktivierungsmaßnahmen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Darauf habe es allerdings nie eine Rückmeldung gegeben. Papke-Seutter bedauert: „Wir sind da raus.“ Immerhin tagte ein städtischer Arbeitskreis und stellte dem Hauptausschuss ein Entwicklungskonzept vor. Dieser Plan beinhaltet sowohl technisch notwendige Investitionen als auch die Neugestaltung des Eingangsbereiches, den Bau eines Therapiebeckens, eine attraktive Saunalandschaft, eine Vergrößerung des Kinderbereiches sowie eine Neugestaltung der Sanitär und Umkleideräume. Das war bereits im Februar – Bauaufträge wurden aber bis jetzt nicht erteilt.

Nach monatelanger Verzögerung – die CDU Fraktion hatten sich mit den Experten von den Stadtwerken nicht auf einen gemeinsamen Termin verständigen können – wurde stattdessen ein Interessenbekundungsverfahren eingeleitet, in dem ermittelt werden soll, ob private Unternehmen die Sanierung und gegebenenfalls eine Attraktivierung genauso gut wie oder besser als die öffentliche Hand gewährleisten können. Außerdem soll ein Architekt eine exakte Kosten-Nutzen-Rechnung für die Maßnahmen erstellen. Beides ist mit hohen Kosten verbunden. Birgit Papke-Seutter ist hin- und hergerissen: „Ich weiß nicht, ob es der richtige Weg ist, wenn man ahnt, dass das Bad eigentlich keiner haben will. Wahrscheinlich ist das aber der Weg, der gegangen werden muss.“

Was Mut mache, seien die zahlreichen Aktivitäten des Hallenbad-Teams um Leiterin Marion Arpe.

Andreas Olbertz

Bad Oldesloer Spielplätze unter der Lupe

Stormarner Tageblatt vom 4. Oktober 2007

Bad Oldesloer Spielplätze unter der Lupe

Über 200 Kinder und Jugendliche haben die Spiel- und Bolzplätze der Kreisstadt unter die Lupe genommen. Jetzt gab es erste Einblicke in die überraschenden Ergebnisse.

Bad Oldesloe/ask

– Hundekot, defekte Spielgeräte und ungepflegte Grünanlagen: Trifft dieses Klischee-Bild von Spielplätzen auch auf Oldesloe zu? Der Kinderschutzbund und der Jugendbereich der Stadt Bad Oldesloe hatten sich zusammen getan, um herauszufinden, wie es überhaupt um die 36 Spiel- und Bolzplätze der Kreisstadt bestellt ist. „Wir waren selbst überrascht, dass es so viele gibt in Oldesloe“, scherzt Renate Günther, Leiterin des Oldesloer Kinderhauses.

Über 200 Kinder rund Jugendliche aus neun Oldesloer Kindergärten und fünf Schulen bekamen Fragebögen an die Hand, nach denen sie als Spielplatzforscher aktiv werden sollten. „Denn wer kann die Ausstattung von Spielplätzen besser beurteilen als Kinder selbst“, sagt Günther. Das Team hinter den Fragebögen war aber nicht nur erstaunt, wie viele Spielplätze es in Oldesloe gibt, sondern auch über die Auswertung der ersten Fragebögen. So wünschten sich die Steppkes nicht etwa besonders ausgefallene Spielgeräte, sondern fragten nach mehr schattigeren Plätzen nach. „Und das bei dem Sommer“, scherzt von Bary über die Wünsche der Kinder, die in ihren Berichten beispielsweise fehlende Fahrradstände oder den Anstrich der Spielgeräte bemängelten. Und auch Fußgängerzonen-Klassiker bekamen schlechte Noten von den Kids: „Wackeltiere empfanden die meisten Kinder als langweilig“, sagt Karin Heinzen trocken.

Aber dennoch: Die Wartung der Spielgeräte wurde als durchweg gut empfunden. Und: Jeder zweite Spielplatz wurde als sauber empfunden, auch wenn hier und da Papier und Abfall eher neben dem Mülleimer lag, als darin, und Hundekot die Spielfreude einschränkte. Hintergrund der Fragebogenaktion ist, dass es beispielsweise im Ruhrgebiet so genannte Spielplatzpaten – Bürger, Vereine oder Kindergärten – gibt, die ein Auge auf „ihren“ Spielplatz haben. „Insofern gehen auch Vandalismus-Delikte zurück und das Ziel einer familienfreundlichen Stadt rückt näher“, sagt Birgit Zabel vom Deutschen Kinderschutzbund. Der erste Schritt dazu sei aber zunächst eine Bestandsaufnahme. Die Ergebnisse der Auswertung sollen dazu dienen, dass beispielsweise Fördergelder für Stadtentwicklungskonzepte gezielter beantragt werden könnten.

„Die Kinder haben tolle Vorarbeit geleistet“, lobt Bürgermeister Tassilo von Bary das Engagement der über 200 Spielplatzforscher. Auch für die Situation auf den Bolzplätzen gibt es eine Fragebogenaktion; hier ist eine Projektgruppe der IGS aktiv. Auch deren Ergebnisse werden in Kürze detailliert ausgewertet und vor den Herbstferien präsentiert. Als bedauerlich empfanden es die Macher hinter der Spielplatz-Initiative, dass das für den vergangenen Freitag geplante Spielfest für die Spielplatzforscher wegen einer Unwetterwarnung vorsichtshalber abgesagt werden musste. „Sicher ist sicher“, sagt Karin Heinzen, betont aber gleichzeitig, dass das Fest nachgeholt wird, ein genauer Termin steht noch aus.

Alexander Steenbeck

SC Union und SSC: Wer spielt hier falsch?

Stormarner Tageblatt vom 2. Oktober 2007

SC Union und SSC: Wer spielt hier falsch?

Sie spielen im selben Stadion, sind sich aber nicht mehr grün. Gestern eskalierte ein seit Monaten schwelender Streit zwischen dem SC Union und dem FFC Oldesloe.

Bad Oldesloe

– Der Union-Vorstand ließ die Frauenfußballerinnen nach Protest zwar noch ins Kurpark-Stadion, das Licht blieb aber aus und die Umkleiden inklusive Duschen dicht.

Der Streit geht ums Geld. 5500 Euro fordert der SC Union vom FFC. Die haben bislang 1200 Euro im Jahr bezahlt und sind bereit, die Summe zu verdoppeln. Der Union-Vorstand fordert aber einen Teilung der Betriebskosten. Das wären dann 5500 bis 6000 Euro im Jahr. In der Debatte hatte zuvor auch die Stadt als Eigentümer des Kurpark-Stadions zu vermitteln versucht. Vergeblich: „Letzte Woche haben wir mit beiden Vereinen getrennt gesprochen. Mit beiden an einem Tisch geht es sowieso nicht mehr“, so Bürgermeister Tassilo von Bary. Die Verträge mit dem SC Union sind zum 31. Dezember 2008 gekündigt, weil die Stadt die Abrechnung nach Kritik des Landesrechnungshofs auf andere Füße stellen muss. Den Zuschuss für den Unterhalt des Stadions, gut 3000 Euro, hat die Stadt auf Eis gelegt, solange es sich die Kontrahenten nicht einigen.

Und danach sieht es nicht aus. Für den Union-Vorsitzenden Walter Albrecht ist klar, dass der FFC sich stärker an den Betriebskosten beteiligen muss, weil die Fußballerinnen inzwischen mehr Mannschaften haben und den Betrieb komplett vom Wendum ins Kurpark-Stadion verlagert haben.

Mehr zahlen ist für Thomas Heimann, dritter FFC-Vorsitzender, in Ordnung, aber nur wenn die Kosten, transparent dargestellt seien. Das, was SC Union vorlegt, nennt er eine „völlig wirre Abrechnung“.

Gravierendster Streitpunkt ist das Clubhaus auf dem Gelände. Die hat der SC Union verpachtet und behält die Einnahmen, rund 10 000 Euro im Jahr, für sich. Heimann: „Wenn man das in die Betriebskosten mit einbezieht, bleibt noch eine Deckungslücke von 2000 bis 3000 Euro – genau das, was wir zahlen würden. Das will der SC Union aber partout nicht.“

So drohen sich die zerstrittenen Vereine gegenseitig. Den Versuch, ihnen den Zutritt zum Stadion zu verweigern, beantwortet der FFC mit Vorwürfen, dass der SC sie massiv behindere, die Anlage oft in einem „erbärmlichen Reinigungszustand“ sei und dass „Jungen oder junge Männer ihres Vereins oder ihrer Spielpartner wissentlich in die Umkleiden gehen, wenn sich noch jugendliche Mädchen dort duschen“.

Für Walter Albrecht eine „schlimme Unterstellung. „Wissentlich geht da niemand rein.“ Aber der Vorwurf zeigt, wie weit der Streit gediehen ist. Von einem gemeinsamen Pachtvertrag für das Kurparkstadion mit beiden, mittlerweile gleich großen Vereinen ist man weiter entfernt denn je.

Rolf Blase

Stormarner Wochenschau

Stormarner Tageblatt vom 29. September 2007

Stormarner Wochenschau

 

Von Rolf Blase, Andreas Olbertz und Volker Stolten

Die Grünen und ihr Abwahlantrag gegen den stellvertretenden Bürgermeister Matthias Rohde – sie sind (erwartungsgemäß) gescheitert. Dabei ging es in der kurzen Debatte gar nicht um die Sache: Ist er als amtierender Bürgermeister über die Strenge geschlagen? Ist er untragbar? Nein, das musste die CDU gar nicht. Ihr Sprecher Rainer Fehrmann brauchte nur auf inhaltliche Widersprüche im Dringlichkeitsantrag einzugehen, schon war der abgebügelt. Leute: Wenn ihr den los werden wollt, müsst ihr schon geschickter zu Werke gehen. Ein schnell fabrizierter Antrag reicht da nicht. Da muss schon ordentlich Munition gesammelt werden und vor allem müssen die, die bislang unkoordiniert aus dem Hinterhalt stänkern, mal aus der Deckung kommen und zur Attacke übergehen. Aber dazu fehlt einigen wohl der Mumm.

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Beim Thema Abwahlantrag muss man sich fragen, ob nicht andere ihres Postens enthoben werden müssten. Bürgerworthalter Dr. Wolfgang Böge zeichnete sich mal wieder durch unsouveräne Sitzungsleitung aus. Die Umbesetzung verschiedener Ausschüsse wollte er erst gar nicht abstimmen, das wurde gleich von ihm durchgewunken. Die verschiedenen Anträge zur Schulreform von Grünen und Verwaltung – hätte man die nicht wenigstens pro forma noch mal zur Abstimmung anbieten müssen? Beim Thema Klimaschutz stand Hagen von Massenbach für die SPD schon am Rednerpult, durfte aber nichts sagen, weil die CDU mit der Geschäftsordnung getrickst hatte und niemand kompetent genug war, entschieden zu sagen, wo’s lang geht. Da werden sich einige die Haare gerauft haben.

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Der Steuerzahlerbund listet alljährlich in seinem Schwarzbuch grobe Steuerverschwendung auf. Darin erwähnt zu werden, ist nicht erstrebenswert. Es sei denn man wird wie Oldesloe positiv hervorgehoben: 430 000 Gäste für das Thermalbad waren unrealistisch. Deshalb sei es gut, dass das Bürgerbegehren einen Schlussstrich unter die hochtrabenden Pläne gezogen habe – findet der Steuerzahlerbund. Lob quasi von höchster Stelle.

 

Stadtverordnete sind in Schulfrage alle Ja-Sager

Hagen von Massenbach und Bürgermeister Tassilo von Bary

Stormarner Tageblatt vom 26. September 2007

Stadtverordnete sind in Schulfrage alle Ja-Sager

Am Ende war es einstimmig: Alle Abgeordneten sagten Ja zur KGS als Regionalschule und Ja zur TSS als Gemeinschaftsschule.

Bad Oldesloe/ol

– Von dem Einen kam ein leise hingehauchtes „Ja“, vom dem Anderen ein entschiedenes „Jah!“ und ganz zum Schluss von Karl-Reinhold Wurch ein amüsiert klingendes „Jaha“. 24 Unterschiedliche Jas waren Montagabend bei der Sitzung der Stadtverordneten zu hören. Nichts anderes, nur ja: Einstimmig und ohne Enthaltungen wurde das neue Schulkonzept beschlossen.

So ein bisschen war die Spannung ja schon vorher raus. Monatelang war gefragt, ausgewertet, spekuliert und gestritten worden. Die Spanne der Vorschläge reichte von keiner Regional bis hin zu einer großen in der Realschule. Alles Gemeinschaftsschulen und sogar das Gymnasium nur als Oberstufenzentrum, oder doch lieber viele Gemeinschaftsschulplätze, eine kleine Regionalschule und ein Gymnasium wie gehabt, allerdings mit einer um ein Jahr verkürzten Laufbahn – das war der große Konsens, diese Variante zeichnete sich kurz vor der entscheidenden Sitzung als einvernehmliche Lösung ab.

Die Weichenstellung war klar und trotzdem nutzten alle Fraktionen die Sitzung, um noch mal ausführlich ihre Position darzulegen. Heike Uhlenbrok von den Grünen betonte, dass es Unfug sei, schon Zehnjährige nach der vierten Klasse zu sortieren. Natürlich sei es auch an einer großen Gemeinschaftsschule möglich, gute Integrationsarbeit zu leisten, nicht nur an der kleinen KGS. Aber da die Grünen kompromissbereit seien, würden sie zustimmen. Horst Möller bedauerte im Namen der CDU, dass mit dem jetzt angestrebten Kompromiss Flexibilität verloren gehe und leider nicht alle Schularten im Schulzentrum vertreten seien, „aber dafür erhalten wir uns eine hervorragend funktionierende KGS.“ Anita Klahn (FDP) freute sich für die Eltern, die schon seit Jahren für mehr Gesamtschulplätze in der Stadt kämpfen, während ihr Fraktionsvorsitzender Karl-Reinhold Wurch deutlich durchblicken ließ, dass er die ganze Diskussion für ziemlich überflüssig hielt: „Wir glauben, mit dem System können wir alles heilen, aber Schulen werden vom Personal leben.“ SPD-Fraktions-Chef Hagen von Massenbach blickte positiv in die Zukunft. Er freue sich schon auf einen Ideen-Streit der Schulen, die mit unterschiedlichen Konzepten zukünftig um die Gunst von Eltern und Schülern werben werden. Ihren vorher angekündigten Antrag auf namentliche Abstimmung hielt die SPD trotz der sich abzeichnenden Einigkeit aufrecht. In den anderen Parteien gab es dafür relativ wenig Verständnis, aber im Grunde ging es dann doch ganz schnell. Bürgerworthalter Dr. Wolfgang Böge rief jeden Abgeordneten auf und der musste dann mit ja, nein oder Enthaltung antworten.

Vorausgesetzt Kreis und Land stimmen zu, herrscht damit jetzt Klarheit. Mit Beginn des neuen Schuljahrs ist die Klaus-Groth-Schule keine Grund- und Hauptschule mehr, sondern wird eine zweizügige Regionalschule – mit Grundschulteil.

Aus der Theodor-Storm-Schule wird eine dreizügige Gemeinschaftsschule. Das Gymnasium bleibt Gymnasium und aus der IGS wird ebenfalls eine Gemeinschaftsschule. Die Schulen müssen jetzt in Konzepte entwickeln, in denen sie schlüssig darlegen, wie sie zukünftig arbeiten wollen.

 Andreas Olbertz

Bad Oldesloe: Harmonie bei der Schulreform

Hamburger Abendblatt vom 26. September 2007:

Bad Oldesloe: Harmonie bei der Schulreform

BAD OLDESLOE -

Oldesloes Vorschlag zur Umsetzung der Schulreform ist unter Dach und Fach. Die Stadtverordneten haben hinbekommen, was noch vor gut einer Woche undenkbar gewesen ist: Sie haben die Neuordnung der Schullandschaft in der Kreisstadt einstimmig beschlossen. Und die Weichen eindeutig auf Konsens statt auf Konfrontation gestellt.

So betonte CDU-Fraktionschef Horst Möller mehrfach, vom Inhalt her sei es ja ein SPD-Antrag, den er stelle. Seine Partei hatte sich in der Frage der Schulstandorte in der vergangenen Woche überraschend neu positioniert und dadurch den Weg für die einvernehmliche Lösung frei gemacht. Und SPD-Fraktionschef Hagen von Massenbach erklärte, es sei kein Tag der Häme oder des Spotts. Es komme einzig darauf an, dass sich alle geeinigt hätten.

Dennoch bestand von Massenbach auf namentliche Abstimmung. Und so hörten die Zuschauer alle Stadtverordneten ein deutliches Ja sagen - auch jene CDU-Politiker, die als Kritiker des gefundenen Kompromisses gelten. Nach der Abstimmung brandete Applaus auf.

Nun also soll die Klaus-Groth-Schule (KGS) mit Beginn des kommenden Schuljahrs einen zweizügigen Regionalschulteil bekommen, während die Theodor-Storm-Realschule (TSS) in eine Gemeinschaftsschule mit drei Zügen umgewandelt wird. Die anderen Schule bleiben unverändert. Nach zwei Jahren wollen die Politiker beurteilen, ob sich das Modell in der Praxis bewährt. Bis dahin wird es keine zusätzlichen Baumaßnahmen geben. Außerdem sollen alle Schulen gleich behandelt werden, insbesondere im Hinblick auf den Klassenteiler.

Die CDU hatte eigentlich den weiterführenden Teil der KGS schließen, die TSS zur dreizügigen Regionalschule machen und die IGS um einen Zug aufstocken wollen. "Vor allem pädagogische Aspekte haben uns zum Umdenken bewogen", so Horst Möller. Zwar sei nun Flexibilität verlorengegangen. Auch seien am Schulzentrum nun nicht alle Schularten vertreten. "Dafür behalten wir aber eine hervorragende KGS", sagte er.

Unterdessen ist der in die Kritik geratene CDU-Politiker Matthias Rohde auch nach der Sitzung noch stellvertretender Bürgermeister. Ein von den Grünen gestellter Eilantrag auf Abberufung kam gar nicht erst auf die Tagesordnung. Nur die Grünen selbst stimmten dafür. Fraktionschef Gerold Rahmann führte an, Bürgermeister Tassilo von Bary wolle keinen Urlaub mehr nehmen, solange Rohde sein Stellvertreter sei und in seiner Abwesenheit die Verwaltung auf den Kopf stelle (wir berichteten). CDU-Chef Rainer Fehrmann: "Ein Paradoxum. Wenn von Bary keinen Urlaub nehmen will, besteht auch keine Dringlichkeit."

sul

Quellen, die nicht sprudeln aber wachsen

Exkursion Wolkenweher Niederung

Stormarner Tageblatt vom 26. September 2007

Quellen, die nicht sprudeln aber wachsen

Die Frau ist mit Begeisterung bei der Sache – Ulrike Graeber. Auf Einladung der SPD erklärte sie Teilnehmern einer Exkursion Besonderheiten der Tier- und Pflanzenwelt in der Wolkenweher Niederung bis zum Brenner Moor.

Bad Oldesloe/ol

– Auch wenn sich die Trave durch die Landschaft schlängelt, „der Fluss hat dieses Tal mit Sicherheit nicht geschaffen“, erläutert die Biologin. Es sei vielmehr als Tunneltal während der Eiszeit entstanden. Alte Oldesloer könnten sich noch erinnern, dass das Brenner Moor von Fuhrleuten als Weide für ihre Pferde genutzt wurde. Die Erfindung des Autos und sein Erfolg machten die Vierbeiner überflüssig – das Moor konnte sich entwickeln. Die angrenzende Niederung wurde als Grünland genutzt – saftig grüne Wiesen so weit das Auge reichte, heute sind sie dort die Ausnahme. Ökologisch waren diese Flächen allerdings nicht wertvoll. Das hat sich geändert, seit das Gebiet unter Schutz steht. „Natürlich ist das gewöhnungsbedürftig“, räumt Fachfrau Graeber ein. Die unbewirtschafteten Flächen wechseln zwischen grün über gelb bis hin zu schmutzigem Braun, sie sind nicht einheitlich kurz geschoren, da wuchert jeder Halm wie er möchte. Da macht auch die Expertin keinen Hehl daraus: „Das sieht ungepflegt aus.“ Aber dann fängt sie an zu schwärmen und auch Laien erkennen dank ihrer sachkundigen Erläuterungen den Wert des Areals. Ulrike Graeber: „Das erreicht man am besten durch Nichtstun.“ Das Saatgut eigentlich längst verschwundener Pflanzen beginne genau dann wieder zu keimen, wenn die Umgebung den passenden Lebensraum darstelle.

In der Wolkenweher Niederung gibt es zahlreiche Quellen. Die Sprudeln allerdings nicht, sondern geben ihr Wasser unter der Oberfläche ab. Dadurch beginnt der Torf, der während der Bewirtschaftung zusammengepresst worden ist, wieder aufzuquellen. Zusammen mit ganz speziellem Gräserbewuchs bilden sich typische Hügel. Ulrike Graeber spricht von „Uhrengläsern“, die im Laufe der Jahre wachsen. Eine Besonderheit der Region sind die Salzquellen. Sie sind allerdings vom Wanderweg aus nicht zu erkennen. Mittlerweile gehört fast die gesamte Niederung der Stadt oder der Stiftung Naturschutz. Lediglich ein Landwirt bewirtschaftet noch eigene Flächen – das hat Auswirkungen. Die wirtschaftliche Nutzung ist nämlich nur möglich, wenn das Gebiet entwässert wird. An der Grünen Brücke steht deshalb ein kleines, verfallenes Pumpenhäuschen. Könnte die Pumpe abgeschaltet werden, würde das Areal langsam vernässen und sich zu einer Seenlandschaft mit eigener Tier- und Pflanzenwelt entwickeln. Wie Ulrike Graeber erläuterte, zeichne sich ein Entschädigungs-Kompromiss mit dem Landbesitzer ab. „Dann hätte man das Riesengebiet gewonnen“, ist sie überzeugt.

Um die Niederung auch zukünftig für Besucher offen zu halten, müsste allerdings der vorhandene Weg erhöht werden – entweder mit einer Aufschüttung oder indem er durch eine Bohlenkonstruktion wie im Brenner Moor ersetzt wird.

Andreas Olbertz

Endlich: Baubeginn für Dirt-Park

Bad Oldesloe: Dirt Park

Stormarner Tageblatt vom 25. September 2007

Endlich: Baubeginn für Dirt-Park

Jugendliche hatten mit Antrag Erfolg – Buckelpiste kommt ans Travestadion

Bad Oldesloe / ol

– Es ist geschafft, der erste Hügel steht. Gestern Mittag rollten die Laster an, um die Erde für den Dirt-Park auf der Grünfläche zwischen Trave-Stadion und Berliner Ring abzuladen. Paul Möller und Mirco Preuss strahlten über das ganze Gesicht, genossen den kleinen Medienrummel und freuten sich diebisch, dass es nun endlich los geht. Zusammen mit Mats Basau hatten sie ihr Projekt einer Buckelpiste für Radfahrer immer wieder in den Ausschüssen vorgestellt. Eigentlich kam von politischer Seite auch grünes Licht. Bürgermeister Tassilo von Bary wird nicht müde zu beteuern, dass das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht habe – es war zu nass. Das mag sicher für den ersten Termin Anfang August gegolten haben, doch Beobachtern ist klar, dass da mehr hinter steckt. „Eigentlich hätte das sofort umgesetzt werden können. Aus mir unverständlichen Gründen wurden die Arbeiten auf Eis gelegt“, klagte denn auch WPA-Mitglied Maria Herrmann (SPD). Die CDU befürwortet einen anderen Standort. CDU-Mann und Ausschuss-Vorsitzender Matthias Rohde hatte einen Antrag zu diesem Thema angekündigt. Im Bauamt kennt man die Mehrheitsverhältnisse und hatte deshalb das Thema kurzerhand ruhen lassen. Als Rohde dann amtierender Bürgermeister war, hatte er versucht, in den Prozess einzugreifen, was große politische Verwicklungen zur Folge hatte (wir berichteten).

In den nächsten Tagen werden die Erdhaufen zu drei großen und vier kleinen Rampen und Sprungschanzen geformt.

Dirtpark: Der erste Lehm ist da

Hamburger Abendblatt vom 25. September 2007:

Dirtpark: Der erste Lehm ist da

Zwölf Lastwagenladungen kommen aus dem Neubaugebiet. Die Jugendlichen modellieren ihren Parcours selbst.

Von Alexander Sulanke

Bad Oldesloe -

Jetzt bekommt Bad Oldesloe seinen Dirtpark. Gestern ist auf einem Grünstreifen nahe der Jugendherberge, zwischen Konrad-Adenauer-Ring und Trave-Ufer, der Startschuss gefallen. Die Bauarbeiten sind in vollem Gange.

Dirt. Das ist englisch und bedeutet so viel wie Schmutz. Und vordergründig betrachtet geht es genau darum. Denn ein Dirtpark besteht aus nichts anderem als aus Lehm. Zwölf Lastwagenladungen voll - etwa 100 Kubikmeter - sind es in der Kreisstadt. Sie werden aus dem Neubaugebiet Steinfelder Redder herangefahren und an der Trave abgeschüttet. Dort werden sie von Jugendlichen zu einem Parcours für geländetaugliche Fahrräder modelliert.

"Es gibt inzwischen eine richtige Dirt-Szene", sagt Paul Möller (18). Der Berufsschüler gehört dazu, er hat sich maßgeblich für den Dirtpark eingesetzt und auch die Architektur ersonnen. Die Dirt-Szene sei vergleichbar mit der Skater-Szene. Während die einen auf ihren rollenden Brettern über Betonrampen hüpfen, springen die anderen mit Rädern über Lehmhügel.

Dirt-Bikes heißen die geeigneten Fahrzeuge für derlei Höhenflüge. "Sie wiegen extrem wenig, haben sehr stabile Rahmen und sind gut gefedert", sagt Mirco Preuss (14), der auch zur etwa 30-köpfigen Oldesloer Dirt-Szene gehört. Bislang fahren die Jugendlichen auf der Skate-Anlage auf dem Exer.

Weil das Grundstück am Konrad-Adenauer-Ring der Stadt gehört und der Lehmboden aus dem Baugebiet eine Spende ist, kostet der Dirtpark die Stadt nicht viel. Nur die Lkw-Fahrten und der Einsatz eines Radladers, der den Lehm grob in Form bringt, belasten den Etat. "Das sind ungefähr 2000 Euro", sagt Bürgermeister Tassilo von Bary.

Und doch ist der Dirtpark ein politisches Thema, das auf seine ganz eigene Art und Weise schmutzig ist: An ihm hat sich in der vergangenen Woche der Streit um den stellvertretenden Bürgermeister Matthias Rohde (CDU) entzündet. Rohde, der auch Vorsitzender des Wirtschafts- und Planungsausschusses (WPA) ist, soll den Bau der Anlage zunächst verzögert haben, indem er im WPA einen Antrag zu diesem Thema ankündigte, den er dann allerdings nie stellte. Wie berichtet, versuchte Rohde kurz darauf, als er Bürgermeister Tassilo von Bary im Urlaub vertrat, den Bau an einem anderen Standort zu veranlassen.

Beim Baubeginn verlor Tassilo von Bary darüber kein Wort. "Das Wetter war in diesem Sommer so schlecht, dass wir nicht bauen konnten", sagte er nur, "der Lehm war einfach zu nass."

 

Spielchen in der Politik

 

Stormarner Tageblatt vom 22. September 2007

Stormarner Wochenschau

Treten und vertreten
Spielchen in der Politik

Andreas Olbertz

Es war der Überraschungsknaller der Woche: Die CDU will jetzt doch für viele Gemeinschaftsschulplätze stimmen und ist mit einer kleinen Regionalschule einverstanden. Waren es nun die angeführten pädagogischen Argumente, die zum Umschwung geführt haben, war es die befürchtete Klatsche vom Wähler, der heimliche Wunsch, Matthias Rohde eins auszuwischen, die Angst, die Fraktion könnte am Montag in mehrere Teile zerbrechen oder gar eine zufällige Mehrheitskonstella-tion bei der Fraktionssitzung – ganz egal! Was zählt ist das Ergebnis. Bei so einem wichtigen Thema wie der Zukunft unserer Schulen haben sich alle Fraktionen auf eine gemeinsame Marschrichtung verständigt. Einen Kompromiss, das lag hier nun mal in der Natur der Sache, konnte es in dieser Frage nicht geben. Noch schöner wäre natürlich gewesen, wenn die Lösung, die am Montag vermutlich mit großer Mehrheit beschlossen wird, in einer der zahlreichen GSKA-Sitzungen gemeinsam erarbeitet worden wäre.

Denn wenn man ehrlich ist, muss man feststellen, die ganzen Verzögerungen, die es gegeben hat, weil die CDU noch auf Informationen aus Kiel warten wollte, weil noch Fragen offen waren, weil ... ja warum eigentlich? Die Informationsbasis ist heute noch so dünn wie vor den Sommerferien. Neue Erkenntnisse sind nicht dazu gekommen, vieles beruht unbestritten auf der berühmten Kaffeesatzleserei. Dass die KGS mit der Kurparkschule und dem Kinderheim eng und gut zusammenarbeitet, ist wichtig, aber auch nicht wirklich neu. Ein Abstimmungsgespräch beim Kreis, das schon längst hätte stattgefunden haben müssen, findet hingegen erst am Mittwoch statt.

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Die CDU hat in jüngster Zeit viel Kritik einstecken müssen. Politik wird hier vor Ort ehrenamtlich gemacht. Damit die Akteure dabei bleiben, muss es ihnen in erster Linie Spaß machen. Und der kann natürlich, wenn man ständig Feuer bekommt, schnell mal abhanden kommen. CDU-Vorsitzender und Sprecher Rainer Fehrmann beweist allerdings trotz allem Ungemach Steher-Qualitäten und auch noch Humor. Zum wiederholten Male muss seine Fraktion einen neuen Vorsitzenden für den Sozialausschuss benennen. Er kommentiert das mit launigen Worten: „Wir haben uns an die Grünen gehalten und das Rotationsprinzip eingeführt.“ Das dürfte dann aber auch schon alles an Gemeinsamkeiten sein. Den neuerlichen Abwahlantrag gegen Matthias Rohde als stellvertretenden Bürgermeister von der Grünen wird die Union mit ziemlicher Sicherheit nicht mittragen. Der dürfte eher das genaue Gegenteil bewirken.

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An diesem Wochenende steht die zweite Stadtwette ins Haus. Wenn nicht mindestens 3000 Enten adoptiert werden, muss ein prominenter Oldesloer in die Trave springen. Das ist (ein Tusch bitte): Bürgermeister Tassilo von Bary. Angesichts der gelben Konkurrenz liegt natürlich nahe, dann von Dagobert von Bary zu sprechen – und das ist sogar richtig! Wie uns die Online-Enzyklopädie Wikipedia erklärt, geht der Name tatsächlich auf Dagobert zurück. Auch wenn es in der Stadt vielleicht einige geben wird, die immer schon mal sehen wollten, wie der Bürgermeister baden geht, sollte das niemanden davon abhalten, Enten zu adoptieren – es ist für einen guten Zweck!

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Im Volksmund ist er der „kleine König“ von Oldesloe. In der Verwaltung wird er hinter vorgehaltener Hand nur „Max Wichtig“ genannt und in CDU-Kreisen spricht man von „unserem Ralf Stegner“. Dabei dürfte sich Matthias Rohde selber wohl eher als GröBaZ (Größter Bürgermeister aller Zeiten) sehen.

Dass ihn Parteifreunde mit dem in seiner Partei ungeliebten Ex-Innenminister vergleichen, ist ja fast schon wieder ein Kompliment. Sicher, Stegner ist von den eigenen Leuten abserviert worden, aber er gilt als sehr qualifiziert, hat seine Pensionsansprüche fest im Blick und selbst in existenziellen Krisen bleibt sein Kopf noch kühl genug, dass er sich mal eben als Spitzenkandidaten für die nächste Wahl des Ministerpräsidenten nominiert. Das hat Matthias Rohde auf lokaler Ebene noch nicht getan. Aber das ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, denn die Spatzen pfeifen längst von allen Dächern, dass er angeblich zusammen mit Philipp Wrieden an einer Kandidatur bei der nächsten Bürgermeisterwahl bastelt.

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Bis das so weit ist, muss er sich mit dem Posten als stellvertretender Bürgermeister begnügen. Und in dieser Funktion hat er in der vergangenen Woche für ziemlichen Wirbel gesorgt. Nur eine Woche urlaubte Tassilo von Bary in der Türkei, doch alle Erholung war wie weggeblasen, als er zurück kam und die Zeitung aufschlug und er dort lesen musste, was sein Stellvertreter über ihn verbreitete. Am Montag kam es noch dicker: Gleich vier Mitarbeiter klagten ihm ihr Leid mit Matthias Rohde.

Die Verwerfungen zwischen Tassilo von Bary und dem Ex-Fraktions-Chef der CDU sind so groß, dass der Amtsinhaber ankündigte, bis zum Ende der Legislaturperiode nicht mehr in Urlaub gehen zu wollen. Gewählt wird erst Ende Mai kommenden Jahres und wer weiß schon, wie das ausgeht? Was wohl die werte Gattin dazu sagt? Nicht, dass der Bürgermeister am Dienst zerbricht. Ganz so schlimm wie von unserem Zeichner Götz Wiedenroth ins Bild gesetzt, wird es allerdings nicht kommen – hoffentlich.

Prügelknaben, Menschenkette und bunte Stimmzettel

Stormarner Tageblatt vom 15. September 2007

Stormarner Wochenschau

Prügelknaben, Menschenkette und bunte Stimmzettel

Andreas Olbertz, Volker Stolten

Junge, Junge, das war eine Sitzung, in der die Verwaltung gehörig Prügel bezogen hat – und das von allen Seiten. Der Bau des Dirt-Parks war eigenmächtig gestoppt worden, ein Schreiben der Stadtwerke gammelte zwei Monate im Rathaus vor sich hin, der B-Plan 94 B harrte bereits seit acht Jahren der Vollendung, Schreiben von Bürgern aus Poggensee gab es erst auf Nachfrage, und der Verwaltungsvorschlag, wie Anlieger zukünftig über Straßenbaumaßnahmen informiert werden sollen, konnte ebenfalls nicht vorab beraten werden . . . Ganz ehrlich, das sah alles wenig kompetent aus. Erschreckend war, dass es keine schlüssigen Erklärungen gab, wie es zu den Pannen kommen konnte – Fehler dürfen ja passieren, aber dann muss man sie doch analysieren, um es zukünftig besser zu machen.

Gelegentlich konnte man allerdings auch den Eindruck gewinnen, dass gewisse Leute im Hintergrund ihre Finger im Spiel hatten. Wie fragte Hans-Hermann Roden beim Dirt-Park: „Nur auf den Verdacht hin, dass etwas kommen könnte, haben Sie sicherheitshalber gar nichts gemacht?“

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Was war das denn? Ein spontaner Alzheimer-Anfall? Dass die CDU die Fahrrad-Buckel-Piste partout nicht auf dem Gelände zwischen Travestadion und Adenauer-Ring haben will, ist seit der Juni-Sitzung des Sozialausschusses ziemlich offensichtlich. Warum das so ist, bleibt unklar. Matthias Rohde und Siegfried Wobig argumentierten plötzlich in der jüngsten Sitzung des WPA, das Protokoll der vorherigen Sitzung, für dessen Richtigkeit sie kurz zuvor noch die Hand gehoben hatten, sei falsch. Angeblich war ein ganz anderes Grundstück gemeint. Ah ja. Der Hinweis, dass ein Irrtum ausgeschlossen sei, schließlich hätten sogar Luftbilder vorgelegen, ließ sie allerdings ganz schnell verstummen.

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Da scheint jemand seine wahre Berufung gefunden zu haben. Matthias Rohde ist dieser Tage offenbar ein paar Zentimeter größer als sonst und strahlt sichtbar. Tassilo von Bary ist momentan nicht da, und dann ist er amtierender Bürgermeister. Andere belassen es dabei, gelegentlich im Rathaus reinzuschauen, nach dem Rechten zu sehen und vielleicht Urlaubsanträge abzunicken. Nicht so der Ex-Vorsitzende der CDU-Fraktion: Dem sieht man an, dass er nicht als Grußaugust auf dem Bürgermeistersessel sitzen möchte: Der will was bewegen. Beim Verkauf des Mohr-Parkplatzes hatte er ja schon mal die Gelegenheit, aktiv zu werden. Wir erinnern uns: Er hat der Stadt die Parkeinnahmen gesichert. Das ist zwar nicht wirklich ein Ersatz für das Trave-Center, aber besser als gar nichts. Jetzt will Rohde zum Retter des Dirt-Parks werden. Als im Ausschuss Differenzen mit den Stadtwerken offenbar wurden, hat er deren Chef gleich für den nächsten Morgen zum Gespräch einbestellt. Gestern verkündete er stolz: „Es zeichnet sich eine Lösung ab. Da kann Herr von Bary sich am Montag ins gemachte Nest setzen. Es ist erledigt, was er zwei Monate versust hat.“ Schau’n mer mal.

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Namentliche Abstimmung!? Schon mal gehört? Im Bundestag werden dann die Abgeordneten einzeln aufgerufen und rennen mit bunten Stimmzetteln zu einer durchsichtigen Wahlurne. Viel Bohai, und was kommt dabei rum? Die SPD hat jetzt diese Karte ausgespielt. Namentliche Abstimmung in der Schulfrage am 24. September. Das wird doch wohl niemand mit einer geheimen Abstimmung verwechselt haben? Das wäre in der Tat ein Mittel, um Abweichler der anderen Fraktion auf seine Seite zu ziehen. Ob das mit namentlicher Abstimmung gelingt, darf bezweifelt werden, das schweißt die CDU vermutlich eher zusammen. Während in normalen Protokollen nur vermerkt wird: 8 Ja-, 7 Nein-Stimmen, würde dann akribisch festgehalten, wer wofür seine Hand gehoben hat. Man darf gespannt sein, ob die anderen auch noch Kaninchen aus dem Hut zaubern.

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Die erste von zwei Stadtwetten haben wir in Oldesloe also hinter uns. Und siehe da, sie wurde gewonnen – oder verloren, je nachdem, auf welcher Seite man steht. Fakt ist: Obwohl die Wettervoraussetzungen mit bescheiden noch schmeichelhaft beschrieben sind, war die Fußgängerzone ziemlich voll. Die Menschenkette kam zustande. Respekt, wer hätte das erwartet.

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Achtung Ironie: Wenn man einen Blick auf www.cdu-bad-oldesloe.de wirft, erfährt man, wo die Partei die Prioritäten setzt und wo in der Stadt die Entscheidungen fallen. Bei den Terminen ist die Stadtverordneten-Sitzung am 24. September eingetragen: 19.30 bis 21.30 Uhr. Wie die Christdemokraten das Ende vorhersagen können . . . egal. Interessant ist aber, dass die Fraktionssitzung am 18. September von 19 bis 22 Uhr angesetzt ist – eine glatte Stunde länger! Das lässt doch tief blicken, oder?

 

Stormarner Wochenschau

 Stormarner Tageblatt vom 8. September 2007

Stormarner Wochenschau

 Rolf Blase,  Andreas Olbertz, Volker Stolten

Das Stormarner Tageblatt war vergangenes Wochenende mit einem eigenen Staffel-Team beim Flensburg Marathon dabei. Manfred Degelow, Ina Herrmann, Birgit Papke-Seutter, Detelf Romig und Christoph Asmussen belegten den 29 Platz von 151 Staffeln. Respekt! Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Läufer entwickeln ja eine eigene Sprache. Die Organisatoren sprachen beispielsweise von einer „leicht anspruchsvollen Topografie“. Ah ja. Im Klartext bedeutet das, es geht reichlich bergauf und wieder bergab. Und wenn von „ziemlich erfrischenden Duschen“ die Rede ist, wissen Insider Bescheid: Das Wasser ist kalt. Im nächsten Jahr wird das für die Oldesloer ein Ansporn sein, noch früher im Ziel zu sein, um noch warm duschen zu können.

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Ein Ausschussvorsitz entwickelt sich zum Schleudersitz. Erst Armin Baghai, dann Uwe Wilken, jetzt Birgit Reichardt-Mewes – einer nach dem anderen schmeißt die Brocken im Gleichstellungs-, Sozial- und Kulturausschuss hin. Die politische Konkurrenz lacht sich ins Fäustchen. Anita Klahn (FDP): „Wie lang ist eigentlich noch die Halbwertszeit eines GSKA-Vorsitzenden? Gefühlt würde ich sagen, sie halbiert sich jedes Mal.“ SPD-Fraktions-Chef Hagen von Massenbach: „Mindestens vier Vorsitzende in nur einer Legislaturperiode – das hat schon was.“

Auslöser für den jüngsten Rücktritt ist der Zwist um die Zukunft der Oldesloer Schulen. Da zieht sich offenbar ein tiefer Graben durch die CDU, während sich die anderen Parteien ausnahmsweise ziemlich einig sind. Und weil sich die CDU entgegen ersten Andeutungen doch nicht dazu durchringen konnte, den Fraktionszwang in dieser Frage aufzuheben, kracht es jetzt im Karton. Mit sichtbaren Auswirkungen. Wer die rigorose Linie nicht mittragen will, bleibt eben mal zu Hause. So geschehen im jüngsten GSKA – und schon war die CDU-Mehrheit dahin. Da ein Ausschuss ja nicht endgültig beschließen kann, sondern nur Empfehlungen gibt, wurde die finale Abstimmung auf die Stadtverordnetenversammlung am 24. September vertagt. Mal sehen, ob der Drei-Stimmen-Vorsprung dann reicht. Es wird spannend.

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Zwei Dumme ein Gedanke könnte man meinen: Die Stadt organisiert seit Monaten ihren Tag des Sports, die GOK die venezianische Woche und beide kommen auf die grandiose Idee, eine Stadtwette anzubieten. Supi! Bei den Einen soll Prosecco durch die Innenstadt pütschern und bei den anderen zwei Wochen später Plastikenten über die Trave plätschern. Die GOK macht am Montag ab 18.30 Uhr den Auftakt. Die Dekoration dazu hängt schon: Bunte Stofflappen an Drahtseilen und Banner mit Bild, die vom Wind so zusammengeschoben werden, dass nichts mehr zu erkennen ist. Etwa zeitgleich tagt übrigens auch der Planungsausschuss. Bei der Sitzung im Stadthaus steht unter anderem die Attraktivierung der Innenstadt auf der Tagesordnung. Von der GOK wird da wohl keiner Zeit haben, um sich an der Diskussion zu beteiligen.

Stormarner Wochenschau

 

Stormarner Tageblatt vom 28. Juli 2007

Stormarner Wochenschau

Unterschiedliche Interessen prallen aufeinander

Biertrinker und Wasserratten

Andreas Olbertz

Was für eine Einigkeit. Was für ein harmonisches Bild beim Schulverband. Auf der einen Seite die Dorfbürgermeister oder ihre Vertreter und auf der anderen die Oldesloer Stadtvertreter mit ihrem Verwaltungs-Chef – fein säuberlich getrennt und auf der Stadtseite auch nach Parteien sortiert. Bloß nicht neben dem Falschen sitzen, könnte das Motto gewesen sein. Nach der Sitzung ging es munter weiter. Auf der einen Seite wurde locker beratschlagt, wo man denn hingehen könne, um den Abend mit einem Bierchen gemütlich ausklingen lassen zu können und auf der anderen Seite wurde im Pulk hektisch um den Termin der nächsten Sozialausschuss-Sitzung gefeilscht. Das wiederum ist eng mit der Frage verknüpft, wann sich die CDU zu einer Entscheidung durchringen kann. Wobei man fragen muss, ob die CDU das streng genommen nicht längst getan hat, bis auf zwei Schulverbandsmitglieder (die haben sich enthalten) haben alle ihre Hand für den Beschlussvorschlag gehoben, bis Mitte September für eine Umwandlung der Schule am Masurenweg zur Gemeinschaftsschule zu stimmen.

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Verwaltung hat vorgeschlagen, Politik hat zugestimmt und als die Betroffenen es spitz bekommen haben, war es schon zu spät: Am Ausbau der Gehwege an der Travenhöhe ist nichts mehr zu machen. Daran konnte auch die Anliegerversammlung mit der Verwaltungsspitze nichts mehr ändern. Oder vielleicht doch? Die angeregte Diskussion machte deutlich, dass jeder andere Sichtweisen oder andere Interessen hat und die auch mal laut, mal eloquent zu vertreten wusste. Wenn man nicht geschlossen auftritt, darf man sich nicht wundern, dass andere einem die Entscheidung abnehmen. Genau das ist in diesem Fall geschehen, obwohl es durchaus auch in dieser vertrackten Situation noch Alternativen gegeben hätte.

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Auf das Wetter ist diesen Sommer keinen Verlass und auf die Öffnungszeiten vom Freibad Poggensee offensichtlich auch nicht. Bei gutem Wetter ist zu und bei mäßigem dann doch auf. Das haben die Freibadbesucher diese Woche wieder erfahren müssen Proteste häufen sich mittlerweile. Für Viel-Schwimmer wie Renate Walter grenzt das schon an Willkür. Da sind echt pfiffige Lösungen gefragt. Eine – zwar nicht für Wasserratten, aber doch für erfolglose Ferien-Job-Sucher – hat unser Karikaturist Götz Wiedenroth sich in dieser Woche einfallen lassen. Manchmal muss man eben aus der Not eben eine Tugend machen.

Des Landrats scharfer Senf

Stormarner Tageblatt vom 21. Juli 2007

Stormarner Wochenschau

Krümmel und andere Themen mit Strahlkraft

Des Landrats scharfer Senf

Von Andreas Olbertz und Volker Stolten


Schmidti kann’s nicht lassen. Der Zufall wollte es, dass der scheidende Rektor Dieter Schmidt in diesem Jahr die Rede beim Vogelschießen halten sollte. Hat er auch getan, es hat bloß niemand was verstanden, weil, was für ein Zufall, ausgerechnet da das Mikro ausfiel. Es ist natürlich pure Spekulation, aber in der Gerüchteküche brodelt es heftig. Dieter Schmidt ist als spitzzüngig und streitbar bekannt – ob da jemand vorgesorgt hatte, dass seine Abschiedsadresse untergeht? Dafür gibt es ja das Internet. Dort tauchte jetzt eine Niederschrift auf (www.lokalinfo.eu/Bad_Oldesloe/100/aktuelles_detail.html). Und in der Tat, die Ansprache hatte es in sich: Witz, Ironie und natürlich Kritik. Die in Oldesloe Herrschenden seien der Meinung, dass es den Straftatbestand der Majestätsbeleidigung noch gebe und verhängten entsprechende Strafen. Etwas später wird angeprangert, dass die Stadtschule keinen Lehrer Parkplatz hat und dass er, Schmidt, im Internet von einer Organisation angegriffen werde.

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Auf der CDU-Homepage steht noch mehr Interessantes. Dort werden jetzt neun Gründe für die Regionalschule aufgelistet. Die sind auch bitter nötig, denn bislang hat den Sinn und die Qualität dieser Schulform außer eingefleischten Christdemokraten noch kaum jemand erkannt. Besonders wichtig ist der Letzte Punkt. Dort heißt es: „Es gilt an beiden Schulen die gleiche Wochenstundenzahl, die gleiche Lehrerarbeitszeit und die gleiche Förderung für Ganztagsschulen.“ Alle Befürworter der Gemeinschaftsschule werden aufjubeln: „ENDLICH!“ In der bisherigen Schuldiskussion waren nämlich genau diese Punkte der Mehrheitsfraktion noch unklar, sie konnte sich nicht zu einer Entscheidung durchringen und blockierte damit die Umsetzung des Elternwillens. Die jüngsten Signale lassen allerdings nicht erkennen, dass es doch noch vor September zu einer eindeutigen Beschlusslage kommt. Vielleicht erhalten Interessierte am Montag ja etwas mehr Klarheit. Da tagt der Schulverband ab 19 Uhr in der Masurenwegschule. Daran nehmen auch etliche CDUler teil.

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Ein Leisetreter ist er nun wahrlich nicht. Mehr ein Hans-Dampf-in-allen-Gassen, der mit der Hand schon mal kräftig auf den Tisch haut und per Mund-zu-Mund-Propaganda seinen Senf zu allem und jedem dazu gibt: Landrat Klaus Plöger. Sogar die atomare Krümmel-Pleite kann sich Plöger nicht verkneifen und steuert seinen Senf à la Karikatur gleich löffelweise bei. Er ist zwar nicht zuständig und findet gleichfalls kein Gehör, wie er selbst zugibt. Aber das hindert den resoluten Landrat nicht daran, pressewirksam zu wettern. Das erinnert – mit Verlaub – eher ans Schattenboxen. Auf der anderen Seite ist es zweifelsfrei besser, jemanden in den Stormarner Reihen zu haben, der sich einbringt und kümmert, als einen, der genau das Gegenteil tut. Jede Ähnlichkeit mit dem blauen CDU-Blut Carl-Eduard von Bismarck wäre rein zufällig. Dabei heißt es doch: Adel verpflichtet! In diesem speziellen Fall sind wohl eher die Fettnäpfchen gemeint, in die (nicht nur!) der auch bei Parteikameraden umstrittene Bundestagsabgeordnete reingetreten ist.

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Nicht nur die Mühlen der Justiz mahlen mitunter langsam, auch die der Politik. Bei der Verwirklichung eines 1,8 Kilometer langen Radweges zwischen Bargfeld-Stegen und Jersbek war auf jeden Fall der Rückwärtsgang eingelegt. Satte 37 Jahre hat es gedauert, bis die Bahn endlich frei war und in dieser Woche feierlich eingeweiht wurde. Nun ist angedacht, die Trasse bis zur alten Allee zu verlängern. Einweihungstermin: Juli 2044!?

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Leute, da habt ihr einen tollen Job gemacht! Das muss man den Organisatoren des ersten Klangstadt-Open-Air-Festivals deutlich sagen. Es waren zwei klasse Tage auf dem Exer, abwechslungsreiches Programm, professionelle Organisation und humane Preise. Da gibt es nichts zu mäkeln und aller Ärger über Bedenkenträger und Blockierer ist sicher vergessen. Oldesloer haben bewiesen: Für hochkarätige Konzerte muss man nicht zwangsläufig nach Hamburg fahren.

Dank der Rocker von Lluther wird der Name Bad Oldesloe in die europäischen Metropolen getragen – das ist, bei allem „Unterhaltungswert“, den das Festival hatte, echtes Marketing. Das darf man nicht vergessen, wenn bei der Endabrechnung eventuell ein paar Euro fehlen und wenn über die Frage einer Neuauflage entschieden wird.

Keine Frage, das Festival hätte mehr Publikum verdient gehabt. Das wird bestimmt nächstes Jahr kommen, weil dann klar ist, Klangstadt und Meddewader können das.

 

Stormarner Wochenschau

 

Stormarner Tageblatt vom 14. Juli 2007

Stormarner Wochenschau

Von Ämtern, Bäumen und Birnenschnaps

Nicht nur „Hoch-Zeiten“

Andreas Olbertz und Volker Stolten

Das war eine kleine ironische Spitze, die nur Insider verstanden haben: Vergangenes Wochenende sind einige hundert Demonstranten durch die Oldesloer Innenstadt gezogen, um ihre Solidarität mit dem Ini-Haus zu signalisieren. Der Demozug führte auch über den Kirchberg, wo zu dem Zeitpunkt gerade Flohmarkt war. Dort hat Pastor Volker Hagge quasi im Vorbeigehen alte Festplatten erstanden und die am Ende Uwe Teut, dem Vorsitzenden der hiesigen Polizeigewerkschaft, überreicht: „Für den Fall, dass die Polizei mal wieder Bedarf an Festplatten hat.“ Er verband das Geschenk mit dem Dank für die Unterstützung. Rumms, das hatte gesessen! Festplatten spielen bei den Vorwürfen gegen das Ini-Haus eine ganz zentrale Rolle, und Uwe Teut hat in seinem Umfeld absolut keinen Hehl daraus gemacht, dass die Anschuldigungen sowie die Durchsuchung absolut berechtigt waren.

Als besonders schlauer Fuchs erwies sich Bürgermeister Tassilo von Bary. Er verfolgte die Demo im feinen Zwirn vom Café aus. „Bleibt alles ruhig? Okay, dann klinke ich mich ein und spreche auch ein paar Worte der Solidarität.“

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Jugendliche und Alkohol, das ist ein unschönes Thema. Nach zahlreichen Ausfällen im vergangenen Jahr, hatte die FDP gefordert, beim Oldesloer Kinder-Vogelschießen stärker auf den Jugendschutz zu achten. Das ist löblich. Aber wie wäre es denn, wenn Politik und Verwaltung mit gutem Beispiel vorangingen? Schon bevor der Umzug los geht, wird an der TMS der erste Sekt geköpft. Nach dem Umzug geht’s im Festzelt bei Bier munter weiter und abends klingt die Feier mit Schnittchen und legendärem Birnenschnaps aus – „same procedure as every year“. Dem Vernehmen nach sollen einige mehr als nur angeheitert gewesen sein. Und da wundert sich noch jemand über saufende Jugendliche? Das ist ein Kinderfest!

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Wer ist eigentlich der beliebteste Oldesloer? Wenn man dazu die Kinder befragen würde, dürfte es nach dem Vogelschießen eigentlich kaum zwei Meinungen geben. Am Kirchberg erklang aus dem Zug heraus immer wieder der fröhliche Ruf: „Wo ist Henning?“ „Da ist Henning.“ „Halloooh, Henning!“ Kirchenmusiker Henning Münther strahlte angesichts der vielen kleinen Fans, wie man ihn sonst nur an „seiner“ neuen Orgel strahlen sieht. Ganz offensichtlich trifft er im Umgang mit seinen vielen Chormitgliedern genau den richtigen Ton.

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„Komm unter meine Decke und da mach es dir bequem“, sang schon Gunter Gabriel. Dazu – wie auf unserer Karikatur so trefflich überspitzt dargestellt – wird es aller Voraussicht nach nicht kommen, so weit geht die Kuschelei dann doch nicht, auch wenn‘s zwischen den Ämtern Bad Oldesloe-Land und Bargteheide-Land gefunkt hat. Aber wenigstens zu einer Zweckehe haben sich die beiden Amtspäpste Peter Lengfeld und Helmut Drenkhahn sowie die Verwaltungs-Ikonen Bernd Sulimma und Gudrun Wramp durchgerungen. Wenn dann noch als Hochzeitsgeschenk Kooperationen mit den Städten Bad Oldesloe und Bargteheide herausspringen – umso besser. Doch danach sieht es derzeit nicht gerade aus: Bargteheide ärgert sich über die forsche Vorgehensweise von Braut und Bräutigam nach dem Motto: „Platz da, jetzt kommen wir“ schwarz und plädiert für einen angemessenen Umgangston. Zudem soll das Brautpaar mit gespaltener Zunge sprechen. Bad Oldesloe indes würde die Braut am liebsten selbst „vernaschen“ und vor den Traualtar führen. Aber wie heißt es so schön: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben! Trotzalledem sehen die Christdemokraten der Kreisstadt noch einen Silberstreif am Horizont. Schon allein deshalb, weil „Pastor“ Stegner selbst noch Einwände gegen die Stormarnsche Vermählung hat. Ohne Rücksicht auf Verluste macht sich deshalb die Oldesloer CDU für die Fusion der Amtsverwaltung mit der Stadt stark. Die Aussagen von der Gegenseite lassen an Klarheit allerdings absolut nichts zu wünschen über: Die wollen nicht. Da gibt es Befindlichkeiten und Ängste, gegen die man nicht ankommt. Und trotzdem lässt die CDU auch nach den jüngsten Aussagen von Lengfeld und Drenkhahn nicht locker. Ausgerechnet die CDU sammelt Munition, und lässt sich das 22 000 Euro kosten, um den ungeliebten SPD-Innenminister Dr. Ralf Stegner im Kampf um die Amtsverwaltung richtig gut auszustatten. Das hat schon was von verkehrter Welt.

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Dieser Eindruck verstärkt sich noch, wenn man in dieser Angelegenheit einen Blick auf die SPD wirft. Hallenbad, Schulreform – da präsentieren sich die Genossen gut aufgestellt, fahren einen klaren Kurs und haben sich im Gegensatz zur CDU eindeutig positioniert. In Sachen Ämterfusion gab es bislang über die Parteigrenzen hinweg immer einstimmige Beschlüsse. Als es jetzt im Finanzausschuss zum Schwur fürs Gutachten kommen sollte, blieben die Hände der SPD-Abgeordneten unten. Das sorgte bei Ausschuss-Vorsitzender Susanne Pöhls (CDU) und Karl-Reinhold Wurch für Verstimmung. „Im Hauptausschuss waren wir uns noch alle einig“, wetterte der Liberale: „Und jetzt schwenkt die SPD plötzlich um.“ Was dort beraten worden war, hatte dummerweise, so sickerte inzwischen durch, seinen Weg nicht in die Fraktion gefunden und die hat daraufhin ganz pragmatisch beschlossen: Der Preis ist hoch, die Erfolgsaussichten sind gering – das Geld können wir uns sparen. Da kriegten die Sozis im Finanzausschuss, Dieter Knoll und Björn Wahnfried, aber von den anderen was zu hören. Um die Verwirrung komplett zu machen, enthielten sie sich daraufhin der Stimmen. Und jetzt hängt der Fraktionssegen schief, auch wenn Jürgen Voigt (SPD) – Vorsitzender des Hauptausschusses – staatsmännisch feststellt: „Vom Grundsatz steht, was wir beschlossen haben.“ Aaah ja. Wäre schön gewesen, wenn das alle vorher gewusst hätten, hört man dazu aus der Fraktion.

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Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Den haben jetzt bis auf die WfB (Wählergemeinschaft für Bargteheide) alle im Ausschuss für Grünordnung beschritten und somit nur über eine Linde statt fünf Bäume am Mittelweg das Todesurteil gefällt. Statt drei werden nur noch zwei Parkplätze angelegt. Der von der Verwaltung eingebrachte Kompromissvorschlag wäre sicherlich nicht erfolgt, wenn es zum dem heiklen Thema nicht so viele Stellungnahmen gegeben hätte. Kleiner Protest, große Wirkung!

Stormarner Wochenschau

 

Stormarner Tageblatt vom 7. Juli 2007:

Stormarner Wochenschau

Die Witwe, der Wahlkampf, das Wahrzeichen

Alles nur Theater

Rolf Blase, Andreas Olbertz, Volker Stolten

In Bargteheide sehen einige den Wald vor lauter Bäumen nicht und agieren wie die Axt im Walde. Fünf am Mittelweg stehende Bäume sollen einen Kopf kürzer gemacht und aus dem Weg geräumt werden, damit dort lächerliche drei Parkplätze entstehen können – quasi als Tribut für die Kaufleute, die im Zuge des Rathausstraßen-Liftings auf einige Stellflächen verzichten müssen. Meine Herren Stadtvertreter, die Riesen der Natur haben nicht nur die älteren Rechte, sondern auch ein Recht darauf, in Ruhe den Lebensabend in der lebendigen Stadt verbringen zu können. Bei der CDU, die den Dolch für den Stoß in die Borke schon fest umklammert und dafür sogar eine kostspielige B-Plan-Änderung durchgeboxt hat, heißt es lapidar: Das trage zur Belebung der Innenstadt bei. Ferner müsse der angrenzende Teich durch Sichtachsen wieder erlebbar gemacht werden. Das mag schon sein, aber das ginge sicherlich auch einfacher und vor allem viel billiger, als auf diese hanebüchene Art. Ich mag mir gar nicht den Boom vorstellen, den diese drei Parkplätze auslösen werden. Wenn es nicht so traurig wäre – siehe Karikatur – könnte man über diesen Schildbürgerstreich herzhaft lachen.

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Auch in der Großen Straße in Ahrensburg werden viele Bäume gefällt. Dass es bislang noch keinen Protest gibt, mag daran liegen, dass viele Ahrensburger es wohl noch gar nicht realisiert haben – und viele neue Bäume gepflanzt werden sollen. Mit Natur hat das aber nicht besonders viel zu tun. Die Große Straße soll eine Flaniermeile mit „Aufenthaltsqualität“ werden, und dafür werden dort neue Linden gepflanzt – im regelmäßigen Abstand und regelmäßig in Kastenform geschnitten. Wer seinen Wagen mal im Sommer unter Linden parkte, weiß allerdings, dass es mit der Aufenthaltsqualität auch nicht weit her ist.

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Die Oldesloer CDU will schon lange mit aller Macht einen Wanderweg zum Wolkenweher Weg durchsetzen und in dieser Woche hat sie es auch geschafft. Gegenwind gab es vom BUND. Es ist gut, wenn sich so eine Organisation für Umweltschutzbelange einsetzt, ihre Finger in die Wunden legt und Klartext redet. Wenn in dieser Angelegenheit aber ausgerechnet Kay Gladigau, laut Homepage BUND Ansprechpartner für Stadtentwicklung, die Bühne betritt und Pressemitteilungen verschickt, dann ist etwas verwunderlich. Oder auch nicht. Sein Haus liegt genau gegenüber vom Wanderweg. Damit da aber nicht gleich jeder Unwissende drüber stolpert, hat er als Absender vorsichtshalber die Adresse seines Büros angegeben. Das ändert zwar nichts daran, dass die CDU die Bedenken überhaupt nicht gelten ließ, aber es zeigt, dass es auf allen Seiten Beweggründe gibt, die nicht immer nur politisch sind.

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„Wenn ich nicht alles weiß, kann ich auch nicht entscheiden. Das ist nun mal so“, begründetet Birgit Reichardt-Mewes im Sozialausschuss, warum die CDU noch nicht über die Gestaltung der Oldesloer Schullandschaft entscheiden kann. Das ist eigentlich vernünftig, dagegen könnte man nichts sagen. Eltern und Lehrer bezweifeln allerdings, dass die eingeforderten Zahlen über die Lehrerversorgung irgendeine Aussagekraft haben. Andere Stimmen gehen sogar davon aus, dass es noch lange dauern kann, bis sich die große Koalition in Kiel zu einer Entscheidung durchringt. Und dann war da diese Woche ja auch noch der Planungsausschuss. In dem hatten die Christdemokraten den Antrag gestellt, die Ortseingänge zu verschönern. Unter anderem sollen Schilder aufgestellt und Kreisverkehre bepflanzt werden. Kein schlechter Vorschlag. Aber ein klares Konzept, ganz zu schweigen von einer Kostenschätzung, gibt es nicht. Dieses Mal focht das die CDU aber nicht weiter an. Sie stellte der Verwaltung einen Blanko-Scheck für Verschönerungsmaßnahmen aus. Da kann man schon verstehen, wenn SPD-Mann Jens-Pieter Friese nach der Abstimmungsniederlage bei der Schulfrage schimpft: „Gewisse Sachen powern Sie einfach so durch, aber wenn es um unsere Kinder geht, kneifen Sie.“

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Kommunalpolitik ist ein Ehrenamt, ein Hobby, das Spaß machen soll. Der kommt den Oldesloer Akteuren aber regelmäßig abhanden. Nicht nur, dass der politische Gegner immer mal wieder besonders böse ist, nein, seit einiger Zeit haut auch die Verwaltung mächtig auf den Putz, droht und schüchtert ein. Der Bürgermeister hat Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet, angedroht, dass bis zu 10 000 Euro Bußgeld verhängt werden könnten, und aus dem Bauamt verlautete jetzt im Planungsausschuss, dass die Sitzungsteilnehmer namentlich erfasst und gegebenenfalls persönlich haftbar gemacht würden. Hossa, was werden da schwere Geschütze aufgefahren. Das erzeugt in allen Fraktionen Unmut. Wehe dem, der nicht spurt. Wehe dem, der anderer Meinung ist und damit auch nicht hinterm Berg hält. Angesichts eines solchen Klimas darf es nicht wundern, dass immer weniger Leute Lust haben, sich zu engagieren. Angst ist kein Umfeld für kreatives Arbeiten. Vielleicht sollte man es mal mit Vertrauen und Ehrlichkeit versuchen. Vielleicht gelingt es dann ja, Ideen zu entwickeln, die die Stadt wirklich voranbringen.