"Vom Bierbrauen und Gerben zu Wassermühle und Sohlgleite"

- Die Trave - das Buch von Dr. Brembach

- Dr. Brembach wird dicht umlagert

- Erläuterungen am Pferdemarkt1

- Erläuterungen am Pferdemarkt2

- Rosi Behrend weist den Weg

- FIT-Chef Günter Finck unter den Gästen

- Dr. Brembach an der Bürgermeister-Insel
Die SPD Bad Oldesloe hatte am 18. Oktober 2007 zur vierten naturkundlichen Exkursion mit dem Biologen und Buchautoren Dr. Manfred Brembach eingeladen und über 40 Gäste kamen.
Zu Beginn der Exkursion an der Travebrücke bei der Jugendherberge gab Dr. Brembach einige Erläuterungen zur Trave und der Geschichte der Besiedlung am Zusammenfluss von Trave und Beste.
Die Trave gilt mit ihren 113 Kilometern heute als der längste Fluss in Schleswig-Holstein, nachdem die Eider durch den Nord-Ostsee-Kanal nicht mehr als durchgängiger Fluss betrachtet werden kann. Kurios ist an der Trave, dass sie trotz ihrer Länge nach einem U-förmigen Verlauf nur etwa 20 Kilometer von ihrem Ursprung in die Ostsee mündet.
Der Zusammenfluss von Trave und Beste, durch deren beider knieförmigem Verlauf zwei Halbinseln geschaffen wurden, bot ideale Bedingungen für eine frühe Besiedlung. Eine Furt durch die meist sehr sumpfige Trave und das Vorhandensein von Salzquellen begünstigten das Entstehen von zwei Ansiedlungen, einer slawischen im Bereich des heutigen Marktplatzes und einer christlichen im Bereich der heutigen Peter-Paul Kirche. Beide Siedlungen wuchsen letztlich zu einer einzigen zusammen, aus der schließlich „Tadeslo“ oder „Odeslo“ hervorging.
Die Brücke an der Jugendherberge war mit Bedacht als Startpunkt gewählt, da hier zwischen 1875 und 1952 die bekannte Flussbadeanstalt lag. Letztes Zeugnis davon ist das alte Badehaus, das heute von der Jugendherberge und den zahlreichen Bootfahrern auf der Trave genutzt wird. Zuletzt 1930 ausgebaggert, musste die Badeanstalt dann 1952 wegen gesundheitsgefährdender Belastung der Trave geschlossen werden.
Gleich bei der nächsten Brücke zu den Kleingärten neben dem Travestadion räumte Dr. Brembach mit einem oft zitierten Gerücht in der Oldesloer Geschichte auf: Oldesloe war immer die Stadt der Schuster und Gerber, aber nie Standort einer Brauerei. Auch die Hoffnung, mit Salzquellen der Stadt Reichtümer zu erwerben, erwies sich als Flop, vermutlich, weil schon von Heinrich dem Löwen Salzgehalt und -qualität völlig überschätzt wurden.
Aber die zeitweise bis zu 60 Gerbergruben drückten der Stadt ihren Stempel auf. Die Trave musste durch die Zeit als Abfallstelle für alles herhalten, was es in der Stadt damals wegzukippen galt: Tierhaare und die Reste der Gerblohen, häusliche Abfälle aller Art, Druckereifarben, Schlachtreste und Molkereireste. Dies alles führte zu einem ständigen Gestank in der Stadt. Der heute noch gebräuchliche Ausdruck „stinkreich“ ist auf das einträgliche, aber auch mit starkem Geruch verbundene Gerbereihandwerk zurückzuführen.
Die Mühlengeschichte der Stadt reicht sehr weit zurück. Bereits 1361 wurde eine der beiden Oldesloer Mühlen urkundlich erwähnt. Chronist Bangert ist überzeugt, dass die Lohmühle bereits 1461 existiert hat, es an dieser Stelle vermutlich aber schon viel früher eine Mühle gegeben hat. Dementsprechend alt ist auch der Mühlgraben, der unter der Lübecker Tor Brücke hindurchfließt und die Innenstadt um den Marktplatz zur Insel werden ließ.
Durch die Jahrhunderte gab es Streitigkeiten um die Stauhöhe der Trave zwischen den beiden Mühlen, der Lohmühle und der fiskalischen Kornmühle am Kirchberg. Diese Mühle wurde 1375 erstmals urkundlich erwähnt. Aufgrund der besseren gesellschaftlichen Stellung (sie war bis 1866 in gräflichem bzw. herrschaftlichem Besitz und damit außerhalb der städtischen Zuständigkeit) erhielt die noch heute erhaltene Kornmühle am Kirchberg letztlich das vorrangige Staurecht. Dieses wurde aber immer wieder von den Betreibern der Lohmühle verletzt. 1997 endete die Mühlengeschichte Bad Oldesloes mit der Schließung der Ströh’schen Mühle am Pferdemarkt.
Der Versuch der Oldesloer, mit einem Hebegeld von wenigen Pfennig je Boot den Betrieb der damals vorhandenen Schleuse an der Lohmühle zu finanzieren, führte zu erheblichen Verstimmungen mit den die Trave beherrschenden Lübeckern, die das als unzulässigen Zoll an „ihrem“ Wasserweg betrachteten. Zu Zeiten der Hanse war die Trave ein wichtiger Verkehrsweg zwischen Nord- und Ostsee und verlieh Oldesloe eine hohe Bedeutung.
Mit dem Niedergang der Hanse verlor Oldesloe jedoch diese Bedeutung und fiel wieder in den Stand einer „Ackerbürgerstadt“ zurück, berichtete Dr. Brembach. Der Bau einer Eisenbahn zwischen Hamburg und Lübeck, die Einweihung des „Kaiser Wilhelm Kanals“ (heute Nord-Ostsee-Kanal) und der Bau der Autobahn machten die ohnehin schwer schiffbare Trave als Verkehrsweg völlig überflüssig.
Dr. Brembach bedauerte, dass im heutigen Bad Oldesloe der Bezug zur Trave keinen praktischen, tourismusorientierten Stellenwert hat. Immerhin wird unser Stadtbild durch die Trave und die Beste maßgeblich geprägt, viele Traditionen (z.B. das Ruderbootfahren auf der Trave oder die herbstlichen Lampionfahrten) sind verschwunden, Neues ist nicht entstanden. Um so höher sind Bemühungen der letzten Zeit zu beurteilen, die Trave wieder in städtische Feierlichkeiten (Treidlerfest, Entenwettrennen, Paddelbootwettbewerb) einzubeziehen.
Die beiden Sohlgleiten im Stadtgebiet sind - nach den für den Fluss unglückseligen vielen Begradigungen und Querverbauungen der letzten Jahrhunderte - ein Segen für die Wasserlebewelt der Trave. Zudem stellen die Sohlgleiten für Dr. Brembach wichtige neue Attraktionen für die Stadt dar. Die Sohlgleite am Lübecker Tor bedarf jedoch einer regelmäßigen Pflege.
Die erhebliche Verschmutzung und Verstopfung durch Treibgut in diesem Jahr führte im Stadtarm und oberhalb der Stadt zu einem hohen Wasserstand der Trave, der sich bis hin zur Grünen Brücke bei Wolkenwehe in einer Überschwemmung des Wanderweges ausgewirkt hatte. Dank des ehrenamtlichen Einsatzes des Oldesloer Anglervereins ist dies kurz nach der Exkursion wieder reguliert worden. Die Stadt sollte sich aber nicht aus ihrer Verantwortung stehlen und eine regelmäßige Pflege der oberen Sohlgleite anstreben.
Im weiteren Verlauf der Exkursion wusste Dr. Brembach noch einige weitere interessante Informationen rund um die Trave zu berichten. Sei es, dass die Bürgermeisterinsel vermutlich ein Teil des Limes Saxoniae (Sachsenwalls) gewesen sein könnte. Oder auch, dass an der Hamburger Tor Brücke letzte Reste des ehemaligen Bootsanlegers der Bockwoldt’schen Hanfseilerei zu sehen sind.
Trotz erheblicher organischen Belastungen war die Oldesloer Trave der 50er und 60er Jahre aber nach Brembach´s Erfahrungen ein Fluss mit wesentlich vielfältigerem Leben. Heute kann das zwar wieder klare, aber deutlich artenärmere Wasser nicht darüber hinweg täuschen, dass der Fluss nunmehr mit den Folgen der Belastungen durch Insektizide, Pestizide und den Rückständen moderner Waschmittel zu kämpfen hat.
Am Ende eines fast zweistündigen, aber sehr kurzweiligen Rundganges entlang der Trave beendete Dr. Brembach die für alle Beteiligten sehr interessante Führung an der Wassermühle, obwohl noch längst nicht alles über die Trave gesagt war. Gäste und die SPD Bad Oldesloe waren sichtlich beeindruckt und freuen sich auf eine mögliche Fortsetzung der Exkursion bei einem Diavortrag mit Dr. Brembach.
24. Oktober 2007
Wo die Quellen wieder wachsen

- Zahlreiche Interessierte folgten

- Bewirtschaftete und unbewirtschaftete Flächen

- Ulrike Graeber erklärt anschaulich

- Endstation Grüne Brücke
Die dritte Veranstaltung in der Reihe naturkundlicher Exkursionen der SPD Bad Oldesloe führte am 20. September in die Wolkenweher Niederung vor dem Brenner Moor.
Die SPD konnte wieder zahlreiche Gäste begrüßen und wanderte unter der Leitung von Ulrike und Klaus Graeber vom BUND von der Wolkenweher Dorfstrasse zur Grünen Brücke.
Nach einer kurzen Einleitung am Startpunkt konnte Ulrike Graeber gleich am Ortsrand den Unterschied zwischen bewirtschafteten und unbewirtschafteten Feldern in der Wolkenweher Niederung deutlich machen. Rechts vom Weg ist die Natur sich seit etwa 10 Jahren selbst überlassen und kann sich regenerieren. Auf der anderen Seite ist weiterhin die geformte Landschaft mit glatten und maschienengerechten Wiesen mit monokulturellem Wachstum zu sehen.
Auf den städtischen Ländereien, die mit dem Ankauf aus der Bewirtschaftung genommen wurden, können nun wieder Quellen wachsen. Der Torfboden erholt sich von der Entwässerung und lässt an einigen Stellen unterirdische Wasserquellen aus dem Boden treten. Im Umfeld dieser Quellen entwickeln sich kleine Erdaufwürfe, auf denen sich erste Pflanzen ansiedeln - die wachsenden Quellen.
An verschiedenen Stellen entlang des Asphaltweges zur Grünen Brücke erläuterten Ulrike und Klaus Graeber die sich wieder entwickelnde Flora und Fauna der Wolkenweher Niederung. Die lange von den Landwirten beklagten Überschwemmungen in diesem Gebiet sind aus Sicht des Naturschutzes ganz normale Vorgänge, die auch anhand der kürzlich stattgefundenen Grabungen als Jahrhunderte altes Spiel der Natur festgestellt wurden.
Bemerkenswert ist die Tatsache, dass sich die Wolkenweher Niederung als Tunneltal in der Eiszeit entwickelt hat und dabei die eigentliche Fließbewegung des damaligen Gletschers in Richtung Elbe nicht aufgenommen hat. Ein Tunneltal bildet sich durch das Abtauen eines Gletschers und nimmt normalerweise die gleiche Richtung ein. Nicht so in Wolkenwehe: der GLetscher wanderte ursprünglich eben Richtung Elbe, das abfließende Wasser unter ihm bildet einen Tunnel und floss Richtung Osten und bildete die heutige Trave.
Eine weiter Besonderheit ist das Vorhandensein von Süßwasserquellen am Wolkenweher Rand und salzhaltigen Quellen am Rand des Brenner Moores. Diese Salzquellen haben dann auch das heutige Brenner Moor gebildet, aber zum Erstaunen der meisten Gäste, nicht etwa schon vor vielen Jahrhunderten, sondern erst etwa 1930. Durch Kartierung ist bekannt, dass 1927 das Gebiet des heutigen Moores noch Pferdekoppeln der damals in Bad Oldesloe heimischen Fuhrhändler waren. Erst danach wurde das Brenner Moor angelegt.
Die SPD und ihre Gäste waren sichtlich beeindruckt von dem Vortrag und nahmen viele interessante Eindrücke mit. Die SPD wird sich in den politischen Gremien für eine weitere Renaturierung und Rückbenässung der Wolkenweher Niederung einsetzen.
So soll die an der Grünen Brücke vorhandene Pumpe nicht mehr erneuert sondern ersatzlos abgeschaltet werden. Dadurch wird der Wasserstand in der Niederung beim Brenner Moor steigen. Eine weitgehend natürliche Landschaft wird sich entwickel. Zahlreiche Tierarten können sich so wieder ansiedeln. Sowohl Tiere und Natur als auch der Mensch erhalten eine wertvolle Landschaft mit hohem Naherholungswert direkt vor den Toren der Stadt.
Wichtig ist Ulrike und Klaus Graeber das Miteinander von Mensch und Natur. Deshalb sprechen sie sich deutlich für einen Erhalt der Wanderwege aus. Die immer wieder überfluteten Wege könnten entweder mit Kies aufgeschüttet oder mit den im Brenner Moor schon vorhandenen Bohlenwegen für die Menschen nutzbar bleiben. Dies garantiert auch aufgrund der Größe des Gebietes den Tieren ausreichend geschützte Flächen.
Bad Oldesloe, 22. September 2007

- Entwässerungspumpe soll stillgelegt werden
Gewässer-Exkursion mit zahlreichen Gästen

- Gewässer-Exkursion an der Trave
Zu zweiten naturkundlichen Exkursion konnte die Oldesloer SPD wieder zahlreiche Gäste begrüßen, die sich vom Gewässer-Experten der Stadt Bad Oldesloe, Rudolf Gerritz einige Besonderheiten der Trave und Beste erläutern ließen.
Gleich zu Beginn wies Herr Gerritz auf die Schaumbildung auf der Trave hin, die er schon in den vergangenen Tagen beobachtet hatte. Er bedauerte die Gleichgültigkeit vieler Menschen, da sich bisher noch niemand bei der Stadt gemeldet habe Leider seien immer wieder solche Erscheinungen festzustellen, aber wenig bis gar keine Resonanz in der Bevölkerung festzustellen.
Seine erste Vermutung, wonach das Reinigungsrückstände sein könnten, erwiesen sich im Rahmen einer Nachprüfung als eine landwirtschaftliche Belastung der Trave im Oberlauf. Die Nachprüfung auf Betreiben der SPD ergab, dass ein landwirtschaftlicher Betrieb im Umfeld einer Biogasanlage im Kreis Segeberg gärenden Mais falsch gelagert hatte und dessen Rückstände in die Trave gelangt sind. Mittlerweile soll gegen den Verantwortlichen Anzeige erstattet worden sein.
Eigentlicher Hintergrund der Gewässer-Exkursion war aber, bei den Beteiligten ein Gefühl dafür zu wecken, dass die Gewässer der Stadt ein sehr komplexes und sensibles Zusammenspiel von Natur und Bevölkerung ist. Rudolf Gerritz konnte dies eindrucksvoll an zahlreichen Stellen entlang der Trave verdeutlichen.
In früheren Jahrzehnten wurden die Gewässer als einfachste Lösung betrachtet, Müll und Unrat aus den Wohnungen, Geschäften und Betrieben zu entsorgen. Erst in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde damit begonnen, die Direkteinleitungen aus den Häusern in die Trave zu verschließen. Damit wurde den Gewässern wieder ein Überleben ermöglicht. Gleichzeitig wurden aber die Trave im Stadtgebiet umgeleitet und unterirdisch in Rohre geleitet. Dadurch ist die Trave innerhalb der Stadt an einigen Stellen immer noch nicht in der Lage, ein natürliches Zuhause für die zahlreichen Tierarten zu bilden.
Erst durch die beiden Sohlgleiten ist wieder ein Weg hin zur naturnahen Trave erkennbar. Weitere Schritte müssen noch folgen. Uferbefestigungen und Begradigungen bilden noch reichlich Ansätze für zukünftige Verbesserungen. Die Renaturierung der Beste im Oberlauf vor der Stadt sind ein guter Anfang, der fortgesetzt werden sollte, waren sich die Gäste der Gewässer-Exkursion einig. Die SPD-Mitglieder im Umweltausschuss nahmen zahlreiche Anregungen für ihre künftige Arbeit mit.
Bad Oldesloe, 14. August 2007
Mit Ultraschall auf Insektenjagd

- Fledermaus-Exkursion
Fledermäuse faszinieren die Menschen seit Urzeiten.
Um die Tiere ranken sich zahlreiche Mythen und Legenden. Kein Wunder also dass die auf Initiative des SPD-Ortsvereins organisierte Fledermaus-Exkursion auf große Resonanz stieß.
Nabu-Fledermausexperte Helmut Göbel gab einen beeindruckenden Einblick in die Lebensweise der nachtaktiven Flugkünstler. Wie von ihm angekündigt kommen die geheimnisvollen Tiere auf die Minute pünktlich aus ihren Verstecken und gehen nach Einbruch der Dämmerung auf Insektenjagd. Mit ihrem Echoortungssystem stoßen sie für den Menschen unhörbare Ultraschallrufe aus. Diese sind nur mit speziellen Detektoren wahrnehmbar. Mit ein wenig Übung konnten die Zuhörer die je nach Fledermausart unterschiedlichen Ortungsrufe unterscheiden.
Leider sind alle in Deutschland heimischen Fledermäuse vom Aussterben bedroht und deshalb gesetzlich geschützt. Die Intensivierung der Landnutzung und des Flächenverbrauchs hat für die Fledermäuse oft lebensbedrohliche Folgen. Nahrungsmangel und Quartierverlust im Zuge von Renovierungsarbeiten in Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden aber auch Vergiftungen durch Aufnahme von Schädlingsbekämpfungsmitteln bedrohen den Bestand.
Nach dem Rundgang durch Oldesloe sahen viele Teilnehmer ihre Umgebung in der Stadt und an der Trave mit anderen Augen. „Unaufgeräumte“ Natur, abgestorbene hohle Bäume und unbegradigte Ufer können ein wahres Paradies für Fledermäuse sein und sichern Ihren Lebens- und Jagdraum.
Die SPD-Fraktion wird sicherlich - sensibilisiert durch diese sehr anschauliche Exkursion – auch bei Ihrer Arbeit in den politischen Gremien verstärkt darauf achten, die Lebensräume der nützlichen Tiere zu erhalten.
Bad Oldesloe, 17. Juli 2007





